Lesezeit ca. 2 Min.

Was Sie wissen sollten


Logo von HÖRZU
HÖRZU - epaper ⋅ Ausgabe 42/2021 vom 15.10.2021

Patientenverfügung

Artikelbild für den Artikel "Was Sie wissen sollten" aus der Ausgabe 42/2021 von HÖRZU. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: HÖRZU, Ausgabe 42/2021

BERATUNG Es ist wichtig, bei der Patientenverfügung einen Arzt zu konsultieren

Es ist eine Situation, von der jeder hofft, dass sie niemals eintritt. Und doch kann es jeden treffen, in jedem Alter. Nach einem Unfall etwa oder nach einem unglücklichen Sturz wie im TV-Drama „Bring mich nach Hause“ (siehe Kasten und TV-Tipp Seite 35): Plötzlich liegt ein Mensch im Koma. Ein harter Schicksalsschlag, auch für die Angehörigen. Vor allem, wenn sie noch dazu über Leben oder Tod entscheiden müssen.

Während Ärzte grundsätzlich verpf lichtet sind, das Leben von Patienten zu erhalten, müssen Familien weitreichende Fragen klären: Sollen lebenserhaltende Maßnahmen beendet oder verlängert werden? Und wer entscheidet ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 0,99€
NEWS Jetzt gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von HÖRZU. Alle Rechte vorbehalten.
Lesen Sie jetzt diesen Artikel und viele weitere spannende Reportagen, Interviews, Hintergrundberichte, Kommentare und mehr aus über 1000 Magazinen und Zeitungen. Mit der Zeitschriften-Flatrate NEWS von United Kiosk können Sie nicht nur in den aktuellen Ausgaben, sondern auch in Sonderheften und im umfassenden Archiv der Titel stöbern und nach Ihren Themen und Interessensgebieten suchen. Neben der großen Auswahl und dem einfachen Zugriff auf das aktuelle Wissen der Welt profitieren Sie unter anderem von diesen fünf Vorteilen:

  • Schwerpunkt auf deutschsprachige Magazine
  • Papier sparen & Umwelt schonen
  • Nur bei uns: Leselisten (wie Playlists)
  • Zertifizierte Sicherheit
  • Freundlicher Service
Erfahren Sie hier mehr über United Kiosk NEWS.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 42/2021 von Liebe Leserinnen und Leser,. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Liebe Leserinnen und Leser,
Titelbild der Ausgabe 42/2021 von Wasserfälle in Westafrika MÄRCHENLAND. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Wasserfälle in Westafrika MÄRCHENLAND
Titelbild der Ausgabe 42/2021 von Leben im goldenen Käfig. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Leben im goldenen Käfig
Titelbild der Ausgabe 42/2021 von So gefährlich ist ZUCKER. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
So gefährlich ist ZUCKER
Mehr Lesetipps
Blättern im Magazin
Geheimnis im Moor
Vorheriger Artikel
Geheimnis im Moor
Jetzt wird ordentlich entrümpelt!
Nächster Artikel
Jetzt wird ordentlich entrümpelt!
Mehr Lesetipps

... überhaupt, ob das Dasein des Betroffenen noch lebenswert ist? Die meisten fühlen sich damit heillos überfordert. Weil theoretisch jeder in diese Lage kommen kann, raten viele Mediziner und Juristen, so früh wie möglich eine Patientenverfügung zu erstellen. Ziel dieser Vorsorgemaßnahme, die seit 2009 rechtlich geregelt ist: selbstbestimmt über das eigene Leben zu entscheiden und Angehörige nicht in Gewissensnöte zu bringen.

Ein häufig verdrängtes Thema

„Eine gut vorformulierte Patientenverfügung schützt vor künstlicher Leidensverlängerung am Lebensende und bewirkt ein humanes, palliativ begleitetes Sterbendürfen“, so Rechtsexperte Wolfgang Putz. Das Schriftstück schafft Rechtssicherheit für Angehörige und Ärzte. Trotz solcher Appelle hat laut Umfragen nicht mal jeder zweite Deutsche eine Patientenverfügung. Woran liegt’s? Viele Menschen verdrängen die Problematik. „Wir haben große Angst, uns damit im Alltag zu befassen“, sagt Britta Stöckle, die das Drehbuch des Fernsehfilms schrieb. „Der ganze Komplex ist in vielerlei Hinsicht immer noch tabuisiert.“

Aber selbst dann, wenn eine Patientenverfügung vorliegt, sichert das nicht immer den vom Patienten gewünschten Verlauf, weil die Dokumente häufig unbrauchbar sind. Laut Experten sind rund 45 Prozent der Verfügungen unvollständig oder ungenau ausgefüllt und daher nicht bindend. Oft sind sie so uneindeutig formuliert, dass sich Ärzte rechtlich nicht in riskante Fälle verstricken wollen. Immer wieder sind Gerichte mit dem Thema beschäftigt. Deswegen gilt: Die Patientenverfügung muss fachkundig formuliert sein, ganz genau beschreiben, in welchem Fall sie wirksam ist, und konkret benennen, für welche ärztlichen Maßnahmen der Wille des Patienten gelten soll.

Jurist Wolfgang Putz rät daher davon ab, dass Laien den Text ihrer Verfügung selbst formulieren. Stattdessen sollte man auf vorformulierte Formulare zurückgreifen. Aber Achtung: Im Internet kursieren viele unbrauchbare Vorlagen! Putz, der Drehbuchautorin Britta Stöckle beraten hat, empfiehlt die Broschüre „Vorsorge für Unfall, Krankheit, Alter“, erhältlich im Buchhandel, außerdem die Broschüren der Justizministerien von Bund und Ländern sowie der Verbraucherzentralen.

45 Prozent aller Patientenverfügungen sind unvollständig ausgefüllt

Die Bedenken der Kritiker

Entgegen einer weitverbreiteten Ansicht muss eine Patientenverfügung nicht von einem Notar beglaubigt werden. Ebenfalls nicht vorgeschrieben, aber sinnvoll: sich von einem Arzt beim Ausfüllen beraten zu lassen. Auch die jeweilige Vertrauensperson sollte miteinbezogen und darüber informiert werden, wo die Patien-tenverfügung und vielleicht auch eine Vorsorgevollmacht hinterlegt sind.

Nicht verschwiegen werden soll, dass es auch Kritiker gibt. Ihr Argument: Die Verfasser von Patientenverfügungen könnten zum Zeitpunkt ihrer Entscheidung nicht wissen, wie lebenswert ihr Zustand bei einer späteren Erkrankung wirklich sein werde, und somit die Situation vorab nicht richtig einschätzen. Der Psychologe und Neurobiologe Prof. Niels Birbaumer etwa meint dazu: „Wie kann sich ein gesunder 50-Jähriger vorstellen, wie das Leben mit Locked-in oder Alzheimer ist? Vielleicht fühlt er sich dann noch wohl, kann das Formular aber nicht mehr ändern.“

Grundsätzlich gilt: Eine Patientenverfügung ist jederzeit korrigierbar – vorausgesetzt, man ist dazu gesundheitlich noch in der Lage.

THOMAS KUNZE

➔ Weitere Infos unter www.bundesgesundheitsministerium.de/patientenverfuegung.html