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„Was ist subversiver, als eine Pop-Band zu sein?“


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Rolling Stone - epaper ⋅ Ausgabe 11/2022 vom 27.10.2022
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AUTOKRATMIT BAND Ross MacDonald, Matty Healy, George Daniel und Adam Hann (v. l.)

„Genau das will man doch: dass die Typen eifersüchtig sind und die Mädchen einen mögen. Das ist Rock’n’Roll“

AN EINEM SONNIGEN SEPTEMBERMORGEN GEHT Matty Healy vor seinem Haus auf und ab, Kaffeebecher in der einen Hand, Zigarette in der anderen. Er trägt eine Sonnenbrille, sein weißes Hemd ist nur zur Hälfte zugeknöpft und entblößt seine tätowierte Brust. Er ist schon aus der Ferne zu erkennen, eine unruhige Erscheinung in dieser ruhigen Upper-Middleclass-Wohngegend am Rand des Londoner Zentrums. In den schmalen, von viktorianischen Häusern gesäumten Straßen sind sonst nur junge Familien unterwegs oder Seniorenpaare auf dem Weg zum Park. Er sei gerade erst aufgestanden und noch etwas langsam, sagt Healy, als wir uns begrüßen. Er schlägt vor, etwas frühstücken zu gehen, setzt sich sogleich in Bewegung und kommt schnell auf Betriebstemperatur, er hat einen zügigen Gang und geht in gebeugter Haltung, ...

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... mit dem Kopf nach vorn, er rudert mit den Armen, wenn er sich in etwas hineinsteigert, und er steigert sich eigentlich immer in etwas hinein.

Healy ist Sänger und Mastermind der Band The 1975, die diesen Monat ihr fünftes Album,„BeingFunnyInAForeignLanguage“,veröffentlicht. Das Quartett aus Manchester ist eine mit YouTube und Spotify sozialisierte Band, die kein Genre mehr kennt, die sich für glitzernden Pop genauso interessiert wie für Ambient, House oder Hardcore-Punk. Ihre frühen Alben sind Teenager-Konsensplatten geworden, stylischer Eighties-Pop, der sich millionenfach verkauft hat. Mit ihrem letzten Album, „NotesOnAConditionalForm“(2020), haben sie ihren Eklektizismus ins Extrem geführt und ein 80-minütiges Potpourri veröffentlicht, dessen Zügellosigkeit polarisierte. Das Album hat eine Entwicklung verdeutlicht, die es sonst nur in die andere Richtung gibt: die von einer Mainstream- zu einer Hipster-Band.

Healy ist 33 und sieht älter aus. Sein pomadiges schwarzes Haar ist silbergrau durchzogen, was im hellen Londoner Morgenlicht besonders gut zu sehen ist, und einige Falten hat er auch. Spuren seiner Drogensucht wohl, die ihn hat altern lassen und auf die wir auch zu sprechen kommen. Seine Art aber ist jugendlich, sprühend-sprunghaft. Er verkündet eher, als dass er spricht. Deklamiert er Dinge wie: „Wir gehören zu den größten Künstler:innen der Welt!“, zieht er die Augenbrauen nach unten und macht ein empörtes Gesicht, als hätte jemand gerade das Gegenteil behauptet. Überhaupt hat er den Tonfall eines Typen, der sich zu Unrecht unterschätzt fühlt und sich unaufhörlich verteidigen will. Er betont, dass er sich nicht für Preise interessiert, kann aber jede Auszeichnung aufzählen, die er bekommen hat.

Der Laden, zu dem Healy mich führt, ist ein einfacher, maximal englischer Imbiss mit Fliesenboden und bunten Tischdecken. Auf der Speisekarte stehen um die hundert Gerichte: Fish and Chips, Currys, Kebabs, Sandwiches … Aber Healy improvisiert, als der Inhaber an unseren Tisch kommt: „Könnte ich ein Würstchen, ein Spiegelei, etwas Bohnen und ein paar Pommes bekommen? Und einen Tee dazu?“ Man kennt ihn. Zwischendurch kommt eine ältere Dame mit gefärbten Haaren vorbei und massiert seine Schultern. Die junge Tochter des Inhabers winkt ihm zu. Wissen sie, dass er Musiker ist? Wohl nicht. „This is my kind of place“, sagt er. Dann erzählt er von der Planung der Welttournee.

Spaziert man dieser Tage durch die Londoner Innenstadt, sieht man großformatige Plakate, die auf die anstehende Tour hinweisen: „The 1975 at their very best“. Ein zu kleines Ego gehörte nie zu den Problemen der Band. Aber wenn man das neue, von Jack Antonoff produzierte Album hört, den smooth collagierten Sax-Pop von „Happiness“ zum Beispiel oder den hyperaktiven Heartland-Rock von „Looking For Somebody (To Love)“, sind das schon ernstzunehmende Argumente für die These von der eigenen Großartigkeit. Gerade laufen die Proben für die Tour, direkt nach unserem Interview wird Healy zum Proberaum fahren und sich „All I Need To Hear“ widmen, einer neuen Country-Ballade.

Seine Verantwortung reicht dabei deutlich weiter. Er sei kein Kontrollfreak, betont er an mehreren Punkten im Gespräch und bestä- tigt damit, was er zu dementieren versucht. Im Moment lasse er die Bühne anfertigen. Mit seinem Licht- und Bühnendesigner habe er ein digitales 3‐D‐Modell entworfen, es beleuchtet und die Umsetzbarkeit diskutiert. Ihr größtes Problem sei zurzeit, das Baumaterial zu bekommen. Sie bräuchten Aluminium, aber das komme aus der Ukraine, wo natürlich gerade Krieg ist, was die Dinge ein wenig verkompliziert.

„ich kannte in east london jeden obdachlosen“

„Es gab Liam, es gab Thom Yorke, es gab Pete Doherty und Alex Turner – und dann gab es mich“

Du bist also von Anfang an involviert?

Ich sage immer: Ein Kamel ist ein Pferd, das von einem Gremium entworfen wurde. Wenn eine Person ein Pferd im Kopf hat und das aber erst mal elf Leuten erklären muss, kommt am Ende ein Kamel dabei raus. Es ist besser, wenn sich diese eine Person nur darauf konzentriert, das Pferd herauszubekommen.

Und du hast immer eine so klare Vorstellung von dem, was du umsetzen willst?

Egal was es ist, ein Song, ein Farbschema, ein Musikvideo – ich sehe es irgendwie vor mir. Es ist wie eine Vision. Ich bin kein Visionär, aber ich bin visionär. So arbeite ich. Ich habe Visionen, keine Gedanken. Ich vertraue darauf, dass das, was ich vor mir sehe, richtig ist. Denn ich bin nun einmal ich. Vertraue deiner Vision, wenn du eine hast. Alex Turner hat eine Vision, Kendrick Lamar hat eine Vision. Ich habe eine Vision.

Führt deine Dominanz nicht zu Spannungen innerhalb der Band?

Es gibt Demokratie und es gibt Autokratie, und Autokratie hört sich immer so an, als ob da ein Tyrann an der Spitze steht, und das ist bei uns einfach nicht der Fall. Mein Trainer, der mich jeden Tag trainiert und der viel mit Bands zu tun hat, meinte gestern zu mir: „Weißt du was? Von allen Leuten, mit denen ich je gearbeitet habe, bist du der Einzige, der noch nie was Negatives über den Rest seiner Band gesagt hat.“ Wir sind beste Kumpel.

Als ihr vor zwanzig Jahren angefangen habt, wart ihr eine Emo-Band, noch weit entfernt von eurem späteren Pop-Sound.

Wir waren weiße Jungs aus Manchester. Heavy Music ist das, was wir mal gemacht haben. Ende der Nullerjahre habe ich aber gemerkt, dass heavy Music nie wieder die Welt verändern würde. Sie hatte es schon drei- oder viermal geschafft, mit Punk, mit Post-Punk, mit Shoegaze und so weiter. Aber zu diesem Zeitpunkt war heavy Music so kommerzialisiert, dass sie nicht mehr als alternatives Statement ernst genommen werden konnte. Sie war nicht subversiv. Wir dachten also: Was ist subversiver, als eine Pop-Band zu sein?

Zu der Zeit lagen Indie-Gitarrenbands im Trend.

Ich habe Indie gehasst. Diese Haltung: Ich tu so, als ob mir alles egal wäre, damit ich nicht dafür kritisiert werden kann, dass ich nicht sehr gut bin. Die ganze Philosophie war: Streng dich bloß nicht an, das ist uncool. Also dachte ich: Okay, ich werde mich richtig reinhängen. Wir waren mehr von dem Ehrgeiz amerikanischer Bands inspiriert. Wir wollten lieber die Talking Heads sein als die Libertines.

Ihr habt euch selbst promotet, habt das Internet genutzt und ein Geheimnis um eure Band gemacht.

Und das haben die Kids geliebt. Weil es nicht der „NME“ war, der gesagt hat: Hier, das ist eure neue Lieblingsband. Es war mysteriös. Man hat die Band selbst entdeckt. Beim ersten Video wusste man nicht mal, dass das eine Bandwar!Das ist aufregend! Dann kamen all die Labels zurück und versuchten sofort, uns unter Vertrag zu nehmen. Aber da sagte ich: Nein, ich werde jetzt ein eigenes Label gründen.

Eure Fanbase war sehr jung und sehr weiblich, und von der Musikpresse der Zeit wurdet ihr kaum ernst genommen.

Genau das will man doch: dass die Typen eifersüchtig sind und die Mädchen einen mögen. Das ist Rock’n’Roll. Elvis wurde von den Männern verteufelt, weil nur junge Frauen ihn mochten. Die Beatles wurden von den Männern verteufelt, weil nur junge Frauen sie mochten. Mein Witz ist immer: Wer hat den besseren Musikgeschmack, junge Frauen oder alte Männer? Wer steht normalerweise an der Spitze des kulturellen Wandels? Es gab was an uns, das irritierend war. Aber ich war immer irritierend, weil ich mich nicht für kulturelle Normen interessiere. Denn ich bin ein Postmodernist. Ich bin nicht an irgendwelchen Traditionen interessiert, ich bin nur daran interessiert, sie zu dekonstruieren.

Das neue Album, „Being Funny In A Foreign Language“, entspricht dem aber nicht – es ist in seinen Texten sehr geradlinig und direkt, hat Liebeslieder, die völlig ohne Twist Liebeslieder sind.

Ja, die letzten Platten bestanden aus Nihilismus, Sucht, Individualismus, Selbstbesessenheit, all den Themen der postmodernen Kunst. Diese neue Platte stellt Fragen wie: Was ist mit traditionelleren Werten? Was ist mit Verantwortung, Familie – solchen Dingen? Ich habe mir gesagt: Du musst nicht in jedem Song gleichzeitig clever, witzig, sardo- nisch und ernst sein. Entspann dich ein bisschen! Wenn du einen Song darüber schreibst, dass du in jemanden verliebt bist, dann schreib einen Song darüber, in jemanden verliebt zu sein. Früher habe ich, sobald ich in die Nähe von Sentimentalität gekommen bin, einen Witz über meinen Schwanz gemacht oder die Emotion irgendwie gebrochen. Ich hatte immer das Gefühl, etwas beweisen zu müssen. Jetzt habe ich das nicht mehr.

Die Musik spiegelt das wider. Der Sound ist noch immer sehr dicht und vielschichtig, hat aber eine bodenständige Qualität. Weniger Elektronik, mehr Proberaum-Ästhetik.

Ich glaube, viele sehnen sich nach Kunst, die mit wenig Technologie entstanden ist. Jeder Dreizehnjährige kann auf seinem Laptop etwas machen, das sich seltsam und interessant anhört. Aber was man nicht so leicht herstellen kann, ist, zwanzig Jahre in einer Band gewesen zu sein und wie eine Band zu spielen, die seit zwanzig Jahren zusammenspielt, und in der Lage zu sein, solche Songs zu schreiben. Wir haben uns also gesagt: Warum stellen wir nicht die Regel auf, dass im Studio eine bestimmte Anzahl an Instrumenten zur Verfügung steht und wir diese Instrumente benutzen müssen? Und wenn wir eine Idee haben, für die wir normalerweise den Computer hinzuholen würden, müssen wir nun einen Weg finden, sie im realen Leben umzusetzen. Denn wir sind seit zwanzig Jahren eine Band. Wer hat das schon?

WIR SIND WEITERGEZOGEN. JAMIE, DER BAND-manager, folgt uns wie ein sehr auffälliger Privatdetektiv auf der gegenüberliegenden Straßenseite. „Wir drehen noch mal eine Runde!“, ruft Healy ihm zu, und als wir nach dieser Runde wieder in Jamies Nähe sind, Healy aber noch lange nicht die Lust am Erzählen verloren hat, kündigt er eine weitere Runde an. Healys Geh- und Sprechtempo haben nach dem Frühstück noch zugenommen, und mehr als einmal denke ich, dass er gleich vor ein fahrendes Auto laufen wird. Allerdings bin ich dann derjenige, der den Linksverkehr vergisst, von ihm zurückgehalten und vor einem ziemlich vermeidbaren Tod bewahrt werden muss.

Healy spricht über die große Bedeutung, die Musikvideos für ihn haben. Als visuell bzw. in Visionen denkender Mensch sind sie kein Beiwerk, sondern Teil des Gesamtkunstwerks The 1975. Auch hier hat er die Kontrolle. Er ist zwar nicht Regisseur, erarbeitet aber die Konzepte und ist etwas wie der Auteur im Schatten. Gerade haben sie das Video zu „I’m In Love With You“ veröffentlicht, einen Gaukler-Slapstick in Schwarz- Weiß (mit Cameo von Phoebe Bridgers). Die aufwendigen, originellen Videos sind ein nicht zu unterschätzendes Element ihres Erfolgs.

Es gibt kaum noch große Bands. The 1975 zählen zu den letzten, die Festivals headlinen können. Woran liegt das?

Ja, Bands sind gestorben, aber wir nicht. Vielleicht weil wir so eigen sind, weil es keine vorgefasste Vorstellung gibt, aus welcher Zeit und welcher Szene wir kommen und wie wir zu klingen haben. Als wir rauskamen, lag die Kultur von Bands schon im Sterben. Wenn man über The 1975 nicht im Kontext von Bands nachdenkt, sondern uns mit Taylor und Lana und Kendrick und Frank, mit diesen Künstler:innen zusammenbringt, dann macht das mehr Sinn. Nicht unbedingt nur mit schwarzen Künstler:innen oder weiblichen. Aber irgendwie schon! Wir gehören zu dieser Gruppe, wir gehören zu den großen Künstler:innen unserer Zeit. Es gibt ja auch keine Frontmänner mehr. Keine guten Leute, denen man glaubt, bei denen man sich dafür interessierst, was sie zu sagen haben. Es gab Liam, es gab Thom Yorke, es gab Pete Doherty und Alex Turner – und dann gab es mich.

Zu der klassischen Figur des Frontmanns gehören der Exzess und die Sucht, was auch in deinen Songs ein wiederkehrendes Thema ist. Trotzdem hast du das Ausmaß deiner Drogensucht erst um 2018 öffentlich gemacht, als du schon clean warst.

Als ich heroinabhängig war, dachte ich: Fuck, wenn die Leute das herausfinden, werde ich zum Klischee! Dann bin ich nicht mehr lustig oder clever. Der Grund, warum ich Heroin genommen habe, ist das Herunterkommen. Seit meiner Kindheit liebe ich den Schlaf, meine bevorzugte Droge ist die Bewusstlosigkeit. In mir gab es das Gefühl: Das ist ein Ort, den ich sehen will, eine Art dunkler Fantasie. Als es dann zum Problem wurde, dachte ich: Ich will kein Junkie in einer Band sein. Das waren schon so viele Leute vor mir, die viel cooler sind als ich. Ich wollte auch nicht, dass die Leute einen Grund haben, meine nächste Platte nicht zu mögen, wenn ich wieder clean sein sollte. Wer will schon eine cleane Libertines-Platte? Niemand. Fangen die Leute an, meine Musik mit Heroin zu assoziieren, und streicht man aus der Gleichung dann das Heroin, sagen alle: Jetzt ist er scheiße geworden.

Wie lebst du mit der Abhängigkeit?

Na ja, es macht keinen Spaß. So sexy es sein mag, darüber zu schreiben – es ist jetzt einfach der lästigste Teil meines Lebens. Ich wünschte, ich wäre nicht süchtig. Andererseits ist es ja das Gehirn eines Süchtigen gewesen, das The 1975 erschaffen hat.

Hast du unter dem Einfluss geschrieben?

Auf Heroin habe ich definitiv nicht viel gute Musik gemacht. Ganz am Anfang habe ich den Song „Inside Your Mind“ geschrieben, der ist wirklich gut. Aber er handelt von der Ermordung meiner Partnerin. Wahrscheinlich hätte ich keinen Song über die Ermordung meiner Partnerin geschrieben, wenn ich nicht auf Heroin gewesen wäre. Ich habe mal mit Stevie Nicks darüber gesprochen. Das Problem mit Drogen ist, dass sie am Anfang gut sind. Sie fühlen sich gut an, sie sind inspirierend, sie verändern die Art und Weise, wie man schreibt. Stevie hat „Landslide“ völlig auf Kokain geschrieben. Aber eben am Anfang. Es ist wie mit allem: Wenn man zu viel nimmt, verdirbt man es. Und ich habe zu viel genommen und es verdorben. Zudem wurde es ziemlich schwierig für mich, ein Heroinabhängiger zu sein, weil ich erkannt wurde. Heroin zu nehmen ist nicht dasselbe wie Kiffen. Die Menschen, mit denen man zu tun hat, sind ein anderes Kaliber.

Bist du deswegen in diese ruhige Nachbarschaft gezogen?

Ja, ich habe das Haus vor etwa drei Jahren gekauft. Mir gefällt es hier sehr. Es ist Central London, aber es hat etwas Vorstädtisches, es ist fast wie ein Dorf. Ich musste aus East London raus, ich kannte da am Ende jeden Obdachlosen. Ich war zu sehr in die Welt dort verstrickt. Hier gefällt es mir besser.