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WELCHER HUND FÜR WELCHEN ZWECK: Durchgeher oder Standschnaller?


Wild und Hund - epaper ⋅ Ausgabe 22/2019 vom 21.11.2019

In Zeiten scharfer Schwarzwildbejagung geht ohne den Einsatz geeigneter Hunde auf Drückjagden nichts. Berufsjäger Sascha Schmitt sagt, wann vom Stand geschnallt und wann zusammen mit dem Hundeführer in der Treiberwehr gejagt werden sollte.


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Foto: Bildagentur Schilling

Vom Stand geschnallte Vierläufer wie dieser auf seinen Einsatz wartende Deutsche Wachtelhund sollen eigenständig jagen und nach der Jagd zu ihrem Führer zurückkehren.


Bevor man sich mit der Frage beschäftigt, ob bei der geplanten Gesellschaftsjagd mit Standschnallern oder im Treiben geführten Hunden gearbeitet wird, muss definiert werden, ...

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Bevor man sich mit der Frage beschäftigt, ob bei der geplanten Gesellschaftsjagd mit Standschnallern oder im Treiben geführten Hunden gearbeitet wird, muss definiert werden, welche Wildarten im Fokus der Jagd stehen und wie das Revier topografisch sowie strukturell beschaffen ist.

Soll bei den Schwarzkitteln effizient Strecke gemacht werden, oder dient die Gesellschaftsjagd in erster Linie der Erfüllung des Abschussplanes der wiederkäuenden Schalenwildarten, wie Rot-, Dam- oder Rehwild? Hier steckt nämlich bereits oftmals die Schwachstelle der gesamten Jagdplanung und -vorbereitung, die zu einem mäßigen Jagderfolg und sogar zu einer erhöhten Zahl von Nachsuchen und zwangsläufig auch Fehlabschüssen führen kann.

Der moderne Begriff Bewegungsjagd wird von manchem Revierverantwortlichen mehr oder weniger fehlinterpretiert, weil am Jagdtag alles bejagt werden soll, was sich im Revier bewegt. Dabei werden nicht nur die Bedürfnisse des Wildes außer Acht gelassen, sondern oftmals auch das Leistungsvermögen und die rassespezifischen Eigenarten der eingesetzten Vierläufer.

Das Schwarzwild braucht gerade in dichten Einständen nachhaltigen Druck durch wildscharfe Hunde, damit es zum Verlassen der Dickung bewegt wird und die Rotte idealerweise gesprengt wird. Um diesen Druck konstant aufbauen zu können, bedarf es nicht nur ausreichend wildscharfer Vierläufer, sondern auch der tatkräftigen Unterstützung erfahrener Hundeführer im Treiben. Selbst wenn es sich um routinierte, aufeinander eingespielte Hunde handelt, ist die Arbeit an den Sauen in besonders schwierigem Gelände, wie Steillagen, Brombeerverhauen, Schwarzdornschlägen und ausgedehnten Schilfflächen, ein hartes Brot und fordert die eingesetzten Vierläufer sowie Zweibeiner bis an ihre Belastungsgrenzen. Diese Vorgehensweise „als Jagen mit der Brechstange“ zu bezeichnen, ist keinesfalls realitätsfremd, doch bleibt den Verantwortlichen in vielen Fällen nichts anderes übrig, um den Schwarzwildbestand zu senken.

Viele Reviere kämpfen mit nicht mehr tragbaren Wildschäden im Grünland sowie an landwirtschaftlichen Kulturen, und immer noch hängt über unseren Köpfen ein Damoklesschwert in Form der Afrikanischen Schweinepest (ASP), auch wenn diese Bedrohung in unseren Medien momentan kaum noch erwähnt wird. So richtig der Einsatz einer kopfstarken, im Treiben von ihren Führern unterstützte Hundetruppe bei der Saujagd auch ist, so nachteilig zeigt sie sich bei den anderen Schalenwildarten. Um sie zu beunruhigen, bedarf es weitaus weniger Druck und körperlichem Einsatz. Zu viel Druck ist dann sogar kontraproduktiv: Reh-, Rot- und Damwild, das vor den Hunden hochflüchtig und kopflos die Einstände verlässt, provoziert förmlich Fehlabschüsse und Nachsuchen. Im Gegensatz zu den Sauen ist die Fortbewegung dieser Arten bei der Flucht nicht linear, sondern gerade beim Rotwild durch mächtige Fluchten und beim Damwild durch die bekannten Prellsprünge gekennzeichnet.

Der Einsatz von Solojägern ermöglicht, wiederkäuendes Schalenwild ruhig in Bewegung zu bringen – die Grundlage für saubere Schüsse.


Fotos: Michael Satdtfeld

Dann sauber zu treffen, ist selbst bei hohem schießtechnischen Können immer von einer großen Portion Glück abhängig. Auch flüchtige Stücke sicher anzusprechen, egal ob männlich oder weiblich, ist bei den Sauen in der Regel einfacher als bei den übrigen Schalenwildarten, insbesondere, wenn eine eindeutige Freigabe seitens des Jagdleiters erfolgt ist. Im Grunde genommen lässt sich die intensive Reduktion des Schwarzwildes nur schwer mit einer waidgerechten Jagd auf die anderen Schalenwildarten verquicken.

In ausgedehnten, bürstendichten Einständen ist der Einsatz von im Treiben geführten Vierläufern ideal, solange es dem Schwarzwild an die Schwarte gehen soll, während die anderen Schalenwildarten durchaus erfolgreich mit dem vom Stand geschnallten Solojäger vor die Schützen gebracht werden können. Aus einem vertraut anwechselnden Rudel Kahlwild, das von einem fährtenlauten Teckel oder Wachtelhund aus dem Einstand gehütet wird, ein passendes Stück zu erlegen, ist keine Hexerei. Hier liegt die Stärke des vom Stand geschnallten Stöberers.

Doch ausschließlich mit diesen Vierläufern wird gerade in schwerem Gelände der große Erfolg beim Schwarzwild ausbleiben. Um das Optimum für Jagderfolg und Wohl des Wildes zu erreichen, wäre es sinnvoll, an unterschiedlichen Terminen mit verschiedenen Strategien zu jagen. Ein mögliches Modell könnte wie folgt aussehen: Bereits im Oktober wird eine Gesellschaftsjagd ausschließlich auf die wiederkäuenden Schalenwildarten durchgeführt, bei der wenige, sicher fährtenlaut jagende Vierläufer vom Stand geschnallt werden. Großräumig abgestellte Schützen können so das langsam und vertraut ziehende Wild sicher ansprechen und selektiv erlegen. Mit den richtigen Schützen, und vor allem den passenden Stöberhunden, sollte auf diese schonende Art eine durchaus ansprechende Strecke erbracht werden können, die an Quantität und Qualität keine Wünsche offen lässt.

Ausgeprägter Finderwille ist sowohl beim Solojäger als auch beim mit der Treiberwehr geführten Vierläufer wichtig.


Mit einer ausreichenden Zahl von im Treiben eingesetzten Hunden werden gezielt Sauen bejagt.


In den späteren Herbst- und Winterwochen folgen dann Gesellschaftsjagden im kleineren Rahmen, bei denen es darum geht, gezielt die Saueneinstände abzujagen, um bei den Schwarzkitteln Strecke zu machen. Hier wäre der im Treiben geführte Vierläufer in ausreichender Kopfstärke das Mittel der Wahl. Im Idealfall würden diese Jagden anlässlich von Neuen auf sicher gekreiste Rotten stattfinden und dadurch der Sauenbestand nachhaltig gesenkt. Lediglich Schwarzsowie Raubwild wird freigegeben und das restliche Schalenwild pardoniert. Wenn dann noch spätestens zu Weihnachten mit den Gesellschaftsjagden aufgehört wird, können eventuelle Defizite im Abschussplan noch im Rahmen der Einzeljagd behoben werden.

Doch nicht nur durch den immer seltener werdenden Schnee lässt sich ein derartiges Konstrukt nur in den wenigs-ten Revieren umsetzen. Viele Revierinhaber scheuen den durch mehrere Gesellschaftsjagden entstehenden finanziellen sowie organisatorischen Aufwand und tendieren dazu, alle Wildarten an einem Tag zu bejagen. Desweiteren muss klar sein, dass jede Form der Gesellschaftsjagd zu einer Beunruhigung des Revieres und damit aller Wildarten beiträgt, mit den damit verbundenen Negativfolgen.

Sauen aus Dickungen zu drücken, bedeutet auch für die Treiber vollen Einsatz und harte Arbeit.


Wenn schon sämtliche im Revier vorkommenden Schalenwildarten am gleichen Tag bejagt werden sollen, hat sich folgende Vorgehensweise bewährt: Direkt zu Jagdbeginn werden wenige Vierläufer, die tatsächliche Solojäger sein müssen, vom Stand geschnallt. Erfahrungsgemäß werden diese zuerst im Treiben befindliches Rot-, Reh- und Damwild auf die Läufe und durch laute Arbeit auf der Fährte vor die Schützen bringen.

Mit einem Zeitversatz von 45 Minuten beginnen dann Hundeführer gemeinsam mit ihren Vierläufern, die dichtesten Einstände nach Sauen abzusuchen, um die Rotten zu sprengen und die Schwarzkittel mobil zu machen. Diese Kombination hat sich in vielen Revieren bereits bewährt und bringt nicht nur die gewünschte Strecke, sondern ermöglicht auch sauberes Ansprechen und sicheres Schießen. Voraussetzung dafür ist aber, dass nur tatsächlich brauchbare und sozial verträgliche Vierläufer zum Einsatz kommen.

Der Hundeführer durchkämmt mit seinen Vierläufern die Dickungen, findet Wild und…


bringt im Idealfall die Sauen auf die Läufe und vor die Schützen. So wird Strecke gemacht!


Fotos: Michael Satdtfeld

Anforderungen an den Solojäger:

Die Anforderungen an den auf der Schalenwildjagd vom Stand geschnallten Vierläufer sind nicht zu unterschätzen: Sicherer Spur- und Fährtenlaut, ausgeprägter Fährtenwille und ein hervorragender Orientierungssinn sind nur einige davon. Die auf sich gestellten Vierläufer müssen eigenständig arbeiten und mit eisernem Finderwillen ausgestattet sein. Warme Fährten werden mit sicherem Laut ausgearbeitet, um das Wild behutsam vor die Schützen zu bringen. Der Laut dient dabei nicht nur den angestellten Schützen als Orientierungshilfe, auch das Wild kann den arbeitenden Vierläufer orten, gerät so nicht in Panik, was sich in geringerem Fluchttempo und kürzeren Fluchtdistanzen niederschlägt. Auch wenn die klassischen Solojägerrassen über diese fundamentalen Anlagen verfügen sollten, bedarf es einer strukturierten Ausbildung und Einarbeitung, um den jungen Jagdhelfer auf diese Arbeit einzustellen. Hier findet sich in der Regel auch der Grund dafür, dass wirklich brauchbare Solojäger sehr rar sind. Neben dem Deutschen Wachtelhund eignen sich die einzelnen Brackenschläge, verschiedene Terrierrassen und besonders auch die Teckel für diese selbstständige Arbeitsweise.

Anforderungen an den im Treiben geführten Hund:

Der im Treiben geführte Vierläufer, der primär an Sauen arbeiten soll, benötigt neben einer ausgeprägten Wildschärfe auch ein gewisses Maß an Führigkeit, wenn er effizient eingesetzt werden soll. Schließlich soll er sich im Treiben am Führer orientieren und sich in bestimmte Bereiche lenken lassen. Ein zu weites Verfolgen des Wildes wäre kontraproduktiv, da so der stete Fluss im Treiben regelmäßig unterbrochen würde. Viele erfahrene Hundeführer geben sich mit dem Sichtlaut zufrieden, was bei mehreren eingesetzten Hunden auch verständlich ist. Dornenfestigkeit, Härte gegen äußere Einflüsse sind ebenfalls ein Muss, genauso wie absolute Sozialverträglichkeit. Raufer sind im Treiben unbrauchbar, da in der Regel immer mit mehreren Hunden gearbeitet wird. Um im Treiben geführt zu werden, eignen sich alle Jagdhunderassen, die diese Anforderungen vollends erfüllen. Neben Terriern, kurz jagenden Bracken und Wachtelhunden eignen sich auch die deutschen Vorstehhunderassen. Bei der Planung des Hundeeinsatzes sollte beachtet werden, dass sich verschiedene Rassen, bedingt durch ihre unterschiedliche Jagdweise, perfekt ergänzen und so die Effizienz der Jagd erhöhen.


Fotos: Michael Satdtfeld