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Wegweiser


Bergsteiger - Das Tourenmagazin - epaper ⋅ Ausgabe 9/2021 vom 13.08.2021

TEIL 52: Monte-Rosa-Hütte

Artikelbild für den Artikel "Wegweiser" aus der Ausgabe 9/2021 von Bergsteiger - Das Tourenmagazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Bergsteiger - Das Tourenmagazin, Ausgabe 9/2021

1 Forschungsprojekt: Die Monte-Rosa-Hütte wurde an der ETH Zürich als Modell für ökologische Hütten in hochalpiner Umgebung entworfen.

Na klar, eigentlich darf man das nicht sagen. Aber Kilian Emmenegger hofft auf den Klimawandel. »In spätestens fünf Jahren hat das Eis vom Gornergletscher die Felsplatten da drüben gänzlich freigegeben. Dann haben wir einen Hüttenweg, bei dem wir nicht mehr übers Eis müssen«, hofft der 37-jährige Wirt der Monte- Rosa-Hütte. Mit seinem Finger zeichnet er eine waagerechte Linie durch die Gletscherschliffplatten, über Moränenkämme, durch Schutthänge. Erst im vorvergangenen Sommer musste ein neuer Pfad durch das ruppige Gelände her. Der alte Steig – gerade mal sechs Jahre alt – war nicht mehr begehbar. Er führte noch über Leitern hinunter in den Gletschergrund, schlängelte sich durch ein immer gefährlicher werdendes Labyrinth aus Eisrippen, Schmelzwasserbächen und Schlamm, um dann mühsam wieder zur Hütte hinaufzuklettern. Nochmal und nochmal musste der Zustieg verlegt oder ...

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... repariert werden. Wegen der globalen Hitze ist das Gelände am Rande der Eisfelder immer in Bewegung. Mit dem neuen »Panoramaweg« – so hofft Emmenegger – kehrt nun vielleicht ein bisschen Ruhe ein. Denn die Monte- Rosa-Hütte muss sich einen Pfad in die Zukunft suchen.

Jetzt also der Panoramaweg. Der bietet wahrlich großes Kino: Die 4000er- Parade von Liskamm, Castor, Pollux, Breithorn hat immer vor Augen, wer sich von Rotenboden aus zu den Hängen des Monte Rosa aufmacht. In den letzten beiden Stunden vor der Hütte ist der Blick gefesselt vom dunkelgrünen Auge des Gornersees, das einen zu beobachten scheint, während man dem schimmernden Berg-Bau entgegenstrebt.

Neuer Schwung

Droben begrüßt einen nicht nur Kilian Emmenegger, sondern auch sein Kollege Richard »Richie« Lehner. Die beiden haben die Monte-Rosa-Hütte im Winter 2019 übernommen. Vorher hat der Bergführer Lehner die Gandegghütte oberhalb von Zermatt bewirtet. Dort hatte auch Emmenegger vier Jahre lang geschafft, bevor sich die zwei entschieden, gemeinsam das neue Projekt anzugehen. Jetzt reicht Emmenegger frisches Brot in die Stube: »Selbstgebacken!«, schwärmt er. Der Gastsaal selbst strahlt Modernität aus: Helle Holzbalken, mit Schnitzereien verziert, ziehen sich kreuz und quer durch den lichten Raum. Ach ja, das Matterhorn sieht man beim Apero auch.

Apropos neu: Als »Neue« Monte-Ro- Haus ein paar Jahre nach seiner Errichtung 2009. Das Gebäude, das mit seiner Alu-Hülle und der ungewöhnlichen Architektur an einen Bergkristall erinnern soll, galt als »Berghütte der Zukunft«. Denn das Haus sollte Energie nicht nur sparen, sondern sogar produzieren, wie Chefarchitekt Andrea Deplazes dem Bergsteiger seinerzeit erklärte: Bis zu 90 Prozent Selbstversorgung durch Thermo-Kollektoren, Solar-Paneele, potente Ak-kus, eine intelligente Verschaltung der Haustechnik und eine innovative Heizund Lüftungskonzeption.

Doch das »smarte« Haus scheiterte am eigenen Erfolg: Statt der erwarteten 6000 Bergsteiger pro Jahr kamen gleich zu Beginn fast doppelt so viele. Was das Ganze aus dem ökologischen Gleichgewicht brachte. Die Solarstromanlage musste aufgerüstet, die Kläranlage überarbeitet werden. Und im Jahr zwölf ist der noble Öko-Schimmer allenthalben verblasst. Manche Photovoltaik-Panels auf der spacigen Fassade haben sich verfärbt. Die Sonnenkollektoren neben dem Haus dagegen produzieren fast zu viel Wärme, erzählt Emmenegger bei einem Rundgang. Aber: So können die heißen Duschen klimaneutral betrieben werden. »Duschen ohne schlechtes Gewissen, das ist alles öko«, sagt Emmenegger.

Das »Neue« im Hüttennamen ist trotzdem verschwunden. Frischen Wind dagegen machen die beiden Wirte am Standort, der bislang meist von Hochtouristen angesteuert wurde, die auf den höchsten Schweizer Gipfel, die Dufourspitze, klettern wollen. Doch von den Monte-Rosa-Aspiranten allein können die Wirte nicht leben. Für Tagesgäste dagegen ist der vierstündige Zustieg fast zu lang. Immerhin: Gletscher-Erlebnisse kann die hochalpine Landschaft wahrlich bieten. Darauf setzen Emmenegger und Lehner – z. B. mit Gletscher-Trekking. Über Spalten springen, in Gletschermühlen schauen, das blanke Eis mit Steigeisen ertasten: Ein Abenteuer-Spielplatz für Alpin-Einsteiger ist die Umgebung allemal. Immer freitags kehren auch zahlreiche Absteiger von der Capanna Margherita ein – der höchstgelegenen Hütte der Alpen auf der Signalkuppe (4554 m). Für viele ist dies der letzte Tag auf der »Spaghetti-Runde«, der legendären Wochentour.

Hoffnung setzen die Wirtsleute zudem auf den Winter. Denn auch in der kalten Jahreszeit bietet ihre Sonnenterasse einen Ausblick auf das Matterhorn, der mit den bekannten Foto-Hot-Spots in Zermatt locker mithalten kann. Wenn die Heli-Skifahrer auf ihrer Abfahrt von der Satteltole neben der Dufourspitze ihre Bögen vom Grenzgletscher nur ein bisschen weiter zur Hütte hinüberzögen, träumt Emmenegger: »Dann könnten sie gleich einen ordentlichen Walliser Teller als zweites Frühstück kosten«, wirbt er für ein Znüni auf der Monte-Rosa-Hütte. Neue Wege müssen irgendwie alle gehen in diesen Zeiten.

Als alpines Öko-Projekt hat Autor Folkert Lenz die Hütte von Anfang an beobachtet. Und findet es schade, dass nicht alles funktioniert hat.

TOUREN AN DER MONTE-ROSA-HÜTTE

Schon der Zustieg zur Hütte ist alpin. Wer weiter geht, der kommt ins echte Hochgebirge mit allem Drum und Dran.

1 | »Panoramaweg« (Zustieg)

schwierig

4 Std.

400 Hm/ 500 Hm 8 km

Charakter: Als schlichte Wanderung geht der Panoramaweg zur Hütte nicht mehr durch (T4), denn man muss übers Eis und sich dort auch orientieren können.

Route: Rotenboden – unterm Gornergrat entlang – Abzweig bei Gadmen, nahe P 2649 – Traverse Nordarm des Gornergletschers – Moränengelände von Plattjen – Monte-Rosa-Hütte Tourenkarte Heftmitte: 9

2 | Dufourspitze (4633 m)

schwierig (ZS)

11–13 Std. 1750 Hm 12 km

Charakter: Hochalpine, kombinierte Tour mit Gletscher-sowie luftigen Grat-Passagen in Firn und Fels. Obwohl sie sehr lang ist,wird dieTour häufig begangen. Route: Monte-Rosa-Hütte –Obere Plattjen – Monte-Rosa- Gletscher (Südarm) – Satteltole – Sattel (4359 m) – Gipfel – retour

3 | Nordend (4609 m)

schwierig (ZS-)

11–13 Std. 1730 Hm 13 km

Charakter: Sehr lange Skihochtour, die oft bei arktischer Kälte durchgeführt werden muss.

Route: Monte-Rosa-Hütte –Obere Plattjen – Monte-Rosa-Gletscher (Südarm) – Silbersattel – Südgrat – Gipfel – retour(4554 m) mit Capanna R. Margherita

4 | Signalkuppe

mittel (WS)

7 Std. 1670 Hm 9 km

Charakter: Eindrucksvoller und langer Gletscheranstieg auf den dritthöchsten Schweizer Gipfel, auf dem auch noch die Hütte thront.

Route: Monte-Rosa-Hütte – Grenzgletscher – südlich unter Dufourspitze hindurch – gen Seserjoch – bis vor Colle Gnifetti – zur Hütte hinauf

▶ HÜTTENEINMALEINS

Monte-Rosa-Hütte (2883 m), Walliser Alpen

LAGE

Die Monte-Rosa-Hütte steht am Nordwestfuß der Dufourspitze (Monte Rosa) auf der Felsinsel Untere Platte zwischen Gornerund Grenzgletscher.

EIGENTÜMER

Sektion Monte Rosa des SAC

WIRTE

Richard Lehner, Kilian Emmenegger

ERBAUT

Am 25. September 2009 wurde der Ersatzbau für die alte Monte-Rosa-Hütte eröffnet. Die Ur-Hütte lag etwa 100 Meter tiefer und war baufällig. Die neue wurde als Passiv-Haus von der ETH Zürich als Forschungsobjekt konstruiert, sollte sich energetisch nahezu selbst versorgen und als Vorlage für ökologischen Hüttenbau in extremen Hochgebirgslagen dienen.

KAPAZITÄT

120 Schlafplätze in 17 Zimmern mit 6 bis 10 Betten

ÖFFNUNGSZEITEN

Je nach Wetter und alpinen Verhältnissen Mitte März bis Mitte September

ZUSTIEG

Ab Station Rotenboden der Gornergratbahn (von Zermatt) über alpinen Wanderweg, später den Gornergletscher traversierend (Eis!) und auf »Panoramaweg« (Schwierigkeit T4) zur Hütte, ca. 4 Stunden

KONTAKT

Tel. 00 41/27/9 67 21 15, Mail: info@monterosahuette.ch

KARTE

Landeskarte der Schweiz (LKS) 1:25 000, Blatt 1348 »Zermatt«