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WAS IST NEOPREN?


TAUCHEN - epaper ⋅ Ausgabe 80/2021 vom 13.07.2021

NEOPREN

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Dieser Anzug erhält seine Wärme-Isolierung durch die vielen kleinen Luftbläschen, die im Material eingeschlossen sind. Er fixiert eine geringe Wassermenge zwischen sich und der Haut. Sie erwärmt sich. Der Nassanzug wurde aus einem einzelligen geschäumten Kunststoffmaterial wie Neopren, Gummi oder Polyvinylchlorid hergestellt.« Ein Rückblick in das Jahr 1951. Dr. Hugh Bradner, US-amerikanischer Physiker der Universität Berkeley, beschreibt in einem Brief seine Erfindung. Bradner sucht nach Wegen, die Tauche der US-Navy vor Unterkühlung zu schützen. Gleichzeitig möchte er einen Anzug schaffen, der mehr Beweglichkeit garantiert als die Trockenanzüge dieser Zeit. Doch das Militär zeigt kein Interesse an Bradners Erfindung. Der Wissenschaftler und Eigner verschiedener Patente befindet: Zu diesem Zeitpunkt gibt es keinen kommerziellen Nutzen für einen solchen Anzug. Surf- und Tauchgemeinden sind ...

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... für Bradner offenbar keine Zielgruppe.

Zwei Jahre später haben die Zwillingsbrüder Bob und Bill Meistrell einen anderen Riecher. Sie entdecken einen ausge- dienten Bradner-Anzug in einer Tauchshop-Ecke. Die beiden lieben Tauchen und Surfen. Sie experimentieren und kommen zu dem Ergebnis, dass sich Neoprenanzüge oder »wet suits«, wie Bradner sie nennt, günstig als Massenwaren herstellen lassen. Der Bedarf der Surfkultur Mitte der 1950er Jahre kommt ihnen entgegen. Sie gründen die Firma Body Glove und haben enormen wirtschaftlichen Erfolg. Die Firma besteht noch heute. Damals ist ihr einzige Konkurrent Jack O‘Neill. Er beansprucht ebenfalls für sich, den ersten kommerziellen Neoprenanzug entworfen zu haben.

Das Material Neopren ist wesentlich älter. Schon im Jahr 1930 wird es künstlich hergestellt. Chemiker des US-Konzerns DuPont erfinden den Stoff. Sie ließen Acetylen mit Chlorwasserstoffgas reagieren, wodurch Chloropren, eine gummiartige Masse, entsteht. Noch heute ist sie der Grundstoff für viele Neoprenprodukte. In chemischen Verfahren wurden die Material-Eigenschaften für bestimmte Bereiche optimiert. So auch für die Wärmedämmung und die Isolation, vornehmlich durch Aufschäumung des Grundstoffs mit verschiedenen Gasen.

Alles andere als sauber

Neopren ist schmutzig, denn Acetylen ist ein Erdölprodukt. Dabei ist die Förderung, Raffinierung und der Transport des Rohöls nur eines der Probleme. Gefährlicher sind Schäden, die durch die Herstellung des Chloroprens in riesigen Chemie-Anlagen erzeugt werden. Das Ex-DuPont-Werk im US-Bundesstaat Lousiana, es wurde 2015 an den japanischen Chemiekonzern Denka verkauft, gerät regelmäßig negativ in die Schlagzeilen. Die Luftverschmutzung im Bereich der Raffinerie ist laut der amerikanischen Behörde EPA (Environmental Pro- tection Agency) die höchste in den gesamten USA. Das Risiko einer Krebserkrankung ist in der Umgebung dieser Fabrik ebenfalls die höchste in den Vereinigten Staaten. Sie ist 50-mal höher als im Rest des Landes. Seit Jahren wird dieser Bereich des Mississippis als »Cancer Alley« bezeichnet. Um den Stoff widerstandsfähiger und flexibler zu machen, wird ihm Industrieruß beigemischt. Von ihm rührt die schwarze Farbe. Dadurch wird das künstliche Gummi UV-unanfälliger. Industrieruß ist ein toxisches Abfallprodukt, das bei der Förderung und Verbrennung von Erdöl- und Erdgasresten entsteht. Das schmutzige Denka-Werk ist kein Einzelfall. Viele dieser Anlagen stehen mittlerweile in Ländern, in denen die Umweltvorgaben und -kontrollen deutlich weniger streng ausfallen als in den USA.

Begriffe rund um Neopren

Neoprenstärke: Dies ist eine Angabe in Millimeter (mm). Sie beschreibt, wie dick das Material ist. 0,5 bis 8 Millimeter sind die gängigen Stärken. Es gibt jedoch auch Hauben, die bis zu 10 Millimeter dick sind. Grob gesagt: Je dicker, desto wärmer.

Kaschierung: Stoffschicht (meist aus einer Kunststofffaser), die auf beide Seiten der isolierenden Gummischicht unter hohem Druck geklebt (laminiert) wird. Je nach Funktion muss sie verschiedene Eigenschaften erfüllen. Außen und auf abriebsgefährdeten Bereichen wie Gesäß oder Knie erfüllt sie eine schützende Funktion. Innen soll sie wärmen, einen einfachen Ein-und Ausstieg gewähren, schnell trocknen und für hohen Tragekomfort sorgen.

Glatthautneopren: Offenzelliges Gummi oder Neopren, ohne Kaschierung. Es dichtet besser, da es sich auf der Haut festsaugt und wird für Manschetten und Wasserfallen verwendet. Für Schäden durch Ringe, Fingernägel oder auch Felsen ist es deutlich empfindlicher, da kein Schutz durch eine Stoffschicht besteht.

Manschetten/Wasserfallen: eng abdichtende Einsätze aus Glatthautneopren. Klassische Manschetten befinden sich an Armen und Beinen. Meist liegt über ihnen ein Reißverschluss. Sie stehen etwas über und können bei Bedarf nach innen gekrempelt werden. Damit liegt das glatte Neopren auf der Haut, kann dichten und vermindert den Wasserdurchfluss. Neuere Designs legen die Wasserfallen innen auf Höhe der Wade oder des Unterarms. Hier sind die Manschetten etwas besser geschützt, und es wird weniger Material benötigt. Allerdings kommt hier schon etwas tiefer Wasser in den Anzug, wird dann aber effektiv gestoppt.

Nasstauchanzug: Anzug-Typ, ohne Manschetten mit etwas erhöhtem Wasseraustausch. Meist etwas günstiger.

Halbtrocken-Tauchanzug: Anzug-Typ mit Manschetten und breit unterlegten Reißverschlüssen oder wasser-und gasdichten Reißverschlüssen. Damit ist der Wasseraustausch deutlich erniedrigt. Wegen des höheren Material-und Design-Aufwands sind diese Anzüge preislich meist etwas höher angesiedelt.

• Yamamoto-Neopren: Neopren auf Kalksteinbasis. Der japanische Hersteller war der erste, der in den 1960er Jahren das Verfahren auf Kalksteinbasis angewendet hat. Heute wird es von vielen anderen Firmen ebenfalls genutzt, wie zum Beispiel von Sheico in Taiwan oder Yako in Südkorea.

Limestone-Neopren: »Limestone« ist der englische Begriff für Kalkstein.

Compressed Neopren: Dieses Neopren ist vorkomprimiert, um der Kompression durch den Wasserdruck und einer dadurch verschlechterten Isolierung zuvorzukommen.

Crushed Neopren: geshreddertes und wieder zusammengepresstes Neopren. Es ist kaum komprimierbar und sehr dicht, damit schwer und wird ausschließlich für die Herstellung von Trockentauchanzügen verwendet.

Yulex: ein Hersteller, der seit etwa sechs Jahren Naturkautschuk aus Gummibäumen für die Herstellung von Surf-und Tauchanzügen optimiert.

»DO WHAT YOU LOVE, LOVE WHAT YOU DO.« (BOB MEISTRELL, MITBEGRÜNDER DES HERSTELLERS BODY GLOVE. EINER DER WENIGEN, DER IN DIE SURF- UND IN DIE TAUCH-HALL OF FAME AUFGENOM- MEN WURDE).

Doch es gibt auch gute Nachrichten vom Neoprenmarkt. Schon um 1960 werden in Japan Verfahren entwickelt, das Acetylen nicht auf Erdölbasis herzustellen, sondern auf Kalksteinbasis. Diese Methode wird mittlerweile von vielen Neoprenherstellern und Zulieferern angewendet. Grundsätzlich ist das der bessere Ansatz. Ein Schritt in die richtige Richtung. Man darf aber ein paar Punkte nicht übersehen. Kalkstein ist eine Ressource, die nicht endlos abgebaut werden kann. Außerdem wird er meist in Tagebauminen gewonnen. Mit Maschinen, die wiederum Brennstoffe verbrauchen. Um den Kalkstein für seine Verwendung in der Neoprenindustrie vorzubereiten, muss er unter extremer Hitze (2200 Grad Celsius) verarbeitet werden. Hierfür sind enorme Mengen an Energie notwendig. Kalksteinneopren ist also eine bessere, aber immer noch keine optimale Lösung in punkto Nachhaltigkeit. Sehr positiv ist die Tatsache, dass große Zulieferer ihre Produktionsprozesse in allen Bereichen umweltbewusster gestalten.

Die Sheico-Gruppe aus Taiwan ist ein gutes Beispiel. Sie ist Marktführer bei der Herstellung von Neoprenbekleidung. Sie stellt das Grundmaterial her, schneidert jedoch auch nach den Designvorgaben vieler Marken die entsprechenden Anzüge. Zu dem Kundenkreis von Sheico gehören Branchengrößen wie Mares, Scubapro, Xcel, Cressi, Fourth Element und Seac Sub. Was macht Sheico, um die Umwelt zu schonen? Hier wird das etwas umweltfreundlichere Kalksteinneopren benutzt, auch weil es mittlerweile bessere Eigenschaften besitzt als das Erdölprodukt. Außerdem wird der Industrieruß aus recycelten Autoreifen gewonnen. Das ist nachhaltiger als das Ursprungsprodukt aus der Erdölindustrie. Bei dem Pyroleseprozess werden zudem Ressourcen frei, die den Herstellungsprozess unterstützen können. Weiterhin werden für die Nylonkaschierungen Stoffe benutzt, die aus wiederverwerteten Plastikflaschen gewonnen werden. Die Färbemittel werden schon beim Spinnen in die Garne aufgetragen (Dope-Dye-Verfahren). Das spart Wasser, Färbemittel und Energie. Beim Laminieren der Neoprenbahnen mit den Kaschierungen werden lösungsmittelfreie, auf Wasser basierende Klebstoffe verwendet. Schnittreste werden gesammelt und kommen wieder an den Anfang der Produktionskette. Sheico-Fabriken sind mit Solarpanelen ausgestattet. So wird einiges an Energie selbst produziert. Praxisbeispiel ist der neue Apeks Anzug ThermiQ. Auch er wird mit den um- weltfreundlicheren Techniken produziert. Pro Anzug werden laut Herstellerangaben etwa 200 Gramm CO 2 -Emissionen eingespart und etwa 45 Plastikflaschen recycelt.

Ganz links sind Kalksteinneopren-Chips zu sehen. Sie sind das Ausgangsmaterial. Zusammen mit Industrieruß (Englisch: black carbon) werden sie unter Hitze und Treibmitteln zu aufgeschäumten Neoprenmatten geformt. Diese werden dann auf ihre geforderte Dicke zugeschnitten. Je nach Anforderungen werden sie gar nicht, einseitig oder beidseitig mit Nylonstoffen oder ähnlichem kaschiert. Naturkautschuk, Kalkstein oder Erdöl – mit diesen drei Methoden werden derzeit die Grundstoffe für Neoprenanzüge gewonnen. Die Forschung nach nachhaltigen Methoden läuft auf Hochtouren. Viele Sportarten, die Neoprenanzüge erfordern, finden in der Natur statt. Das Bewusstsein für die Bekleidung wächst.

Es gibt noch weitere Ansätze. Der USamerikanische Hersteller Yulex hat ein Material entwickelt, das auf natürlichem Gummi basiert. Der Naturkautschuk wird auf nachhaltig bewirtschafteten Kautschukfarmen (FSC-Siegel) gewonnen. Da hier der Saft des Havea-Baums (Kautschukbaum) benutzt wird, handelt es sich um eine regenerative Ressource. Doch es gibt einen kleinen Wermutstropfen. Damit Yulex ausreichend strapazierfähig bleibt, müssen 15 Prozent synthetischen Kautschuks darunter gemischt werden. Ansonsten wird weit weniger Energie und Chemie für die Herstellung von Yulex verwendet.

Derzeit gibt es einen Anzug von Aqualung (Xscape), der aus diesem Stoff hergestellt wird. Zum Zeitpunkt der Drucklegung dieser Ausgabe war noch ein weiterer Tauchartikelhersteller in Verhandlungen mit Yulex. Zudem nutzt der englische Hersteller Fourth Element schon seit längerem für seine Oberflächenanzüge der Thermocline-Linie Yulex als Grundmaterial. Wie gut Isolationseigenschaften und Haltbarkeit der Yulex-Anzüge sind, wird sich erst noch herausstellen. Im Surf-Sport hat die Marke Patagonia bereits vor fünf Jahren einen Anzug auf Yulex-Basis hergestellt. Anfangs hatte er mit einigen Qualitätsproblemen zu kämpfen. Die Makel wurden inzwischen beseitigt. Die Kehrseite des natürlichen Kautschukanzugs: Das Ausgangsmaterial ist recht teuer und nicht in den Mengen verfügbar, um den Bedarf der gesamten Branche zu decken. Außerdem ist fraglich, ob das Abholzen des Regenwalds für Monokultur-Bepflanzung mit Kautschukbäumen eine ernsthafte Alternative darstellt. Fakt ist: In den kommenden Jahren wird sich einiges ändern. Auch Firmen wie Sheico forschen auf diesem Gebiet.

Als Fazit lässt sich feststellen: Es gibt unterschiedliche Ansätze, Neopren nachhaltiger zu produzieren. Wichtig ist, ein haltbares Produkt zu schaffen. Denn jeder Anzug, der nicht neu gekauft werden muss, ist gut für die Umwelt. Daher unser Vorschlag: Setzen Sie auf ein hochwertiges, gut verarbeitetes Produkt und pflegen Sie es. Den Meistrell-Brüdern mit ihrer Liebe zum Ozean hätte dieser Ansatz ganz sicher gefallen.

Kaufberatung

Die Kunden sollten sich vor dem Kauf fragen: »Wo möchte ich vorzugsweise tauchen? Und wieviel Geld möchte ich ausgeben?«, sagt Dani Herrde, Verkäuferin im Kölner Fachgeschäft BlueMarlin. Passform und Tragekomfort seien die wichtigsten Argumente für die Kaufentscheidungen ihrer Kunden, so Dani Herrde weiter. Die Frage nach dem Einsatzgebiet ermittelt die richtige Dicke eines Neos: Je kälter das Wasser, desto dicker der Anzug.

Die Passform ist wichtig wegen des Wirkprinzips eines Neos: Wasser dringt in den Anzug. Durch die Körpertemperatur erwärmt sich ein feiner Wasserfilm. Er bleibt im Anzug. Ein Unterschied zwischen einem Nasstauchanzug und einem Halbtrocken-Tauchanzug ist der Wasserdurchsatz. Durch Manschetten aus glattem Neopren an Armen, Beinen und am Hals ist die Wassererneuerung eines »Halbtrockenen« gemindert. Sie tun sich keinen Gefallen, wenn Sie einen Neo kaufen, dessen Einund Ausstieg allzu einfach klappt. Im Zeitalter von Flexneopren relativiert sich das etwas. Schlägt der Anzug Falten und sitzt er zu locker, ist das nicht optimal.

Flexneopren

Verglichen mit den Anzügen aus der Zeit der Meistrell-Brüder ist modernes Neopren flexibler. Die meisten Ausstatter setzen auf flexibles Neopren für ihre Nassund Halbtrocken-Tauchanzüge. Je nach Hersteller nennt sich das Material anders: mal Ultrastretch, mal Ultraflex, und mal Evoflex. Die Neopren-Art ist häufig die gleiche: Kalksteinneopren. Unterschiede gibt es bei den Neoprenstärken, den Kaschierungen, den Schnitten, den Nähten und den Reißverschlüssen. Diese Unterschiede tragen zu einem unterschiedlichen Komfort- und Wärmeempfinden bei.

EOPRENSTÄRKEN tragen wesentlich zur Isolation bei. Je dicker das Neopren, desto mehr Gasblasen sind eingeschlossen. Der Anzug ist dadurch wärmer. Er erzeugt aber mehr Auftrieb. Es wird mehr Blei benötigt. Das Kälteempfinden von Menschen ist sehr unterschiedlich. »Zu warm« kommt im Wasser selten vor, »zu kalt« dagegen häufiger. Gerade bei Wiederholungstauchgängen oder Tauchen vom Boot aus wird es schon mal frisch. Daher kann ein Fünf-Millimeter-Anzug selbst für tropische Tauchziele angebracht sein. Wer schnell friert, gern bei 20 Grad Celsius im Mittelmeer oder auch in heimischen Seen taucht, kann nach einem Sieben Millimeter-Halbtrockenanzug schauen. Nachteil ist hier das Packmaß bei längeren Reisen.

Viele Hersteller fertigen Anzüge in verschiedenen Stärken. In Bereichen, wo mehr Flexibilität gebraucht wird, wird dünneres Neopren vernäht. Dort, wo man viel Temperatur verliert, dickeres. Mit Unterziehern, Hauben, Eiswesten, Handschuhen und Neoprensocken kann der Kälteverlust immer etwas verringert werden.

PFLEGETIPPS: NEOPREN

Umweltfreundlich heißt auch, sein Material lang zu nutzen und nicht ständig Neues zu kaufen. Natürlich freuen sich der Fachhandel und die Tauchmarken, wenn mehr Anzüge verkauft werden. Jedoch helfen auch fachmännische Reparaturen durch Händler und Hersteller, die Umwelt zu schonen. Hier die wichtigsten Pflegetipps, damit Sie lange etwas von Ihrem Tauchanzug haben.

Nach Salz- und Chlorwasser-Gebrauch immer mit Frischwasser spülen.

Im Halbschatten/Schatten trocknen.

Auf links trocknen. Wenn der Anzug trocken ist: umkrempeln, weiter trocknen.

Nur sanft auswringen. Hängend auf einem breiten Bügel lagern. Zum Transport rollen, nicht falten.

Nach häufigem Gebrauch mit Neoprenshampoo spülen. Kein normales Waschmittel nutzen, das ruiniert den Anzug.

Einfach eine Nacht in der Badewanne oder im Eimer einweichen und auspülen.

Kleinere Risse und kaputte Nähte kann man selbst mit handelsüblichem Neoprenkleber reparieren.

Bei größeren Schäden im Fachhandel oder beim Hersteller direkt anfragen. Reparaturen sind häufig möglich.

Glatthautneopren nicht aneinander geklebt trocknen lassen.

Je mehr Flugreisen mit dem Anzug unternommen werden, desto mehr wird der Anzug strapaziert. Die Druckveränderungen und die Kälte schaden dem aufgeschäumten Gummi.

ASCHIERUNGEN sind Stoffe, die als »Schutzschicht« innen und außen auf das Neopren geklebt werden. Außen wird meist Lycra oder Nylon aufgetragen. Je dicker die Schicht ist, umso steifer wird der Anzug, aber umso robuster ist er. An Stellen, die stärker beansprucht werden, werden meist andere Kaschierungen vernäht oder nachträglich aufgetragen. An Schultern, Knien, Po und Ellenbogen werden häufig Gummiapplikationen aufgespritzt. Gelegentlich kommen auch gröbere Nylonstoffe, Cordura oder Kevlar zum Einsatz.

Die Innenkaschierung wurde stetig weiterentwickelt. Hier gibt es Unterschiede nicht nur zwischen den Herstellern, sondern auch zwischen einzelnen Produkt-Linien. Die Qualität der Innenkaschierung erklärt häufig einen Preissprung. Bei günstigen Anzügen werden innen wie außen die gleichen Kaschierungen verarbeitet. Bei teureren Anzügen kommen frotteeähnliche Stoffe zum Einsatz. Vorteile: An- und Ausziehen wird erleichtert, und die Anzüge trocknen meist schneller.

Wird keine Kaschierung aufgeklebt, ist dies Glatthautneopren, was auch als offenzelliges Neopren bezeichnet wird. Vorteile: Es ist beweglicher und dichtet besser auf der Haut. Daher wird es meist an Armen, Beinen, am Kragen und Kopfhauben verwendet. Bei Apnoeanzügen wird es ebenfalls häufig verwendet, manchmal nur innen, manchmal innen und außen. Nachteil: Es ist sehr empfindlich. Zudem rutscht es nur widerwillig über die Haut, was das Anund Ausziehen deutlich erschwert.

SCHNITTE sind wichtige Unterscheidungsmerkmale. Viele Hersteller schneidern Zwischengrößen (Xcel, Scubapro, Camaro, Fourth Element, Waterproof, Aqualung, Mares, Bare). Mancher fertigt Maßund Teilmaß (Camaro, Barakuda). Die Größen sind nicht standardisiert und unterscheiden sich teilweise sehr. Treffend formuliert auf der Webseite von Waterproof: »Zwei Körper können niemals gleich sein, auch nicht bei gleichen Abmessungen und gleichem Gewicht. Jeder Mensch ist einzigartig.« Ein Besuch beim Fachhändler ist für die richtige Anzugwahl hilfreich.

ÄHTE stellen potentielle Schwachstellen dar. Je weniger vorhanden sind, desto weniger können kaputt gehen. Ganz ohne geht es aber nicht. Schließlich werden vielfältige Schnitte benötigt. Die Verarbeitung der Nähte ist daher sehr wichtig. Die Zuschnitte werden zuerst verklebt, dann vernäht und anschließend versiegelt. Der letzte Arbeitsschritt gewährleistet einen möglichst geringen Wassereintritt. Je mehr Teile der Naht versiegelt sind, desto weniger Wasser tritt ein.

EISSVERSCHLÜSSE, deren Konstruktion und deren Position sind entscheidend für den Wassereintritt. Sie können zu Kältebrücken werden. Je besser sie dichten (als gasdichte Version) oder je besser sie mit Untertritten aus Glatthautneopren hinterlegt sind, desto weniger Wasser kann eintreten. Die Position ist auch für den Tragekomfort maßgeblich. Ist es ein Frontzipper, lässt er sich einfacher öffnen und schließen. Beim Ausziehen rückwärts über die Schultern benötigt man meist die Hilfe seines Buddys. Ist der Zipper am Rücken, fällt das Öffnen und Schließen schwerer, das Anzug-Ablegen nach vorne ist jedoch einfacher. Querreißverschlüsse über Brust oder Rücken, wie sie Aqualung, Apeks, Xcel oder Hollis verbauen, erfordern anfangs etwas Übung beim Anziehen. Sie sind eine interessante Alternative zu den herkömmlichen Positionen. Ihr Wasserdurchsatz ist gering, und es liegen meist Wasserkragen darunter. Kleine Reißverschlüsse an Armen und Beinen erleichtern zwar den Einstieg, können jedoch auch Schwachstellen sein.

ANSCHETTEN kommen bei Neoprenanzügen aller Stärken vor. Beim Tropenanzug genauso wie beim Sieben-Millimeter-Halbtrocki. Sie bestehen aus glattem Neopren und verhindern den Wasseraustritt. Dafür müssen sie eng anliegen und intakt sein. Vorsicht mit Schmuck und Fingernägeln! Die Manschetten sind meist etwas länger als der Arm und können nach innen umgeschlagen werden. Bei günstigen Anzügen wird häufig auf Manschetten verzichtet. Stattdessen werden enge Bündchen aus glattem Neopren eingesetz. t

DIE NEUEN NEOPRENANZÜGE SOMMER 2021

EIN AUSFÜHRLICHER BERICHT FOLGT IN DER AUSGABE 9/2021

APEKS TERMIQ 8/7

Die Haube ist fest am Anzug fixiert. So kann sie nicht vergessen werden. Durch glattes Neopren auf der Innenseite verrutscht sie nicht und dichtet gut. Eine kleine Reißverschlusstasche ist schnell erreichbar Knieschoner aus Supratex. Hier wäre bei der Preisklasse robusteres Material wünschenswert, zum Beispiel Kevlar oder Gummi. Vor allem für die Zielgruppe der Ausbilder. Die üppigen Beintaschen an beiden Seiten haben ein tolles Fassungsvermögen und durchdachte Schlaufen mit Gummiösen. Klettverschlüsse muss man sauber halten. Eine Zipperlösung wäre pflegeleichter.

WATERPROOF W7

Enorm effektiv: Der doppelt unterlegte Reißverschluss dichtet hervorragend ab. Das macht den Anzug zu einem gelungenen Halbtrockenen. Auch die langen, krempelbaren Manschetten an Armen und Beinen tragen zu einem Minimum an Wasserdurchsatz bei. Die Knieschoner sind groß und kevlarverstärkt. Sehr vielversprechend! Ellenbogen sowie Kniekehlen sind vorgeformt und sehr beweglich.

ENTH DEGREE EMINENCE

State-of -the-art sind die Abschlüsse an Armen und Beinen. Um Kaschierung und Neopren zu schützen, sind die Enden verklebt. Der extralange, gut geschützte Klettverschluss schließt auf einer breiten Fläche. Das dichtet am empfindlichen Nacken optimal ab. Der Rückenreißverschluss ist mit einer breiten Fläche hinterlegt, dem Aqua Guard. Er verhindert nicht nur den Wassereintritt, sondern wärmt zusätzlich. Um den Aqua Guard zu schließen, wird das Band des Rückenzippers durch eine Lasche gefädelt. So soll er beim Schließen in die richtige Position gezogen werden. Wenn das nicht klappt, muss der Buddy helfen. Applikationen verhindern das Verrutschen des Jackets.