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WEIBLICHE PERSPEKTIVE


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Auto Bild - epaper ⋅ Ausgabe 13/2022 vom 31.03.2022

TITEL / ELECTRIFIED WOMEN

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MARIEVON DENBENKEN Die 32-jährige Autorin und Influencerin aus Hamburg beschäftigt sich in ihrem Blog unter anderem mit Mode und Mobilität. Privat fährt sie seit Kurzem einen vollelektrischen Volvo XC 40 Recharge.

Es war eine Frau, die die Sache ins Rollen brachte. Durch ihre finanzielle Unterstützung machte es Bertha Benz erst möglich, dass der Patent-Motorwagen ihres Mannes Gestalt annahm. Und die erste Erprobungsfahrt übernahm sie im Jahr 1888 selbst, da Carl seiner Erfindung noch nicht so recht traute.

Auch Dorothy Levitt ging in die Automobilgeschichte ein. Die britische Rennfahrerin stellte 1905 nicht nur mehrere Geschwindigkeitsrekorde auf, sondern erfand nebenbei auch noch den Rückspiegel. Von Mary Anderson aus Alabama stammt die Idee, verschmutzte Autoscheiben mit einem Wischer zu reinigen. Und auch die Entwicklung von Bremslicht und Fahrtrichtungsanzeiger geht auf Initiativen einer Frau zurück: Florence Lawrence.

Und wenn es nach den Frauen gegangen wäre, hätte wohl das Elektroauto schon wesentlich früher seinen Siegeszug angetreten: Die leisen, zuverlässigen und ...

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... emissionsfreien Stromer erfreuten sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Europa und Nordamerika bei Autofahrerinnen großer Beliebtheit. Letztlich aber setzten sich Autos mit Verbrennungskraftmaschinen durch. Weil diese preiswerter herzustellen waren, größere Reichweiten darstellen konnten – und nicht zuletzt, weil sie als männlich galten und größere Abenteuer versprachen als die langweilig einfachen Elektroautos.

Frauen treiben den Fortschritt

Doch die Zeiten ändern sich. Lärmende Motoren sind verpönt, giftige Abgase werden nicht mehr toleriert. Abenteuer auf der Straße sucht heute kaum jemand mehr – wichtiger ist den meisten Menschen das sichere und entspannte Ankommen. Und nicht zuletzt eine umwelt-und klimaverträgliche Fortbewegung.

Das alles ist – neben der massiven staatlichen Förderung – sicher ein Grund, warum die Akzeptanz des Elektroantriebs auch hierzulande stetig wächst und der Anteil der Elektroautos an den Neuzulassungen in Deutschland immer neue Rekordwerte erklimmt. Und vieles deutet darauf hin, dass wieder Frauen zu den Treibern des automobilen Fortschritts zählen.

Bei einer vom Autohersteller KIA initiierten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Innofact zeigten sich Ende vergangenen Jahres Frauen jedenfalls deutlich aufgeschlossener für Elektroautos als Männer: Für 90,3 Prozent der Autofahrerinnen war es wichtig, dass ein Fahrzeug nur wenig oder gar kein CO₂ freisetzt – bei den Männern betrug der Anteil nur 82,7 Prozent.

Die älteren Autofahrergenerationen müssen sich immer noch dafür rechtfertigen, warum sie elektrisch fahren.“

Arnie Christiane Kröger

Allerdings hatte nur jede Dritte der Frauen zum Zeitpunkt der Befragung schon Erfahrungen mit einem Elektroauto gemacht – gegenüber fast der Hälfte der befragten Männer. Das wollen Arnie Christiane Kröger und ihre Mitstreiterinnen schleunigst ändern. Sie haben vor zwei Jahren den Verein „Electrified Women“ aus der Taufe gehoben. Zur „Förderung des Umweltschutzes im Bereich der individuellen Mobilität“, wie es in der Satzung heißt, aber vor allem, um Frauen an die Elektromobilität heranzuführen. Hier werden Fragen geklärt, Probleme diskutiert und Ängste genommen – etwa die, auf einsamer Landstraße mit leerem Akku liegen zu bleiben oder an einer Ladesäule keinen Strom zu bekommen. 20 Mitglieder zählte der Verein im Gründungsjahr, mittlerweile tauschen sich hier fast 100 „Mädels“ (Kröger) regelmäßig aus – oder treffen sich mit Novizinnen zu Ausfahrten mit Elektroautos aller Marken.

Neues Auto, neue Liebe

Vorurteile? Dumme Sprüche? Gibt’s hier nicht – oder werden bei den Treffen schnell ausgeräumt. „Die älteren Autofahrergenerationen müssen sich in ihrem Umfeld leider oft noch dafür rechtfertigen, dass sie elektrisch fahren“, beklagt Arnie Kröger, die sich selbst als Petrolhead beschreibt und zusammen mit ihrem Mann Ove mit Oldtimern handelt. „Bei uns liegt der Schwerpunkt nicht auf den technischen Details, wofür sich Männer stärker interessieren. Vielmehr stehen bei uns die praktische Handhabung der Elektroautos, deren Geräuschlosigkeit und Praktikabilität im Vordergrund.“

Diese Vorzüge schätzt inzwischen auch Annemarie Kröger. Vor drei Jahren wollte die heute 80-Jährige eigentlich schon den Führerschein abgeben – der Fahrspaß war ihr abhanden gekommen. Als ihre Tochter vorschlug, sich gemeinsam ein E-Auto zuzulegen, war die Rentnerin aus Werlte im Emsland zunächst skeptisch. Das änderte sich bei einer Probefahrt jedoch schnell.

„Ich wollte überhaupt nicht mehr aussteigen“, schwärmt Annemarie Kröger. „Das hat so viel Spaß gemacht.“ Inzwischen besitzt sie eine Renault Zoe und nutzt Ausfahrten mit dem kleinen Stromer, um Frauen aus ihrem Bekanntenkreis für die Elektromobilität zu begeistern. „Ich möchte auch im Alter mobil bleiben und mein E-Auto gibt mir diese Freiheit.“

Sogar eine neue Liebe hat sie darüber gefunden: Sie lernte über das neue Auto einen Mann kennen, mit dem sie nun ihr Leben teilt. Wer sich im hohen Alter noch auf ein Elektroauto einlässt, hatte der Bekannte gefolgert, zählt noch lange nicht zum alten Eisen, ist auch für neue Beziehungen aufgeschlossen. Und nicht nur dafür: Annemarie Kröger ist über ihren neuen Partner zu einer Bienenfreundin geworden. „Ich habe sogar einen Imkerschein gemacht“, erzählt sie begeistert.

Vogelgezwitscher im Ohr

Manchmal braucht es für die Erkenntnis, wie gut ein E-Auto der Umwelt tut, eine simple Erfahrung. Arnie Kröger machte die in Paris. „Viele Jahre lang haben wir große, amerikanische Autos nach Deutschland importiert und verkauft.“ Eines Tages stand erstmals ein Vorführwagen von Tesla in der Hauseinfahrt in Reinfeld. Und anders als ihr Mann war Arnie zunächst alles andere als begeistert über das Elektroauto. Ein Trip nach Frankreich änderte allerdings ihre Sichtweise.

„In Paris habe ich mich über die Dunstwolke über der Stadt geärgert. Am nächsten Morgen, als wir die Stadt frühmorgens wieder verließen, hörte ich plötzlich aus dem fahrenden Auto heraus die Vögel zwitschern. Und als wir dann noch ausrechneten, was uns die Reise nach Paris mit einer Corvette gekostet hätte, war bei mir der Groschen gefallen.“ Zwei Wochen später war die Corvette weg – und das Model S von Tesla gekauft.

Seitdem hat sich das Leben der Krögers deutlich verändert. „Unser Leben wird heute durch Elektromobilität bestimmt.“ Ove Kröger ist zum Sachverständigen für Tesla und andere Elektro-Fahrzeuge geworden, der sein Wissen unter anderem über einen eigenen You-Tube-Kanal verbreitet. Das Ehepaar handelt immer noch mit Autos, nur dass diese entweder einen Elektroantrieb besitzen oder schon sehr alt sind. „Denn warum wird ein noch funktionstüchtiges Auto verschrottet?“, fragt sich Arnie Kröger. Viel nachhaltiger wäre es aus ihrer Sicht, ein Auto möglichst lange in Betrieb zu halten und erst dann gegen einen Neuwagen auszutauschen, wenn sich eine Reparatur nicht mehr lohne.

Besitzen und teilen

Mira Hansen, 42, ärgern noch ganz andere Dinge. Etwa die Debatte über die Zukunft der Mobilität und die starke Fokussierung dabei allein auf den Antrieb. Denn für die Rehabilitationswissenschaftlerin und Inklusionsbeauftragte ist klar: „Sharing-Konzepte müssen stärker in den Mittelpunkt der Debatte rücken.“

Die Familie Hansen praktiziert das an ihrem Wohnort Hameln bereits. „Unser Auto steht zwar meist vor der Tür, aber mittlerweile teilen wir uns die Zoe mit sechs anderen Familien.“ Auf diese Weise werde das Auto effizienter genutzt und die Umwelt stärker entlastet. Mit Verzicht hat das nichts zu tun.“

„Bei der E-Mobility ist es wie mit den meisten technischen Revolutionen: Am Anfang sind sie teuer, aber mit der Begehrlichkeit kommt der attraktivere Preis.“

Marie von den Benken

Die gebürtige Hannoveranerin besaß 15 Jahre lang überhaupt kein Auto, bewegte sich ausschließlich mit öffentlichen Verkehrsmitteln durch die Stadt und das Umland. Erst ein familiärer Notfall machte sie zur Autofahrerin: Sie meldete sich 2018 in einer Sharing-Community an, bei der ausschließlich Elektroautos ausgeliehen werden konnten. Eine feste Bindung ging sie nur mit dem Besitzer der Plattform ein, mit dem sie mittlerweile verheiratet ist. Wie das Leben so spielt.

Kein Zweifel: Frauen haben eine hohe Affinität zu Elektroautos, sind offen für neue Mobilitätskonzepte. Das belegen vielen Studien, unter anderem von der Universität Sussex in England und der dänischen Hochschule Aarhus. Die Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften in Wolfenbüttel stellte vor vier Jahren im Schlussbericht einer Studie zur Verkehrswende sogar die These auf, dass die Elektromobilität weiblich sei. Begründung: „Frauen sind eine für E-Fahrzeuge besonders geeignete und erwünschte Zielgruppe.“ Unter anderem, weil sie in der Regel im Laufe eines Tages kürzere Tagesstrecken als Männer zurücklegen.

Starke Frauen am Steuer

Ein stärkerer Fokus der Autoindustrie auf die Zielgruppe Frau, sagt auch die dänische Studie, könnte die Vermarktung von Elektroautos erleichtern und die Antriebswende insgesamt deutlich beschleunigen. Gut ausgebildete, weibliche Autokäufer seien eine potenziell lukrative Zielgruppe, die bisher kaum erschlossene wurde. In der Werbebranche scheint die Botschaft inzwischen auf fruchtbaren Boden zu fallen, wie jüngste Beispiele belegen: Ob in der TV-Werbung für den neuen Audi e-tron GT („Zukunft ist eine Haltung“), für den neuen BMW iX („Pionier eines neuen Zeitalters“) oder den neuen Renault Mégane E-Tech („100 percent electric“) – stets künden junge und sichtlich erfolgreiche Frauen von den Vorzügen der Elektromobilität.

Audi hat dafür unter anderem die britische Modeschöpferin Stella McCartney und die US-Sängerin Janelle Monáe gewinnen können. Und BMW ließ in dem Commercial für den Super Bowl in den USA vor einem Millionenpublikum die Schauspielerin und Produzentin Salma Hayek-Pinault als starke Frau die Entscheidung für einen vollelektrischen BMW iX treffen.

Nicht genderspezifisch

„Dies ist mehr als rein symbolisch gemeint“, erklärt dazu Jens Thiemer, Senior Vice President Kunde & Marke bei BMW, auf Anfrage von EDISON. „Wir nehmen das Thema sehr ernst. Analytisch wie auch strategisch setzen wir uns sowohl im Produktmanagement als auch im Handel intensiv mit dieser Thematik auseinander, um gerade für Frauen global eine höchst relevante Marke zu sein.“ Immerhin träfen Frauen laut internationalen Studien inzwischen bis zu 90 Prozent aller Kaufentscheidungen – auch bei Autos.

Die Welt ist bunter geworden, weiblicher. Und die Entwicklung reagiert darauf. Marie von den Benken begrüßt die Entwicklung. Die 32-jährige Hamburgerin arbeitet nicht nur als sehr erfolgreiche Influencerin und Autorin, sondern auch als Model. „Durch meine Arbeit bekomme ich durchaus mit, dass das Bild, das in der Werbung skizziert wird, oftmals noch klassisch ist. Aber gerade bei Autos sehe ich eine gute Tendenz. Es geht mehr um individuelle Lösungen, fernab von Klischees. Vor allem wird es humorvoller. Das Bild vom hart arbeitenden Mann, der am Abend mit einem neuen Mercedes ins Eigenheim zurück kommt, wo ihm die stolze Frau sein Lieblingsgericht auftischt, ist auch in der Autowerbung längst passé. Wenn man mal die Werbeclips für Autos in der Pause des Super Bowls gesehen hat, weiß man: Gerade die Automobilindustrie ist inzwischen ein Treiber innovativer Werbeideen.“

So sieht das auch Audi-Markenchef Henrik Wenders. „Unser Marketing zeigt, wie sich das Auto in die Lebenswelten der Menschen, unserer Kunden und Kundinnen einfügt, wie sie sich durch das Ökosystem rund um unsere Fahrzeuge bewegen. Wir konzentrieren uns auf die menschlichen Bedürfnisse, auf Werte und auf eine zukunftsgerichtete Haltung. Damit richten wir die Marke automatisch emotionaler und nahbarer aus. Wir setzen in unserem globalen Marketing auf Diversität und definieren die Marke darüber, wofür sie steht. Es ist uns wichtig, nicht in Klischees zu denken oder solche zu erfüllen. Wertgefüge sind ja nicht genderspezifisch.“

Hang zum Klugscheißtertum

Aber manche Wertgefüge haben für Frauen offenbar einen höheren Stellenwert als für Männer. Das gilt insbesondere für Umwelt-und Nachhaltigkeitsaspekte beim Autokauf. „Mir ist es schon wichtig, zu wissen, woher die Antriebsbatterien kommen oder wie viel Energie für deren Herstellung und Entsorgung benötigt wird“, betont von den Benken, die seit 2018 elektrisch unterwegs ist und derzeit einen Volvo XC40 Recharge fährt. Viele, zum Teil erbitterte Diskussionen hat sie über solche Aspekte der Elektromobilität schon geführt.

„Man trifft häufig auf Kandidaten, die mit einer gefährlichen Melange aus Halbwissen und Oberlehrergehabe auftreten. Wie oft ich den Satz ‚Dein Elektroauto ist für die Umwelt noch viel schädlicher als mein alter Diesel‘ schon gehört habe, kann ich gar nicht mehr zählen. Übrigens überwiegend nicht von Männern.“ Auch Frauen hätten einen „Hang zum Klugscheißertum“.

Mit dem Klugscheißertum hatte auch Lisa Bohm, 35, anfangs ihre Probleme. „Ich bin immer in der Mittagspause um den Tesla-Laden in Hamburg geschlichen. Es hat etwas gedauert, bis ich mich da hinein getraut habe. Ich war überzeugt, die schicken mich gleich wieder raus.“

Vier Jahre ist das mittlerweile her. Doch niemand schickte sie damals vor die Tür. Das Gegenteil war der Fall: Der Tesla-Verkäufer nahm sich Zeit für ihre Fragen, lud sie sogar spontan zu einer Probefahrt ein. Kurz darauf war das Model S gekauft. „Mittlerweile ist der Verkäufer ein guter Bekannter“ – und Bohm zertifizierte Beraterin für Elektromobilität und alternative Antriebe bei der Sachverständigenorganisation Dekra. Sie ist aktives Mitglied der „Electrified Women“ mit eigenem YouTube-Kanal: Unter „Teslalisa“ beantwortet sie seit 2019 Fragen zur Elektromobilität aus der Sicht der Frau. Etwa wie man Ferienfahrten mit dem E-Auto plant.

Frauen ticken anders, denken eher pragmatisch – und schätzen den Erfahrungsaustausch von Frau zu Frau. Wie auch Kerstin Frieben. Die 43-jährige Masseurin und medizinische Bademeisterin aus dem Landkreis Kassel muss täglich an die 100 Kilometer zur und von der Arbeit zurücklegen, auf ein Auto ist sie angewiesen. Anfangs hatte sie Bedenken, auf ein Elektroauto umzusteigen – deren Reichweiten erschienen ihr zu gering. Zumal sie gehört hatte, dass niedrige Außentemperaturen den Batterien der Fahrzeuge schwer zusetzen können. Doch bei Gesprächen mit Elektroauto-Besitzern beiderlei Geschlechts in der Region fasste sie schnell Mut. Inzwischen zählen zu ihrem Haushalt insgesamt vier Elektroautos, die dank einer großen Photovoltaik-Anlage und einem Heimspeicher in der Garage mit selbst erzeugtem Sonnenstrom geladen werden.

Elektromobilistin aus Leidenschaft ist auch Alina Baumann. Und die 36-jährige Fahrdienstleiterin hat dafür ebenfalls ein eigenes Ökosystem aufgebaut – zum Schutz der Umwelt, aber auch, um Kosten zu sparen. „Ich habe schon immer Tank-Apps genutzt, um zu sehen, wo ich den Sprit am günstigsten bekomme. Da kam mir die Ersparnis durch den Strom gerade recht.“ Also wurde das Familienheim im Schwarzwald schon vor einigen Jahren mit einer Photovoltaikanlage zur Stromversorgung ausgestattet. Geheizt wird das Haus mit Holz aus einem eigenen kleinen Wäldchen. Ein Elektroauto war da die perfekte Ergänzung: Vor zwei Jahren wurde zusätzlich zum Mitsubishi Outlander Plug-in Hybrid ein E-Golf von VW angeschafft. Über die Alltagserfahrungen damit – und auch anderen Elektroautos – berichtet sie unter dem Pseudonym „Alina Ampere“ auf einem eigenen TikTok-Kanal. Mehr als 20 000 Follower sehen sich hier regelmäßig ihre Lehrvideos an, in denen sie zum Beispiel die Unterschiede der verschiedenen Ladestecker erklärt oder, ganz banal, die Frage beantwortet, wie der Strom aus der Ladesäule in den Akku gelangt. „An den Kommentaren kann ich sehen, dass Frauen das zu schätzen wissen. Von ihnen bekomme ich oft auch neue interessierte Fragen.“

„Ich möchte möglichst clean sein, einen möglichst kleinen CO2 -Fußabdruck hinterlassen – schon mit Rücksicht auf unsere Tochter.“

Eva Padberg Foto: Dani Heyne

Eva Padberg hat diesen Weg noch vor sich. Die 41-jährige kommt als Model und Schauspielerin, aber auch als Botschafterin des Kinderhilfswerks Unicef, viel in der Welt herum. Darum hat sie sich in der Uckermark einen Rückzugsort auf dem Land geschaffen. Sie lebt dort zusammen mit ihrem Mann Niklas Worgt, ihrer dreijährigen Tochter und einem Hund auf einem ehemaligen Bauernhof in einem renovierten Schafstall. Sie ernährt sich vegan mit Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten, schöpft das Wasser aus einem eigenen Brunnen und plant gerade die Installation einer PV-Anlage, um auch bei der Stromversorgung möglichst autark zu werden.

Die Anschaffung eines Elektroautos wäre da eine perfekte Ergänzung, findet sie: „Autos mit Verbrennungsmotoren pusten schon noch ganz schön viel Dreck in die Luft. Und ich möchte so clean wie möglich sein, einen möglichst kleinen CO₂-Fußabdruck hinterlassen – schon mit Rücksicht auf unsere Tochter.“ Nur das passende Fahrzeug habe sie noch nicht gefunden – mit viel Platz und großer Reichweite, idealerweise mit Allradantrieb und zu einem günstigen Preis.

Es wird sich aber sicher bald finden. Influencerin Marie von den Benken hat daran keinen Zweifel. „Bei der E-Mobility ist es wie mit den meisten technischen Revolutionen. Am Anfang sind sie teuer, weil sie neu sind und sehr viel Entwicklungsbudget verschlungen haben. Aber mit der steigenden Begehrlichkeit kommt auch der attraktivere Preis.“ Und auch die 80-jährige Annemarie Kröger ermuntert alle Frauen, die Antriebswende bald zu vollziehen: „Die Entscheidung für ein E-Auto verändert alle Sinne. Man muss sich nur einen Ruck geben.“

Ein Interview mit Eva Padberg zur Elektromobilität lesen Sie unter unter www.edison.media/padberg