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WAS WIR VON DER NATUR LERNEN KÖNNEN


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maas - epaper ⋅ Ausgabe 25/2022 vom 18.05.2022
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Wir sind wunderbar und tief mit der Natur verbunden. Schließlich sind wir ein Teil von ihr. Es ist nicht so, als ob zuerst die Natur hier war und dann die Menschen von einem anderen Planeten angereist kamen und wir nun miteinander zurechtkommen müssen. Nein, wir und sie sind eng miteinander verwoben. Sich dessen bewusst zu sein, hilft uns dabei zu erkennen, wie nahtlos wir vieles von der Natur übernehmen und lernen können.

Im Kleinen wie im Großen

Manchmal sind es die kleinen Dinge. Wir betrachten die kurze Lebenszeitspanne einer Blume und werden daran erinnert, dass Geburt, Wachstum und Tod zur Natur dazugehören. Weder die Blume noch wir leben ewig. Sich dies bewusst zu machen, kann zugleich sehr motivierend sein. Es hilft uns dabei, unsere Ängste zu überwinden, rauszugehen und das Leben zu leben, zu dem wir uns berufen fühlen. Die Blume erinnert uns daran, dass unsere Zeit hier kostbar ist. Wenn ...

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... wir uns jedoch unseren Gedanken und Handlungen nicht bewusst sind, werden wir am Ende ganz viel von dem verpassen, was wir eigentlich erleben wollten.

Die Blume erinnert uns auch daran, dass es nicht die Größe von etwas ist, das über seine Wirkungskraft entscheidet. Die kleinsten Blumen können uns mit ihrer Schönheit bezaubern, Nektar für Insekten und Vögel liefern und uns mit ihrer Widerstandsfähigkeit inspirieren, selbst unter härtesten Bedingungen, wie in einem Riss auf dem Bürgersteig, zu keimen und zu wachsen. Wenn diese winzig kleine Blume all das kann, wozu sind wir dann in unserem Leben fähig?

Die Natur ist auch sehr kraftvoll darin, uns durch große Dinge zu lehren. Wenn wir während eines Sturms am Ufer des Meeres stehen und beobachten, wie die Wellen unaufhörlich gegen die Küste brechen, wird uns dadurch unsere eigene Bedeutungslosigkeit vor Augen geführt. Diese Wellen werden unermüdlich, kraftvoll und beharrlich Berge abtragen, und trotz bester Bemühungen gibt es sehr wenig, was wir dagegen tun können. Das bringt Demut. Es relativiert die Dinge, wenn wir anfangen, uns selbst in unseren Handlungen oder Beiträgen übermäßig wichtig zu fühlen. Nur selten gibt es Personen, deren Name oder Errungenschaften hundert Jahre nach ihrem Tod immer noch einen prominenten Teil der Erdgeschichte einnehmen. Aber diese Wellen waren und bleiben ein wichtiger Teil der Erdgeschichte für Millionen, wenn nicht gar Milliarden von Jahren.

Lehrmeister für Demut und Ehrfurcht

Das bedeutet nicht, dass unser Leben sinnlos ist. Es zeigt, wie irrelevant die Zeit ist, die wir damit verbringen, uns einen dauerhaften Platz in der Geschichte des Planeten zu sichern. Wenn wir näher darüber nachdenken, hilft es uns sogar zu einer Abkehr von Aggression, Machtergreifung und allen Versuchen, zu dominieren und zu kontrollieren. Denn diese sind lächerlich und erbärmlich im Vergleich zur Natur. Welche von Menschenhand geschaffene Struktur kam jeweils an die Höhe der höchsten Berge oder die Tiefen der tiefsten Ozeane heran? Welches künstlerische Gemälde eines Sonnenuntergangs hat jemals den tatsächlichen Sonnenuntergang, auf dem das Gemälde basiert, an Schönheit oder der Fähigkeit, Ehrfurcht zu erwecken, übertroffen? Sogar unsere Fähigkeit, Raketen in den Weltraum zu schicken, erscheint demütig klein im Vergleich zur Größe des gesamten Kosmos. Dieses erwachte Bewusstsein hält uns auf dem Boden. Es führt uns zu Freundlichkeit, Mitgefühl, Empathie, Präsenz im Leben und einer tiefen Wertschätzung für die Natur.

Vom Wind lernen

Manchmal haben wir inmitten der kraftvollsten Momente der Natur die einfachsten Erkenntnisse. Zum Beispiel wird selbst an den windigsten Tagen ein von Bäumen umgebener Alpensee immer ein ruhiges Plätzchen aufweisen. Ein Ort, an dem es so ist, als ob überhaupt kein Wind weht. Es gibt dort Stille, Ruhe und Gelassenheit. Faszinierenderweise muss man, um diesen Ort am See zu finden, wenn man von einer anderen Ecke des Sees kommt, mit großer Wahrscheinlichkeit dem Wind direkt entgegengehen.

Denk mal darüber nach, was für eine tiefgründige Lebenslektion uns hier mitgegeben wird! In unseren schwierigsten Momenten gibt es immer die Möglichkeit zur Ruhe. Und um sie zu erreichen, wird es höchstwahrscheinlich erforderlich sein, geradewegs auf die Herausforderungen zuzugehen, mit denen wir konfrontiert werden, und sie unmittelbar in Angriff zu nehmen. Denn wenn wir es nicht tun, werden wir hin und her geschleudert, bis wir es endlich tun. Und es wird am härtesten für uns, je weiter wir von der Ruhe entfernt sind. Hier müssen wir den größten Glauben, den größten Fokus und die größte Entschlossenheit aufbringen, um Maßnahmen dafür zu ergreifen und nicht aufzugeben. Aber wenn wir das tun, wird es besser und einfacher werden, und wir werden unseren Weg in die Entspannung finden. Die Lösung für so vieles, was Angst, Unsicherheit und Schmerz im Leben verursacht, liegt genau in der Art und Weise, wie sich Alpensee und Wind zueinander verhalten.

Den richtigen Ort finden

Die Natur leitet uns auch auf andere Art. Es gibt eine natürliche Ordnung in der Form, wie sie sich selbst arrangiert. Ein Wunsch nach Kohärenz. Zum Beispiel ziehen es manche Spezies vor, in großen Gruppen zusammen zu sein. Sie finden ihre Herde oder Schule, und dort verbringen sie ihre Zeit. Andere ziehen es vor, einsamer zu sein und nur gelegentlich mit anderen ihrer eigenen Spezies oder irgendeiner Spezies zu interagieren. Ein Teil der menschlichen Erfahrung besteht darin, herauszufinden, wo wir uns persönlich am kohärentesten fühlen, und das dann zu respektieren. Ein Leben in der Stadt unter Millionen von anderen Menschen und in einer energiegeladenen, abwechslungsreichen Umgebung ist für manche Menschen das Paradies schlechthin. Es ist zugleich der Horror für andere, die ein stilleres, weniger interaktives, langsameres Leben bevorzugen. Ebenso ist eine Strandvilla am Meer für manche das Paradies. Für andere dagegen sind die Berge der Ort, an dem ihr Herz am lautesten singt. Ein Teil der menschlichen Reise zu Glück und Zufriedenheit besteht darin, uns klarzumachen, dass wir zwar nicht wählen können, wo wir geboren werden, aber wir sehr wohl auswählen können, wo wir bleiben wollen. Und obwohl wir uns nicht aussuchen, in welche Familie wir geboren werden, können wir frei wählen, wo wir bleiben. Es geht darum, uns selbst und unser Leben so zu gestalten, wie es für uns am sinnvollsten ist.

Quelle der Inspiration und Antworten

Als Schriftsteller erstaunt es mich immer wieder, wie die Zeit in der Natur die Kreativität beflügelt. Es gibt einfach so viel zu beobachten. Die Art und Weise, wie Zweige der gleichen Spezies an einem Baum so perfekt symmetrisch sein können, während sie sich zugleich von Zweigen einer anderen Spezies komplett unterscheiden. Die lebendigen und unzähligen Farben, die in einem Feld von Wildblumen zu finden sind. Wie Vögel zusammenströmen, obwohl sie eigentlich gar nicht wissen, wie sie aussehen. Oder die Tatsache, dass sie auf uralten Migrationsrouten durch die Welt navigieren können, obwohl sie keine Smartphones oder gps-Geräte besitzen, die sie führen können. Wenn wir uns die Zeit nehmen, diese Wunder wirklich wahrzunehmen, inspiriert uns das auf so vielen Ebenen. Von der Schaffung neuer Konzepte, dem Erfinden von Geschichten, dem Identifizieren von Heilmitteln bis zum Artikulieren neuer Denk-, Handlungs-und Bauweisen ist die Natur eine beständige Quelle der Inspiration. Der Trick besteht darin, Dinge zu bemerken, und das können wir nur, wenn wir in die Natur gehen und dort die Zeit mit offenen Augen und offenem Geist verbringen. Wenn wir uns in einer natürlichen Umgebung befinden, ist es eine wunderbare und kraftvolle Übung, uns selbst Fragen zu stellen wie: »Was habe ich hier noch nie bemerkt?« und »Was ist neu in diesem Moment?« Wenn wir das tun, ohne unsere Erlebnisse durch einen Strom anderer Ablenkungen zu filtern, ist es erstaunlich, welche Erkenntnisse wir gewinnen.

Diese Erkenntnisse müssen sich nicht auf das beschränken, was anders als vorher ist. Es können auch Erkenntnisse über unser Leben sein. Es hat etwas so Kraftvolles, die größeren Fragen unserer Existenz in einer natürlichen Umgebung zu stellen. Es ist, als ob wir uns so viel müheloser mit all den Antworten verbinden können, die das Universum für uns bereithält. Wenn wir durch den Wald oder am Meer entlang gehen und uns Fragen über das Leben, unsere Bestimmung, die Bedeutung der Dinge oder über unsere aktuellen Herausforderungen stellen, verändert dies die Geschwindigkeit und Klarheit der Antworten, die wir erhalten, zutiefst. Es ist, als würde man ein Ultra-High-Speed-Netzwerk anzapfen. Nur dass dies kostenlos ist und wir der einzige Empfänger sind, der hier benötigt wird.

Ein großes Geschenk

Es ist spannend, dass wir, wenn wir es schon länger nicht mehr angezapft haben, oftmals komplett vergessen, dass diese Verbindungen da draußen sind. Hier haben wir diese erstaunliche Ressource und anstatt uns von ihr helfen zu lassen, kämpfen und mühen wir uns durchs Leben. Die gute Nachricht ist jedoch, dass auch das Gegenteil passieren kann. Je mehr wir uns erlauben, uns mit der Natur zu verbinden, desto mehr erkennen wir, was für ein unglaubliches Geschenk darin liegt. Noch erstaunlicher ist es, dass wir, je mehr wir mit ihr interagieren, umso geschickter darin werden, die Weisheit der Natur aufzunehmen. Es ist, als würden wir eine Frequenz einstellen oder eine staubige Glasscheibe reinigen. Am Anfang sehen wir nur ein wenig oder verstehen nur ein kleines Stück von dem, was wir hören. Aber mit der Zeit, wenn wir unsere Verbindung perfektionieren, wird alles klarer und klarer und die Informationen fließen schneller, müheloser und in größeren Mengen.

Dies hat eine weitreichende Folge, nämlich dass die Natur uns zur Ruhe und Gelassenheit inspirieren kann. So vieles von dem, was Stress und Unsicherheit in unserem Leben erzeugt, geht auf unsere Ängste und Sorgen zurück. Wir kennen die Antworten nicht, es gibt nicht genug, wir haben keine Zeit, was ist, wenn wir versagen … Die Intensität dieser Ängste ist fast immer umgekehrt proportional zu unserer Verbindung mit der Natur. Das macht Sinn, denn wenn wir Zeit in der Natur verbringen und unser Kanal für alles, was in der Welt existiert, weit offen und klar ist, gibt es keinen Grund, Angst davor zu haben, es nicht zu wissen.

Es stimmt zwar, dass wir es im Moment vielleicht nicht wissen, aber wir haben eine direkte Verbindung zu einem unglaublichen Repertoire an Wissen und Erkenntnissen, das wir jederzeit und von jedem Ort aus nutzen können, um uns bei jeder Herausforderung zu helfen.

Sorgen werden klein

Wir können auch die Sorge loslassen, dass es nicht genug gibt. Wenn die Natur gedeihen darf, bietet sie uns eine große Fülle. Aus winzigen Samen wächst in der Natur eine Karotte, ein Apfelbaum, ein riesiger Mammutbaum. All dies produziert Hunderte, wenn nicht Tausende mehr Samen, die dann wiederum Tausende und Abermillionen von noch mehr Samen produzieren. Dieses System ist so konzipiert, dass es großzügig und autark ist. Es liegt selbstverständlich an uns, unseren Teil dazu beizutragen. Eine einfache Möglichkeit, uns daran zu erinnern, wie wunderbar und eindrucksvoll dieses System ist, besteht darin, etwas zu pflanzen. Wenn wir unsere Hände in die Erde stecken, einen Samen pflanzen und ihn wachsen sehen, verändert er uns. Es entfacht unsere Ehrfurcht vor allem, was die Natur bereithält und uns bietet.

Und ein letzter Aspekt ist, dass auch Zeit und Misserfolge in eine völlig andere Perspektive gerückt werden, wenn wir mit der Natur interagieren. Berge erheben sich, fallen ein und wachsen dann im Laufe von hundert Millionen Jahren wieder an. Sterne werden Milliarden von Jahren hell brennen und dann ausbrennen, wobei ihre Energie als Katalysator für die Geburt neuer Sterne dient, die Milliarden von Jahren länger leben werden. Unser persönliches Leben ist nur ein Bruchteil eines Bruchteils eines Moments im Kalender der Natur. Was es zu einem sehr wertvollen Gut macht. Wir können es damit verbringen, uns Sorgen darüber zu machen, was schiefgehen könnte oder uns selbst verprügeln, wenn wir versagt haben. Viel besser ist es jedoch, unser Leben zu verwenden, um herauszufinden, was für ein Leben wir überhaupt wollen und es dann auf mutige und mitfühlende Weise zu leben.

John P. Strelecky ist Nr. 1 Beststeller-Autor von ›Das Café am Rande der Welt‹ sowie der ›The Big Five for Life‹-Serie. Hilfestellungen, wie du herausfindest, welches Leben du eigentlich leben möchtest, findest du unter

https://bigfiveforlife-seminar.com