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Was kostet ein Pferd?


St.GEORG - epaper ⋅ Ausgabe 120/2021 vom 15.11.2021

WAS KOSTET EIN PFERD?

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Monatlicher Unterhalt

Boxenmiete, Hufschmied, Tierarzt – jeden Monat stehen für Pferdebesitzer teils gut kalkulierbare, teils aber auch ungeplante Ausgaben an, deren Höhe stark variiert. Die wichtigsten Kostenpunkte im Ü berblick

Text: Kerstin Wackermann

Ein kleiner Freizeitstall an der Münchner Stadtgrenze. Er bietet unter anderem eine Geländestrecke, Führanlage, Außenboxen mit Paddock und Vollpension. Kosten: 630 Euro pro Monat. Etwa 20 Kilometer von München entfernt bietet ein Freizeitstall seine Boxen für etwa 200Euro weniger an. Das Angebot ist nicht ganz so vielfältig und modern, aber es gibt Reithalle und -plätze, Boxen mit Paddocks und Vollpension. Schon im Münchner Raum wird deutlich: Die Frage, wie viel man monatlich für eine Pferdebox ausgeben muss, lässt sich nur mit „von bis“ beantworten. Bei unseren Recherchen fanden wir zum Beispiel einen freien Platz ab 150 Euro ...

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... (Offenstall für Selbstversorger nahe Hamburg mit Reitplatz), wissen aber auch, dass man in der Nähe von Hamburg bis zu 1000 Euro für eine Box ausgeben kann. Natürlich bestimmen Lage, Ausstattung und Leistungen den Preis, wie eben auf dem Wohnungsmarkt üblich. Wie unterschiedlich die Preise sind, zeigte auch unsere Facebook-Umfrage (einige Beispiele in den Kästen).

An die Zusatzleistungen denken

In manchen Ställen wird eine Box günstig angeboten, weitere Leistungen wie Weidegang oder Ausmisten müssen aber zusätzlich bezahlt werden. Alle Leistungen, die man als Pferdebesitzer in Anspruch nehmen möchte und muss, sollte man daher bei einer Kostenaufstellung der Stallmiete berücksichtigen. Für viele Pferdebesitzer sind das: Füttern, Ausmisten, Weidegang, Winterpaddocks, das auf die Weide bringen und – gerade im Herbst und Frühjahr ein Thema – auch das Ein- und Ausdecken des Pferdes.

Zusätzliches Futter und Leckereien

In den meisten Fällen benötigen Pferde zusätzlich zu Heu und/oder Kraftfutter ein Mineralfutter. Müslis, Mash oder der wöchentliche Sack Karotten sind ebenfalls häufig anfallende Kostenpunkte. Beispiel: Ein Pferd bekommt täglich Mineralfutter und Karotten. Der 10kg- Eimer Mineralfutter kostet 24 Euro, bei der empfohlenen Fütterungsmenge für ein Warmblut sind das ca. 24 Cent täglich, also etwas über 7 Euro im Monat. Der wöchentliche Sack Möhren kostet 5 Euro. Unter dem Strich schlagen für dieses Pferd monatlich 27 Euro für Zusatzfutter zu Buche.

Hufschmied

Zu den gut abschätzbaren, aber je nach Pferd sehr individuellen Ausgaben gehören die Kosten für den Hufschmied. Etwa alle sechs bis acht Wochen sollten die Hufe bearbeitet werden. Auch wenn die Preise je nach Schmied variieren, sollte man bedenken, dass die Gesundheit der Hufe wichtig ist und gute Hufbear- beitung ihr Geld wert ist. Barhufpflege fängt bei etwa 30 Euro an, vier neue Eisen kosten in der Regel zwischen 120 und 220 Euro, ein Spezialbeschlag bis zu 300 Euro. Krankheiten wie etwa Gelenkprobleme machen einen Spezialbzw. orthopädischen Beschlag nötig, für den man also unter Umständen mehr als 100 Euro monatlich einkalkulieren muss. Ein Kostenpunkt, der beim Kauf eines Pferdes nicht immer vorhersehbar ist.

Tierarztkosten – teils abschätzbar, teils überraschend

Zu einer monatlichen Aufstellung der Kosten gehören unter den Punkt „Tierarzt“ zunächst regelmäßig anfallende Leistungen wie Impfungen und Wurmkuren bzw. Kotproben. Je nachdem, welche Wurmkur verwendet wird und wie oft entwurmt bzw. der Kot untersucht wird, variieren die Ausgaben hier: Für eine Wurmkur muss man etwa zwischen 15 und 30 Euro kalkulieren. Kotuntersuchungen kosten je nach Art der Untersuchung 10 bis 40 Euro. Nutzt man die selektive Entwurmung, fallen vier Kotuntersuchungen pro Jahr an – plus Entwurmen bei Befund. Bei einer strategischen Entwurmung muss man mit zwei Wurmkuren und zwei Kotproben im Jahr rechnen.

Die zweite planbare Tierarztleistung sind Impfungen. Von der Ständigen Impfkommission Veterinärmedizin (Sti- Ko Vet) empfohlen werden Impfungen gegen Influenza, Tetanus und Herpes. In einigen Regionen wird zudem auch eine Impfung gegen das West-Nil-Virus empfohlen. Eine Tetanusimpfung muss nach der Grundimmunisierung alle zwei bis drei Jahre aufgefrischt werden und kostet etwa 30 Euro. Herpes und Influenza sind für Turnierpferde halbjährlich fällig mit etwa 40 Euro – bei Pferden, die regelmäßig geimpft sind und nicht an Veranstaltungen teilnehmen bzw. nicht mit vielen verschiedenen Pferden zusammenkommen, kann ein Abstand von einem Jahr genügen. Zusammen mit den Tierarztkosten, die bei einer Impfung etwas unter 10 Euro zuzüglich Anfahrtskosten liegen, kommt man so auf 120 bis 200 Euro pro Jahr je nach Impfstoff und Pferd. Neben diesen festen Tierarztkosten können auch noch Zahnkontrollen sowie Blutuntersuchun gen ein regelmäßiger Kostenpunkt sein. Oder Behandlungen von einem Osteopathen, Physiotherapeuten, Sattelkontrollen etc.

Facebook-Umfrage*:

Ich zahle an Fixkosten (Stall, VP mit Halle), Hufschmied und anteilig TA (Impfen, Wurmkur, Zähne, Physio, und Futter) ca. 800 €. Dazu kommen dann reguläre Tierarztkosten, Ausrüstung, Lehrgänge/Reitunterricht und ggf. Kosten für den Turnierstart. Ich bin im Monat immer bei 1000 € ca. – Stuttgarter Gegend. Mein Pferd hat vor knapp 5 Jahren ungeritten, gefahren, 8 Jahre alt, 2500 € gekostet.

* Auf Facebook wollten wir von unseren Lesern wissen, wie viel Geld sie jeden Monaten für ihr Pferd bzw. die verschiedenen Leistungen ausgeben

Facebook-Umfrage*:

Stall VP 360,- p.M, Rein/raus, 5 Tage die Woche wird ausgemistet, Heu/Stroh in ausreichender Menge + 2x täglich Kraftfutter (Hafer/ Müsli), Reithalle 20x40/Reitplatz 30x60, Führanlage, Solarium, Sattelschrank/ Kammer, Hufglocken, Ein-, Ausdecken nach Absprache.

Alle 6-8 Wochen Hufeisen 150,-, 3 Wurmkuren 50,-, 1 Zahnarzt 160,-, Diesel 160,- p.M, Zusatzfutter 50,- p.M, Zubehör 350,- = 8300,- pro Jahr = 691,- im Durchschnitt pro Monat Nicht mit aufgeführt: unregelmäßige Kosten für Sattler, Osteo/Physio/Chiro, Tierarzt u. Unterricht/Beritt.

Pferd steht im schönen Schleswig-Holstein ländliche Gegend (Ostholstein/Plön).

* Auf Facebook wollten wir von unseren Lesern wissen, wie viel Geld sie jeden Monaten für ihr Pferd bzw. die verschiedenen Leistungen ausgeben

Die größte Unbekannte in der Kostenaufstellung, die immens hoch werden kann, sind unvorhergesehen Ausgaben für Krankheiten. Hierfür sollte man sich ein finanzielles Polster zurücklegen und eventuell eine entsprechende Versicherung abschließen. Bei einer schweren Kolik mit Operation und aufwendiger Nachsorge können bis zu 10.000 Euro auf den Pferdebesitzer zukommen.

Für medizinische Leistungen gaben laut „1. Nürtinger Marktstudie Pferd und Reiter Deutschland“ (die 2015 erschienen ist) 34,4 Prozent der Pferdebesitzer pro Pferd und Monat 500 bis 1.000 Euro aus. 28,74 zahlten bis 500 Euro monatlich, 18,84 Prozent sogar zwischen 1.001 und 5.000 Euro. Teil- genommen an dieser Befragung hatten immerhin 6.500 Probanden.

Versicherungen

Da die Kosten für Krankheiten so unberechenbar sind und hoch ausfallen können, entschließen sich einige Pferdebesitzer zu einer OP-Versicherung. Je nach Anbieter und Tarif sind unterschiedliche Krankheiten sowie Operationen versichert und werden unterschiedlich hoch erstattet. Hier lohnt sich der genaue Blick in die Versicherungsbedingungen – was man alles beachten sollte, haben wir in St.GEORG- Ausgabe 9/2021 „Die richtige Wahl“ veröffentlicht. Die Kosten für eine solche Versicherung hängen von den gebotenen Leistungen, aber auch von Selbstbeteiligung, Laufzeit oder Rabatten (z. B. bei mehreren Pferden) ab. Günstige Tarife beginnen bei etwa acht Euro pro Monat, das Rund-um-sorglos-Paket kann bis zu 50 Euro pro Monat kosten.

Ein Muss für alle Pferdebesitzer ist eine Haftpflicht-Versicherung. Auch hier gilt: Pferdetyp (z. B. Reitpferd oder Gnadenbrotpferd), Selbstbeteiligung, Höhe der Selbstbeteiligung und Höhe der Versicherungssumme bestimmen den Preis. Die Basisvariante der Uelzener kostet zum Beispiel 9,23 Euro monatlich, das Premium-Plus-Paket gibt es ab 12,86 Euro.

Ausrüstung

Große Anschaffungen wie ein neuer Sattel und neue Trense stehen nicht regelmäßig auf dem Programm. Ganz anders aber Pflegeprodukte wie Huffett oder Fliegenspray, eine neue Schabracke, Decke oder eine neue Reithose.

Facebook-Umfrage*:

Haltungskosten mit allen Optionen (Paddock rein und rausbringen inkl. Wochenende, Hufe reinigen, Decken wechseln, 2 mal Heu...) im Großraum Paris 550 €, Unterricht und Beritt monatlich 350 €,

Versicherung monatlich 90 €, Schmied alle 6 Wochen 95 €, Osteopath etwa 2 mal im Jahr je 100 €, Zahnarzt und Impfen einmal pro Jahr etwa 120 €, Wurmkur etwa 4mal pro Jahr (60 €) ...

Und dann natürlich Ausrüstung, Benzin, eventuell Hänger, Lizenz und Meldegebühren für Turniere ...

* Auf Facebook wollten wir von unseren Lesern wissen, wie viel Geld sie jeden Monaten für ihr Pferd bzw. die verschiedenen Leistungen ausgeben

Die „1. Nürtinger Marktstudie“ zeigte, dass die Ausgaben für Ausrüstung stark variieren: 16,2 Prozent der befragten Pferdebesitzer gaben im Jahr zwischen 251 und 500 Euro aus, 12,74 Prozent zwischen 501 und 750 Euro und 12,33 Prozent zwischen 2501 und 5000 Euro. Jeweils knapp zehn Prozent hatten Ausgaben zwischen 1001 bis 1500, 751 bis 1000 oder 101 bis 250 Euro.

Unterricht und Lehrgänge

Je nach Nutzung des Pferdes müssen deren Besitzer Kosten für Unterricht oder Lehrgänge einplanen. Hier definiert sich der Preis meist über die Qualifikation des Ausbilders und darüber, ob man Einzel- oder Gruppenunterricht nimmt. Entsprechend groß ist die Preisspanne: In der Regel muss man mit 15 bis 80 Euro pro Training rechnen, bei einem Training pro Woche wären dies zwischen 60 und 320 Euro im Monat. Für Lehrgänge gaben die meisten Befragten der „1. Nürtinger Marktstudie“ zwischen 50 und 500 Euro im Jahr raus – der Durchschnitt lag bei etwa 380 Euro pro Jahr.

Autor

Kerstin Wackermann

Eine Kostenaufstellung zeigt uns manchmal deutlicher als wir möchten, wie viel Geld unser Pferd verschlingt. Manch einer verzichtet dafür aber gerne auf andere Dinge.