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WECHSELPRINZIP: Was verrät die Hufstellung?


Mein Pferd - epaper ⋅ Ausgabe 40/2019 vom 08.03.2019

DieHufe des Pferdes werden oft stiefmütterlich behandelt, dabei lohnt es sich hier einmal genauer hinzuschauen. Denn zwischen Hufstellung undBewegungsablauf besteht eineWechselwirkung, die zu verkürzten Tritten, Stolpern,Balance- und Rückenproblemen führen kann


Ohne Huf kein Pferd. Wer kennt diesen Spruch nicht? Und doch wird den Hufen nicht so viel Aufmerksamkeit geschenkt, wie sie es verdient hätten. Dabei tragen sie das gesamte Gewicht des Pferdekörpers und stellen die Basis für alle Bewegungsabläufe dar. „Die Vorderhufe sind dabei von Natur aus rund, weil sie eine vermehrte Stützfunktion ...

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... haben. Auf den Vordergliedmaßen lasten etwa 65 Prozent des Pferdes, weil – salopp gesagt – der Kopf mit dranhängt. Die Hinterhufe sind oval, weil sie für die Geschwindigkeit, also zum Gasgeben, da sind. Sie tragen die restlichen 45 Prozent”, erklärt Jochen Lill, Hufschmied, Physiotherapeut und Osteopath aus Antdorf (Bayern).

Vorsicht, Fehlbelastungen!

Liegt eine mangelhafte Stellung vor (z.B. zu lange Trachten, flacher oder steiler Huf), ist das Gewicht nicht mehr optimal auf die vier Hufe verteilt, die Balance wird beeinträchtigt, und es kommt zu Fehlbelastungen. Diese bringen wiederum eine Vielzahl an Störungen im Bewegungsapparat mit sich. Dazu zählen u.a.stolpern, verkürzte Tritte, nicht unter den Schwerpunkt treten, Schwierigkeiten in Wendungen und Gangartenprobleme. Insbesondere zwischen Hufform und Rücken besteht ein enger Zusammenhang. „Wenn die Hufstellung ungünstig ist, wird der Muskeltonus mit der Zeit immer fester. Rückenprobleme treten auf. Dann stimmt im System Pferd etwas nicht, und der Reiter sollte hellhörig werden”, warnt Lill. Welche Probleme das Pferd beim Reiten hat, erkennt Lill bereits, bevor er den Vierbeiner in der Bewegung sieht. „Fehlstellungen geben immer eine bestimmte Biomechanik vor. Das ist kein Voodoo-Zauber. Man muss nur genau hinschauen”, so der Hufschmied (siehe Kästen rechts).

Hufformen und Bewegungsabläufe des Pferdes bedingen sich gegenseitig


Sehr häufig stehen Pferde zu flach oder setzen nicht plan auf, sondern kommen zuerst mit der Außenkante des Hufes auf, so dass sie anfangen, in den Gelenken zu rotieren. Das Problem? Die Kraft sollte immer senkrecht durch die Gelenke durchgehen. Genau dafür sind sie gebaut. Denn eine senkrecht stehende Stütze kann mehr Last aufnehmen als eine schräg stehende. „Kommt es aber durch eine ungünstige Hufstellung zu einer Diskrepanz, bedeutet dies, dass die Gelenke falsch belastetet werden”, erläutert der Osteopath. Gelenkentzündungen und -abnutzungen sind die Folge. Das ist in etwa vergleichbar mit einem Auto, bei dem die Spur verzogen ist. „Da macht man erst einmal neue Reifen drauf, aber irgendwann sind Spur- und Lenkgestänge kaputt, weil alles ausgeschlagen ist. Beim Auto kann ich mir neue Teile einbauen lassen. Wenn die Pferdegelenke durch eine fehlerhafte Hufstellung im Eimer sind, gibt es keine Behandlungsmöglichkeiten mehr”, warnt Lill.

Auswirkung in zwei Richtungen

Zwischen Hufform und Bewegungsablauf besteht also eine Wechselwirkung. Diese funktioniert übrigens auch in die andere Richtung. Bewegungsstörungen können die Hufform ebenso beeinflussen, denn Pferde neigen schnell zu einer fehlerhaften und einseitigen Belastung. „Ein Pferd, das z.B. seine rechte Hintergliedmaße entlastet, belastet automatisch seinen vorderen linken Huf mehr. Dadurch wird der Huf immer flacher”, erklärt Lill. Ferner erzeugt jede Art von Rückenproblem ein abweichendes Bewegungsmuster, welches das Auffußen verändert.

Verformungen geschehen leider relativ schnell. Der Hufschmied spricht von einem Viertel- bis halben Jahr. Um die Hufstellung wieder zu korrigieren, braucht man hingegen etwa ein Jahr. Zusätzlich muss physiotherapeutisch und/oder osteopathisch eingegriffen werden, um die Schäden in der Muskulatur zu beheben. „Besser ist es also zu reagieren, bevor es zu einer inkorrekten Stellung oder Störungen im Bewegungsablauf kommt”, meint Lill.

Sein Rat: Unterschätzen Sie nicht die Wichtigkeit der Hufform. „Wenn Ihr Hufschmied es schafft, Ihr Pferd zu 80 bis 90 Prozent richtig hinzustellen, haben Sie schon sehr viel für die Gesundheit Ihres Vierbeiners getan. Das ist qualitativ hohe Handwerkskunst, die man nicht für unter 100 Euro bekommt. Wer da knausert, spart am falschen Eck’”, so Lill.

Eine Fehlstellung der Hufe wirkt sich auf die gesamte Biomechanik aus


PROBLEM 1: UNGLEICHMÄSSIGE HUFE

Wenn bei den Vorderhufen ein Huf flacher und breiter ist, der andere aber steiler und enger, belastet das Pferd vermehrt den flachen Huf. „Stellen Sie sich vor, Sie tragen an dem einen Fuß einen Schuh, an dem anderen nicht. Da fällt das Gewicht immer automatisch auf den Fuß ohne Schuh”, erklärt Lill. Das hat Folgen für die Bewegungsabläufe. „Das Pferd rollt mit den Vordergliedmaßen ungleichmäßig ab, was zu Lasten des ganzen Körpers geht. Besonders die Schulter ist betroffen, weil die Vorderbeine unterschiedlich angehoben werden.
„Ein solches Pferd steht selten parallel, sondern schiebt den flacheren Huf immer wenige Zentimeter weiter nach vorne. Viele Pferde fußen nicht plan auf. Sie kommen zuerst mit der Außenseite auf und kippen dann mit dem Huf nach innen. „Diese Pferde haben Probleme in den Wendungen, weil die Belastung an den äußeren Sehnen, Bändern und Gelenken extrem ist. Auf Dauer führt das zu Überreizungen bis hin zu Totalausfällen”, warnt Lill. Wenn Ihr Pferd Eisen trägt, können Sie das Problem selbst erkennen. „Nehmen Sie den Huf hoch, und Sie sehen sofort, wo das Eisen mehr abgeschliffen ist. An der Außenkante sind die Nägel oft kaum noch sichtbar, Daraus resultieren Probleme für das Hufbein und die oberen Gelenke, weil sie überlastet werden”, so der Huf-Experte. Doch das ist noch nicht alles. „Wenn das Pferd z.B. vorne links den flachen Huf hat, besteht automatisch eine Entlastung hinten rechts. Das Pferd wird z.B. Schwierigkeiten im Rechtsgalopp haben (vor allem in der Einbeinstütze), weil die Entlastung zu einer Verkürzung der Bänder und Sehnen führt”, sagt Lill. Ohne Korrektur verbiegt diese Fehlstellung der Hufe den ganzen Körper. „Die rechten Muskelgruppen verkürzen sich, das Pferd wird immer mehr nach rechts hohl und lässt sich links herum schwerer reiten”, sagt der Osteopath.

Falsches Auffußen lässt sich am besten auf weichem Boden erkennen


PROBLEM 2: FALSCHES AUFFUSSEN

Viele Pferde fußen nicht plan auf. Sie kommen zuerst mit der Außenseite auf und kippen dann mit dem Huf nach innen. „Diese Pferde haben Probleme in den Wendungen, weil die Belastung an den äußeren Sehnen, Bändern und Gelenken extrem ist. Auf Dauer führt das zu Überreizungen bis hin zu Totalausfällen”, warnt Lill. Wenn Ihr Pferd Eisen trägt, können Sie das Problem selbst erkennen. „Nehmen Sie den Huf hoch, und Sie sehen sofort, wo das Eisen mehr abgeschliffen ist. An der Außenkante sind die Nägel oft kaum noch sichtbar, Daraus resultieren Probleme für das Hufbein und die oberen Gelenke, weil sie überlastet werden”, so der Huf-Experte. Doch das ist noch nicht alles. „Wenn das Pferd z.B. vorne links den flachen Huf hat, besteht automatisch eine Entlastung hinten rechts. Das Pferd wird z.B. Schwierigkeiten im Rechtsgalopp haben (vor allem in der Einbeinstütze), weil die Entlastung zu einer Verkürzung der Bänder und Sehnen führt”, sagt Lill. Ohne Korrektur verbiegt diese Fehlstellung der Hufe den ganzen Körper. „Die rechten Muskelgruppen verkürzen sich, das Pferd wird immer mehr nach rechts hohl und lässt sich links herum schwerer reiten”, sagt der Osteopath.
während sie innen fast wie neu sind. Wenn das Pferd plan aufsetzen würde, müssten die Abriebspuren überall gleich sein”, so der Experte. Trägt Ihr Pferd keine Eisen, können Sie das Kanten auf weichem Boden in der Bewegung beobachten, wenn das Pferd auf Sie zu und von Ihnen weg geführt wird. „Auf dem Reitplatz oder in der Reithalle werden die Rotationskräfte im Gelenk deutlich. Auf hartem Boden, der nicht nachgibt, bleibt das aus. Deswegen macht es keinen Sinn, ein Pferd auf Asphalt vorzuführen”, sagt der Hufschmied.

Ein flacher Hufwinkel führt zu einer ungünstigen Kraftverteilung


PROBLEM 3: FLACHER HUF

Ein Flachhuf kann entstehen, wenn ein Huf falsch bearbeitet oder nicht korrigiert wird. Es kann aber auch sein, dass das Pferd einen Hinterhuf mehr entlastet und diagonal vorne mehr belastet, so dass sich ein flacher Hufwinkel entwickelt. Das Problem? Der Zug auf die Sehnen, Bänder und Muskeln steigt, weil der hintere Bereich des Hufes zu viel Gewicht erhält. „Irgendwann ist die Überreizung da, weil die Kraftverteilung durch die Gelenke nicht mehr so ist wie von der Natur vorgegeben. Schäden im Fesselgelenk sind vorprogrammiert. Ein Flachhuf ist daher immer ein kompletter Eingriff in die Biomechanik”, so der Experte.

Ein steiler Huf kann durch eine unsachgemäße Bearbeitung entstehen


PROBLEM 4: STEILER HUF

Wenn Fohlen zu früh ausgeschnitten werden, kommt es manchmal zu einem steilen Huf. „Ebenso kann bei unsachgemäßer Bearbeitung aus einem normalen Huf ein Bockhuf entstehen. Das schafft man in einem Jahr”, sagt Lill. Solche Pferde laufen mit den Vordergliedmaßen immer ein bisschen staksig, machen kurze Schritte und haben im Trab oft nicht viel Raumgriff. Der Grund? „Ein steiler Huf kann nicht Hat ein Pferd vorne zu lange Trachten, bleibt es mit den Vordergliedmaßen einen Wimpernschlag länger auf dem Boden als ein Pferd mit korrekter Hufstellung. „Gerade im Mitteltrab oder starken Trab hört man das Geklackere, wenn sich die Pferde mit den Hinterhufen in die Vorderhufe oder Eisen treten. Da sagen dann viele: Mein Gott, der tritt aber enorm von hinten, toll! Dabei kommt das Pferd nur mit seinen Vordermehr korrekt abrollen. Das ist wie bei Fallschirmspringern. Diese rollen sich beim Aufkommen auf dem Boden ab, um das Gewicht besser zu verteilen. Würden sie das nicht tun, würden sie sich alle Gräten brechen. Beim Pferd ist es anfangs nicht ganz so schlimm. Dennoch kommt es zu einer vermehrten Belastung im Hufbein, die bis zu einem Hufbeinbruch führen kann”, weiß der erfahrene Hufschmied.

Pferde, die sich im Trab selbst treten, haben oft vorne zu lange Trachten


PROBLEM 5: LANGE TRACHTEN

Hat ein Pferd vorne zu lange Trachten, bleibt es mit den Vordergliedmaßen einen Wimpernschlag länger auf dem Boden als ein Pferd mit korrekter Hufstellung. „Gerade im Mitteltrab oder starken Trab hört man das Geklackere, wenn sich die Pferde mit den Hinterhufen in die Vorderhufe oder Eisen treten. Da sagen dann viele: Mein Gott, der tritt aber enorm von hinten, toll! Dabei kommt das Pferd nur mit seinen Vordermehr korrekt abrollen. Das ist wie bei Fallschirmspringern. Diese rollen sich beim Aufkommen auf dem Boden ab, um das Gewicht besser zu verteilen. Würden sie das nicht tun, würden sie sich alle Gräten brechen. Beim Pferd ist es anfangs nicht ganz so schlimm. Dennoch kommt es zu einer vermehrten Belastung im Hufbein, die bis zu einem Hufbeinbruch führen kann”, weiß der erfahrene Hufschmied.gliedmaßen nicht vom Boden weg, weil es zu frontlastig ist”, so der Experte. Die Pferde reagieren dann geschickt: Um sich nicht selbst zu verletzen, machen sie Ausgleichsbewegungen und versuchen, mit den Hinterhufen an den Vorderhufen vorbeizufußen. „Daraus entstehen aber Probleme im Becken oder Sprunggelenk, die wiederum weitreichende Folgen haben können”, warnt der Physiotherapeut.

UNSER EXPERTE

JOCHEN LILL bietet seine Leistungen als Physiotherapeut, Osteopath und ausgebildeter Hufschmied in Antdorf und Umgebung an. Auch die Thermografie sowie die Lasertherapie und -akupunktur gehören zu seinen Untersuchungsmöglichkeiten, um Problemen auf die Spur zu kommen.www.jochen-lill.de


Fotos: slawik.com (2), Stefan Finkensieper (1), AdobeStock/ fotoyou (1)/ Sven Cramer (1)/ Mark J. Barrett.co (1)/ Katrina Leigh (1)