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WASSERWERFER, WILLYS JEEP UND EIN EXPLOSIVER BMW


Auto Bild - epaper ⋅ Ausgabe 27/2021 vom 08.07.2021

MENSCHEN

EIN BISSCHEN WAS hat Björn Brockmann von James Bond. Okay, vielleicht nicht den Sixpack. Aber das passende Auto. „Wenn Sie darauf drücken, fliegt die Frontscheibe raus“, sagt Brockmann und zeigt in der Mittelkonsole eines schwarzen 7er-BMW auf einen Knopf. „Notausstieg“ steht auf dem Siegel, das es vorher noch zu durchtrennen gilt.

Brockmann ist Gebrauchtwagenhändler. Bei ihm an der A 1 bei Bremen gibt es 007- statt 08/15- Ware. Einen Willys Jeep mit Kanonen- und Gewehrhalterung. Einen gepanzerten BMW, Baujahr 2003, der früher im Einsatz der Bundesregierung war. Dazu Feuerwehrautos und Ferrari, Müllwagen und Mercedes, Rettungswagen und Ro 80. Die wildesten Sachen.

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Seit über 30 Jahren wartet der Jeep auf einen Käufer ...

Brockmann ist Geschäftsführer von „Autoland 2000“ und „Truck 2000“. Früher hat den Job sein Vater gemacht, dann übernahm der heute 42-Jährige.

ZUR PERSON

Björn Brockmann

Nach der Schule ungelernt mit 19 Jahren in den Autohandel ...

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... eingestiegen als Lkw-Fahrer. Stieg später zum Geschäftsführer auf. Verheiratet, ein Kind. Sammelt selbst keine Autos, aber Uhren.

Die Firma startete vor fast 40 Jahren als klassischer Gebrauchtwagenhandel. Irgendwann spezialisierte sich der Laden auf seltene Pkw und vor allem: Nutzfahrzeuge. „Bei Pkw ist die Konkurrenz inzwischen zu groß“, sagt Brockmann.

Rund 500 Fahrzeuge sind auf Lager, für jeden ist etwas dabei. Großer Garten? Dann wäre vielleicht der Allrad-Mercedes mit Baumwurzelfräse der Firma Menzi Muck etwas. Allein die Fräse hat 400 PS und einen Zehnzylinder! Gibt’s für 35 641 Euro. Noch größerer Garten? Mit dem Wasserwerfer und seinem 9000-Liter-Tank macht Rasen sprengen noch mal mehr Spaß.

Klingt nach einem Scherz, ist aber in der Tat so: „Viele Nutz-fahrzeuge bekommen später einen völlig neuen Nutzen“, sagt Brockmann.

„Gebrauchte Drehleitern sind bei Dachdeckern beliebt. Alte THW-Lkw bauen viele zu Wohnmobilen um.“

Björn Brockmann, Geschäftsführer

Etwa die Feuerwehrdrehleitern: „Die sind bei Dachdeckern sehr begehrt. Und bei Reklamefirmen, die te anbringen müssen .“

Und wer kauft einen Wasserwerfer? Sagen wir es so: Er steht für den gesellschaftlichen Wandel. Früher wurde er gegen AKW-Gegner eingesetzt, heute für Photovoltaikanlagen. „Damit kann man die prima reinigen“, sagt Lkw-Verkäufer Lars Schneider (56). „Dann nur kein Reizgas beimischen!“ Auch nach Afrika würde er solche Fahrzeuge gelegentlich verkaufen, für die Wasserversorgung.

Ein Container-Schlepper aus dem Hafen, ein 32 Jahre altes Feuerwehrauto mit 10 298 Kilometern auf der Uhr, ein Mercedes E 280 als Krankenwagen samt Trage – der Besuch bei Brockmann und seinen Kollegen ist wie ein Tag im Freizeitpark. Fahrgeschäfte, so weit das Auge reicht. Jetzt noch mal einsteigen, jetzt noch mal mitfahren? „Probefahrten machen wir zur Zeit eher nicht“, sagt Brockmann. Verkauft werde oft ungesehen. „Gerade habe ich einen Mercedes C 36 AMG in die USA verschifft.“

Früher gingen rund zwei Drittel der Fahrzeuge ins Ausland – Island, Chile, Paraguay, Nigeria. Heute ist die Quote 50:50, „inzwischen wollen auch viele Deutsche gebrauchte Nutzfahrzeuge“. Etwa jetzt in Pandemiezeiten: „Wir haben viele Rettungswagen verkauft, die als Corona-Schnellteststationen genutzt werden.“

Schusssicher: Der BMW hat zentimeterdicke Scheiben

Besonders begehrt sind aktuell ausgemusterte 4x4-Lkw vom THW. „Die wollen die Leute zu Expeditions-Reisemobilen ausbauen“, sagt Brockmann. Aktuell stünden jeden Tag zwei, drei Leute im Laden, die die Grundlage für ein Campingmobil suchten, sagt Thomas Mescheder. Er ist der Sohn des Inhabers, aktueller Dienstwagen: Maserati, gebraucht natürlich.

In der Halle mit den Pkw stehen weitere Schätze: Etwa eine S-Klasse mit Erstzulassung im Dezember 2000, die nur 2410 Kilometer gelaufen ist (letzte Wartung bei 1608 km). Ein seltener Lancia Fulvia Sport. Und selbst einen Lambo-Geländewagen LM002 haben sie hier schon mal verkauft.

Auch wenn es im Nutzfahrzeughandel gewöhnlich eher etwas rauer zugeht als im Glaspalast der Autohändler – wer nett ist, bekommt hier sogar mehr als den obligatorischen Sekt bei Fahr- zeugübergabe. „Einem Ford-Transit-Käufer habe ich neulich einen Präsentkorb aus dem Alsterhaus geschenkt“, sagt Verkäufer Schneider. „Weil das einfach ein netter Mensch ist.“ Bleiben noch zwei Fragen. Erstens: Wer kauft so einen gepanzerten BMW? „Drogenbarone oder andere ähnlich gefährdete Leute“, sagt Brockmann und lacht, wobei nicht ganz klar ist, ob er das ernst oder im Spaß meint. Und zweitens, was ist mit dem Willys Jeep? Der ist 1a restauriert, kostet 22 900 Euro – und steht seit ungefähr 30 Jahren im Märchenland der Motoren. „Einer war mal hier und wollte wissen, ob er den als Alltagsfahrzeug verwenden kann.“ Gekauft hat er ihn nicht. Brockmann sieht das gelassen.

„Irgendwann kommt schon einer, der ihn nimmt“, sagt er. Mit anderen Worten: Sag niemals nie.

Holger Karkheck

„Ein Wasserwerfer wird in Afrika gern für die mobile Wasserversorgung genutzt.“

Lars Schneider, Lkw-Verkäufer