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WECHSEL DER GEZEITEN


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National Geographic Traveler - epaper ⋅ Ausgabe 4/2022 vom 26.08.2022
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Bildquelle: National Geographic Traveler, Ausgabe 4/2022

„Bisher habe ich den perfekten Grünton noch nicht gefunden“, seufzt der Seycheller Künstler George Camille."

Der schlanke Mann, dessen feine Locken seine vom ständigen Grübeln gekräuselten Augenbrauen weichzeichnen, ist einer der wenigen einheimischen Künstler. Sein Atelier auf der Insel Mahé ist vollgestopft mit Leinwänden, die Momentaufnahmen des lokalen Lebens zeigen: ein Mann mit einer Bananenstaude, frischer Fisch auf dem Markt, die Konturen eines Samens der wertvollen Coco-de-mer-Nuss, der so verführerisch anmutet wie die sinnlichen Kurven einer Frau. „Ich habe mit diesen Gegenständen angefangen, weil es das ist, was Touristen sehen wollen“, sagt er und zuckt mit den Schultern. Dann zeigt er mir einige seiner neueren Gemälde. „Heute dringe ich lieber bis zum Kern dessen vor, was auf den Seychellen gerade vor sich geht.“

Ursprünglich wurden die im Indischen Ozean gelegenen Inseln auschließlich ...

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... von vorübertreibenden Kokosnüssen besiedelt, erst im 16. Jahrhundert von damaligen Seefahrern gesichtet und weitere 200 Jahre später das erste Mal von Menschen betreten. Von Piraten geplündert, von versklavten Afrikanern, Indern und Malaien bevölkert und zwischen französischer und britischer Herrschaft hin und her gerissen, erlangten die Seychellen im Jahr 1976 endlich Unabhängigkeit. Ein relativ junges Land, dessen Kultur schon immer schwer greifbar war. Erst in jüngerer Zeit hat sich eine eigene kreolische Identität herausgebildet. Und die Wahl der liberaleren Linyon Demokratik Seselwa-Regierung – nach 43 Jahren autokratisch-sozialistischer Herrschaft – verheißt einen willkommenen Wandel. „Es liegt eine andere Energie in der Luft“, nickt George. „Alles erblüht.“

Die wunderschönen Sandstrände und das saphirblaue Wasser haben den Seychellen den Ruf als Star unter den weltweiten Reisezielen eingebracht – und das völlig zu Recht. Doch wenn man ein wenig tiefer gräbt, wird schnell klar, dass die 115 Inseln eine ganze Menge mehr zu bieten haben. Im Inland gibt es smaragdgrüne Wälder und hohe Gipfel, die zu Wanderausflügen einladen. Unter Wasser lässt eine Vielzahl an exotischen Meeresbewohnern die Herzen aller Tauchfans höher schlagen. Und am Himmel kann man sich an den atemberaubenden Darbietungen der Seeschwalben und Tropenvögel erfreuen. Während der drei Wochen, in denen ich von Insel zu Insel reise, will ich all das erleben. Genau wie George bin auch ich auf der Suche nach den Farben, die ein Bild der heutigen Seychellen malen.

Anwesen aus Kolonialzeiten klammern sich an die schroffen Granithügel von Mahé, dem Herzen des Archipels und Tor zur Welt. Wir holpern über unebene Straßen, als Inselbewohner Franky Baccus mich zu einem seiner Lieblings-Aussichtspunkte fährt. Am Fuß der höchsten Erhebung des Landes, Morne Seychellois, wachsen jede Menge gefräßige Schlauchpflanzen. „Der Naturschutz macht den Abenteuer-Tourismus hier sehr schwierig“, erklärt mir der junge und energiegeladene Forscher, der mit Touristen auf Jeepsafaris, Wanderungen und Schlauchboottouren die versteckten Winkel der Inseln erkundet. „Hier darf man nicht zelten, Kajakfahren ist auch verboten, und es gibt einige Probleme mit E-Bikes.“ Nicht, dass das ein Hindernis für den ehemaligen Athleten wäre, der früher auf dem besten Weg war, der erste Seycheller Paralympionik zu werden, sich dann aber doch nicht qualifizieren konnte. Dennoch fest entschlossen, etwas aus sich zu machen, gründete Frank, der in einem Arm eine Erb’sche Lähmung hat, im Jahr 2019 White Sands Adventures. Auf seiner Mission, seine Leidenschaft für Abenteuer mit anderen zu teilen, hat er sich durch etliche bürokratische Schlupflöcher gezwängt und so das Innere der Insel in einen überdimensionalen Spielplatz verwandelt. Er holte die Genehmigung ein, geführte Touren in faltbaren Oru-Kayaks im letzten größeren Feuchtgebiet auf Mahé, dem Grand Police, durchzuführen.

Auf dem komplexen Geflecht aus Wasserwegen paddelnd bewegen wir uns durch die Spiegelbilder von sonnenbeschienen Palmen und trägen Wölkchen, die derart symmetrisch sind, dass ich für einen Moment nicht sagen kann, wo oben und wo oben ist. „Beinahe 90 Prozent unserer Feuchtgebiete sind durch den Ausbau der Infrastruktur verlorengegangen“, beklagt Franky, während wir an Mangrovenbäumen vorbeigleiten, die einst durch den Bau eines Fünf-Sterne-Resorts bedroht waren, dank eines öffentlichen Aufschreis jedoch gerettet werden konnten. Dieser Ort ist absolut einzigartig und fast unwirklich. Eine schmale, von mondähnlichen Kratern durchzogene Sandbank trennt die tiefschwarzen Wasserwege von der elfenbeinfarbenen Brandung des Ozeans – ein Kontrast so stark wie der Generationenkonflikt der Republik.

„Diejenigen von uns, die zwischen 1980 und 1990 geboren wurden, haben eine ganz andere Mentalität“, sagt Franky. Er findet, dass frühere Generationen zu bequem waren und sich zu sehr von einem Bevormundungsstaat abhängig gemacht haben. „Wir interessieren uns heute mehr für die Umwelt und haben große Visionen.“ Als Teil einer neuen Bewegung haben auch viele Resorts ihren Beitrag zum Umweltschutz erhöht. So erarbeitete das zwischen dem beliebten Beau Vallon Beach und dem Regenwald des Morne Sechellois National Parks gequetscht liegende, neu gestaltete Hotel Story gemeinsam mit der Marine Conservation Society Seychelles einen Plan, um die auf dem Gelände gelegene Lagune zu schützen. Während ich im Badeanzug den Steg zu meinem privaten Pool entlanglaufe, realisiere ich kaum, dass ich mich in einem Ökohotel befinde. Doch der äußere Schein kann eben auch trügen: Regelmäßige Säuberungen des Strandes, ein Projekt zur Wiederbelebung des Korallenriffs und der Einsatz einer Osmose-Anlage zur Herstellung von Frischwasser für die Gäste leisten einen großen Beitrag, um die Naturschätze der Seychellen zu erhalten. Auch auf der Nachbarinsel Silhouette spielt sich Ähnliches ab, wo der Hotelriese Hilton sein Fünf-Sterne-Resort Labriz betreibt, ohne in die verbleibenden 93 Prozent des geschützten Nationalsparks vorzudringen. Die meisten Gäste ziehen sich in das in Vulkanstein gebaute Spa oder an Strände voll modellierter Felsbrocken zurück, doch ich bin hier, um die schwierigste Wanderung der gesamten Seychellen in Angriff zu nehmen.

Bereits morgens um sieben erdrückt mich die Hitze. Der etwa sechs Kilometer lange Wanderweg ist steil und rutschig. Er führt über eine Route, die vor dem Zusammenbruch der Kokosnuss-Industrie von Plantagenarbeitern genutzt wurde und den Hafen mit dem Grand Barbe Beach, der auf der gegenüberliegenden Seite der Insel liegt, verbindet. Abgeschirmt durch Blättertürme und Befestigungsmauern aus Farn, bildet der Wald heute eine Festung. Seine schattigen Arkaden liegen verlassen vor uns, bis auf die glitschigen Pfade der hier lebenden Echsen und das tote Laub unter unseren Füßen.

Ich werde von zwei Umweltschützern begleitet, die beide etwa Mitte 20 sind und für die lokale NGO Island Conservation Society (ICS) arbeiten. Sie wurde in Zusammenarbeit mit der Regierung zur Wiederherstellung und zum Erhalt des Ökosystems der Inseln gegründet. Vanessa Dufrene bringt mit ihren Dreads, den Militärstiefeln und der klobigen, einem Rapper würdigen Kette ein wenig Streetstyle in die Wildnis. Ihr Fokus liegt auf der seltenen Fledermausart der Glattnasen-Freischwänze, die auf Silhouette heimisch sind, während ihr Kollege Said Harryba die Population der Aldabra-Riesenschildkröte am Grand Barbe Beach überwacht. Unterwegs weisen die beiden mich auf zwitschernde Bülbüls, eine Vogelart, fleischige Tausendfüßler und sich windende Blindwühlen hin, gliedmaßenlose, wurmartige Amphibien. Doch die spannendste Begegnung findet am Ende unserer Wanderung statt, als wir Abdullah und Elvi Jumaye treffen, zwei über 70 Jahre alte Einsiedler, die zwischen den Ruinen eines verlassenen Ortes nahe Grand Barbe leben.

Rote Hibiskusblüten hängen wie zur Begrüßung über dem gepflegten Boden, auf dem sich eine Art Kleingarten mit Gemüse und einer Hausapotheke an Kräutern erstreckt. „Ich war in meinem Leben nur einmal krank“, erklärt Abdullah stolz. Er ist ein sehniger Mann, so widerstandsfähig wie die Kokosnussschalen, die an seine Küste gespült werden. Wie Said und Vanessa genießt auch er das Leben auf Silhouette. „Ich liebe die Ruhe“, sinniert er, und fährt mit den Fingern über das von der Sonne versengte Gras. „Hier ist einfach nichts unmöglich.“

Vögel und Visionen

Historisch betrachtet sind die Seycheller stets davor zurückgeschreckt, neben den Hauptinseln Mahé, Praslin und La Digue noch weitere zu besiedeln und überließen auch den Umweltschutz eher den Ausländern. Die jüngere Generation hingegen hat größeres Interesse an der Natur, das dadurch gefördert wird, dass die Regierung die meisten lokalen Jobs mittlerweile an Staatsangehörige vergibt.

Filmemacherin, Fotografin und Umweltschützerin Dillys Pouponeau, die auf der Insel Aride, einem Paradies für Vögel, für die ICS arbeitet, ist das beste Beispiel. An einem Ort, an dem die Population der Vögel die menschliche Bevölkerung mit 1,25 Millionen gegenüber zehn übersteigt, ist es noch immer eine Ausnahmeerscheinung, dass auch Menschen sich niederlassen – obwohl Aride nur eine 40-minütige Schifffahrt von der Nachbarinsel Praslin entfernt liegt. Doch bereits die Ankunft ist das reinste Abenteuer. In dem Versuch, die Verbreitung invasiver Arten zu verhindern, holt ICS die Besucher bereits auf dem Wasser von den größeren Schiffen auf ihr eigenes aufblasbares Gefährt. Dort wartet man geduldig auf die richtige Welle, um dann auf ihr mit Vollgas auf den Strand zu donnern.

„Ich sehne mich nach dem einfachen Leben“, strahlt Dillys, während wir mit zwei geselligen Seychellendajalen zusammensitzen, einer gefährdeten Vogelart, die man erfolgreich von der Insel Frégate übergesiedelt hat. „Ich verstehe nicht, wie man etwas anderes wollen kann.“ Da es auf Aride weder Ratten noch Katzen gibt, sind die geflügelten Bewohner absolut furchtlos. Zu meinen Füßen tummeln sich zwischen einigen Wurzeln flauschige Weißschwanz-Tropikvögel, während über mir filigrane, leuchtend weiße Feenseeschwalben zwischen den Ranken einer Banyan-Feige hin und her flitzen, was einfach zauberhaft aussieht. Es ist Brutzeit und schwer was los: Noddis schießen durch die Brandung und sammeln Seegras für ihre Nester, während ihre Partner an angespülten Korallen knabbern, um ihren Kalziumhaushalt aufzufüllen.

Aride ist eine von mehreren Inseln, auf denen der Versuch unternommen wurde, die Population der Seevogelarten zu erhöhen. Die ansässigen Ladenbesitzer Mr und Mrs Mason (die Seycheller legen großen Wert auf eine formale Anrede) haben nach dem Kauf von Denis Island, einer etwa 60 Kilometer von Mahé entfernt liegenden Koralleninsel, umgerechnet etwa 34 000 Euro investiert, um diese von Ratten und den indischen Hirtenmainas zu befreien, einer invasiven Vogelart, die einheimische Hühner jagte. Eine enorme Investition, aber sie hat sich gelohnt. Der Himmel ist voller Vögel. „Als wir die Insel 1996 erworben haben, war es hier so ruhig“, erinnert sich Mr Mason, und klettert aus der Fahrerkabine seines Traktors. „Doch jetzt ist es unglaublich laut.“ Wie aufs Stichwort landet in diesem Moment etwas Vogelkot auf seinem Kopf.

Als eine Mischung aus Resort und Landwirtschaftsbetrieb ist Denis Island ein Paradebeispiel für Nachhaltigkeit. Mittels der Schweine, Hühner und Kühe werden die Gäste versorgt, und was von dem Fleisch übrigbleibt, wird in einem Hofladen in Mahé verkauft. Mr Mason sprudelt nur so vor Ideen und er hat schon viele davon in die Tat umgesetzt. So nutzt er das Abwasser vom Wäschewaschen dazu, Wege zu säubern, und Palmblätter zerkleinert er für die Nutztiere zu Futter.

El Dorado mitten im Ozean

Die Seychellen werden vom Meer beherrscht. Nur ein Prozent besteht aus festem Boden. Im Jahr 2020 erklärte sich die Regierung in einem bahnbrechenden Deal damit einverstanden, 30 Prozent der lokalen Gewässer unter Schutz zu stellen – eine Fläche so groß wie Großbritannien. Dafür wurden dem Land umgerechnt ungefähr 18 Millionen Euro Auslandsschulden erlassen.

Ich brauche eine Stunde, um mit dem Flugzeug Alphonse zu erreichen. Hier leitet das südafrikanische Unternehmen Blue Safari ein Ökoresort, das sich aufs Fliegenfischen spezialisiert hat. Die von verschiedenen Blautönen umspülten Strände sind menschenleer. Einsiedlerkrebse wuseln in ihren geliehenen Häusern umher, storchenbeinige Reiher tippeln über Palmstämme hinweg. Die Wälder der einst so geordneten Plantage bilden heute ein herrliches Durcheinander, das von einem klebrigen Netz aus Eindringlinge fernhaltenden Spinnweben durchzogen ist. Die vorherrschenden Inselbewohner sind die Aldabra-Riesenschildkröten, die im Jahr 1999 von der UNESCO Welterbestätte Aldabra hierher gebracht wurden. Auf Alphonse gibt es mehrere aktive Umweltschutzprojekte: die Aufzuchtstation der Riesenschildkröten, die Kennzeichnung von Riesenmakrelen, um den Einfluss des Catch-and-Release-Fischens zu überwachen, und eine wissenschaftliche Bürgerinitiative, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Mantarochen zu identifizieren.

Die Realität der äußeren Einflüsse trifft mich bei der Strandreinigung am nächsten Tag mit voller Härte. „Einmal haben wir an nur einem Tag 2 800 Flip-Flops aufgesammelt“, seufzt Elle, die mit mir unterwegs ist, während sie mit einer Müllzange ein Mangrovengewirr von einem weiteren Schuh befreit, der hier angespült wurde. Schätzungsweise 9,8 Millionen Tonnen Plastik landen jedes Jahr in unseren Ozeanen – also jede Minute etwa eine LKW-Ladung voll –, das die Riffe zerstört, Schildkröten, Meeressäuger und schließlich auch dem Menschen schadet. Die Seychellen haben es ihren Stränden mit den Urwäldern im Hintergrund, den verstreuten Felsen und dem samtweichen Sand zu verdanken, dass sie die Herzen der Menschen im Sturm erobert haben – und es gibt sicher keinen besseren Ort als den Strand, um die Botschaft des Umweltschutzes zu verkünden.

Auch während des Aufenthalts auf meiner letzten Station, La Digue, ist die Schönheit des Archipels allgegenwärtig. Die Insel ist ein Paradies für Fahrradfahrer und für seine atemberaubenden Strände und erschwinglichen Unterkünfte bekannt. Um die Küste aus einer neuen Perspektive zu erkunden, nehme ich an einer Coasteering-Tour des Sunny Trail Guide teil. Guide Warren Bibi führt mich auf beinahe senkrecht verlaufenden Klippen, die selbst für Spiderman eine Herausforderung wären, durch einen Hindernis-Parcours aus krebsroten Felsen und aus Palmen gewobenen Tunneln. Er endet an einer ganzen Reihe wunderschöner Strände, die von surrealen Formen eingerahmt werden wie auf einem Picasso-Gemälde. Kein Wunder, dass der Künstler George Camille so viel Inspiration auf La Digue findet. Seine 2004 hier eröffnete Galerie befindet sich nur einen Katzensprung von meinem Rückzugsort Secret Garden Villa entfernt. Gastgeber Gerard Payet, barbrüstig und wie eine Mischung aus Jim Morrison und Salvador Dalí anmutend, führt mich voller Stolz durch sein autarkes Eden, wo der Urwald bis in die Gästezimmer vordringt. „Ich lebe seit 21 Jahren im Paradies“, sinniert er, und reicht mir einen frisch geernteten Zimtapfel.

Nachdem mich die aufgehende Sonne geweckt hat, radle ich am folgenden Morgen bis nach Grand Anse – dem längsten Strand der Insel –, um ein letztes Mal den Ozean zu betrachten. Unterwegs sause ich durch einen Tunnel aus Pflanzenranken, angetrieben durch die bloße Erdanziehungskraft und den Lockruf der tosenden Wellen. Hängematten aus Makramee hängen zwischen den Stämmen der Takamaka-Bäume und eine Riesenschildkröte döst am Fuße einer Strandbar, als würde sie sich von einer feucht-fröhlichen Nacht erholen.

Vögel zwitschern. Wogen aus Seeluft wehen herüber. Rot glühende Berge. Kein Sonnenschein, kein Meer und kein Himmel ist auf den Seychellen jemals wie der vorherige. Ein Künstler mit seiner ganz persönlichen Farbpalette bringt sie jedes Mal wieder auf eine neue Weise zum Ausdruck. Aus dem Englischen von Janika Krichtel

REISE-INFOS

Anreise & unterwegs vor Ort

Direktflüge nach Mahé bietet Condor von Frankfurt aus an. Weitere Optionen sind Flüge mit Ethiopian Airlines über Addis Abeba, mit Emirates via Dubai, Qatar Airways über Doha und Kenya Airways via Nairobi. condor.de, ethiopianairlines.com, emirates.de, qatarairways.com, kenya-airways.com Flugdauer: ca. 10 Stunden. Auf die Outer Islands wie Alphonse oder Denis reist man mit dem Leichtflugzeug. Das Hilton Labriz bietet von Mahé aus einen Transfer mit dem Helikopter nach Silhouette an. Die Inner Islands erreicht man mit der Fähre. hilton.com, catcocos.com, seyferry.com

Reisezeit

Die Temperaturen liegen das ganze Jahr über konstant zwischen 25 und 32 Grad, allerdings ist von Dezember bis März und Mai bis Oktober Regenzeit. Wer zum Tauchen auf die äußeren Inseln will, reist am besten zwischen Oktober und Dezember oder April bis Mai an. Die Sicht unter Wasser ist dann am besten und der Wind nicht zu stark.

Übernachten

Story (Mahé): DZ ab ca. 240 Euro, story-seychelles.com Hilton Seychelles Labriz Resort and Spa, (Silhouette): DZ ab ca. 350 Euro, hilton.com Denis Island: DZ ab ca. 1000 Euro inkl. Vollpension, denisisland.com Secret Garden Villa. Ab ca. 270 Euro, inkl. Halbpension, booking.com Alphonse Island: DZ ab ca. 800 Euro inkl. Vollpension, alphonse-island.com

Weitere Infos

White Sands Adventures: facebook.com/white-sands-adventures Aride Island: arideisland.com Sunny Trail Guide: sunnytrailguide.net George Camille Gallery (Mahé und La Digue): georgecamille.com Seychelles Tourism: seychelles.travel