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Welche REGELN braucht mein Hund?


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Partner Hund - epaper ⋅ Ausgabe 1/2022 vom 01.12.2021

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Bildquelle: Partner Hund, Ausgabe 1/2022

Ablegen und warten ist eine einfache Übung, die man immer wieder zwischendurch auf einer Gassi-Runde einbauen kann

José Arce

José Arce ist Fachmann für Hundeerziehung und Autor. Bekannt wurde er in Spanien und Deutschland als Experte für Beißunfälle mit aggressiven Hunden. Er lebt mit seinem Rudel auf Mallorca.±

Es ist eine sehr persönliche Angelegenheit, was man seinem Hund beibringt. Dem einen Hundehalter genügt es völlig, wenn sein Hund ein paar grundsätzliche Dinge weiß und beherzigt. Der andere differenziert viel genauer:

Ihm reicht es zum Beispiel nicht, dass der Hund einfach „nur“ ruhig vor dem Laden wartet, während er einkauft. Er möchte, dass sich der Hund dabei an einer ganz bestimmten Stelle hinlegt. Oder sich an der Ampel hinsetzt. Wieder andere bringen ihrem Hund die verschiedensten Kunststücke bei, wie Pfote abklatschen und auf dem Boden herumrollen. Ich persönlich finde, dass es eine paar grundlegende Basics gibt, die jeder Mensch mit seinem Hund beachten sollte, damit wir entspannt spazieren gehen ...

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... und sich unser Hund anderen Hunden und Menschen gegenüber souverän und respektvoll verhält.

Sitz, Platz, Komm, Hol oder Bring ... all diese Regeln und Kommandos mögen ihre Berechtigung haben, aber wenn die Basis nicht stimmt, funktionieren die besten Regeln und Kommandos nicht. Wir tragen die Verantwortung dafür, dass unsere Hunde sich in unserer modernen Welt ohne Ängste bewegen können und uns vertrauen. Nur so kann sich unser Hund an unserer Seite sicher und geborgen fühlen. 

Das Wichtigste ist der gemeinsame Alltag. Daher ist es wichtig, dass das Vertrauensverhältnis zu unserem Hund stimmt. Denn alle gelernten Kommandos und Regeln sollten auf der Basis einer harmonischen Beziehung funktionieren. Daher sollten Sie sich darauf konzentrieren, eine vertrauensvolle Basis aufzubauen. Anhand dieser Basis erkläre ich Ihnen, wie Sie die wichtigsten Regeln und Signale trainieren können.

VERANTWORTUNG & RESPEKT

Wenn ich heute durch irgendeine europäische Stadt laufe, sehe ich immer mehr Frauen und Männer mit Hunden.

Das freut mich, weil ich Hunde wirklich liebe. Leider aber erkenne ich oft auch schon auf den ersten Blick, dass in der Beziehung zwischen Mensch und Tier etwas nicht stimmt. Die einen Hunde zerren wie verrückt an der Leine, andere laufen viele Meter vor ihrem Frauchen oder Herrchen, wieder andere fallen so weit zurück, dass man gar nicht weiß, zu wem sie gehören. Manche stürmen auf ihre Artgenossen zu, wie vonder Tarantel gestochen, andere bellen jedes Motorrad oder jeden Müllmann an. Oder sie verstecken sich verängstigt hinter ihrem Herrchen, sobald es brenzlig zu werden scheint. Und die Menschen? Die einen wickeln sich sofort mehrmals die Leine ums Handgelenk, wenn sie einen anderen Hund nur von Weitem erspähen und sprechen beruhigend auf ihren eigenen Vierbeiner ein. Oder sie nehmen ihren Hund, wenn es die Größe zulässt, bei der kleinsten „Gefahr“ gleich auf den Arm.

Oder diejenigen, die ihren Hund an der Rollleine einfach draufloslaufen lassen oder sich überhaupt nicht um ihn kümmern. Wenn es beim Gassigehen nicht stimmt, ist oft in der ganzen Mensch-Hund-Beziehung der Wurm drin. Das Gleiche gilt, wenn ein Hund andere schlechte Angewohnheiten hat, die das Verhältnis belasten und daher unnötigerweise für Dauerstress sorgen. Wenn der Hund zum Beispiel ständig an seinem Besitzer hochspringt, ihm seinen Platz auf der Couch streitig macht oder ihn beim Fressen anknurrt. Wenn er anderen Tieren und Kindern hinterherjagt, nicht im Auto fahren will oder nicht alleine bleiben kann, ohne die Wohnung zu verwüsten oder die Nachbarn mit seinem Gejaule wahnsinnig zu machen. Die meisten Probleme, die der Mensch mit seinem Hund hat, lassen sich ebenfalls auf die einfach Formel bringen: Kontrolle weg, Harmonie weg. Es ist wichtig, dass wir vernünftig und artgerecht mit unserem Hund spazieren gehen können. Idealerweise soll uns unser Hund überallhin ein guter Begleiter sein. Dies wiederum gelingt nur, wenn es einen gibt, der die Verantwortung übernimmt – so schwer dies auch für manchen freiheitsliebenden Mitmenschen zu akzeptieren ist. Sehen Sie es doch einmal so: Eltern übernehmen die Verantwortung für ihre Kinder, Lehrer die für ihre Schüler, Firmeninhaber die für ihre Mitarbeiter ... Und genauso müssen wir eben die Verantwortung für unsere Hunde übernehmen.

Die täglichen Spaziergänge sind ein idealer Zeitpunkt, um dem Hund zu zeigen, wer in der Beziehung die Ver-antwortung innehat. Wer sich dabei an ein paar klare Strukturen und Regeln hält, hilft seinem Hund dabei, in seine natürliche Rolle zu finden und das Leben stressfrei zu genießen.

Übung: Praktisch könnte ein derartiger Spaziergang so aussehen:

Sie verlassen das Haus oder steigen aus dem Auto. Dann lassen Sie Ihren Hund kurz schnuppern und seine Geschäfte verrichten. Dannach führen Sie Ihren Hund 25 Minuten mit oder ohne Leine. In dieser Zeit soll der Hund nichts auf eigene Faust unternehmen. Kurzum: In diesen 25 Minuten soll Ihr Hund sich auf Sie konzentrieren und neben Ihnen herlaufen. Und genau dabei arbeitet er. In seinem Kopf ist diese für uns scheinbar doch simple Sache nämlich natürliche Arbeit. Arbeit nach seinem natürlichen Instinkt. Ist die Zeit um, bleiben Sie an einem schönen Plätzchen stehen oder setzen sich hin.

Der Instinkt des Hundes sagt ihm, dass jetzt die Zeit gekommen ist, all das zu tun, wofür vorher keine Zeit war, weil er ja arbeiten musste. Jetzt kann er herumschnuppern, sein Geschäft erledigen, sich hinlegen oder spielen, während Sie ihnbeobachten, die Ruhe genießen oder sich einfach ein wenig in der Sonne bräunen. Nach 10 Minuten rufen Sie Ihren Hund dann zu sich und gehen diszipliniert Seite an Seite zurück. Und das Ganze machen Sie am besten dreimal am Tag.

Übung: Stehen bleiben und warten kann man überall zwischendurch üben: Wenn die Ampel gerade rot ist, man die Auslagen eines Schaufensters betrachtet oder eine Zeitungsschlagzeile liest. Natürlich können Sie diese Art des Spaziergangs beliebig ausdehnen. Ich selbst bin oft viele Stunden mit meinen Hunden unterwegs. Wichtig ist aber auch dann, dass sich Phasen des Geführtwerdens und solche, in denen der Hund selbstständig die Umgebung erkunden kann, ablösen – wobei Erstere überwiegen sollten. Sie werden überrascht sein, wie rasch sich Konflikte mit dem Hund alleine dadurch in Luft auflösen, dass man beim Spazierengehen diese paar Regeln beachtet.

AUFGABEN & BESCHÄFTIGUNG

Es ist keine Arbeit für den Hund, tagein, tagaus Haus und Garten zu bewachen. Damit der Hund glücklich und ausgeglichen ist, genügt es eben leider nicht, dass man ihn einfach in den Garten rauslässt. Er möchte bei seinem Menschen sein und etwas mit ihm unternehmen. Er will Teil der Familie sein. Wenn dann auch noch ein Garten da ist, freut sich der Hund. Als Ersatz für Beschäftigung und Nähe ist er ihm zu wenig. Wenn ich dagegen in einer Stadt unterwegs bin, treffe ich vergleichsmäßig viel mehr ausgeglichene Hunde als in Wohnsiedlungen mit Garten und auf dem Land. Und ich bin überzeugt davon, dass dies daran liegt, dass ihre Besitzer erstens mangels eigenem Garten gezwungen sind, mehrmals am Tag spazieren zu gehen, und zweitens den Stadthund mehr führen.

Man fühlt sich auf belebten Straßen von Haus aus stärker für seinen Hund verantwortlich und passt auf, dass er nicht vor ein Auto oder in ein Fahrrad läuft. Das Gefühl, den Hund gegen mögliche Gefahren absichern zu müssen, „katapultiert“ uns automatisch in die Position, die wir einnehmen müssen, damit sich der Hund wohlfühlt. Indem wir für seine Sicherheit sorgen. Trotzdem! Nur spazieren gehen, das mag Ihnen jetzt vielleicht doch zu einfach erscheinen, um Probleme mit dem Hund zu lösen oder ihnen von vornherein vorzubeugen. Und ich gebe zu, dass ich dabei auch nicht an dasjenige Gassigehen denke, das die meisten Hundehalter tagtäglich praktizieren:

Tür auf, Hund raus, ab ins Grüne, den Hund einfach laufen lassen, vielleicht selbst ein paar nette Leute treffen und ein bisschen plaudern, bevor es ins Büro geht, bevor man den Haushalt erledigen muss, bevor der ganz normale Alltag beginnt. Nein, das meine ich nicht. Wenn der Spaziergang so abläuft, kann der Hund schnell das Gefühl bekommen, das der Mensch die Verantwortung nicht mehr trägt, und genau das verunsichert dann den Hund. Er läuft dann immer vorneweg und ist unkontrolliert, er zeigt sich anderen Hunden gegenüber dann entweder imposant oder ängstlich.

Vielleicht aber jagt er auch Enten und Eichhörnchen hinterher und kümmert sich nicht darum, was Sie machen. Zum Glück ist es meistens gar nicht schwer, die Balance wiederherzustellen. Man muss dazu nur das Gassigehen als Teil der „Beziehungsarbeit“ ansehen. Es lohnt sich: Wenn Sie beim Gassigehen alles richtig machen, kann Ihr Hund den gemeinsamen Ausflug endlich genießen – und Sie können es auch!

Übung: Leine(n) los? Haben Sie den Namen positiv belegt und waren die ersten Zurufe erfolgreich, können Sie es wagen, beim Spaziergang die Pause zu nutzen und den Rückruf zu üben. Vorher sollte er aber wie gewohnt diszipliniert an der Leine gelaufen sein. Suchen Sie für die Übung immer eine Stelle, an der Ihr Hund möglichst wenig abgelenkt wird und Sie alles gut überblicken können. Dann überlegen Sie, wie weit sich der Hund von Ihnen entfernen darf. Das ist Ihre Grenze – und damit auch seine. Lassen Sie nun den Hund ein paar Minuten frei laufen. Wenn er Ihre Grenze überschreitet, rufen Sie seinen Namen. Reagiert er nicht gleich, rufen Sie ihn noch ein zweites Mal. Öfter nicht, um den Namen nicht zu „verschleißen“.

Kommt er dann immer noch nicht, versuchen Sie, sich ohne Worte interessant zu machen. Heben Sie, wenn er hersieht, den Arm, gehen Sie in die Hocke, nehmen Sie einen Ast hoch oder ziehen Sie ein Spielzeug aus der Tasche. Wenn Sie sich trauen, können Sie auch einfach ein paar Schritte von ihm weggehen. Hauptsache, Ihr Hund kommt. Wenn der Hund verstanden hat, was Sie von ihm wollen, und zu Ihnen rennt, müssen Sie ihn ausgiebig loben. Egal wie lang er gebraucht hat: Er bekommt nur schöne Sachen, wenn er zurückkommt.

Ausgiebiges Streicheln und liebevolle Emotionen sind in diesem Fall immens wichtig. Selbst Leckerlis finde ich dann in Ordnung, wenn man es nicht übertreibt. Erst wenn entsprechend gelobt wurde, leinen Sie den Hund an und setzen den Spaziergang fort. Wiederholen Sie diese Übung täglich und möglichst an verschiedenen Plätzen. Lassen Sie Ihren Hund, egal ob er noch ein Welpe ist oder schon erwachsen, schnüffeln, sich lösen und/oder ein bisschen die Gegend erkunden (innerhalb ihrer Grenzen) und rufen Sie ihn zurück. So versteht er rasch, was Sie wollen. Ärgern Sie sich nicht, wenn es nicht auf Anhieb klappt. Weil Hunde im Hier und Jetzt leben, verbinden sie unser Verhalten immer nur mit dem aktuellen Moment.

VERTRAUEN & RUHE

Zu viel Aufregung ist nicht gut. Viele Menschen deuten es dennoch als ein Zeichen der Freude. Dabei ist das, was Sie als übermäßige Freude deuten, nichts anderes als Aufregung und Verunsicherung. Was der Hund in so einem Moment braucht, ist Ruhe und Sicherheit.

Übung: Setzen Sie sich auf den Boden und beschäftigen Sie sich ruhig.

Lesen Sie, denken Sie an etwas Schönes, meditieren Sie ... Sie können sich auch zu zweit oder dritt hinsetzen und sich leise unterhalten. Einzige Bedingung: Denken Sie nicht an Ihren Hund und beachten Sie ihn auch überhaupt nicht. Sie werden sehen, dass erziemlich schnell zu Ihnen kommt, um nachzuschauen, was da vor sich geht. Und jetzt kommt der schwierigste Teil, denn Sie dürfen ihm nach wie vor keinerlei Aufmerksamkeit schenken.

Schauen Sie ihn nicht an, berühren Sie ihn nicht, sprechen Sie nicht mit ihm. Versuchen Sie, ganz in sich selbst zu ruhen. Und warten Sie einfach ab, was passiert. Der eine Hund wird sich schon bald entspannt dazulegen, ein anderer braucht vielleicht etwas länger, bis er innerlich zur Ruhe kommen kann. Er wird um Sie herumkreisen, aufgeregt schnuppern, sich neben Sie setzen, stark hecheln ... Warten Sie ab, bis er endlich spannungsfrei alle viere von sich streckt, bis er bei Ihnen Ruhe und Sicherheit gefunden hat, weil Sie selbst im Moment völlig ruhig und sicher sind. Jetzt dürfen Sie ihn streicheln, ihn hinter den Ohren kraulen, mit ihm reden. Ganz entspannt.

Sie werden sofort merken, wie gut das dem Hund tut. Und Sie selbst werden belohnt mit dem größten Geschenk, das Ihr Hund Ihnen geben kann: sein Vertrauen. Jetzt befinden Sie sich auf einer Wellenlänge. Jetzt erleben Sie echte Gemeinsamkeit. Jetzt sind Sie ein echtes Team!

JOSÉ ARCE

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