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Wasser ohne Ende


Kanu Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 5/2021 vom 04.08.2021

VENETIEN

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Die Region Venetien reicht von den Felszinnen der Dolomiten bis zur nördlichen Adria. Bergse en und Flüsse, Küsten und L agunen prägen das Bild. Zahl reiche Wasserwege bieten uns Kanuten eine reiche Auswahl an Tourenmöglichkeiten. Und das meist mi lde, mediterrane Klima sorgt f ür eine lange Kanusaison von März bis Anfang November.

Venedig

Thomas Mann soll gesagt haben, dass Venedig »die unwirklichste Stadt der Welt« sei. Leider wird die Stadt fast den ganzen Sommer lang von Besuchern erdrückt. In Coronazeiten hat sich die Situation etwas entspannt, da die Besucher aus Übersee noch ausbleiben. Frühjahr und Herbst sind generell eine gute Wahl, um hier mit dem Boot unterwegs zu sein.

Ein empfehlenswerter Ausgangspunkt für Kanuten ist der Campingplatz bei Punta Sabbioni. Von hier aus paddelt man entlang der Gemüseinsel San Erasmo zur Klosterinsel San Francesco del Deserto und weiter über Burano ...

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... nach Torcello. Eine Tourverlängerung über Murano nach Venedig mit Zwischenübernachtung ist möglich. Man kann auf einer einsamen Salzinsel sein Zelt aufbauen oder sich vorab ein Zimmer buchen. Wer Venedig ganz nah sein möchte, startet vom Campingplatz San Nicolo auf dem Lido ins Herz Venedigs. Paddler, die am Campingplatz Serenissima am Naviglio di Brenta nächtigen, kommen von Fusina aus über den Canale Nuovo di Fusina auf dem Wasserweg nach Venedig. Die Anzahl der Tourenmöglichkeiten von hier aus ist vielfältig. Wer Zeit hat, entdeckt Plätze, die jedem Pauschaltouristen verborgen bleiben.Vorsicht ist geboten auf den besonders stark frequentierten Wasserstraßen, zum Beispiel zwischen dem Lido und Venedig oder Murano und Venedig. Den Fähren und Kreuzfahrtschiffen sollte man frühzeitig ausweichen. Auf dem Canale Grande und anderen vielbefahrenen Wasserwegen gibt es zeitlich befristete Sperren zu beachten. Nur an Nachmittagen und ganztags am Sonntag ist eine Befahrung ohne Einschränkungen möglich. Unproblematisch ist der Bereich zwischen Punta Sabbioni, San Erasmo, San Francesco, Burano und Torcello – in diesem reizvollen Bereich der Lagune geht man dem Getümmel der Stadt Venedig etwas aus dem Weg. Die Isola Burano mit ihren farbenprächtigen Häusern ist, ähnlich wie Murano, eine attraktive Miniaturausgabe von Venedig.Wenn die letzte Fähre abgefahren ist, hat man die Insel nahezu für sich allein. Ähnlich verhält es sich in Torcello und Murano.

VOGALONGA

Pfingsten, 9 Uhr. Mit einem Kanonenschlag wird jedes Jahr seit 46 Jahren die Vogalonga in Venedig gestartet. Ausnahme: 2020 fiel diese Großveranstaltung wegen der Corona-Pandemie aus. Die Ruder- und Paddelveranstaltung ist eine friedliche Kundgebung für den motorlosen Verkehr und möchte auf die Verschmutzung der Lagune hinweisen. Schon damals, zur Premiere am 8. Mai 1975, hatte man mit 500 Booten und 1500 Teilnehmern nicht gerechnet. Heute erreichen die Teilnehmerzahlen mehr als das dreifache. Zugelassen sind alle Boote, die mit Muskelkraft angetrieben werden. Ein besonderer Augenschmaus für Teilnehmer und Zuschauer ist der Anblick der Gondeln. Aber auch das Gesamtbild an bunten und verschiedenartigen Kanus, Kajaks, Drachenbooten und Ruderbooten ist beeindruckend. Am Start am Markusplatz geht es hoch her. Hubschrauber beobachten die Strecke, die Engstellen der 30 Kilometer langen Umfahrt sind schon manchen zum Verhängnis geworden. Unterwegs führt die Regatta an den Inseln Vignole und Sant‘Erasmo vorbei bis nach Burano und über Murano zurück nach Venedig, bis es letztendlich durch den Canale Grande wieder ans Ziel am Piazza San Marco geht. Die Regatta hat keinen Wettkampfcharakter. Ein Zeitziel kann sich jeder selbst setzen.

Chióggia

Das kleine Städtchen am Südrand der Lagune wirkt wie eine verarmte Tochter der Serenissima. Morbider Charme umweht die etwas schmuddelige aber dennoch bezaubernde Altstadt. Wer außerhalb der Hochsaison herkommt, wird in vielerlei Hinsicht überrascht sein. Es riecht nach Fisch und Meer, und man ist weg vom Rummel der Stadt Venedig. Vom Parkplatz Isola Dell‘Unione gegenüber dem Fischmarkt starte ich zu einer kurzen Rundtour. Am hintersten Ende des riesigen Parkplatzes kann man an einer Rampe sein Boot bequem einsetzten, und schon nach wenigen Paddelschlägen nehme ich, begleitet von zahlreichen kreischenden Möwen, die Einfahrt in die Altstadt in den Canale Vena. Leider werden im Verlauf der Weiterfahrt die Brücken immer niedriger und daher bin ich schließlich zur Umkehr gezwungen. Die idyllische Strecke lohnt sich dennoch. Der Wasserstand ist etwas abhängig von Ebbe und Flut, was die Höhe der Brückendurchfahrten beeinflusst. Daher mein Entschluss, über den größeren Canale Lombardo die Altstadt zu umrunden. Hier liegen auch größere Boote vor Anker, und die wenigen Brücken auf diesem Weg stellen kein Problem dar. Rechts herum geht es dann durch den Hafen. Die ein- und auslaufenden Fähren und Schiffe sollte man immer im Blick behalten. Ein kurzer Abstecher führt mich noch einmal in den Canale Vena hinein und unter der historischen Fußgängerbrücke Ponte di Vigo durch. Dann vollende ich meine Runde entlang des östlichen Ufers. Als Abschlussprogramm lohnt ein Besuch des Museo Civico della Laguna Sud, das die südliche Lagune von Venedig thematisiert.

Sile

Der 95 Kilometer lange Fluss Sile gehört zu den bezauberndsten und von der Logistik unproblematischsten Gewässern im Umfeld von Venedig. Der schiffbare Wasserlauf verbindet die Lagune mit einem Vorort der Stadt Treviso, einer der schönsten Städte Norditaliens. Treviso ist eine Stadt der Kanäle mit tiefhängenden Weiden, bunten Fassaden, Laubengängen und einem lebhaften Fischmarkt. Der Fluss fließt kurvenreich durch eine Parklandschaft mit vielen Mühlen und Villen. Für Paddler ist vor allem die elf Kilometer lange Stecke von Casier nach Casale von besonderem Reiz. Sie durchquert einen Teil des regionalen Naturparks Sile. Die Fahrt beginnt im bezaubernden Hafen von Casier nahe dem Parcheggio al Parco dei Burchi. Die Trattoria al Sile kann für eine finale Einkehr empfohlen werden.

Von meiner ersten Tour auf dem Sile vor vielen Jahren habe ich die nur sechs Kilometer lange Rückfahrt auf einer schmalen und stark befahrenen Straße in schlechter Erinnerung, Heute gibt es mit dem von der europäischen Union finanzierten Radweg E4 (der München und Venedig verbindet) eine naturnahe Alternative. Zwar ist die Fahrstrecke durch die ausgeprägten Flussbiegungen deutlich länger, aber auch superschön, da sie abseits der lauten Verkehrswege verläuft. Die grüne Flussstrecke mit Weiden, Pappeln und Seerosenfeldern führt neben den alten Villen und Mühlen auch an verfallenen Fabriken vorbei. Die wenigen Sportschiffe stören überhaupt nicht, dafür begeistert die Flussreise auf jedem Meter. Wer Gefallen an dem Gewässer gefunden hat, kann die Fahrt um 28 Kilometer bis Portegrandi verlängern. Sehr reizvoll und informativ ist auch das Quellgebiet des Sile oberhalb von Treviso mit dem Parkzentrum Oasi del Mulino Cervara bei Quinto di Treviso.

Brentakanal Naviglio Brenta

Der Naviglio Brenta ist ein idyllischer Wasserweg mit einigen Schleusen, der die Lagune von Venedig bei Fusina mit Padua verbindet. Reiche Venezianer ließen sich früher von berühmten Baumeistern wie Andrea Palladio prunkvolle Villen erbauen, um hier die Sommermonate zu verbringen. Kanuten können die gesamte, 33 Kilometer lange Strecke paddeln oder sich auf den schönsten Abschnitt zwischen Stra und Oriago konzentrieren, an dem die meisten der schmucken Villen liegen. Bei meiner letzten Fahrt im späten Oktober musste ich am Morgen erst einmal abwarten, bis sich der zähe Morgennebel halbwegs gelichtet hatte. Doch dann bot sich eine bezaubernde Stimmung. Lange Zeit hatte ich auf dem Wasser das Gefühl, völlig allein unterwegs zu sein. Einzelne Möwen begleiteten mich, und erste Angler nahmen ihr Tagwerk auf. Überhängende Weiden, verfallene Bootsanleger und Barken trugen zu einer unverwechselbaren Stimmung bei. Einige der Villen sind in einem schlechten Zustand. Andere lohnen einen Besuch. Die schönste von allen ist vermutlich die Villa Nazionale Pisani in Stra. 114 Räume umfasst der barocke Bau, und dahinter breitet sich ein weitläufiger Park mit altem Baumbestand, vielen Statuen und einem aufregenden Irrgarten aus. In den Prunksälen sind Fresken und Deckengemälde bekannter Künstler wie Giovanni Battista Tiepolo zu sehen. Später schlendere ich noch durch das verschlafene Städtchen Mira, wo wenige Menschen einen kleinen Markt und nette Cafés beleben und für eine friedliche Sonntagnachmittags-Stimmung sorgen. Wer in Sommerferienzeiten hierher kommt, wird die Situation vermutlich weniger idyllisch erleben.

Das Delta des Po

Nach der Verlegung der Po-Mündung durch die Venezianer im Jahre 1604 nach Süden bildete sich das Flussdelta, wie wir es heute kennen. Zuvor hatten sich die Arme des Po immer mehr nach Norden orientiert. Flüsse machen eben, was sie wollen. Ähnlich wie bereits mit den Eingriffen in die Flussläufe von Sile und Piave wollte man mit diesen Maßnahmen der Verlandung der Lagune von Venedig durch das von den Flüssen transportierte Geschiebe entgegen wirken.

Schließlich war der strategische Schutz der Stadt überlebenswichtig. Heute bildet das Mündungsgebiet des Po das größte Delta eines italienischen Flusses überhaupt und ist das größte Feuchtgebiet des Landes. Seit 1997 ist das Podelta in der Provinz Rovigo im Süden Veneziens Biosphärenreservat. Fast 400 Arten von Wasservögeln, enormer Fischreichtum und eine besondere Vegetation kennzeichnen die vom Tourismus wenig frequentierte Region. Frühjahr und Herbst sind für einen Besuch zu empfehlen.

Im Herbst ist allerdings Entenjagd, und dann wird vielerorts scharf geschossen. Bei meinem letzten Aufenthalt im späten Oktober 2019 lag der Nebel bis in den späten Vormittag über weiten Teilen Venetiens. Im Podelta dagegen sorgte der sanft vom Meer her wehende Wind für klare Sicht und sonnige Temperaturen von über 20 Grad. Die Auswahl an Kanuge-wässern ist groß. Interessant sind die Außenbereiche des Po di Venezia bei Pila oder der Unterlauf mit dem Mündungsbereich des Po di Gnocca. Von den vielen Wasserarmen des Po seien hier zwei Touren näher beschrieben:

PO DI MAISTRA: Eine Fahrt auf diesem besonders schönen Flussarm kann man bereits an der Anlegestelle in Porto Tolle beginnen. Dazu muss allerdings zunächst der breite Po di Venezia gequert werden. Vorsicht auf die Berufsschifffahrt! Fast gegenüber befindet sich im Weiler Cá Venier ein besser geeigneter Zustieg. Von hier aus geht es 200 Meter flussaufwärts, dann biegt man rechts in den Po di Maistra ein, der in Richtung Nordosten fließt. Nun unterquert man die Brücke der SP 37 und ist auf der Folgestrecke bis Boccasette in einer anmutigen Natur unterwegs. Bewaldete Ufer mit Schilf, Flussinseln und in das Wasser hängende Weiden flankieren das Gewässer, das vor der Flussregulierung der Hauptarm des Po war (»Maistra« = Haupt). Es lohnt sich, an der Brücke von Boccasette noch die nächste Linkskurve mitzunehmen oder gar noch in die verwirrende Welt der Außenzone mit ihrer grenzenlosen Schilflandschaft einzudringen. An der Mündung, Foce Po di Maistra, gibt es einen Badestrand, der allerdings außerhalb der Saison nicht gepflegt wird. Am Ende der Tour geht es wieder zum Ausstieg nach Boccasette zurück. Der kleine Ort bietet bescheidene Einkehrmöglichkeiten und ist bekannt für seine Sonnenuntergänge. Zur Rückholung des Fahrzeugs eignet sich ein Radweg entlang des Flussufers.

PO DI GORO: Der etwas südlicher gelegene Poarm ist knapp 50 Kilometer lang und bereits Grenzfluss zwischen den Regionen Venezien und Emilia Romagna. Die Befahrung beginnt nahe von Cà Vendremin. Nach dem Start an der Anlegestelle 300 Meter hinter dem Besucherzentrum geht es entspannt und mit sanfter Strömung voran. Dichte Schilfgürtel und grüne Flussinseln sorgen für Kurzweil. Nach etwa der halben Strecke lassen wir den größeren Ort Goro am rechten Ufer liegen. Hier gibt es Restaurants, Supermärkte und zur Meerseite hin einen Sportboothafen und eine Kaserne. Wer nicht die 16 Kilometer lange Gesamtstrecke paddeln möchte, kann auch hier an einer Anlegestelle in der Via del Po die Tour be-ginnen. Die Fahrt durch die folgende Flussschleife mit langen Flussinseln ist der schönste Abschnitt des Po di Goro. Die Tour endet an der Anlegestelle der Ponte di Barche bei Gorina Veneto. Fünf Kilometer weiter mündet der Po di Goro in die Adria.

Das einsame Mündungsgebiet steht unter Schutz, bietet eine reiche Natur und ist ein Paradies für Wasservögel. Weniger schön ist allerdings der angeschwemmte Plastikmüll.

Erfahrenen Seekajakern sei eine Tour vom Podelta nach Venedig empfohlen, wie sie meine Rosenheimer Freunde um Stephan Mayer und Jürgen Prijon im Herbst 2020 unternahmen. Eine Mehrtagestour, die bei sicherem Wetter, richtiger Ausrüstung und Erfahrung in Navigation ein tolles Erlebnis garantiert.