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Was läuft im #PetriJanuar


Petri-Heil - epaper ⋅ Ausgabe 1/2020 vom 23.12.2019

In vielen Regionen Europas ist es keine Frage, dass man am Heiligabend, an Weihnachten oder zum Silvester Fisch isst. Am Meer sowieso. Die Tradition hat ihren Ursprung in den katholischen Fastenvorschriften. Ein Festtagsschmaus vom Elsass über Bayern und Österreich bis tief in den russischen Osten ist der Karpfen. Er schmeckt nicht nur, er bringt auch Glück. Wer sich eine Schuppe ins Portemonnaie legt, darf auf künftigen finanziellen Segen hoffen …
Auch in unserem kulturell bunt gemischten Land wird an den Festtagen vielerorts Fisch aufgetischt. Wenn man sich an den Fischtheken umschaut, so vornehmlich aus dem Meer und weit gereist. Doch dieses Jahr sitzt auch Greta mit am Tisch und schaut uns streng auf den Teller: Zuchtlachs, im Ernst? Thun aus dem Indischen Ozean? Aha, mit der Rute gefangen, dann ist ja alles gut … Wir Fischer haben die zeitgemässe Lösung buchstäblich in der Hand. Selbst gefangener Fisch hat alles, was heute hip und heilig ist: Er ist regional, maximal bio, ethisch unbedenklich, und wenn wir mit dem Velo an den See fahren … Zugegeben: Karpfen zu fangen ist anspruchsvoll im kalten Wasser. Aber Hecht, Zander, Egli und Trüsche sind kulinarisch mindestens ebenbürtig. Und Winterschwalen sind eine Delikatesse. Von einer Seeforelle zu fabulieren, verbietet hingegen der Aberglaube … Wenn man einen ruhigen Moment findet in der Kalenderwoche 52, ist ein Rückblick unvermeidlich. Was bleibt vom farbigen Strudel der verflossenen Tage? Es braucht nicht viel Fantasie, um eine Einsicht bei den meisten Petri-Mitjüngern vorauszuahnen.
Zu wenig gefischt! Wieder einmal viel zu wenig gefischt.
Wer etwas melancholischer ist, fragt sich bei dieser Gelegenheit vielleicht, ob er überhaupt zu wenig gelebt hat. Das ist der tiefere Sinn unserer Leidenschaften. Sie eröffnen uns einen Blick auf die Dinge, die uns am Herzen liegen. Vielleicht hilft es ja, das Fischen wie eine Geliebte zu sehen und die Vernachlässigung als Beziehungsproblem. Es gibt ungezählte Ratgeber für Liebesdinge; doch ein Tipp taucht immer wieder auf: Soll die Liebe unser Leben wärmen, braucht sie regelmässig Nahrung und Aufmerksamkeit. Wie ein Feuer. Der Trick könnte also sein, die Fischerzeit regelmässig und verbindlich in den Terminkalender einzutragen. Da steht dann: Freitagnachmittag ab 16 Uhr, Rendez-vous am Wasser.

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Um diese Zeit dämmert er am Horizont, der lang ersehnte Silberstreif. Die Saison der Silberbarren, -pfeile und -torpedos liegt endlich wieder in greifbarer Nähe. Das gilt leider nicht für den fetten Silberschatz, auf den wir so scharf sind. Eine Seeforellen-Eröffnung bietet in der Regel nämlich etwa das lausigste Verhältnis von Erwartungen und Wirklichkeit, das uns das Fischerjahr zu bieten hat. Doch zuverlässig erliegen auch gestandene Petrijünger dem Zauber. Vielleicht, weil Silber ein magisches Metall ist? Nur Silber kann dunkle Mächte besiegen. Denkt man zurück an all die düsteren November- und Dezembertage, beginnt man diese Magie zu begreifen …
Der elektrisierende Silberschimmer der Seeforellenschuppen hat allerdings nichts mit dem Metall zu tun. Das Pigment, das unsere Seeköniginnen so edel glänzen lässt, sind feinste Guaninkristalle. Seit dem 17. Jahrhundert gewinnt man dieses sogenannte Fischsilber aus den Schuppen von Lauben und verwendet es zur Herstellung von Schmuck, Kunstperlen und Zierfarben. Für ein Kilogramm davon braucht man etwa 20 000 Fische. Deshalb kostet es etwa sieben Mal soviel wie ein Kilobarren echtes Silber. Es ist noch gar nicht so lange her, da war Eisfischen in unserem Land eine ziemlich exotische Randgruppenbeschäftigung. Als erster ermöglichte der Kanton Bern die Eisfischerei an ausgewählten Bergseen. Es ging nicht lange, und der Schweizer Rekord-Namaycush wurde durch ein Eisloch auf dem Engstlensee gefangen.
Besonders für Saiblinge (Kanadischer Seesaibling, Bachsaibling und Seesaibling) bietet die kälteste Zeit des Jahres oft die besten Fangchancen der Saison. Seither hat sich diese reizvolle neue Facette als Teil des Fischerjahrs etabliert. Leider nicht immer grad vor der Haustür, denn noch bleiben viele attraktive Möglichkeiten unerschlossen. Man bekommt den Eindruck, dass sich manche Behörden mit diesem Neuland schwertun. An Beispielen, wie es problemlos und sicher funktioniert, mangelt es nicht mehr. Geht es ums Eisfischen, wird von Amtsseite oft fürsorglicher argumentiert als beim Schulweg der Erstklässler. Apropos Weg: Wer will, findet Wege, wer nicht will, findet Gründe …

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Foto: as

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