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WEITES LAND AM GROSSEN STROM


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Kanu Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 60/2022 vom 07.10.2022

NIEDERÖSTERREICH

Artikelbild für den Artikel "WEITES LAND AM GROSSEN STROM" aus der Ausgabe 60/2022 von Kanu Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Kanu Magazin, Ausgabe 60/2022

THAYA: TAL DER VIELFALT

THAYATAL UND THAYA-NATIONALPARK

KARLSTEIN – RAABS 14 KM (VEREINZELT BIS WW I-II) RAABS – EIBENSTEIN 13,4 KM

Mit fast 300 Kilometer Länge ist die Thaya in vielerlei Hinsicht ein besonderer Fluss. Sie entspringt in Österreich, überschreitet dann mehrfach die tschechische Grenze und kehrt kurz vor der Mündung in die March wieder nach Österreich zurück. Leider haben der Klimawandel und die geringen Niederschläge im Waldviertel die kanusportlichen Möglichkeiten beschnitten. Nur zwei Etappen im Oberund Mittellauf sind bei entsprechender Wasserführung zu empfehlen. Die erste Etappe führt von Karlstein nach Raabs durch eine hügelige Landschaft. Trotz einiger Wehre, die auf kurzem Weg zu umheben sind, ist die Fahrt lohnend. Enge Flussschleifen in einer parkartigen Landschaft mit Hügeln und Mischwäldern bestimmen das Bild. Vereinzelte Blockpassagen mit etwas Strömung, ...

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... Felswände und Granitpfeiler sorgen für Kurzweil. Nach der Liebnitzmühle, unterhalb der Ruine Buchenstein, beginnt eine besonders attraktive Flussschleife, bevor die Thaya im kleinen Städtchen Raabs die Mährische Thaya aufnimmt.

Die mit Abstand meist befahrene Etappe beginnt unterhalb eines Wehres am östlichen Ortsausgang von Raabs an einem gebührenfreien Parkplatz neben dem Jugendgästehaus JUFA. In der Folge fließt die Thaya in einem weiten Bogen abseits von Straßen. Berghänge mit Mischwäldern und einige Felswände flankieren den Fluss. Nach gut sechs Kilometern Fahrt und einigen engen Flussschleifen macht sich der Rückstau des Wehres im abgelegenen Weiler Kollmitzgraben bemerkbar. Für die 400 Meter lange Umtragung empfiehlt sich ein Bootswagen. Vor dem Wiedereinsetzen lohnt ein kurzer Spaziergang hinauf zur Burgruine. Hier gibt es eine Einkehrmöglichkeit und einen fantastischen Blick auf die nächsten Mäander der Thaya. Die von Dornen umrankten, alten Mauern vermitteln einen morbiden Charme. Von besonderem Reiz ist auch die Folgestrecke, die sich weiter durch einsame Waldschluchten schlängelt. Die ersten Kurven unter der auf einem Felssporn liegenden Burgruine sind der Höhepunkt der Thayafahrt. Üppiges Grün und bemooste Felswände flankieren das moorbraune Gewässer. Wer sich ruhig verhält, hat beste Chancen Eisvögel zu beobachten, die blitzschnell aus dem Ufergehölz auftauchen. Allmählich verliert sich der schluchtartige Charakter. Mehrere Wehre sind auf kurzem Weg zu umtragen, und an der Zettlitzbrücke westlich von Eibenstein endet die Fahrt. Eine Weiterfahrt ins mittelalterliche Städtchen Drosendorf ist leider ebenso verboten wie eine Kanutour im Nationalpark. Bald darauf überquert der Fluss die Grenze nach Tschechien. Lohnend ist ein Besuch des Nationalparks Thayatal bei Hardegg, und im Sommer lädt das nostalgische Thayabad in Drosendorf aus der Zeit der Sommerfrische zu einer Schwimmeinlage im Fluss.

MÄHRISCHE THAYA – VERSTECKTES FLUSS-KLEINOD

WEIKERTSCHLAG – RAABS 10 KM

Der linke Nebenfluss der Thaya entspringt jenseits der Grenze und mündet nach 68 Kilometern im Ortsgebiet des Städtchens Raabs. Selbst Kenner niederösterreichischer Flüsse haben diese naturbelassene und zauberhafte Landschaft bisher kaum wahrgenommen. Nur ab einem Wasserstand von 70 Zentimetern (Pegel Schwarzenau) ist eine Befahrung ab Weikertschlag möglich, somit nur im Frühjahr oder nach längeren Niederschlägen. Interessant ist jedoch die Option, von der Mündung in Raabs einige Kilometer flussaufwärts zu paddeln. Das geht eigentlich fast immer. Nach einer Wanderung von der Feste Kaja zum Aussichtspunkt »Großer Umlauf«, hoch über den Flussschleifen der Thaya im Nationalpark gelegen, bin ich am Nachmittag zurück in Raabs. In der schmalen Gasse des Modsiedlersteigs findet sich eine kleine Parkbucht. Hier führt ein kurzer Weg zum Flüsschen hinunter, und dort kann man sein Schifflein einsetzten. Der örtliche Kanuvermieter schickt seine Paddler direkt am Hotel Thaya los, diese paddeln wenige Meter auf der Thaya flussaufwärts und setzten die Boote über ein Wehr in den Seitenfluss um. Die goldene Nachmittagssonne bricht immer wieder zwischen den schattigen Bäumen hindurch und sorgt für eine mystische Stimmung. Mehrfach passiere ich malerische Felswände, ein Wanderweg versteckt sich hinter dichtem Ufergehölz. Die Mährische Thaya bezaubert auf jedem Meter. Besonders beeindruckend ist die Stille, zumal außer mir niemand unterwegs ist. Das gesamte Tal ist ein Naturdenkmal der Niederösterreichischen Landesregierung. Im braunen und strömungslosen Moorwasser kommt man nur langsam voran. Ich passiere kleine Inselchen und bis zu 40 Meter hohe Gneiswände. Bedingt durch die s-förmigen Schlingen kommt die Sonne mal von rechts, mal von links. Leider endet meine spätherbstliche Fahrt früher als gedacht, da der Wasserstand in einer flachen Zone bald nicht mehr ausreicht. So genieße ich jeden Meter der Rückfahrt, auf der ich noch einem Eisvogel begegne und kurz vor dem Wehr an der Mündung noch ein Gespräch mit einheimischen Anglern führe, die völlig tiefenentspannt wirken. Kein Wunder in dieser Zauberlandschaft.

OBERES KAMPTAL: SEEN WIE IN SKANDINAVIEN

KAMPTAL & KAMPSEEN

STAUSEE OTTENSTEIN – SEEUMRUNDUNG BIS 28 KM

STAUSEE DOBRA – SEEUMRUNDUNG BIS 13 KM

Die Stauseen im Oberlauf des Kamp wurden in den Jahren 1949 bis 1957 erbaut und bilden heute ein reizvolles Urlaubsziel in der stillen Landschaft des Waldviertels. Während die Quellflüsse des Kamp durch die geringen Niederschläge in dieser Region fast nur nach ausgiebigen Regenfällen befahrbar sind, bieten die verästelten Stauseen Ottenstein und Dobra eine verlässliche Alternative im ansonsten nahezu seenlosen Bundesland Niederösterreich. Mit seinen felsigen Ufern und den zahlreichen Einbuchtungen, weit ab von Straßen und Ortschaften, lässt der Ottensteiner See das Gefühl aufkommen, man wäre im hohen Norden Skandinaviens unterwegs. Die unschönen Merkmale eines Stausees kann man aber trotzdem nicht übersehen. Die pittoreske Szenerie der kleinen Granitinsel vor der Kulisse der Burgruine Lichtenfels ist ein Höhepunkt bei der Fahrt durch diese fjordartige Landschaft. Nur im Hochsommer lockt der saubere See zum Schwimmen, in der übrigen Zeit sind die Wassertemperaturen eher rustikal. Dafür ist die nahe Umgebung mit ihren stillen Rad- und Wanderwegen ein Geheimtipp. Basislager für Gäste ist der auf einer Halbinsel gelegene Campingplatz nahe der Burgruine Lichtenfels. Das Schlossrestaurant Ottenstein bietet deftige Waldviertler Küche in stilvollen Räumen oder im Burghof. Von ähnlichem Charakter wie der Stausee Ottenstein präsentiert sich der flussabwärts gelegene und etwas kleinere Dobra-Stausee mit einem weiteren Campingplatz.

MITTLERES K A MPTAL: ERST WILD, DANN GEMÜTLICH

WEGSCHEID – STEINEGG 9 KM (BIS WW II)

STEINEGG – ROSENBURG 11,3 KM (WW I, WEHRE, BEDINGT EMPFEHLENSWERT)

Unterhalb der Sperre Thurnberg beginnt das mittlere Kamptal. Der Wasserstand wird fortan vom Strombedarf der Kraftwerke bestimmt. 2002 verwüstete eine verheerende Flutwelle das Kamptal, nachdem die Schleusen der Staumauer wohl reichlich spät, dafür aber intensiv geöffnet wurden – Wasserkraftwerke bergen auch Risiken durch Fehleinschätzungen. Die großartige Kanustrecke durch die interessante Waldschlucht zwischen Wegscheid und Rosenburg ist für Paddler mit Wildwasser-Erfahrung ein absoluter Höhepunkt. Nur bei einer Wasserführung von mindestens fünf Kubikmetern pro Sekunde zwischen Februar und September (Oktober bis Januar zehn Kubikmeter pro Sekunde) ist eine Fahrt gemäß einer Vereinbarung mit dem Naturschutz ratsam und sinnvoll. Bald nach dem Einstieg an der Brücke von Wegscheid erreicht man eine verblockte Passage, den »Stanahaufen« (WW II), die insbesondere bei höherem Wasserstand durchaus anspruchsvoll ist. Eine Vorbesichtigung ist vor allem weniger erfahrenen Paddlern anzuraten. Hoch über dieser etwa 1000 Meter langen Wildwasserstrecke erblickt man die Burgruine Schauenstein, von deren Anhöhe man einen phantastischen Blick auf die Waldschlucht hat. An der abschließenden »Pfeilerplatte« endet die Wildwasserstrecke. Anschließend geht es gemütlicher weiter. Nach neun Kilometern Fahrt erreicht man Steinegg. Landschaftlich ist der Weiterweg bis zur Burg Rosenburg möglich, aber durch eine Wasserableitung, Wehre und andere Probleme kaum ratsam. Weder an der Straßenbrücke noch am ehemaligen Bootshaus des KC Gars besteht eine Ausstiegsmöglichkeit. Besser also die schöne Wegscheidstrecke nur bis Steinegg paddeln, die aber dafür zwei Mal! Ein kultureller Höhepunkt in nächster Nähe ist das Benediktinerstift Altenburg mit Räumlichkeiten wie dem Kaisertrakt sowie Totentanz-Darstellungen in der Krypta. Auf der Rosenburg hoch über dem Fluss sind vor allem die Flugvorführungen der Raubvögel beliebt.

UNTERES KAMPTAL: NOSTALGIE, WEIN, SOMMERFRISCHE

PLANK – SCHÖNBERG 8 KM

MÜHLKAMP: GRAFENEGG – ALTENWÖRTH 10 KM

Gars am Kamp ist die erste größere Stadt im unteren Kamptal. Der traditionsreiche Kanuklub betreibt eine interessante Webseite, die über alle Gewässer des Waldviertels aktuell informiert. Nur eine kurze Kanustrecke kann am Unterlauf empfohlen werden. Diese beginnt an der Eisenbahnbrücke von Plank und endet nach acht Kilometern Fahrt am alten Schwimmbad des Weinortes Schönberg. Ganzjährig ist diese schöne Strecke zwar nicht befahrbar, aber meist ist eine Fahrt bis Juni möglich (später nach Niederschlägen). Im Rahmen der kurzen Kanutour sollte man unbedingt das nostalgische Flussbad in Plank besuchen. Zur Zeit der Sommerfrische waren solche Bäder sehr beliebt, heute haben sie der Konkurrenz der Erlebnisbäder nur noch ihren nostalgischen Charme entgegen zu setzen. Im unteren Kamptal spielt der Weinanbau eine tragende Rolle. Einige der besten Weine des Landes kommen aus Langenlois und Umgebung.

Im Schlosspark von Grafenegg, bekannt für seine Festspiele, beginnt eine Auwald-Wildnisstrecke auf dem Mühlkamp, die bis in den Donau-Altarm bei Altenwörth verläuft. Dank einer konstanten Wasserabgabe ist diese Fahrt bis in den Spätsommer möglich. Eine Wehrumtragung in Jettsdorf und häufige Baumhindernisse, häufig verursacht durch Biberbiss, trüben das Vergnügen etwas. Die letzten zwei Kilometer paddelt man dann auf einem strömungslosen Altarm bis zum Ausstieg.

DONAU: IM LEBENSRAUM DES SEEADLERS

NATIONALPARK DONAUAUEN

SCHÖNAU – ORTH 9 KM ORTH – STOPFENREUTH 15 KM

STOPFENREUTH – HAINBURG 3,5 KM

Der Nationalpark Donauauen ist eine einzigartige Erfolgsgeschichte. Nachdem der Bau eines Kraftwerks in Hainburg (und damit die Zerstörung der Flusslandschaft unterhalb Wiens) verhindert wurde, entstand eine Auenlandschaft von internationaler Bedeutung. Als Einstimmung auf eine Donaufahrt empfiehlt sich ein Besuch des interessanten Nationalparkzentrums im Schloss Orth. Eine Befahrung der Donau ist auch bei Niedrigwasser gut möglich und trotz der Ausflugsdampfer und Schleppzüge ein großes Erlebnis. Der Klassiker ist die Etappe zwischen Orth und der Au-Terrasse bei Stopfenreuth. Über die Uferstrasse gelangt man vom Schloss Orth hinunter zur Donau. Die Parkplätze sind ufernah, und Humers Uferhaus empfiehlt sich später für eine Einkehr. Über eine Rampe setzt man wenige Meter oberhalb der Radfähre sein Schifflein ins Wasser. Da die Strömung der Donau je nach Wasserstand bis zu zehn Kilometer pro Stunde beträgt, kann man sich treiben lassen. Bei geringer Wasserführung ist die Donau besonders attraktiv, dann gibt es großflächige Kiesbänke, und das azurblaue Wasser erinnert an einen bekannten Wiener Walzer von Johann Strauß. Gleich nach dem Start passiert man linkerhand die Naturbadestrände der Orther Inseln. Orte wie Regelsbrunn oder Petronell-Carnuntum liegen unsichtbar hinter dem dichten Uferwald. Der Schiffsverkehr hält sich in Grenzen. Wenn kein Schiff in der Nähe ist, paddle ich in der Hauptströmung, ansonsten weiche ich entsprechend den Markierungen in die Randzonen aus. Nach rund zwei Stunden Fahrt kommt die Brücke bei Bad Deutsch-Altenburg in Sicht – die einzige österreichische Donaubrücke flussabwärts von Wien. Linkerhand in einer Bucht versteckt sich die Au-Terrasse Stopfenreuth mit ihrer Zeltwiese hinter Bäumen. Diese Stelle sollte man nicht verpassen. Hier besteht die einzige Möglichkeit, im Nationalpark sein Zelt aufzuschlagen (Feuerstellen, Bade- und Spielplatz). Ansonsten sind Campen und Feuer machen im Nationalpark-Gebiet nicht gestattet. Der schnurgerade Donau-Radweg, der auf einem Damm verläuft, bietet sich zur Rückholung des Fahrzeugs an. Eine Fortsetzung der Etappe bis zum Hainburger Hafen an der Donaulände ist neuerdings durch eine Fluss-Renaturierung attraktiv, da ein Teil der Strecke nun über den dauerhaft durchströmten Johlerarm führt. Eine weitere Kurzetappe beginnt in Schönau an der Donau und endet in Orth. Auf den ersten Kilometern dieser Tour fährt man durch den Schönauer Altarm. In den ganz frühen Morgenstunden oder kurz vor Sonnenuntergang ist diese Etappe besonders reizvoll.

DONAU-ALTARME BEI STOPFENREUTH: PAR ADIES FÜR BIBER & CO.

STOPFENREUTH-MÜNDUNG UND ZURÜCK 12 KM

Die Altarme der Donau bei Stopfenreuth sind ein besonderes Erlebnis. 1996 erfolgte die Gründung des Nationalparks, der heute mit rund 1,5 Millionen Besuchern im Jahr eine Erfolgsstory ist. In Trockenzeiten ist eine Befahrung der Au kritisch. Wer an der Au-Terrasse bei Stopfenreuth sein Zelt aufgeschlagen hat, kommt bei der Anfahrt über das Forsthaus Stopfenreuth in der Uferstraße direkt am beschilderten Zustieg mit Treppe vorbei (Parkmöglichkeiten am Straßenrand). Hier lässt sich der Wasserstand abschätzen, der nach dem Ende von Renaturierungs-Maßnahmen sichere Strömungsverhältnisse ermöglichen sollte. Bereits nach wenigen Metern ist man im Auwald-Dschungel unterwegs. Besonders stimmungsvoll sind die frühen Morgenstunden. Nach einigen hundert Metern passiert man die stark befahrene Donaubrücke bei Bad Deutsch-Altenburg. Der Autolärm ist schnell wieder verflogen und weicht einem vielstimmigen Vogelkonzert. Bald nach der Brücke endet der Stopfenreuther Arm in der Donau. Die Grenzstadt Hainburg, Österreichs östlichste Stadt und ein barockes Kleinod, liegt fast schon gegenüber. Vorbei an Bäumen mit Biber-Bissspuren setzen wir die Boote an erkennbarer Stelle in den östlich gelegenen Spittelauer Arm um, der sich fast abseits der Zivilisation befindet und für dessen Befahrung man sich viel Zeit nehmen sollte. Häufig stehen Graureiher am Ufer, Stockenten halten sich auf Distanz. Auf einem quer liegenden Baumstamm entdecken wir Sumpfschildkröten beim Sonnenbad. Eisvögel sind zu sehen, ausgedehnte Teichrosenflächen begeistern. Ein letzter Damm trennt den Altarm von der Donau. Dann geht es auf gleichem Weg zurück.

DONAU: FLUSSREISE DURCHS WELTERBE

WELTERBEREGION WACHAU

SCHÖNBÜHEL – ROSSATZ 24 KM

Eine Kanufahrt auf der Donau war zu allen Zeiten ein Wunschtraum zahlreicher Tourenpaddler. Der Fluss bietet eine Zeitreise durch die Geschichte. Komponisten und Walzerkönige haben der Donau ein musikalisches Denkmal gesetzt. Leider mindern heute die zahlreichen Kraftwerke und Flussregulierungen das Vergnügen einer Gesamtbefahrung bis zur Mündung. In Niederösterreich gibt es jedoch gleich zwei Flussabschnitte von besonderer Qualität. Die Wachau ist UNESCO-Weltkulturerbe und Touristenmagnet. Kein einziges Wehr behindert die Donaufahrt zwischen Melk und Krems. Malerische Weinorte und mächtige Klöster wie Melk und Göttweig reihen sich wie Perlen an der Schnur. Besonders stimmungsvoll ist die Donau zum Sonnwendfest im Juni, dann wird das Tal von zahlreichen Sonnwendfeuern, Fackeln und Feuerwerken erleuchtet.

Im Paddelboot unterwegs lässt man sich ohne jede Hektik an den Hügeln der Wachau entlang treiben. Wein- und Obstterrassen, halbverfallene Raubritterburgen und raue Gneisfelsen flankieren den Donaufluss. Eine Strömung von etwa sechs Stundenkilometern sorgt selbst in Niedrigwasserzeiten für ein entspanntes Fortkommen. Großflächige Kiesbänke laden zu Badepausen ein. Ausflugs- und Frachtschiffe sollte man aber immer im Blick behalten. Die farbigen Fahrrinnen-Markierungen geben Orientierung. Vorsichtiges Heranfahren ist an den Rollfähren bei Weißenkirchen und Dürrnstein angebracht! Die schönsten Aussichtspunkte auf die Donau hat man von der ehemaligen Raubritterburg Aggstein und von der Dürrnsteiner Burgruine. Von besonderem Interesse für Kanuten ist das Schifffahrtsmuseum im Schloss Erlahof bei Spitz. Am Ende der 24 Kilometer langen Fahrt bietet sich der Campingplatz in Rossatzbach (direkt gegenüber der himmelblaue Turm von Stift Dürrnstein) als ideales Basislager an. Der Donauradweg, regelmäßige Schiffsverbindungen oder Linienbusse ermöglichen die Rückholung des Fahrzeugs. Neben einer Besichtigung von Stift Dürrnstein lohnt eine Wanderung zur Burgruine, in der einst der englische König Richard Löwenherz festgehalten wurde und erst gegen ein hohes Lösegeld wieder frei kam.

INFO NIEDERÖSTERREICH

Charakter: Zahmwasser und WW bis Kategorie II (Wehre) Beste Zeit: Frühjahr bis Herbst (siehe Text)

Befahrungsregeln: March/Thaya-Unterlauf erst ab dem 1. Juni erlaubt. Auf der Thaya Mindestpegel beachten. Kamp: Wegscheidstrecke ab 5 m³/sec.

Kanuvermietung/Touren:

• Thaya und Mährische Thaya:

• Thaya und Stausee Ottenstein: kanu-waldviertel.5010.html

• Donau, Wachau:

• March:

Übernachten:

• Thaya:

• Kamp/Stausee Ottenstein:

• Donau/Wachau:

• Donau/March:

• Zeltwiese Auenterrasse Stopfenreuth:

Weitere Infos: , www.flusswandern.at, www.niederoesterreich.at

Literatur/Karten:

• »Paddelland Österreich – Die 40 schönsten Touren auf Flüssen und Seen« (Alfons Zaunhuber), Thomas Kettler Verlag, 2. Auflage 2020

• Reiseführer Niederösterreich (Gunnar Strunz), Trescher Verlag, 4. Auflage 2020

• Bildband »Nationalpark Donau-March-Thaya-Auen« (Hans Peter Graner), Christian Brandstätter Verlag 2008

• »Polt -Die Klassiker in einem Band« (Alfred Komarek), Haymon Verlag (perfekt zur Einstimmung)

• Wassersport Wanderkarte Österreich 1:450.000, dazu Karte Donau Passau-Bratislava 1:75.000, Jübermann Verlag

• ADAC Urlaubskarte »Niederösterreich, Wien, Burgenland Nord« 1:150.000

MARCH: GRENZFLUSS AM EINSTIGEN EISERNEN VORHANG

UNTERLAUF VON MARCH UND THAYA

HOHENAU – DÜRNKRUT 23 KM

DÜRNKRUT – ANGERN 12 KM

ANGERN – MARCHEGG 17 KM

MARCHEGG – MARKTHOF/DONAU 9 KM

Die March ist der westlichste Steppen- und Tieflandfluss Österreichs. Der 358 Kilometer lange Fluss entspringt unweit des Dreiländerecks Polen-Böhmen-Mähren und mündet südöstlich von Markthof in die Donau. 69 Kilometer der March fließen auf österreichischem Gebiet. In der Zeit des Eisernen Vorhangs wagte niemand eine Kanutour auf der March, zu dieser Zeit wurde mitunter scharf geschossen. Die Grenze zwischen Ost und West ist glücklicherweise seit 1990 Geschichte. Eine Straßenbrücke zwischen Hohenau und der Donau gibt es bis heute nicht, obwohl die Finanzierungsfrage geklärt war. In einer Volksbefragung sprach sich die Mehrheit der Bevölkerung gegen eine Brücke aus. Ein Symbol für das stockende Zusammenwachsen in Europa. So bleibt es bei einer Fähre in Angern und einer Fahrradbrücke bei Schloss Hof. Obwohl der gesamte Lauf der österreichischen March von Dämmen begleitet wird, hat die Natur einiges zurückerobert. Zusätzlich sorgen Altwasser und Überschwemmungs-Gebiete wie das Naturreservat Marchauen für einen natürlichen Charakter. Hier gedeihen Pflanzen, die es sonst nur in Süd- und Osteuropa gibt. Biber, Störche und viele Arten von Raubvögeln zählen zu den häufigsten Bewohnern. Die Auwälder dieser Region sind die letzten Ausläufer der pannonischen Tieflandwälder in Österreich. Eine Fahrt auf der March kann unmittelbar am Grenzübergang Hohenau beginnen. Rechts unterhalb der Brücke gibt es einen guten Startplatz mit Parkmöglichkeiten. Völlig abseits von Straßen geht es durch eine stille Landschaft südwärts. Fischerhütten sind die einzigen Anzeichen für Zivilisation. Orte wie Drösing, Jedenspeien und Dürnkrut liegen abseits des Flusses. Ein kurzer Halt an einem schlichten Gedenkstein zur Schlacht auf dem Marchfeld im Jahr 1278 erinnert daran, wie wichtig ein echtes Zusammenwachsen Europas wäre. Der Gedanke daran beschäftigt mich auf dem Weiterweg nach Angern, wo meine erste Etappe oberhalb der Fähre endet und die zweite Etappe anderntags startet.

Kaum hat sich der Morgendunst verzogen, bin ich wieder auf dem Wasser unterwegs. Einzelne Fischerhütten flankieren die bewaldeten Flussufer. Hinter Zwerndorf beginnt das großflächige WWF-Naturschutzgebiet Marchauen. Eine Befahrung der Altarme ist verboten. Störche, Reiher und Enten sind ständige Begleiter. Biberrutschen und angeknabberte Bäume verraten den nicht überall beliebten Landschaftsgestalter. Nach vier Stunden erreicht man den Ort Marchegg, der hinter einem Hochwasserdamm liegt. Die Fahrt auf der March bis zur Mündung in die Donau nahe Markthof kann fortgesetzt werden. Der Ausstieg liegt aber etwas abseits. Neben einem Besuch des Storchenreservats nahe dem Barockschloss empfiehlt sich eine Wanderung, die hinter dem Schloss beginnt und durch das WWF-Schutzgebiet mit seinen zahlreichen Teichen und Wasserarmen führt. Ein kultureller Höhepunkt ist das monumentale Barockschloss Schlosshof, ein repräsentativer Sommersitz der Habsburger Kaiser.

THAYA-UNTERLAUF: FINALE AM SCHLANGENFLUSS

BERNHARDSTHAL – HOHENAU 12 KM

Im tschechischen Breclav, dem Produktions-Standort der Firma Gumotex, oder besser etwas östlich von Bernhardsthal, direkt hinter der Grenze (an der Mündung des Hametbaches), beginnt diese selten absolvierte Tour, die durch einen üppigen Auwald entlang der Grenze führt. Das linke Ufer gehört zu Tschechien, das rechte zu Österreich. Die Aussetzstelle befindet sich kurz nach der Mündung in die March an der Brücke östlich von Hohenau. Schon nach wenigen Metern Fahrt auf moorbraunem Wasser entdecke ich einen Schwarzstorch. Allerdings ist der scheue Vogel schon Sekunden später im Dunkel des Waldes verschwunden. Ab und zu passiert man flache Kiesbänke. Jagd- und Fischerhütten mit riesigen Netzen, die an kranartigen Konstruktionen aufgehängt sind, flankieren den Fluss, der von dichtem Wald mit uralten Baumriesen, meist Eichen und Erlen, umgeben ist. Entsprechend bleibt man unterwegs von lärmenden Verkehrsgeräuschen verschont. Jeder Paddler ist angehalten, sich hier besonders rücksichtsvoll und ruhig zu verhalten. Nur so hat man die Chance zu Tierbeobachtungen. Biber und Fischotter sind hier aktiv. Beeindruckend sind die vielen engen Mäanderbögen und Altwasserarme, die in Zeiten der Frühjahrshochwasser großflächig überschwemmt werden. Kurz nach dem Zusammenfluss mit der March erreicht man eine Straßenbrücke, die Hohenau mit dem slowakischen Ort Moravsky Sväty Ján verbindet.