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Weiter Spaß an der Arbeit


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plus Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 11/2021 vom 06.10.2021

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Bildquelle: plus Magazin, Ausgabe 11/2021

Doris Kauldorf nimmt den großen Schlüss e l - bund und schließt energisch die Tür ihres Büros ab. „Das war ein anstrengender Tag“, sagt die 64- Jährige aus Geldern, „aber es macht ja auch Spaß, wenn man spürt, dass man weiter gebraucht wird“, erzählt die Sozialarbeiterin.

Ähnlich den großen Schlüsselbund und schließt energisch die Tür ihres Büros ab. „Das war ein anstrengender Tag“, sagt die 64-Jährige aus Geldern, „aber es macht ja auch Spaß, wenn man spürt, dass man weiter gebraucht wird“, erzählt die Sozialarbeiterin.

Doris Kauldorf gehört zu den gut vier Millionen Rentnern, die weiter berufstätig sind, obwohl sie bereits im Ruhestand sind. „Als ich vor gut zwei Jahren ankündigte, dass ich in Rente gehen will, kam mein Arbeitgeber, der Landschaftsverband Rheinland, sofort auf mich zu, um mit mir über eine Weiterbeschäftigung zu sprechen. Nun arbeite ich noch zwei Tage pro Woche als Hilfe-Planerin ...

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... und freue mich, dass ich – zumindest in diesem Jahr – zu meiner Rente noch ein nettes kleines Gehalt erhalte.“

Ähnlich wie Doris Kauldorf denken derzeit viele Rentner – noch nie haben so viele Menschen neben der Rente gearbeitet. Die meisten tun dies in Form eines Mini-Jobs. Aber immer mehr Frauen und Männer haben einen sozialversicherungspflichtigen Job, arbeiten also in Teilzeit oder sogar Vollzeit, obwohl sie bereits Rente erhalten oder Rente erhalten können.

Die Politik freut sich über diese Entwicklung. Denn zumindest CDU/CSU sowie FDP hatten in ihren Wahlprogrammen explizit Verbesserungen versprochen für alle, die weiter beruflich tätig sind.

Jeder Fünfte arbeitet noch

Das ist auch nötig: Denn wer als Rentner – egal, ob man eine vorgezogene Frührente oder eine reguläre Altersrente erhält – weiter beruflich aktiv sein will, muss zuallererst sich mit den sehr komplizierten Regeln vertraut machen, die das Weiterarbeiten nach sich zieht. Denn es geht nicht nur darum, mit dem bisherigen Arbeitgeber (oder einem neuen) eine entsprechende Tätigkeit zu finden, sondern vor allem die finanziellen Folgen zu beachten. Denn maßgeblich ist einerseits, wie viele Stunden man arbeitet (und damit, wie viel Geld man verdient), andererseits aber auch, wie alt man ist bzw. welche Rente man erhält.

Generell gilt:

• Am einfachsten ist das Weiterarbeiten bzw. Wieder-neu-Starten, wenn man die Regelaltersgrenze erreicht hat. Dann darf unbegrenzt hinzuverdient werden; und dieser Hinzuverdienst hat dann auch keinen Einfluss auf die Rente (s. re.). Diese Erleichterung gilt auch, wenn man eigentlich eine vorgezogene Rente erhält – sobald die Regelaltersgrenze erreicht ist, fallen alle Beschränkungen weg.

• Genauso einfach ist es mit einem Mini-Job. Der Verdienst liegt unter allen Grenzen. Das heißt: Jeder, der in Rente ist, darf einen Mini-Job annehmen; unabhängig vom Alter und der Art der Rente.

Viele Sonderregeln

Alle aber, die nicht zu einer dieser beiden Gruppen gehören, müssen bei einer Weiterarbeit aufpassen – einerseits auf die Höhe des Verdienstes; denn bei einer vorgezogenen Rente gibt es eine Hinzuverdienstgrenze; wird zu viel verdient, wird die Rente gekürzt (s. re.). Andererseits führt eine zu umfangreiche Beschäftigung, z. B. bei einer Rente wegen Erwerbsminderung, automatisch zu der Frage, ob die Rente überhaupt noch gezahlt wird. Denn der Grund für eine volle EM- Rente lautet ja gerade, dass nur noch maximal drei Stunden pro Tag gearbeitet werden kann.

„Richtig kompliziert wird es auch dadurch“, sagt der Rentenberater Manfred Heck, „dass je nach Alter, Rente und Art der Beschäftigung ganz unterschiedliche Re-geln für die Sozialbeiträge gelten, also ob jemand, der als Rentner arbeitet, noch Beiträge vom Gehalt zur Rentenversicherung zahlen muss oder zur Arbeitslosenversicherung oder welche Höhe dann die Krankenkassen-Beiträge haben.“

„Erwerbsarbeit im Rentenalter ist, anders als angenommen, kein Indiz für Altersarmut. Hauptgründe sind Spaß an der Arbeit, Kontakt zu anderen, das Gefühl, gebraucht zu werden

Hubertus Heil, Bundesarbeitsminister (SPD)

Jens Usebach, Fachanwalt für Arbeitsrecht aus Köln, rät deshalb auch allen, die planen, im Ruhestand weiter beruflich aktiv zu sein, sich frühzeitig zu informieren. Das fängt bereits mit dem bisherigen Arbeitsvertrag an. „Es ist ein weitverbreiteter Irrtum, dass ein Arbeitsvertrag automatisch endet, wenn man das Rentenalter erreicht hat. Und das Erreichen des Rentenalters ist auch kein Kündigungsgrund.“ Aber auch wenn in vielen Arbeitsverträgen nichts zu einem automatischen Ende des Arbeitsvertrags stehe, so könnte doch genau dies per Tarifvertrag oder Betriebsvereinbarung zutreffen. Usebach empfiehlt deshalb, frühzeitig mit dem Arbeitgeber zu sprechen, um z. B. über eine

Arbeitsvertrag prüfen

Ergänzung des Arbeitsvertrags das Ende hinauszuschieben. „Dies kann sogar mehrfach wiederholt werden“, so der Anwalt.

Wichtig dabei: Arbeitsvertrag und Rentenantrag sind völlig unterschiedliche Dinge. Heißt, wer 63 ist, kann die Rente für langjährig Versicherte beantragen (erhält diese auch, wenn die Bedingungen erfüllt sind) und kann trotzdem weiter in Vollzeit arbeiten. Folge kann nur sein, dass dann die Rente gekürzt wird, wenn die Hinzuverdienstgrenze überschritten wurde.

Das gilt auch, wenn man in Rente geht, nach einigen Monaten feststellt, dass einem was fehlt. „Dann ist immer ein neuer Arbeitsvertrag nötig“, sagt Anwalt Usebach, „selbst wenn man beim gleichen Arbeitgeber wieder tätig wird.“

Mehr Geld verhandeln

Weil viele Firmen Fachkräfte suchen, bestehen so gute Verhandlungs-Möglichkeiten. Wie bei Doris Kaulbach. „Ich hätte nie gedacht, dass mein Arbeitgeber bereit wäre, mich auf Honorarbasis zu beschäftigen“, lächelt sie, „der große Vorteil: Ich erhalte heute im Verhältnis mehr Geld, weil mein Arbeitgeber Teile der Sozialabgaben spart. Und dies habe ich für mich rausgehandelt.“ Dann steckt sie die Schlüssel ein. Feierabend – für heute.

21% der erwerbstätig en Rentner sind weiter sozialversicherungspflichtig beschäftigt – doppelt so viele wie noch 2005.

Quelle: Bundesagentur für Arbeit

Ähnliche Funktionen

Wer in Rente weiterarbeitet oder wieder einsteigt, übernimmt meist ähnliche Tätigkeiten wie während des normalen Berufs. Selbst wer in Rente einen Mini-Job hat, übernimmt selten einfache Handlanger-Tätigkeiten, sondern Arbeiten, die der Qualifikation entsprechen.

„Wer zusätzlich zur Rente noch arbeitet, sollte sich vorab genau beraten lassen und alles exakt durchrechnen“

Manfred Heck, Rentenberater aus Schopfheim-Eichen