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Weiter Spaß an der Arbeit


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Rente & Co - epaper ⋅ Ausgabe 6/2021 vom 13.10.2021

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Millionen Rentner arbeiten während der Rente weiter ? die meisten in einem Mini-Job.

Doris Kauldorf nimmt den großen Schlüsselbund und schließt energisch die Tür ihres Büros ab. „Das war ein anstrengender Tag“, sagt die 64-Jährige aus Geldern, „aber es macht Spaß, wenn man spürt, dass man gebraucht wird“, erzählt die Sozialarbeiterin.

Doris Kauldorf gehört zu den gut vier Millionen Rentnern, die weiter berufstätig sind, obwohl sie bereits im Ruhestand sind. „Als ich vor gut zwei Jahren ankündigte, dass ich in Rente gehen will, kam mein Arbeitgeber, der Landschaftsverband Rheinland, sofort auf mich zu, um über eine Weiterbeschäftigung zu sprechen. Nun arbeite ich zwei Tage pro Woche als Hilfe-Planerin und freue mich, dass ich – zumindest in diesem Jahr– zu meiner Rente noch ein nettes, kleines Gehalt erhalte.“

Ähnlich wie Doris Kauldorf denken derzeit viele Rentner – noch nie haben so viele Menschen neben der Rente gearbeitet. Die meisten tun dies in Form eines Mini-Jobs. Aber immer mehr Frauen und Männer haben einen sozialversicherungspflichtigen Job, arbeiten also in Teilzeit oder sogar Vollzeit, obwohl sie bereits Rente erhalten oder Rente erhalten können.

Die Politik freut sich

Die Politik freut sich über diese Entwicklung. Denn zumindest CDU/ CSU sowie FDP hatten in ihren Wahlprogrammen explizit Verbesserungen versprochen für alle, die weiter beruflich tätig sind.

Das ist auch nötig: Denn wer als Rentner – egal, ob man eine vorgezogene Frührente oder eine reguläre Altersrente erhält – weiter beruflich aktiv sein will, muss zuallererst sich mit den sehr komplizierten Regeln vertraut machen, die das Weiterarbeiten nach sich zieht.

Denn es geht nicht nur darum, mit dem bisherigen Arbeitgeber (oder einem neuen) eine entsprechende Tätigkeit zu finden, sondern vor allem die finanziellen Folgen zu beachten.

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Denn maßgeblich ist einerseits, wie viele Stunden man arbeitet (und damit, wie viel Geld man verdient), andererseits aber auch, wie alt man ist bzw. welche Rente man erhält.

Generell gilt: Am einfachsten ist das Weiterarbeiten bzw. Wieder-neu-Starten, wenn man die Regelaltersgrenze erreicht hat. Dann darf unbegrenzt hinzuverdient werden; und dieser Hinzuverdienst hat dann auch keinen Einfluss auf die Rente. Diese Erleichterung gilt auch, wenn man eigentlich eine vorgezogene Rente erhält – sobald die Regelaltersgrenze erreicht ist, fallen alle Grenzen weg.

Genauso einfach ist es mit einem Mini-Job. Der Verdienst liegt unter allen Grenzen. Das heißt: Jeder, der in Rente ist, darf einen Mini-Job annehmen; unabhängig vom Alter und der Art der Rente.

Alle aber, die nicht zu einer dieser beiden Gruppen gehören, müssen bei einer Weiterarbeit aufpassen – einerseits auf die Höhe des Verdienstes; denn bei einer vorgezogenen Rente gibt es eine Hinzuverdienstgrenze; wird zu viel verdient, wird die Rente gekürzt. Andererseits führt eine zu umfangreiche Beschäftigung, z. B. bei einer Rente wegen Erwerbsminderung, automatisch zu der Frage, ob die Rente überhaupt noch gezahlt wird. Denn der Grund für eine volle EM-Rente lautet ja gerade, dass nur noch maximal drei Stunden pro Tag gearbeitet werden kann.

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Wer in Rente weiterarbeitet, sollte vor allem auf den Verdienst achten.

„Richtig kompliziert wird es auch dadurch“, sagt der Rentenberater Manfred Heck, „dass je nach Alter, Rente und Art der Beschäftigung unterschiedliche Regeln für die Sozialbeiträge gelten, also ob jemand, der als Rentner arbeitet, noch Beiträge vom Gehalt zur Rentenversicherung zahlen muss oder zur Arbeitslosenversicherung oder welche Höhe dann die Krankenkassen-Beiträge haben.“

Jens Usebach, Fachanwalt für Arbeitsrecht aus Köln, rät deshalb auch allen, die planen, im Ruhestand weiter beruflich aktiv zu sein, sich frühzeitig zu informieren. Das fängt mit dem bisherigen Arbeitsvertrag an.

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„Erwerbsarbeit im Rentenalter ist, anders als oft angenommen, kein Indiz für Altersarmut. Hauptgründe sind Spaß an der Arbeit, Kontakt zu anderen oder das Gefühl, gebraucht zu werden“

Hubertus Heil, Bundesarbeitsminister (SPD)

„ Alter ist kein Grund für eine Befristung

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Jens Usebach, Fachanwalt für Arbeitsrecht, zeigt, worauf es bei längerer Arbeit ankommt – und dass Arbeitsverträge nicht automatisch enden.

Endet ein Arbeitsvertrag automatisch, wenn das Rentenalter erreicht ist?

Usebach Nein. Das ist ein weitverbreiteter Irrtum. Das Erreichen des Rentenalters ist – § 41 S. 1 SGB VI – auch kein Grund für eine Kündigung.

Arbeitnehmer können Rente beziehen und trotzdem weiterarbeiten. Aber: Per Tarifvertrag oder Betriebsvereinbarung kann bestimmt werden, dass das Arbeitsverhältnis automatisch bei einer Rentenberechtigung endet, auch ohne Kündigung. Das heißt: Wer individuell prüfen will, was für einen selbst gilt, muss nicht nur den eigenen Arbeitsvertrag betrachten, sondern auch klären, ob es Tarifvertrag oder Betriebsvereinbarung mit entsprechenden Regeln gibt.

Kann ein Arbeitsvertrag dann doch weitergeführt werden?

* Jens Usebach ist Fachanwalt für Arbeitsrecht in Köln.

Usebach Ja. Arbeitgeber und Arbeitnehmer können nämlich - § 41 S. 3 SGB VI – während eines laufenden Arbeitsverhältnisses vereinbaren, den Beendigungszeitpunkt zeitlich hinauszuschieben. Dafür reicht dann der ergänzende Satz im Arbeitsvertrag, dass das vorgesehene Ende des Arbeitsverhältnisses einvernehmlich bis zu einem bestimmten Datum aufgeschoben wird.

Und wie sieht es aus, wenn Arbeitnehmer aus der Rente zurück in den Betrieb geholt werden?

Usebach Arbeitsrechtlich ist dies eine Neueinstellung.

Wichtig: Dann müssen die allgemeinen Befristungsregeln eingehalten werden. Eine Befristung ist nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich (§ 14 Abs. 3 TzBfG). Der Bezug einer Altersrente ist kein Grund für einen befristeten Arbeitsvertrag. Mehr noch, das kann sogar als altersdiskriminierend gewertet werden.

„Es ist ein weitverbreiteter Irrtum, dass ein Arbeitsvertrag automatisch endet, wenn man das Rentenalter erreicht hat. Und das Erreichen des Rentenalters ist auch kein Kündigungsgrund.“ Aber auch wenn in vielen Arbeitsverträgen nichts zum automatischen Ende stehe, so könnte genau dies per Tarifvertrag oder Betriebsvereinbarung zutreffen. Usebach empfiehlt deshalb, frühzeitig mit dem Arbeitgeber zu sprechen, um z. B. über eine Ergänzung des Arbeitsvertrags das Ende hinauszuschieben. „Dies kann sogar mehrfach wiederholt werden“, so der Anwalt.

Wichtig dabei: Arbeitsvertrag und Rentenantrag sind völlig unterschiedliche Dinge. Heißt, wer 63 ist, kann die Rente für langjährig Versicherte beantragen (erhält diese auch, wenn die Bedingungen erfüllt sind)

Hinzuverdienst beachten und kann trotzdem weiter in Vollzeit arbeiten. Folge kann nur sein, dass dann die Rente gekürzt wird, wenn die Hinzuverdienstgrenze überschritten wurde.

Das gilt auch, wenn man in Rente geht, nach einigen Monaten feststellt, es fehlt etwas. „Es ist immer ein neuer Arbeitsvertrag nötig“, sagt Anwalt Usebach, „auch wenn man beim gleichen Betrieb wieder startet.“

Weil viele Firmen Fachkräfte suchen, bestehen so gute Verhandlungs-Möglichkeiten. Wie bei Doris Kauldorf. „Ich hätte nie gedacht, dass mein Arbeitgeber bereit wäre, mich auf Honorarbasis zu beschäftigen“, lächelt sie, „der große Vorteil: Ich erhalte heute im Verhältnis mehr Geld, weil mein Arbeitgeber Teile der Sozialabgaben spart. Und dies habe ich für mich rausgehandelt.“ Dann steckt sie den Schlüsselbund ein. Feierabend – zumindest für heute.

Wie sich Weiterarbeit konkret auswirkt

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4 Wege, länger zu arbeiten

Früher Rente erhalten – und weiterarbeiten

Auch das ist möglich. Allerdings sind dann viele Besonderheiten zu beachten, da ein zu hoher Hinzuverdienst ab Januar die Rente wieder kürzen wird.

► Grundsätzlich gelten Rente für langjährig Versicherte und Rente für besonders langjährig Versicherte (Rente mit 63) als vorgezogene Renten.

► Normalerweise beträgt der maximale Hinzuverdienst 6.300 Euro brutto pro Jahr. Einkommen, das darüber liegt, wird zu 40 % auf die Rente angerechnet.

► Aber: Wegen Corona wurde diese Hinzuverdienst-Grenze 2020 und 2021 ausgehebelt, aktuell sind 46.060 Euro erlaubt.

► Ab 2022 dürfte wieder die bisherige Hinzuverdienstgrenze (6.300 Euro/ Jahr) gelten.

Beispiel: Buchhalterin aus Dinslaken, 63, erhält Rente für langjährig Versicherte (1.500 Euro), arbeitet halbtags weiter (brutto 1.775 Euro, netto: 1.418); 21.300 Euro im Jahr. Zuverdienst liegt um 15.000 Euro über der Grenze (6.300 Euro). 40 % von 15.000 Euro werden berechnet – 6.000 Euro, pro Monat: 500 Euro. Die Rente wird um diese 500 Euro gekürzt. Davon gehen Kranken- und Pflege-Beiträge ab, sodass etwa 890 Euro Rente gezahlt werden. Insgesamt hat die Frau 2.308 Euro pro Monat netto.

► Beachtet werden sollte auch der Hinzuverdienstdeckel. Wer extrem viel dazuverdient, erhält nicht 40 % angerechnet, sondern 100 %. Das Schema: Gekürzte Rente und Zuverdienst werden addiert. Liegt die Summe über bisherigem Einkommen (maßgeblich höchstes Einkommen der letzten 15 Jahre vor der Rente), wird der darüber liegende Betrag zu 100 % angerechnet.

► Wichtig: Frührentner müssen weiter Rentenbeiträge vom Gehalt zahlen. Für Freiberufler gilt das nicht; sie dürfen freiwillig in die Rentenkasse einzahlen.

► Und: Von der Rente werden Krankenkassen-Beiträge abgezogen, aber auch vom Zuverdienst (normaler Beitragssatz, da weiter Anspruch auf Krankengeld besteht).

► Wer in Frührente arbeitet, muss auch Arbeitslosen-Beiträge zahlen.

Weiter im Job und Altersrente

Wer bereits die Regelaltersgrenze erreicht hat, darf alles: unbegrenzt noch arbeiten – und unbegrenzt hinzuverdienen!

► Mit Erreichen der Regelaltersgrenze fallen alle Begrenzungen weg (s. li.).

► Der zusätzliche Verdienst muss auch nicht gemeldet werden und es werden auch keine Rentenbeiträge mehr abgezogen.

► Aber: Arbeitgeber zahlen trotzdem Renten-Beiträge. Auf dem Rentenkonto wirkt sich dies nicht aus. „Verzichtet ein Regelaltersrentner auf die Versicherungsfreiheit und zahlt den eigenen Anteil ein, werden aus dem wirkungslosen Arbeitgeber-Anteil volle Pflichtbeiträge – und die steigern doch die Rente“, erläutert Rentenberater Manfred Heck. Beispiel: Eine Frau aus Ulm, Jahrgang 1954, beantragt klassische Altersrente, arbeitet ein Jahr in Teilzeit weiter (brutto 1.730,88 Euro pro Monat). Netto nach Lohnsteuer (Klasse I): 91,33 Euro, Arbeitslosenversiche-rung: 0, Kranken- und Pflegekasse 134,14 Euro bzw. 30,72 Euro: 1.474,69 Euro.

Dass der Arbeitgeber 160,97 Euro zahlt, spürt sie nicht. Würde sie auch Renten-Beiträge zahlen (160,97 Euro pro Monat), sänke das Nettogehalt auf 1.313,72.

Jetzt wirken sich die Rentenbeiträge aus: Im Folgejahr stiege die Rente zusätzlich um 18,63 Euro.

► Lohnend ist das vor allem bei kleiner und mittlerer Rente, da diese auf Dauer steigen und mehr Hinterbliebenen-Rente entsteht.

► Auch jenseits der Regelaltersgrenze Beiträge für Kranken- und Pflegekasse bezahlen. Allerdings der ermäßigte Beitragssatz (14,0 statt 14,6 % – kein Anspruch auf Krankengeld).

► Bei der Arbeitslosen- Versicherung aber wird arbeitenden Rentnern dann nichts mehr abgezogen.

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„Wer zusätzlich zur Rente noch arbeitet, sollte sich vorab genau beraten lassen und alles exakt durchrechnen“

Manfred Heck, Rentenberater aus Schopfheim-Eichen

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Auch wer in Frührente ging, kann nach Erreichen der Regelaltersgrenze unbegrenzt hinzuverdienen.

21 % der erwerbstätigen Rentner sind weiter sozialversicherungspflichtig beschäftigt – doppelt so viele wie noch 2005.

Quelle: Bundesagentur für Arbeit

Im Mini-Job weiterarbeiten

Das ist die häufigste Art, während der Rente noch zu arbeiten: 80 % derer, die in Rente noch erwerbstätig sind, wählen dieses Modell.

► Der große Vorteil eines Mini-Jobs: Ein 450-Euro- Verdienst ist bei jeder Rente erlaubt.

► Auch für Mini-Jobs ist ein Arbeitsvertrag nötig (inkl. Urlaub und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall).

► „Es können auch mehrere Mini-Jobs kombiniert werden“, sagt Tobias Gerauer vom Lohnsteuerhilfeverein Bayern, „solange das Gesamt-Einkommen 450 Euro im Monat nicht übersteigt.“

► Beim Mini-Job gibt es keine Abzüge für Krankenund Pflege- sowie Arbeitslosenversicherung.

► Seit 2013 gilt: Ein Mini-Job ist versicherungspflichtig, Renten-Beiträge sind zu zahlen – und erhöhen die Rente. Frührentner können sich davon befreien lassen.

► Nur wer einen 450-Euro- Minijob hat und eine Regelaltersrente bezieht, ist befreit, kann aber freiwillig Rentenbeiträge zahlen.

► Wie sich Rentenbeiträge auswirken? Ein Beispiel: Minijobberin verdient 450 Euro. Rentenbeitrag: 18,6 %, 83,70 Euro. Davon zahlt Arbeitgeber 15 %, 67,50 Euro; Minijobberin: 16,20 Euro. Gehalt: 433,80 Euro.

► Ein Jahr Mini-Job erhöhen Rente um 4,80 Euro pro Monat.

► Dies lohnt, wenn Mini-Job länger gemacht wird, weil die zusätzlichen Beiträge durch reguläre Renten-Erhöhungen erneut erhöht werden.

► Und: Für Renten- Ansprüche (auch aus Mini-Jobs) nach der Regelaltersgrenze gibt es pro Monat noch 0,5 % Zuschlag. Beispiel: Eine 70-Jährige nahm im Januar 2020 einen Mini-Job an. Reguläres Rentenalter: 65 Jahre und 5 Monate. Wirksam werden die Rentenansprüche Mitte 2022, Frau ist dann 71 Jahre alt, 6 Jahre und 7 Monate (79 Monate) über Rentenalter. Zuschlag also 79 x 0,5 % = 38,5 %. Aus 4,80 Euro Renten-Erhöhung werden fast 7 Euro.

Weiter im Job, keine Rente

Weiterzuarbeiten, ohne einen Rentenantrag zu stellen, kann sinnvoll sein, weil es kräftige Zuschläge gibt. Sicherer aber ist der parallele Bezug.

► Viele Arbeitsverträge enden automatisch mit Erreichen der Regelaltersgrenze, oft per Tarifvertrag. Deshalb muss eine Weiterarbeit explizit vereinbart werden. Seit 2014 ist dies einfach möglich, indem das Ausscheiden schriftlich um eine bestimmte Zeit verschoben wird. Diese Verlängerung ist auch mehrfach möglich.

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► Wer über die Regelaltersgrenze hinaus arbeitet und keine list Rente beantragt, erhält für jeden Monat einen Rentenzuschlag von 0,5 %. Für ein Jahr also 6 % mehr.

► Tatsächlich ist der Renten-Zuschlag aber noch höher. Denn: Wer weiterarbeitet, zahlt weiter Rentenbeiträge, die wieder die Rente erhöhen. Anders als beim gleichzeitigen Bezug einer Rente, kann dann nicht die Versicherungsfreiheit gewählt werden.

► Ein Beispiel: Ein Elektriker aus Mainz, Jahrgang 1956, er-reicht Regelaltersgrenze mit 65 Jahren und 10 Monaten. Bisher hat er 45 Jahre Beiträge gezahlt; die Bruttorente läge bei 1.538,55 Euro. Schiebt er den Rentenbeginn um zwei Jahre hinaus und arbeitet weiter wie vorher, erhöht sich die Rente durch den Zuschlag (12 %) auf 1.732,18 Euro. Dazu kommen beim Durchschnittsverdienst 2 Entgeltpunkte (je 34,19 Euro), sodass dann 1.803,56 Euro Rente gezahlt würden – 18 % mehr als heute.

► Keine Änderung gibt es bei Kranken- und Pflegeversicherung.

► Das gilt nicht für die Arbeitslosenversicherung – es werden keine Beiträge mehr fällig. Aber: Wer nach Erreichen der Regelaltersgrenze arbeitslos wird, kann kein ALG I mehr beantragen.

► Wichtig: Bei einer Weiterarbeit ohne Rente wird im Beispiel oben in 2 Jahren auf fast 37.000 Euro verzichtet. Heißt: Der Rentenverzicht rechnet sich erst ab dem 11. Jahr, sofern man nur die höhere Rente betrachtet.

Ähnliche Funktionen

Wer in Rente weiterarbeitet oder wieder einsteigt, übernimmt meist ähnliche Tätigkeiten wie während des normalen Berufs. Selbst wer in Rente einen Mini-Job hat, übernimmt selten einfache Handlanger-Tätigkeiten, sondern Arbeiten, die der Qualifikation entsprechen.

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