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Was Sie über wissen sollten Milch


Reader´s Digest Deutschland - epaper ⋅ Ausgabe 8/2018 vom 30.07.2018

Perfektes Nahrungsmittel oder nur mit Vorsicht zu genießen?


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FOTOS: (VORHERIGE DOPPELSEITE): © SHUTTERSTOCK; (RECHTS) © CAIAIMAGE/ROB DECELIS/GETTY IMAGES

ALS DER HEUTE 62-JÄHRIGE Paul Robert aus Almere in der Nähe von Amsterdam noch zur Schule ging, trug er an seiner Jacke ein spezielles Abzeichen, das ihn als Mitglied der sogenannten Milchbrigade auswies. Das bedeutete, dass er täglich drei Gläser Milch trank.

Es war eine der Werbekampagnen des niederländischen MolkereiverbandsNederlandse Zuivel Organisatie (NZO), an die sich Robert noch aus seiner Kindheit erinnert. 1957 wurde die Milchbrigade von ...

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Es war eine der Werbekampagnen des niederländischen MolkereiverbandsNederlandse Zuivel Organisatie (NZO), an die sich Robert noch aus seiner Kindheit erinnert. 1957 wurde die Milchbrigade von Schulen gefördert, und die Regierung stellte Mittel für „Schulmilch“ bereit.

1965 führte die NZO die milchtrinkende Zeichentrickfigur Joris Driepinter („drei Gläser“) ein. „Wenn er Milch trank, wurde er zum Superhelden, der Elefanten hochheben konnte“, erinnert sich Robert. „Alle heute über 40-jährige Niederländer sind mit der Überzeugung aufgewachsen, dass Milch gesund und notwendig ist.“ Inzwischen ist Robert längst kein Milchkonsument mehr. „Sie schmeckt mir nicht mehr“, meint er. „Ich weiß nicht, warum. Es war keine bewusste Entscheidung.“

Vor Jahrzehnten wurde Milch als eines der gesündesten Getränke überhaupt angepriesen, besser als Kaffee, Saft und Limonade. Doch im Lauf der Zeit hat sie viel von ihrem guten Ruf eingebüßt.

In den 1950er-Jahren tranken Schweden im Durchschnitt knapp zweieinhalb Gläser Milch pro Tag. „Inzwischen liegt der Wert bei weniger als einem Glas“, so Dr. Karl Michaëlsson, Professor für Chirurgie an der schwedischen Universität Uppsala.

Europaweit sind die Verkaufszahlen zurückgegangen – in Schweden um 20 Prozent in den letzten zehn Jahren, in Großbritannien sogar um rund 30 Prozent in den vergangenen 15 Jahren. Mit 122 Litern pro Kopf und Jahr steht Finnland hinter Irland an zweiter Stelle beim weltweiten Milchkonsum. Doch auch das sind 19 Prozent weniger als noch vor 20 Jahren.

Während der Konsum von flüssigen Milchprodukten zurückgegangen sei, habe sich der Verbrauch von Käse deutlich erhöht, so Johanna Mäkelä, Professorin für Ernährungskultur an der Universität Helsinki. „Man könnte also sagen, dass immer noch viel Milch konsumiert wird, sich aber die Form und die daraus hergestellten Produkte geändert haben.“

Mit zunehmendem Alter verzichten viele Menschen aus verschiedenen Gründen auf Milch: Einige können sie nicht mehr problemlos verdauen, andere fürchten, sie könnte zu Herzkrankheiten beitragen. Wieder andere bevorzugen vegetarische Alternativen.

FOTO: © DENNIS LANE/GETTY IMAGES

Welcher Grund auch ausschlaggebend sein mag, Millionen Europäer denken heute, Milch sei schlecht für sie. Dabei galt sie vor nicht allzu langer Zeit noch als gesund. Wir haben Experten nach ihrer Meinung gefragt.

KLEINES 1 X 1 DER KUHMILCH

Milch gehörte in Europa jahrtausendelang zu den überlebenswichtigen Grundnahrungsmitteln. Das galt insbesondere in den skandinavischen Ländern aufgrund des dort herrschenden kühlen Klimas. Dr. Christina Ellervik, Dozentin für Labormedizin an der Universität Kopenhagen, erklärt: „Wovon hätten wir in früheren Zeiten im Winter sonst leben sollen? Im Grunde gab es nur Dörrfleisch, Milch und getrockneten Fisch.“

Gegenüber anderen Getränken ist Milch reich an Kalzium und enthält zudem viele Vitamine und Mineralien. Sie bietet ein ideales Verhältnis von Eiweiß, Fett und Kohlenhydraten, sodass sie eine ausgewogene Nahrungsquelle darstellt.

Untersuchungen haben gezeigt, dass der Konsum von Milch das Risiko von Schlaganfällen, Typ-2-Diabetes und mehreren Krebsarten senkt. Außer dem könnte Milch das Risiko für Herzkrankheiten verringern. Sie stärkt die Knochen und unterstützt den Muskelaufbau bei Erwachsenen, ins besondere bei Menschen über 75.

Bei älteren Menschen baut sich die Muskelmasse oft schnell ab“, so Ian Givens, Leiter des Instituts für Lebensmittel, Ernährung und Gesundheit an der britischen Universität Reading. „Das Eiweiß in der Milch ist nachweislich am besten geeignet, um den Muskelabbau zu verringern“, erklärt er. Bei älteren Erwachsenen schützen die Muskeln die Knochen bei einem Sturz.

LAKTOSE-INTOLERANZ

Seit seiner Kindheit trank Mika Hämäläinen, 57, aus Helsinki zu fast jeder Mahlzeit Milch, bis er mit 35 oder 40 Jahren regelmäßig Bauchschmerzen bekam. Er vermutete eine Laktose-Intoleranz.


MAN KANN INZWISCHEN BELEGEN, DASS DIE EIWEISSE, DIE IN DER MILCH ENTHALTEN SIND, BLUTDRUCKSENKEND WIRKEN


„Ich bin nicht zum Arzt gegangen, sondern habe einfach keine Milch mehr zu mir genommen. Daraufhin verschwanden meine Bauchschmerzen ganz schnell“, so Hämäläinen. „Das Ganze habe ich versuchsweise mehrmals wiederholt, aber immer mit demselben Ergebnis.“

Hämäläinen stieg zuerst auf laktosefreie Milch um, dann auf pflanzlichen Milchersatz, nachdem er auch kein rotes Fleisch mehr aß. „Ich mag den Geschmack und fühle mich gesünder und zufriedener“, sagt er.

Laktose-Intoleranz betrifft viele Europäer, vor allem im Süden, wo fast 65 Prozent der Erwachsenen keine Milch vertragen, verglichen mit 18 Prozent in Finnland. Zu Laktoseunverträglichkeit kommt es, wenn im menschlichen Verdauungstrakt das Enzym Laktase fehlt, das zur Verdauung von Laktose benötigt wird, dem in Milch und anderen Molkereiprodukten natürlich vorkommenden Zucker.

„Genetische Unterschiede bestimmen, ob ein Erwachsener Milch verträgt oder nicht“, erläutert Dr. Ellervik. „Südeuropäer vertragen Laktose meist weniger gut als Skandinavier.“

Obwohl im Handel laktosefreie Produkte erhältlich sind, verzichten Menschen, die an Blähungen und Durchfall leiden, häufig ganz auf Milch. „Ich gehe davon aus, dass viele Menschen, die sich für laktoseintolerant halten, nicht ärztlich darauf untersucht wurden“, so Ian Givens.

GESÄTTIGTE FETTSÄUREN

In letzter Zeit sind gesättigte Fettsäuren, die vorwiegend in tierischen Nahrungsmitteln, auch Milch, vorkommen, in Verruf geraten. Denn sie tragen zu Herzkrankheiten bei. „Viele schließen daraus, dass wir weniger Milch konsumieren sollten“, sagt Givens. „Dabei vergessen sie, dass Milch und Molkereiprodukte neben gesättigten Fettsäuren auch zahlreiche Nährstoffe liefern.“

Dr. Ellervik zufolge hat bislang keine Untersuchung einen eindeutigen Zusammenhang – ob positiv oder negativ – zwischen Milch und koronaren Herzerkrankungen aufgezeigt. „Wie es scheint, steht Milchkonsum abhängig von der verzehrten Menge mit einem etwas höheren Body-Mass-Index in Verbindung. Doch offenbar geht er nicht mit einem höheren Risiko für koronare Herzkrankheiten oder Diabetes einher.“

In einer umfangreichen Forschungs arbeit untersuchte Dr. Ellervik fast 100000 Erwachsene mit dänischen Wurzeln. Dabei stellten sie und ihre Kollegen fest, dass sich ein höherer Milch konsum sowohl im Hinblick auf Diabetes als auch auf Herzkrankheiten negativ auswirkt. Weitere Unter suchungen auf diesem Gebiet sind allerdings nötig.

Givens meint dazu: „Man kann inzwischen belegen, dass die Milcheiweiße blutdrucksenkend wirken.“ Im Rahmen seiner eigenen Studie untersuchte er drei Monate lang 38 Personen und fand heraus, dass der Verzehr von Milcheiweiß in hoher Konzentration (wie in Proteinshakes für Sportler) den Cholesterinspiegel und damit auch den Blutdruck senkte.

„Ich glaube, bei Milch und Molkereiprodukten werden die größeren Zusammenhänge bislang nicht gese hen. Man konzentriert sich nur auf die gesättigten Fettsäuren.“

GESUNDE KNOCHEN

Valérie Lasserre, 52, aus Viroflay in Frankreich trank auch als Erwachsene noch Milch, weil „sie als gute Medizin galt, die das Knochenwachstum fördert und uns lebenslang ein stabiles Skelett erhält“, berichtet sie.

Nachdem Lasserre letztes Jahr einige negative Medienberichte gelesen hatte, strich sie Milchprodukte von ihrem Speiseplan. Seitdem hat sie drei Kilogramm abgenommen, und ihre Gelenkschmerzen sind verschwunden. Inzwischen isst sie wieder Käse, verzichtet aber auf Milch.

Viele Studien zeigen, dass Milchkonsum eine schützende Wirkung auf Knochen hat. Dazu gehört die jüngste Auswertung von Daten der US-amerikanischen LangzeitstudieNurses Health Study , bei der 70000 Krankenschwestern mehr als 30 Jahre lang beobachtet wurden. „Je mehr Milch man trinkt, desto geringer ist das Risiko einer Hüftfraktur“, so Dr. Ellervik.

Andere Wissenschaftler kommen zu gegenteiligen Erkenntnissen. Bei einer schwedischen Studie wurden Häufigkeitsbefragungen zum Lebensmittelkonsum unter mehr als 100000 Personen über mehrere Jahre durchgeführt. Man stellte fest, dass die Häufigkeit von Hüftfrakturen bei Personen, die täglich mindestens drei Gläser Milch tranken, um 60 Prozent höher lag als bei denen, die weniger als ein Glas zu sich nahmen. „Der Nachweis steht noch aus, aber unsere Hypothese lautet: Galaktose ist ein Bestandteil von Laktose und verursacht Entzündungen und oxidativen Stress. Dieser entsteht durch freie Radikale“, so Dr. Michaëlsson, einer der Studienautoren.

Die schwedische Studie sei kontrovers, meint Lauri Wright, Sprecherin der Akademie für Ernährung und Diätetik in den USA. „Sie widerspricht randomisierten kontrollierten Studien (Studien nach dem Zufallsprinzip), die gezeigt haben, dass Milch vor Knochenbrüchen schützt.“

MILCH-ALTERNATIVEN

Als Teenager litt Enzo Schempp*, 51, aus Esslingen in Baden-Württemberg so stark unter Akne, dass er einen Hautarzt aufsuchte. Dieser vermutete eine Milchallergie und forderte Schempp auf, fünf Tage lang auf sämtliche Milchprodukte zu verzichten und dann am sechsten Tag so viel wie möglich davon zu essen.

„Das Ergebnis hätte nicht eindeutiger sein können“, berichtet Schempp. „Mein Hautbild wurde ohne Milch viel besser und dann erheblich schlechter, nachdem ich wieder Milchprodukte verzehrt hatte.“ Daraufhin fing Schempp an, Sojamilch zu trinken, den pflanzlichen Milchersatz, der in den 1980er-Jahren nur in Reformhäusern erhältlich war. Heutzutage führen Supermärkte Mandel-, Hafer-, Soja-, Kokos-, Hanf- und Reismilch.

„Als voller Ersatz für Kuhmilch sind die pflanzlichen Alternativen nicht zu empfehlen“, sagt Sai Kranthi Kumar Vanga von der McGill University in Montreal, Kanada. Die meisten alternativen Produkte bieten weder eine vergleichbare Mischung aus Eiweiß, Fett und Kohlenhydraten noch die gleichen Vitamine und Mineralien wie

Kuhmilch.

„Vielen dieser Produkte wird Kalzium zugesetzt“, erklärt Givens. „Doch der Organismus resorbiert dieses Kalzium schlechter als das in Kuhmilch.“

EMPFEHLUNGEN FÜR ÄLTERE

Sofern Sie nicht an Laktose-Intoleranz oder einer Milchallergie leiden, müssen Sie nicht auf Milch verzichten. „Wir sollten unser Verhalten nicht aufgrund einer einzelnen Studie ändern“, so Dr. Michaëlsson. Und Dr. Ellervik meint: „Milch enthält zwar auch Kalorien wie Saft und gesüßte Getränke. Sie ist mit ihrem Gehalt an Vitamin D und Kalzium aber gesünder.“

* Name von der Redaktion geändert

Käse macht erst geschickt die Zunge, Wein zu schmecken.

HEINRICH VON KLEIST, (AUS:DER ZERBROCHENE KRUG), dt. Bühnenschriftsteller u. Erzähler (1777-1811)

SUCHEN SIE PFLANZLICHEN MILCHERSATZ?

IN EINER AKTUELLEN STUDIE verglich der Milchforscher Sai Kranthi Kumar Vanga Mandel-, Soja-, Reisund Kokosmilch mit Kuhmilch. Dabei stellte er fest, dass Sojamilch nicht so nährstoffreich wie Kuhmilch ist. Wenn Sie einmal pflanzliche Milchalternativen probieren wollen, finden Sie hier eine Übersicht über ungesüßte Produkte.

SOJAMILCH

Eiweißgehalt wie bei Kuhmilch, schmeckt leicht nach Bohnen

HAFERMILCH

Dick und cremig, fettarm, ballaststoffreich, schmeckt leicht nach Haferflocken

MANDELMILCH

Kalorienarm, wenig Nährstoffe, schmeckt leicht süßlich und nussig

HANFMILCH

Kalorienarm, etwas mehr Nährstoffe als Mandelmilch, schmeckt nussig oder erdig

REISMILCH

Sehr viele Kohlenhydrate, sehr wenig Eiweiß und sehr süß

KOKOSMILCH

Hoher Anteil gesättigter Fettsäuren, kein Eiweiß, schmeckt süß mit einem leichten Kokosaroma