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WEISSE WÄNDE


Kanu Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 6/2021 vom 06.10.2021

VORDERRHEIN

Artikelbild für den Artikel "WEISSE WÄNDE" aus der Ausgabe 6/2021 von Kanu Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Kanu Magazin, Ausgabe 6/2021

SO ENTSTAND DIE SCHLUCHT

Vor etwa 10.000 Jahren stürzten etwa 8000 Millionen Kubikmeter Fels in das Rheintal.

Durch diesen größten Bergsturz der Alpen wurde das Tal durch eine mehrere hundert Meter dicke Schuttmasse vollständig aufgefüllt. Der Rhein wurde aufgestaut und bildete einen 25 Kilome- ter langen See vor Illanz. Schließlich bahnte sich der Fluss jedoch über mehrere Jahrtausende einen Weg durch die Felsmassen des Bergstur- zes. So wurde die eindrucksvolle Rheinschlucht vom Wasser geformt.

2007 habe ich meine erste Tour auf dem Vorderrhein gemacht. Ein Jahr mit wahnsinnig hohen Wasserständen. Und mein zweites Jahr im Kajak. Ein paar Dinge sind mir im Gedächtnis geblieben: die hohen Wellen, ein großes Loch und der Zug, aber vor allem die atemberaubende Landschaft. Seitdem hat es mich immer mal wieder an den Vorderrhein verschlagen – so viel Wasser wie bei meiner ersten Fahrt habe ...

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... ich aber mit Abstand nie wieder erlebt. Von Deutschland aus ist die Anfahrt an den Vorderrhein im Kanton Graubünden über Zürich oder Bregenz am besten möglich. Selbst aus Bayern ist der Vorderrhein für einen Wochenendtrip leider zu weit entfernt. Oder zum Glück? Tatsächlich ist der Vorderrhein so schön, dass man dort eigentlich mindestens ein verlängertes Wochenende verbringen sollte.

Die »klassische« Strecke auf dem Vorderrhein ist die Flimserschlucht zwischen Ilanz und Versam beziehungsweise Reichenau. Umsetzen? Der Paddelgenuss beginnt in der Schweiz damit, dass Umsetzen nicht nötig ist. Eine Zugstrecke verläuft durch die Schlucht und bringt Paddler und sogar Boot wieder zurück zum Auto. In Ilanz kann man am Bahnhof einsteigen – wenn man später mit dem Zug fahren will, bekommt man das Parkticket kostenlos. Alternativ aus Ilanz hinausfahren, wobei man über einen kleineren Fluss fährt, den Glenner. Hier kann seitlich am Fluss geparkt und in den Glenner eingesetzt werden, der nach etwa 300 Metern in den Vorderrhein mündet.

DAS »SCHWARZE LOCH«

Perfekt zum Einpaddeln, startet dieser Abschnitt mit übersichtlichen Kiesbankschwällen. Hohe, teilweise auch wuchtige Wellen zaubern dem Paddler ein Lächeln ins Gesicht. Gelegentlich lauert auch ein Loch oder eine Walze im Fluss, die jedoch gut umfahren werden können, da der Fluss breit und wenig verblockt ist.

Etwa 1,5 Kilometer unterhalb von Ilanz ist ein Kieswerk zu sehen. Im Fluss erwartet uns hier ein Blockwurfwehr, das auf der rechten Seite gut fahrbar ist. Da es jedoch immer möglich ist, dass sich dieses ändert, schadet ein vorsichtiges Herantasten und gegebenenfalls Besichtigen nicht. Für Anfänger stellt es aufgrund des hohen Gefälles unter Umständen auch eine psychische Hürde dar. Danach rücken die Felswände näher an den Fluss heran, und die Verblockung nimmt zu. Ein paar große Felsen im Fluss laden zum Kehrwasserfahren ein, und die Landschaft wird immer schöner. Große Wellen lassen unsere Kajaks hoch und runter tänzeln. Die Schwierigkeit steigert sich gegenüber dem Beginn etwas auf Wildwasser II bis III. Die Felsen sind fast weiß und sehen aus, als hätte ein Riese mit nassem Sand »Kleckertürme« geformt. Diese Schlucht ist optisch etwas ganz Besonderes, kennt man doch sonst eher gerade aufragende, dunkle Felswände. Das weiße Kalkgestein wurde hier durch riesige Bergstürze freigelegt, wodurch auch diese einmalige Schlucht entstand. Menschliche Spuren gibt es kaum. Wanderer folgen einem Weg viel weiter oben und sind daher für uns nur selten sichtbar. Gelegentlich verläuft die Bahnstrecke neben dem Fluss, bevor sie wieder in einem Tunnel verschwindet.

Ungefähr sieben Kilometer nach unserem Start mündet von rechts der Carera-Bach in den Vorderrhein. Hier sollte rechts an der großen Kiesbank kurz angelegt werden, um die folgende Stelle zu besichtigen. Das sogenannte »Schwarze Loch« ist eine kurze, verblockte Strecke. Links im Felsen ist ein großes, dunkles Loch zu sehen, das man auch bei der Anfahrt bemerkt. Früher hat dort das Wasser hineingedrückt und diese Stelle sehr gefährlich gemacht. Schon lange hat sich jedoch der Flusslauf verändert, so dass das einst gefährliche Loch teils mit Kies gefüllt ist und man nicht mehr dorthin paddeln kann. Daher sollte die Befahrung dieser Stelle auf der rechten Flussseite problemlos möglich sein. Aufgrund des hohen Gefälles gibt es hier Wellen und kleine Walzen, aber die Stelle ist gut fahrbar. Da sich der Flussverlauf durch erneute Murenabgänge auch wieder verändern kann, empfehle ich ein kurzes Besichtigen.

WEITER MIT WONNE

Die folgenden drei Kilometer bis Versam sind reinstes Genusspaddeln im 2. bis 3. Schwierigkeitsgrad. An einer unscheinbaren Kiesbank auf der rechten Flussseite ist die Fahrt schon zu Ende, wenn man bis Versam paddeln will. Da man den Bahnhof nicht vom Fluss aus sieht, sollte man aufpassen, dass man vor lauter Genießen nicht zu weit paddelt.

Wobei das auch nicht wirklich tragisch wäre. Auf den nächsten zehn Kilometern nehmen die Schwierigkeiten etwas ab, der Landschaftsgenuss bleibt jedoch bestehen. Weiterhin begleiten uns hohe, weiße Felsen und schöne Wellen. Verschneidungen im 2. Schwierigkeitsgrad sorgen für gute Laune. Gegen Ende wird es noch mal ruhiger, bis schließlich die Höhe der Felsen abnimmt und die weiße Farbe sich in grau wandelt. Etwa 50 Meter vor der Straßenbrücke wird die Tour an einer Kiesbank auf der rechten Seite beendet. Kurz nach dieser Brücke vereinigen sich Hinterrhein und Vorderrein zum Rhein. Auch hier gibt es einen Bahnhof, der über die beiden Brücken gut zu Fuß erreichbar ist.

Wer gerne im 3. bis 4. Schwierigkeitsgrad unterwegs ist, kann auch nur die obere Hälfte der Schluchtstrecke, also von Ilanz bis Versam paddeln, aber zuvor noch den Glenner »mitnehmen«. Dieser besonders lohnende Nebenfluss des Vorderrheins bietet ab Pitasch (Zufahrt von Ilanz nach Vals, unterhalb des hohen Wehrs einsetzen) sieben Kilometer lang WW 3 bis 4. Weiter oberhalb befindet sich eine schwierigere Strecke. Der Glenner hat sich seinen Weg durch Schiefergestein gebahnt, das schwarz bis rotbraun glänzt. Über kleine Stufen und um Felsen fließt der Glenner flott dahin. In Ilanz mündet er in den Vorderrhein, so dass gleich weiter gepaddelt werden kann. Einziger Nachteil: Das Umsetzen mit der Bahn klappt nicht.

Die Vorderrheinschlucht kann auch erwandert werden. Dies ist nicht nur für »Landratten« reizvoll, sondern eröffnet auch dem Paddler eine neue Perspektive. Auch für Mountainbike- Touren bietet sich die Region an – durch malerische Dörfer, vorbei an idyllischen Bauernhöfen und bis hoch in die Alpen.

INFO

VORDERRHEIN

Strecke: Einstieg in Illanz (am Bahnhof oder in den Glenner einsetzen), Ausstieg am Bahnhof in Versam (10km WW 2-3) oder Weiterfahrt bis Reichenau (weitere 10km WW 2).

Beste Zeit: Das Wasser der Nebenflüsse des Vorderrheins wird abgeleitet und erst in Illanz in den Vorderrhein geleitet. Daher ist die Flimserschlucht meist ganzjährig fahrbar, wobei wochentags der Pegel häufig etwas höher ist als am Wochenende. Weiter oberhalb liegende Strecken sind in der Regel nur im Frühjahr oder ggf. noch im Sommer fahrbar.

Naturschutz: Die Rheinschlucht ist Lebensraum vieler, teils seltener Tiere und Pflanzen. Da die Flimserschlucht sich im Herzen eines Schutzgebietes befindet, sollten Paddler unbedingt nur an gekennzeichneten Stellen ein- und aussteigen sowie rasten – diese findet man neben weiteren Informationen im Rheinschlucht- Flyer: http://www.rheinschlucht.ch/ wp-content/uploads/2020/04/rheinschlucht_flyer_2020_WEB.pdf

Touren-Anbieter, Schulungen: Kanuschule und Kanuhop Versam, Bahnhof Versam-Safien, mitten in der Rheinschlucht. Kurse im Kajak, Canadier oder Packraft, Rafting- und Funyak-Ausflüge. Diese Kanuschule genießt einen guten Ruf und ist insbesondere für Canadier- Schulungen ein kompetenter Anbieter.

Infos: https://www.kanuschule.ch/

Unterkunft: Camping Carrera, 7122 Carrera, Schweiz. Campingplatz mit beeindruckendem Blick über den Vorderrhein, perfekte Lage als Basislager für Touren auf dem Vorderrhein.

Infos: http://camping-carrera.ch/

Weitere Infos: Rheinschlucht und Aktivitäten vor Ort: http://www.rheinschlucht.ch/

Flussbeschreibung mit Kilometerangaben: DKV Auslandsführer Band 1, »Österreich/Schweiz«

Mal was anderes: Kletterzentrum in Chur, www.kletterzentrumchur.ch

Reiten im »Paradiesli«, www.naturparadiesli.ch

Via Mala-Schlucht besichtigen: Stege führen durch diese sehenswerte Schlucht des Hinterrheins: www.viamala.graubuenden.ch

Noch mehr Paddeln:

Glenner: Pitasch bis Ilanz, 7 km WW 3-4

Hinterrhein: Thusis bis Zusammenfluss mit Vorderrhein, 17km WW 2-4 (weitere Strecken weiter oberhalb)

Valserrhein: Schlucht von St. Martin bis zur Mündung in den Vorderrhein, 4km WW 3-4

Somvixer Rhein: Ausstieg beim Parkplatz am Anfang des Stausees, hier parken und mit Bootswagen dem Wanderweg zur Greinaebene folgen;

Einstieg an der Brücke, 5km WW 4-6.

Medelser Rhein: Brücke der Cristalina bei S. Gions bis Fußballplatz (von Curaglia in Richtung Ralgtund fahren und einem Feldweg ca. 800 Meter folgen), 5 km WW 4-6