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Welchen Fisch kaufen oder fangen?


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Blinker - epaper ⋅ Ausgabe 111/2022 vom 27.10.2022

NACHHALTIGER FISCHGENUSS

Artikelbild für den Artikel "Welchen Fisch kaufen oder fangen?" aus der Ausgabe 111/2022 von Blinker. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.
Schmackhafte Fische hält die Fischtheke zur Genüge bereit, doch nicht alle Arten sollten vorbehaltlos auf dem Teller landen.

Bewegte sich die weltweit angelandete Menge an Fisch in den 1960er Jahren noch im Bereich von 20 Millionen Tonnen, so werden inzwischen jährlich gut 80 Millionen Tonnen Fisch gefangen. Dazu kommt noch rund dieselbe Menge an Fisch aus der Produktion in Aquakulturanlagen. Insbesondere in den 70er, 80er und 90er Jahren betrieb man weitgehend unkontrolliert Fischfang, was zur starken Überfischung vieler Bestände führte. Erst Mitte der 1990er Jahre wurde die Fischerei vermehrt beschränkt, um der Überfischung entgegen zu wirken. Seitdem nutzen Wissenschaftler komplexe Modelle, um zu errechnen, wieviel Fisch einer Art gefangen werden darf. Fangdaten, Informationen aus Bestanderhebungen der Forschung, sowie Daten zur natürlichen Sterblichkeit der Fische und Schätzungen der Nachwuchsquoten werden verwendet, um Empfehlungen für die Fangquoten des nächsten Jahres ausgeben zu können. ...

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... Was im Grundgedanken ein sehr guter Ansatz war – und ist, konnte jedoch eine weitere Überfischung vieler Bestände nicht verhindern. Zum einen haben auch die besten Modelle stets eine gewisse Unsicherheit. Zum anderen wurde die errechnete Fangquote oft bis aufs Äußerste ausgereizt, oder schlichtweg ignoriert. Die Folge war eine weitere Schwächung der Bestände, dazu kommt noch die illegale Fischerei, welche in die Erhebungen nicht mit einspielt.

HEIMISCHE SÜSSWASSERFISCHE DÜRFEN GERNE AUF DEN TELLER

Angler sind für gewöhnlich darauf bedacht, die befischten Gewässer für die Zukunft zu erhalten. Viele genießen auch gerne einmal den einen oder anderen Fang als Abschluss eines erfolgreichen Angeltages auf dem Grill, oder in der Pfanne. Doch welche Fische kann ich angesichts der zuvor genannten Probleme bedenkenlos für das Abendessen mitnehmen und welche Fische aus der Supermarkt-Theke kann ich ohne schlechtes Gewissen in den Einkaufswagen legen? Ganz einfach ist die Betrachtung nicht, denn oftmals ist nicht nur die Fischart entscheidend, sondern auch die Herkunft, sowie die verwendete Fangtechnik. Und auch bei der Aquakultur gibt es erhebliche Unterschiede. Zunächst einmal die gute Nachricht für alle Freunde der Fischküche: Der Genuss von Süßwasserfischen aus Binnengewässern ist unkritisch. Diese können daher bedenkenlos auf dem Teller landen. Dabei spielt es eine untergeordnete Rolle, ob die Fische selbst gefangen, oder beim Fischladen um die Ecke gekauft werden. Unsere Seen und Flüsse werden in aller Regel bewirtschaftet und durch entsprechende Besatzmaßnahmen können die Bestände hier sehr gut erhalten werden. Von dieser Empfehlung ausgenommen sind natürlich bedrohte Arten. Eine schlechte Nachricht gibt es daher z. B. für alle Fans von Räucheraal. Aale gelten als vom Aussterben bedroht und die Bestände befinden sich auf einem historischen Tiefstand. Diese Fische kann man aufgrund ihres komplizierten Lebenszyklus nicht wie andere Arten einfach in Aquakultur nachzüchten, was auch einen künstlichen Besatz unmöglich macht.

NUR MIT BEDACHT: PANGASIUS UND VIKTORIABARSCH

Ein Süßwasserfisch, bei dem man lieber etwas genauer hinschauen sollte, ist der Pangasius-Wels. Die Zucht dieser Art erfolgt meist in Asien, häufig unter schlechten Bedingungen und mit einem massivem Einsatz von Antibiotika. Man sollte daher beim Kauf darauf achten, dass der Fisch eine ASC-Zertifizierung, oder noch besser, eine Bio-Zertifizierung aufweist, sodass die Einhaltung gewisser Haltungsstandards gewährleistet wird. Zu den bei uns relativ häufig an der Fischtheke angebotenen, tropischen Süßwasserfischen gehört auch der Nilbarsch, der meist als „Viktoriabarsch“ verkauft wird. Dieser Fisch ist im ostafrikanischen Viktoriasee eingeführt worden, dem zweitgrößten Süßwassersee der Welt. Der Nilbarsch kann bis zu 2 Meter lang und 200 Kilogramm schwer werden. Er wurde in den 1960er Jahren in den Viktoriasee besetzt, um die Lebensgrundlage der Fischer am See zu verbessern. Leider hat er vielen der im See endemisch (ausschließlich) vorkommende Arten dort extrem geschadet bzw. diese ausgerottet, sodass mittlerweile fast ausschließlich Nilbarsche im See vorkommen. Zudem sind die Bestände der Barsche im Viktoriasee stark überfischt. Diese Art sollte daher nach Möglichkeit nicht im Einkaufswagen landen.

FISCHE AUS DEM ATLANTIK UND DEN ANGRENZENDEN MEEREN

Im Atlantik, der Nord- und Ostsee schwimmen jede Menge schmackhafter Speisefische, doch um nicht alle Arten steht es gut. Relativ unproblematisch ist der Genuss von Hering, sowie Makrele. Nichtganz irrelevant ist jedoch auch hier die Herkunft. Um die Heringsbestände im Ostatlantik steht es recht gut, während es in der Ostsee schlecht aussieht. Bei der Makrele sind die Bestände im Nordost-Atlantik gesund, während die Art zum Beispiel im Mittelmeer überfischt wird. Bei den Dorschartigen hingegen sieht es generell eher schlecht aus, besonders was kommerziell gefangenen Fisch angeht. Wie sich nun sehr deutlich in der Ostsee abzeichnet, sind die Dorschbestände überfischt. Hier beobachten die Forscher fast in allen Fanggebieten abnehmende Populationen. Schellfisch und Wittling können leider auch nicht empfohlen werden, Grund hierfür ist auch die große Menge an Beifang, die beim kommerziellen Fang dieser Fische entsteht.

Das Angeln ist eine der umweltschonendsten Möglichkeiten des Fischfangs, keine Frage!

Seehecht, sowie der pazifische Alaska Seelachs (der häufig in Fischstäbchen steckt) können ebenfalls nur bedingt empfohlen werden. Zumindest aber gibt es beim Fang hier deutlich weniger Beifang, da die Fische eher im Freiwasser leben, wo umweltschonendere Fischereitechniken zum Einsatz kommen. Am besten sieht es noch beim Seelachs (Köhler) aus; hier sind auch die Bestände vielerorts relativ stabil. Beim Kauf am besten immer auf das Vorhandensein entsprechender Zertifikate achten. Bei all diesen Fischen ist man aber auch mit der Angelrute umweltschonender unterwegs. Dasselbe gilt für „Tiefseefische“, wie Leng, Lumb, Rotbarsch, Steinbeißer und Seeteufel. Generell kann man sagen, dass der kommerzielle Fang bodenbewohnender Arten schwierig ist. Gewöhnlich verwenden die Fischer hierbei Grundschleppnetze, bei denen schwere Ketten die Fische vom Grund aufscheuchen. Dabei entstehen massive Schäden am Meeresboden und meist fällt ein enormer Anteil an Beifang an. Plattfische aus der Fischtheke sind daher leider auch nicht die beste Wahl, obwohl viele Arten, wie die Scholle, nicht unbedingt bedroht sind. Daher vielleicht doch lieber die verstaubte Brandungsrute aus dem Schrank holen, wenn man wieder mal Lust auf Plattfisch hat.

LACHS UND DORADE: FISCHZUCHT IM GROSSEN STIL

Der Lachs findet sich bei uns in nahezu jedem Kühlregal. Während die noch vorhandenen Wildbestände der Atlantischen Lachse stark befischt werden, kommen fast alle bei uns angebotenen Lachse aus norwegischen Aquakulturanlagen. Norwegen ist dabei weltweit führend mit einer Produktion von 1,4 Millionen Tonnen Lachs im Jahr 2021. Die für die Zucht der Fische aufgewendete enorme Futtermenge, die Verwendung von Antibiotika, die Gefährdung von Wildlachs-Beständen durch Kreuzung mit entkommenen Zuchtlachsen und die Übertragung von Krankheiten machen jedoch auch die Zuchtlachse nicht besonders umweltverträglich. Auch die häufig angebotenen Doraden oder Goldbrassen, sowie Wolfsbarsche sind mit ähnlichen Problemen verknüpft. Hier findet ebenfalls im großen Maßstab eine Zucht in Aquakultur statt. Bei diesen Arten sollte man beim Kauf auf das Vorhandensein einer ASC-Zertifizierung achten.

DIE TEUREN DELIKATESSEN DES MEERES

Die großen Meeresräuber, wie Schwertund insbesondere Thunfisch zählen zu den beliebtesten Speisefischen und bringen teils enorme Preise auf dem Markt ein. Der teuerste Blauflossenthun, der bisher in Japan verkauft wurde, erzielte beispielsweise einen Preis von unglaublichen 2,7 Millionen Euro! Entsprechend stark befischt werden diese Arten. Für den größten Vertreter der Thunfische, den Blauflossenthun, zeigte sich in den letzten Jahrzehnten zwar vor allem im Mittelmeer eine positive Bestandsentwicklung, doch wurden die Fangquoten inzwischen bereits erneut angehoben. Der Blauflossenthun ist also weiterhin im Bestand gefährdet. Den Kauf dieser Fische zu vermeiden würde helfen, ihre Bestände zu schützen. Unter den Thunfischartigen gibt es jedoch noch kleinere Vertreter, welche ohne allzu schlechtes Gewissen gekauft werden können - besonders wenn diese aus dem Pazifik stammen, wo die Fischerei meist gut überwacht wird. Außerdem ist der Fang von Thunfischen auch mit Hand- und Angelleinen ohne viel Beifang möglich. Zu den Arten gehören Skipjacks und Bonitos, sowie Gelbflossen- und Großaugenthun. Thunfische können bislang nicht in Gefangenschaft gezüchtet werden, das heißt, alle angebotenen Fische sind Wildfänge. Zuletzt: Haie und Rochen haben im Einkaufskorb nichts verloren, da praktisch alle Knorpelfische im höchsten Maße vom Aussterben bedroht sind. Diese Fische sind mit ihrer meist kleinen Anzahl an Nachkommen besonders anfällig für Überfischung. Viele Haie und Rochen enden als Beifang auf den Fischerbooten, aber auch eine gezielte Fischerei findet statt. Hierzu gehört auch das „Finning“, die Jagd auf Haie wegen ihrer Flossen, welche moralisch sehr verwerflich ist und auf keinen Fall unterstützt werden sollte. Wenn man als Angler den selbst gefangenen Fisch mit nach Hause nimmt, sollte das generell jedoch kein Problem darstellen. Meistens ist das Angeln eine der umweltschonendsten Möglichkeiten des Fischfangs und in der Regel auch mit wenig Beifang verbunden. Unabhängig davon ist es wichtig, die Ressource Fisch wertzuschätzen, sich ihrer Knappheit bewusst zu werden und der Rolle, die man als Angler spielt. Den selbstgefangenen Fisch weiss man aber in der Regel ja ohnehin sehr zu schätzen. Doch ob selbst gefangen oder gekauft – mit diesem Heft gelingt die Veredelung des wertvollen Fanges auch besonders leicht. In diesem Sinne Petri Heil und Guten Appetit!

Sorgenfreie Kühlung

In dieser Tasche ändert sich kein Aggregatzustand, zumindest ein paar Tage lang nicht. Die Petromax Kühltasche wurde tatsächlich entwickelt um Verpflegung unabhängig von jeglichem Strom mehrere Tage draußen frisch zu halten. 4 bis 6 Tage können Sie Speisen und Getränke ganz easy transportieren. Das wasserabweisendes Nylongewebe und der wasserdichte Reißverschluss hält Eiswürfel und Kühlakkus kalt, so dass auch Fleisch und Fisch tagelang kalt gehalten werden kann. Da die Kühltasche mit Ösen ausgestattet ist, können Sie sie überall sicher mit Karabinern befestigen. Die Tasche hat eine Füllmenge von 22 l. Eine sorgenfreiere und aufwandsfreiere Kühlung für mehrere Tage in der Natur geht fast gar nicht!Preis:149,99MehrInfos:

Zertifikate in der Fischerei und Fischzucht

MSC: Zertifizierter Fisch aus Wildfang, der die Anforderungen der Vereinten Nationen erfüllt. Es handelt sich dabei um nachhaltig gefangenen Fisch aus nicht überfischten Beständen.

ASC: Das ASC-Siegel bezieht sich auf Zuchtfisch und bescheinigt die Einhaltung von Standards, wie nachhaltiges Futter, dem Erhalt von empfindlichen Ökosystemen und einer Medikamentengabe nur im Krankheitsfall.

Bio: Hier gibt es verschiedene Zertifikate. Während das EU-Bio-Label lediglich die Bio-Mindeststandards für die Lebensmittelproduktion in der EU vorschreibt, stellen Labels, wie etwa

Bioland sogar noch erheblich höhere Anforderungen. Die meisten Fischprodukte mit Bio-Zertifikat stammen aus der Aquakultur, es gibt jedoch auch Bio-Fisch aus Wildfang.