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Was Paris macht, ist Wettbewerbsverzerrung


Sport Bild - epaper ⋅ Ausgabe 36/2021 vom 08.09.2021

CHAMPIONS LEAGUE

Artikelbild für den Artikel "Was Paris macht, ist Wettbewerbsverzerrung" aus der Ausgabe 36/2021 von Sport Bild. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Sport Bild, Ausgabe 36/2021

Matthias Sammer legt am kommenden Dienstag ab 19.30 Uhr als Experte auf Amazon Prime Video los: beim Champions-League- Spiel des FC Barcelona gegen Bayern

SPORT BILD: Herr Sammer, Sie treten ab sofort als Champions-League-Experte bei Amazon Prime Video auf. Was reizt Sie an der Expertenrolle am Spielfeldrand, wo Sie künftig mit Mario Gomez und Moderator Sebastian Hellmann stehen werden?

MATTHIAS SAMMER (54): Ich war zuletzt als TV-Experte in einem Konzept, das sehr stark von taktischer Natur geprägt war (Sammer meint seine Aufgabe bei Eurosport; d. Red.). Das war zwei Jahre sehr interessant, nun gibt es eine neue Aufgabe. Im Mittelpunkt steht für mich immer der Fußball. Die Champions League ist die Königsklasse, das Toplevel. Es macht mir riesigen Spaß, auf diesem Niveau Entwicklungen beobachten und analysieren zu dürfen. Ich habe bei Prime Video mit Sebastian einen sehr erfahrenen Mann an meiner Seite, mit dem ich Doppelpass spielen kann. Unsere Steilpässe darf dann der Mittelstürmer Mario Gomez verbal verwerten (lacht). ...

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Zwei Ihrer ersten drei Auftritte könnten bei Dortmund- Spielen sein. Wird es Ihnen schwerfallen, da kritisch zu urteilen? Und: Stimmt es, dass Ihr Engagement mit BVB-Boss Hans-Joachim Watzke abgesprochen ist?

Dortmund-Spiele zu ana-ly-sieren ist ein Kann, aber kein Muss. Ich muss nicht jedes Spiel kommentieren, das ist ein sensibles Thema, das wir kurzfristig miteinander absprechen und entscheiden werden. Natürlich habe ich mich vor der Zusage bei Amazon mit Aki Watzke b esprochen. Bei BVB-Spielen werde ich immer ein bisschen befangen sein, das ist doch klar. Es gibt neben Kritik am Spiel ja aber auch Situationen, in denen ich Hintergründe und Erklärungen liefern kann.

„An zweiter Stelle steht für mich Bayern. Der Kader ist in der Breite eventuell diskussionswürdig, nicht in der Spitze“

„Ich hätte gern mit solchen Spielern wie bei PSG gearbeitet. Es ist hoch spannend, wie sie sich als Mannschaft präsentieren“

Dann erklären Sie uns doch mal als Experte: Wer gewinnt nächstes Jahr die Champions League, wer sind Ihre drei Top-Favoriten?

Wenn ich rein emotional vom Mannschaftskader ausgehe, dann dürfte PSG keine ganz schlechte Rolle spielen. Aber es gehört mehr dazu, als nur gute Spieler zu haben. Es wird ein hoch span-nender Prozess, wie sich diese Individualität – speziell in der Offensive mit Messi, Neymar und Mbappé – als Mannschaft präsentiert. An zweiter Stelle würde ich Bayern München benennen. Der Kader ist in der Breite eventuell diskussionswürdig, aber nicht in der Spitze. Wenn die Verfassung der Spieler in der K.o.-Runde gut ist und es keine Verletzungen gibt, zählt Bayern zu den absoluten Top-Favoriten. Darüber hinaus bin ich sehr auf Man United gespannt. Sie haben auf dem Markt interessant investiert, zudem letzte Saison eine gute Entwicklung genommen. Die Abwehr wurde mit Varane verstärkt, der Angriff mit Cristiano Ronaldo und Jadon Sancho aufgewertet.

„Ronaldos Transfer ist kein Marketing-Gag . Er ist zwar 36 Jahre alt, für mich gefühlt aber wie Ende 20“

Hätten Sie als Trainer Lust, PSG zu trainieren mit all diesen Egos in der Kabine? Oder fühlt man sich da wie ein Dompteur beim Zirkus?

Neben der individuellen Qualität muss eine Mannschaft mit Teamgeist geformt werden, siehe Italien bei der EM: Das waren vielleicht nicht die besten Spieler, aber die beste Mannschaft. Als Trainer muss man immer ein Stück weit abwägen: Die Kabine, der Teamgeist muss stimmen, dann kommt die Verbindung zur individuellen Quali-tät. Ich hätte gerne mit solchen Spielern wie bei PSG gearbeitet: Qualität auf den Platz zu bringen ist eine Herausforderung. An der Gemeinsamkeit und dem psychologischen Faktor zu arbeiten hätte mich schon gereizt. Ich durfte das auf meinem Weg machen, unter anderem am Ende bei Bayern. Das ist eine schöne Herausforderung. Aber es heißt nicht, dass das automatisch funktioniert.

Was war aus Ihrer Sicht sportlich der bessere Transfer: Messi zu Paris oder Ronaldo zu United?

Ich hätte nicht geglaubt, dass es überhaupt möglich ist – Transfers dieser Kategorie während Corona. Auf dem Level der beiden Spieler gehört es sich nicht zu unterscheiden, wer der Bessere ist. Beide spielen auf einer unerreichten Stufe, von besser oder schlechter zu reden ist nicht gerechtfertigt. Ich freue mich, weil ich glaube, dass es eine Herausforderung ist: Messi und Ronaldo wollen es in einem neuen Team noch einmal allen zeigen. Und: Beide herausragenden Einzelspieler müssen in eine Top-Mannschaft eingegliedert werden. Das wird total spannend zu beobachten. Ein bisschen traurig macht mich aber der Wechsel von Messi zu PSG doch.

Weshalb?

Ich bin ein Fußball- Romantiker und konnte mir Messi bei keinem anderen Verein als Barcelona vorstellen.

Ist Ronaldo noch eine Bereicherung für Man United? Oder ist der Wechsel eher ein Marketing-Schachzug?

Wenn man Ronaldos Alter von 36 Jahren sieht, könnte man denken: Er ist vielleicht über dem Zenit. Alter hat aber nicht nur mit den Genen zu tun, sondern damit, wie man mit dem Körper umgeht. Ronaldo ist gefühlt wie Ende 20, Gleiches gilt für Messi. Beide haben fantastische Gene und sind akribische Arbeiter. Ronaldos Transfer ist kein Marketing-Gag. Schauen Sie sich seine Kopfbälle an: Da gibt es wenige 25-Jährige auf der Welt, die das nur ansatzweise so hinbekommen.

Obwohl Mbappé nächstes Jahr ablösefrei gehen kann, hat PSG zwischen 180 und 200 Mio. Euro Ablöse von Real Madrid abgelehnt. Zeigt das, wie verrückt und ungleich der Fußball inzwischen ist?

Ich will versuchen, die Frage ehrlich zu beantworten. Klar, im ersten Moment ruft das ein Kopfschütteln hervor. Die Gehaltsstruktur bei vielen Klubs ist Wahnsinn. Dementsprechend ist das in einer gewissen Art und Weise Wettbewerbsverzerrung, es wird nicht mit gleichen Säbeln gefochten. Gleichzeitig bin ich der Meinung: Geld im Markt zu haben und damit umzugehen – gerade in Zeiten der Pandemie – ist etwas Positives für den Fußball. Auch wenn das keiner hören will. So bleibt das System in Bewegung und im Gespräch. Ich bin in einer anderen Kultur, einem anderen Staatssystem groß geworden: Dort gab es keine Marktwirtschaft, keinen freien Wettbewerb. Eine gewisse Aktivität ist nicht schadhaft, das muss man mit aller Brutalität so sagen.

„Liverpool und Klopp dürfen auf keinen Fall unterschätzt werden“

„Haaland in Dortmund ist eine Win-win-Situation. Die Top-Talente sollten genau hinsehen, was beim BVB möglich ist!“

In den letzten drei Jahren gab es zweimal rein englische Finals. Die Premier-League- Klubs haben 1,34 Milliarden investiert. Die Bundesliga- Klubs „nur“ 419 Mio Euro. Wie lange können die deutschen Vereine da noch mithalten?

Es gab immer wieder Epochen, in denen bestimmte Länder herausragend waren. Wellenbewegung e n in Verbindung mit der wirtschaftlichen Situation. Natürlich können wir da nicht mit England mithalten. Aber wir müssen schon ehrlich zu uns sein: Im Hinblick auf Ausbildung, Entwicklung, Individualisierung oder Positionierung lief bei uns in den vergangenen Jahren einiges verkehrt. Wenn wir schon nicht so viel Geld wie die anderen zur Verfügung haben, dann müssen wir diese Bereiche, speziell die Ausbildung, wieder verbessern. Wir haben zu wenig definiert, was in der Ausbildung und individuell persönlich für die Jungs wichtig ist. Wir haben die eigene Identität in den vergangenen Jahren etwas verloren.

Erling Haalands Agent Mino Raiola hat in Gesprächen mit Chelsea 50 Mio. Euro Gehalt aufgerufen – ist er das wert? Oder ist kein Spieler so viel wert?

Moralisch, menschlich, von meinem Gefühl her: nein. Aber Angebot und Nachfrage haben etwas mit Leistung und Entwicklung zu tun. Man könnte sagen, solche Forderungen sind nicht in Ordnung. Aber ich bin der Meinung, dass sich der Fußball mit all seinen Emotionen nicht einer grundsätzlich negativen Diskussion stellen sollte. Der Fußball hat sich die Möglichkeiten des Geldes erarbeitet, das ist nicht unanständig. Moralisch kann man den Kopf schütteln, definitiv.

Ist Haaland mit seinem Ehrgeiz der neue Sammer?

(lacht) Es ist eine Freude, ihn zu sehen. Man muss feststellen, dass der Schritt von Salzburg zu Dortmund strategisch hochinteressant war. Mit seinem Ehrgeiz, dem Willen, der Power und der fußballerischen Entwicklung diesen Weg verfolgen zu können, das ist fantastisch. Wir sollten jedes Spiel mit ihm genießen und Borussia Dortmund sich freuen, die Bundesliga mit solch herausragenden Talenten zu bereichern. Das ist eine Win-win-Situation für Dortmund und Erling. Seine Bereitschaft, sein Charakter sind fantastisch.

Sie sprechen von genießen: Müssen wir alle in der Bun-desliga die letzte Saison von Haaland genießen, bevor er definitiv ins Ausland geht, wie Karl-Heinz Rummenigge in SPORT BILD mutmaßte?

Die Rahmenbedingungen sind bekannt. Aber was interessiert mich nächstes Jahr? Fußball ist Tagesgeschäft, dieses Jahr mit Dortmund wird sehr interessant. Mit Marco Rose gibt es einen neuen Trainer, dazu Edin Terzic in einer neuen Position, auf welcher er die Entwicklungen genau im Blick hat. Falls es irgendwann so sein sollte, dass Erling geht, müssten wir uns damit beschäftigen.

Aber: Dann ginge es darum, wieder nach dem Typus Mittelstürmer zu schauen, den wir für unseren Fußball benöti-gen. Es gelang Dortmund während der vergangenen zehn Jahre in der Regel, dass sehr gut nachgelegt wurde. Wenn man nun Gio Reyna und Jude Bellingham, beide 18 Jahre alt, auf anderen Positionen sieht: Alle Top-Talente sollten genau hinschauen, was in der Bundesliga und speziell beim BVB möglich ist. Wir sollten unseren eigenen Weg gehen und nicht so viel weinen, wenn es dazu kommt, dass uns jemand verlässt.

„Es ist ein kleines Wunder, was Thomas Tuchel bei Chelsea geleistet hat“

Im Schnelldurchlauf: Wie weit kommt in der Champions League der FC Bayern?

Bayern schließt die Gruppe als Erster ab, Barça hat immer noch gute Spieler, ist aber im Umbruch.

Dortmund?

Beim BVB ist es sehr wichtig, als Mannschaft in die richtige Verfassung zu kommen, weniger Verletzte zu haben, die Spielidee von Marco Rose umzusetzen. Die Gruppe ist nicht einfach, wir treffen auf drei Meister (Sporting Lissabon, Ajax Amsterdam, Besiktas Istanbul; d. Red.). Wir müssen und werden die Vorrunde überstehen.

RB Leipzig?

Vielleicht ist eine Überraschung möglich, speziell mit der Art und Weise, wie sie spielen. Sie könnten den großen Favoriten PSG und Manchester City wehtun. Ich gebe Leipzig Außenseiterchancen.

Wolfsburg?

Nach der Vorbereitung dachten alle: Das wird gar nichts. Der VfL hat in der Bundesliga sehr kompakt gespielt, gleichzeitig mit viel Geschwindigkeit und Dynamik. Sie haben eine ausgeglichene Gruppe. Wenn die Mannschaft von Mark van Bommel das bestätigt, was sie gerade zeigt, wird sie ins Achtelfinale einziehen.

Bedauern Sie, dass Tuchel nicht länger beim BVB war?

Riesenkompliment an Chelsea und Thomas persönlich für die Auszeichnung zum Trainer des Jahres. Ich habe viele Spiele von Chelsea gesehen. Er hat versucht, insgesamt seine Idee bei Ballbesitz zu implementieren, gleichzeitig aber hohen Wert auf Kompaktheit und Defensive zu legen. Es ist ein kleines Wunder, in welcher Geschwindigkeit das gelungen ist. Zu Borussia Dortmund: Es gibt Konstellationen, bei denen es auch mal nicht passen kann. Dann muss man auseinandergehen. Mit jedem Tag mehr ist dann aber wieder der gegenseitige Respekt voreinander gewachsen.

Nicht mal der FC Liverpool als Investorenklub kann bei Man United, Paris oder City finanziell mithalten. Ist Klopps große Zeit mit den Reds vorbei?

Das glaube ich nicht. Wenn eine Mannschaft in der Defensive solche Ausfälle verkraften muss wie Liverpool in der vergangenen Saison – van Dijk, Matip, Gomez – und dadurch auch Ausstrahlung und Persönlichkeit fehlen, wird es für jedes Team der Welt schwer. Die Mannschaft hat vielleicht durch Wijnaldums Wechsel zu PSG Qualität verloren, ansonsten ist die Mannschaft sehr konstant, über Jahre gewachsen. Sie finden zu alter Stärke zurück und sind durch das Abschneiden in der vergangenen Saison riesig motiviert: Liverpool und Jürgen Klopp dürfen auf gar keinen Fall unterschätzt werden!