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WAS TRADER VON FELDHERRN LERNEN KÖNNEN Trading ist Kampf


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Traders - epaper ⋅ Ausgabe 10/2022 vom 29.09.2022
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Bildquelle: Traders, Ausgabe 10/2022

Als Trader können Sie viel von einem Feldherrn lernen. Die Anforderungen der beiden Aufgabenbereiche gleichen sich in vielerlei Hinsicht. Der Börsenhandel ist vielleicht das einzige Tätigkeitsfeld ohne physische Auseinandersetzung, das vergleichbar hohe Anforderungen stellt wie das Schlachtfeld. Der Autor dieses Artikels diente sechs Jahre lang bei der Royal Air Force als Luftwaffenoffizier in der Luftüberwachungsabteilung. Dort war er für die Durchführung und Absicherung verschiedener Einsätze (in Bosnien, Zypern und auf den Falklandinseln) verantwortlich. Unter anderem dirigierte er Kampfjets, um feindliche Bomber und deren Eskorten abzufangen. Anschließend wechselte er in die Privatwirtschaft, um als Trader für einen Fonds zu arbeiten. Der Laie darf sich die militärische Tätigkeit ungefähr wie Schach vorstellen, wo der Hauptspieler gleichzeitig gegen acht Spieler spielt. Das Fliegen eines ...

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... Kampfjets ist eine hochkomplexe dreidimensionale Aufgabe, die manchmal mit Geschwindigkeiten von bis zu 500 Meilen pro Stunde ausgeführt wird. Die Fehlertoleranz liegt nahezu bei null. Man muss ruhig, aber gleichzeitig entschlossen sein, um konzentriert und flexibel zu agieren. Vor allem muss man rasch handeln können, ohne Fehler zu machen. Die erste Regel, die jedem Luftwaffenoffizier beigebracht wird, lautet:

Regel 1

Überlebe, um einen weiteren Tag kämpfen zu können.

Moderne Kampfflugzeuge sind kostspielig und erstklassiges Flugpersonal ist selten. Ein Luftwaffenoffizier ist dafür verantwortlich, dass das Flugpersonal seine Mission erfolgreich durchführen und anschließend sicher nach Hause zurückkehren kann. Unter allen Umständen ist es besser zu überleben und am nächsten Tag weiterzukämpfen, als leichtsinnig Ressourcen zu verschwenden. Die gleiche Devise gilt auch für das Trading. Es ist unvermeidbar, dass Trader Fehler begehen und bedauerlicherweise auch Verlusttrades machen. Absolut sinnlos sind diese allerdings nur, wenn Sie Ihnen das Genick brechen. Gelingt es Ihnen Abstand zu gewinnen und aus dieser schmerzlichen Erfahrung zu lernen, dann können Sie am nächsten Tag mit frischem Elan und einem neuen Trade starten. Beim Trading gibt es keinen Ehrenpreis für professionellen Selbstmord. Dementsprechend lassen sich folgende elementare Grundsätze herausarbeiten:

• Setzen Sie immer Stopps, um sich gegen hohe Verluste abzusichern.

• Begrenzen Sie Ihr Verlustrisiko immer auf einen kleinen Teil Ihres Kapitals. Es ist immer besser, rechtzeitig auszusteigen und am nächsten Tag von vorne zu beginnen, als eine Verlustposition zu vergrößern und am Ende einen noch größeren Verlust hinnehmen zu müssen. Wenn Sie auch nichts anderes aus diesem Artikel mitnehmen, möchte der Autor Ihnen wenigstens diesen einen Punkt in aller Deutlichkeit ans Herz legen: Stellen Sie sicher, dass Ihr Tradingplan Ihr Überleben garantiert.

Regel 2

Gehen Sie möglichst nur solche Kämpfe ein, die Sie auch gewinnen können.

Der Mythos des heroischen Einzelkämpfers ist längst ausgestorben. Die Vorstellung eines galanten, schneidigen Ritters, der sich nur mit seinem Schwert bewaffnet dem Feind stellt, wirkt zwar heldenhaft, doch wenn der Feind mit automatischen Waffen ausgerüstet ist, wäre es auch unglaublich dumm. Viele Menschen haben von großen Kampfpiloten der Vergangenheit die wirklichkeitsferne Vorstellung, dass sie ständig in rasante, heldenhafte Kämpfe mit fairen Gegnern verwickelt waren. Das ist natürlich nur ein Mythos. Tatsächlich haben 80 Prozent der Opfer in Luftschlachten ihren Angreifer niemals zu Gesicht bekommen. Die großen Kampfpiloten waren eher kaltblütige Killer. Sie schlichen sich an ihre Opfer heran, führten einen schonungslosen Schlag aus und verschwanden schnell wieder. Dabei taten sie alles, um eine direkte Konfrontation zu vermeiden. Erfolgreiche Trader zeichnen sich durch eine ähnliche Vorgehensweise aus. Sie beobachten die Märkte und suchen nach geeigneten Chancen, die ein minimales Risiko bei maximaler Rendite versprechen. Auf keinen Fall verstricken sie sich in ein sinnloses Hin und Her, indem sie jedem Pip oder Tick nachjagen. Nehmen Sie sich Zeit, schätzen Sie Ihre aktuelle Lage ein und warten Sie auf Ihre Chance. Konstruieren Sie eine Falle, die auch zuschnappt. Schauen Sie zum Beispiel nach eindeutigen Kursmustern, die nicht funktionieren. Wenn ein starkes bullisches Signal nicht funktioniert, dann ist der Markt schwach und es bietet sich eine chancenreiche Shortposition an. Seien Sie sich immer bewusst, dass Ihnen als Trader niemand vorschreiben kann, wann und was Sie handeln. Die Verantwortung dafür, erstklassige Trades zu finden, liegt ganz bei Ihnen. Sie haben also die Möglichkeit, das Schlachtfeld und den Zeitpunkt der Konfrontation zu bestimmen. Das ist schon mal sehr vorteilhaft.

Regel 3

Die richtige innere Einstellung ist der Schlüssel zum Erfolg.

Sicher haben Sie auch schon mal gehört, dass so manch vermeintlich harter Kerl beim ersten Zeichen von Gefahr ängstlich zusammenbricht. Und manches Mauerblümchen zeigt in Gefahrensituationen unvermutet Tapferkeit und Hartnäckigkeit. Ganz klar, die richtige innere Einstellung entscheidet meistens den Kampf. Ein Leitspruch der Royal Air Force: „Es gibt Piloten, die Kampfjets fliegen, und es gibt Kampfpiloten.“ Es gab viele Piloten, die zwar die nötigen fliegerischen Fähigkeiten besaßen, um einen Kampfjet zu fliegen, denen aber leider der Jagd- und Killerinstinkt fehlte, um ihren Kampfjet als tödliche Killermaschine einzusetzen. Im Luftkampf sind nur vier Prozent der Kampfpiloten für 40 Prozent der Abschüsse verantwortlich. Diese vier Prozent besitzen eine exzellente Auffassungsgabe, die es ihnen erlaubt, genau zu verstehen und zu erkennen, was im dreidimensionalen Raum um sie herum vorgeht. Sie haben eine natürliche Killereinstellung und zeichnen sich zudem durch Souveränität aus, ohne dabei eingebildet zu sein. Im Trading sind es für gewöhnlich zwei bis 15 Prozent der Trader, die den restlichen 85 bis 98 Prozent das Geld abnehmen. Trading ist vom Grundprinzip her simpel, aber es ist nicht leicht, kontinuierlich erfolgreich zu handeln. Es gibt zahlreiche Herausforderungen und Hindernisse. Haben Sie die richtige Haltung, um jeden neuen Trade mit Gleichmut, Hartnäckigkeit und Ausdauer und der gleichen Entschlossenheit zu beginnen – völlig egal, wie der letzte Trade ausgegangen ist? Sind Sie in der Lage, nach einem Rückschlag dazu überzugehen, den Markt aufs Neue nach günstigen Gelegenheiten mit minimalem Risiko und maximaler Rendite abzusuchen?

Regel 4

Vorbereitung ist die halbe Miete.

Ein britisches Armeesprichwort besagt: „Vorbereitung und Aufklärung sind niemals verschwendete Zeit.“ Ein Feldherr auf dem Schlachtfeld versucht immer zu antizipieren, was im gegnerischen Lager als Nächstes passieren wird. Intensive Vorbereitung gehört zu den ersten Pflichten eines Feldherrn; das verschafft ihm nicht selten einen entscheidenden Vorteil in der Schlacht. Für Sie als Trader ist es unumgänglich, dass auch Sie sich im Vorfeld Klarheit über Ihr Schlachtfeld – den Markt – verschaffen müssen.

• Auf welchem Markt handeln Sie? Ist es einer, der Gewinne verspricht?

• Wann können Sie Ihren Markt handeln?

• Welche Handelszeit verspricht die besten Aussichten auf Gelegenheiten mit minimalem Risiko und maximaler Rendite?

• Welche Vorgaben gibt es bezüglich der Positionsgrößen und der Margin?

• Wer sind meine Gegenspieler?

• Wo liegen meine Stärken? Wo liegen meine Schwächen? Was sind mögliche Bedrohungen?

• Was ist mein Ziel?

• Habe ich das nötige Kapital für den jeweiligen Markt? Der Fragenkatalog lässt sich noch vielfältig erweitern und individualisieren. Es gibt Dutzende weitere Fragen, die sich auf die richtige Vorbereitung beziehen. Was die Tradingperformance betrifft, steht die Vorbereitung auf den Handelstag an erster Stelle. Das führt uns zur nächsten Regel.

Regel 5

Übung macht den Meister.

Der chinesische General Sun Tzu schrieb in seinem legendären Handbuch „Die Kunst des Krieges“: „Wenn Soldaten nicht durch und durch gedrillt sind, werden sie im Kampf ängstlich und verwirrt sein; wenn Generäle nicht ausreichend in ihren Tätigkeiten trainiert sind, versagen sie, sobald sie auf den Feind treffen.“ Es gibt viele Gründe für militärischen Drill. Zunächst steigert er die körperliche Belastbarkeit der Soldaten, was sich wiederum positiv auf ihre geistige Belastbarkeit auswirkt. Zusätzlich schafft er Vertrauen in die Ausrüstung, die Kollegen, Taktiken und Arbeitsabläufe. Wie bei zivilen Piloten oder Notärzten grundlegende Fertigkeiten trainiert, bis sie automatisiert ablaufen. Das bedeutet, dass das trainierte Individuum in unerwarteten Stress- und Drucksituationen automatisch das Richtige tun wird. Wie viele Tradingcoaches üben wohl mit ihren Schützlingen so lange, bis die Handelsentscheidungen automatisch ablaufen? Sicher nicht sehr viele. Kontinuierliches Training elementarer Fertigkeiten hilft dabei, Routine und Selbstdisziplin sowie Selbstsicherheit und letztlich Kompetenz zu etablieren. Wenn das Feuer eröffnet wird, musst der Kampfpilot selbstsicher handeln und genau das tun, was die Situation erfordert. Das gilt auch für den Trader. Er muss wissen, was er tut, wenn der Markt nicht das tut, was der Trader gedacht hat – und das wird der Markt sogar ziemlich oft tun. Um uns auf einen Tradingtag vorzubereiten, schauen wir uns die verbleibenden fünf Regeln an.

Regel 6

Ob ein Plan gut ist, stellt sich beim ersten Feindkontakt heraus.

Es gibt eine alte Boxerregel, die ziemlich treffend ist: „Jeder Fighter hat einen Plan, der so lange funktioniert, bis einen der erste harte Faustschlag im Gesicht trifft.“ Auch Trader haben oft einen Plan, der nach bestem Wissen und Gewissen ausgearbeitet wurde. Meistens wird er nur so lange verfolgt, bis der erste harte Verlust einschlägt. Denn sobald der Trader den Verlust emotional spürt, kann es sein, dass er sich danach nicht mehr an seinen Plan hält. Psychologisch muss der Trader zwei verschiedene Personen verkörpern. Die eine plant die Strategie und arbeitet sie aus, die andere versucht die Strategie in konkretes Handeln umzusetzen. Es ist ein Leichtes, am Ende des Handelstages die Charts anzusehen und mögliche Tradinggelegenheiten für den nächsten Tag herauszusuchen. Man kann sich Zeit lassen und den Gedanken freien Lauf lassen. Aber am nächsten Tag, wenn sich die Märkte mit hoher Volatilität bewegen, ist die ruhige, gelassene, entscheidungsfreudige Person des Vorabends durch einen ängstlichen, unentschlossenen und wirbelnden Derwisch ersetzt worden. Das ist der Fall, wenn es Ihnen heiß und kalt über den Rücken läuft und Ihnen die Tränen in die Augen schießen. Auch wenn Sie sich noch so gut vorbereitet haben und eigentlich wissen, wie Sie in dieser Lage agieren sollten, werden Sie feststellen, dass sich Ihre Pläne in Luft auflösen, sobald Sie von unvorhergesehenen Ereignissen überrollt werden. Das ist auch der Grund, warum das Militär so viel Wert auf Checklisten oder standardisierte Prozesse legt. Ein Teil Ihres Plans sollte also aus Verhaltensmaßregeln bestehen, wie man mit solchen Unsicherheiten umgeht. Es liegt im Wesen des Unnormalen, dass unvorhersehbare Ereignisse selten sind. Nur weil sie unwahrscheinlich sind, heißt das noch lange nicht, dass sie ausbleiben. Man kann deshalb jedem Trader nur empfehlen, Checklisten zu entwickeln, damit man die Notfälle durchsteht.

Regel 7

Kenne deinen Feind.

Kampfpiloten verwenden viel Zeit darauf, ihre Stärken kennenzulernen – und die Schwächen ihrer Feinde. Bei ihren Feinden halten sie immer Ausschau nach Schwachstellen. Sei es bei deren Ausrüstung, den Soldaten selbst oder deren Taktik. Beim Traden haben wir es oft mit einem etwas anderen Feind zu tun, denn wir sind selbst unser größter Feind. Auf keinem Gebiet ist das zutreffender als beim Trading. Während Sie mit allen anderen Tradern auf der Welt in Konkurrenz stehen, ist die größte Schlacht, die Sie beim Traden gewinnen müssen, die gegen sich selbst. Oder ist es etwa Ihr böser Zwilling, der Sie in alle möglichen Schwierigkeiten zu bringen versucht? Das äußert sich in unüberlegten Trades, Overtrading durch eine zu hohe Handelsfrequenz, zu hohe Hebel oder zu große Positionen. Sie werden beim Livetrading mehr über sich selbst erfahren als wahrscheinlich in jedem anderen Betätigungsfeld. Haben Sie sich wirklich die Zeit genommen, um Ihre Handelsergebnisse, Ihr Verhalten und Ihre Transaktionen zu analysieren? Manchmal kommt dabei sogar der Punkt, an dem sich Trader entscheiden aufzugeben. Vielleicht gefällt den Tradern nicht, was sie über sich selbst entdeckt haben. Tief in Ihrem Inneren erkennen sie, dass sie den wirklichen Feind gesehen haben – sich selbst. Falls Sie ängstlich sind, zu emotional oder wenn Sie zu Disziplinlosigkeit neigen, dann ist Daytrading wahrscheinlich nicht das ideale Betätigungsfeld.

Regel 8

Stopp, Stopp, Stopp!

Alle Toptrader wissen, wann man aufhören sollte. Sie wissen, wann eine Auszeit notwendig ist. Beim Trading zwingt sie niemand zu kämpfen, wenn die Gewinnwahrscheinlichkeit gegen Sie läuft. Das muss man ausnutzen. Besonnen wegzulaufen, um am nächsten Tag weiter zu kämpfen, scheint doch sehr viel vernünftiger zu sein. Wenn Sie sich fühlen, als wären Sie in einen Hinterhalt geraten, dann steigen Sie doch einfach aus. Ziehen Sie sich zurück, um sich wieder neu aufzustellen. Der Rückzug ist die ideale Verbindung zu Regel 1 (Überlebe, um einen weiteren Tag kämpfen zu können) sowie zu Regel 2 (Gehe möglichst nur Kämpfe ein, die du auch gewinnen kannst). Börse ist nur ein Spiel mit Wahrscheinlichkeiten. Falls sich eine Position nicht wie geplant entwickelt, steigen Sie einfach aus. Passiert Ihnen das mehrfach, dann verlängern Sie Ihre Pausen. Vielleicht haben Sie nur kurzfristig das Marktgefühl verloren. Der Anfangsverlust ist immer der kleinste. Stellen Sie Ihre Position glatt und warten Sie besser auf eine neue günstige Gelegenheit. Es ist emotional unglaublich anstrengend, eine Verlustposition auszuhalten und zu hoffen, dass sie sich wieder ins Positive bewegen könnte. Oft klappt das Aussitzen auch – aber eben nicht immer. Immer wenn beim Nahkampftraining von Kampfflugzeugen eine Sicherheitsgefährdung auftrat oder sich ein Notfall ereignete, konnte jeder Pilot funken: „Stopp, Stopp, Stopp!“ Dann wurden alle Kampfhandlungen eingestellt, bis die Gefahr vorüber war. Ich erwähne das, weil ich denke, dass man beim Trading das Wort „Stopp“ im positiven Sinn gebrauchen kann:

• Trete zurück

• denke nach

• ordne deine Gedanken und

• mach weiter.

Ein Stopp kann beliebig lang sein. Er kann ein paar Sekunden oder auch, falls notwendig, einen Monat dauern. Es ist eine Gelegenheit, Abstand zu gewinnen vom Geschehen, von Emotionen und vom Denken. Manchmal ist die Abwesenheit vom Schlachtfeld gut für einen besseren Überblick und zur Veranschaulichung der angestrebten Ziele. Denken Sie an Regel 1: „Überlebe, um einen weiteren Tag kämpfen zu können.“

Regel 9

Halte dein Pulver trocken.

Spare Munition und vermeide „Winchester“. Im Luftkrieg bedeutet das Wort „Winchester“, dass Sie keine Munition mehr haben. Sie haben alles verschossen und können im Kampf nichts mehr bewirken. Sie müssen zum Stützpunkt zurück, um neue Munition zu laden und aufzutanken. Bei Tradern taucht „Winchester“ immer wieder auf, sowohl im strategischen als auch im taktischen Bereich. Privatpersonen sind oft unterkapitalisiert und handeln dann mit „ängstlichem“ Geld. Im taktischen Bereich gibt es Trader, die die Situation Winchester erleben – hervorgerufen durch Übertrading, einen zu hohen Hebeleinsatz, überzogene Konten, Selbstüberschätzung und schlechte Ausbildung. Sie sind ungeduldig, undiszipliniert und überschätzen sich. Vielleicht kann man diese Trader mit Soldaten in Hollywoodfilmen vergleichen, die wild und wahllos durch die Gegend ballern. Sie treffen kaum etwas und haben ihre Munition schnell verschossen (im Film geht die Munition natürlich nie aus). Meine Idealvorstellung eines Traders geht dahin, dass Sie sich als Ziel setzen, weniger derjenige zu sein, der ständig mit dem Maschinengewehr schießt, sondern eher ein ruhiger, besonnener Scharfschütze. Sie stellen mit Geduld und Disziplin eine Falle, warten auf Ihre Beute und lassen die Falle zuschnappen. Auf diese Weise haben Sie Ihr Schlachtfeld durchgeplant. Sie haben den Tag ruhig und geduldig dazu genutzt, um auf Ihre Gelegenheit mit einer hohen Wahrscheinlichkeit zu warten und zu einem guten Schuss zu kommen. Sie haben Ihren Plan ausgeführt und Ihre Mission beendet. Ihr Tag ist damit gelaufen.

Regel 10

Ständige Einsatzauswertung ist für eine gute Performance zwingend notwendig.

Dieser abschließende Punkt kann den Unterschied ausmachen, ob Sie ein erfolgreicher Toptrader werden oder nur gelegentliche Erfolgserlebnisse suchen. Ob Sie es glauben oder nicht, die besten Kampfpiloten verbringen mehr Zeit mit der Analyse ihrer Kampfeinsätze als mit der eigentlichen Durchführung. Die Grundhaltung, Informationen laufend auszuwerten, ist von Anfang an fest in der Militärkarriere verankert. Mit ständiger Hingabe werden Höchstleistungen angestrebt. Beim Trading liefert eine solche Grundeinstellung großartige Erträge. Aus Faulheit werten jedoch Trader nur selten ihr Tradingjournal aus. Das ergibt eigentlich keinen Sinn, weil eine Tradingausbildung sehr viel Geld kostet – für Coaches, Seminare oder Lehrgeld in der Praxis. Es liegt in Ihrer Verantwortung, so viel Nutzen wie möglich aus den vorhandenen Informationen zu ziehen. Fragen Sie sich: Was könnte verbessert werden, was haben Sie gut gemacht und was werden Sie als Nächstes tun? Was müssen Sie tun, um sich stetig zu verbessern? Sie werden feststellen, dass Sie nach einer guten Analyse immer wieder neu motiviert werden. denn Sie wissen dann, was sie tun müssen, um noch besser zu werden. Sie stellen sicher, dass Ihr Lernprozess fortschreitet. Die Wahrscheinlichkeit, dass Ihnen die gleichen Fehler wieder unterlaufen, verringert sich einfach. Mit einer gezielten Auswertung finden Sie die Antworten auf wichtige Fragen.

FAZIT

Der Artikel soll einem Trader Denkanstöße bieten, damit er in Zukunft besser handeln kann. Die wichtigste Regel ist und bleibt Nummer 1: Versuchen Sie immer zuerst, Ihr Überleben zu sichern, um am nächsten Tag von vorne beginnen zu können. Sie bildet das Fundament, auf dem jede Tradingstrategie errichtet werden sollte. Aus dieser Grundregel ergeben sich folgende Richtlinien:

1. Setzen Sie immer einen Stopp, um sich gegen hohe Verluste abzusichern.

2. Begrenzen Sie Ihr Risiko immer auf einen kleinen Teil Ihres Kapitals.

Selbst erfahrene Trader verlieren diese beiden elementaren Prinzipien gelegentlich aus den Augen. Wir sind alle Menschen und machen Fehler. Befolgen Sie jedoch die beiden genannten Prinzipien, dann werden Sie immer überleben, um am nächsten Tag weitermachen zu können. Sicherlich konnten Sie viele Ähnlichkeiten zwischen Kriegsführung und Trading feststellen. Wenn Sie einige der besprochenen Regeln annehmen und in Ihr Trading einbauen, können Sie ein großer Tradinggeneral werden, der selbst viele Schlachten gewinnt.