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WELCHER KASTEN IST WIRKLICH KLASSE?


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Auto Bild - epaper ⋅ Ausgabe 44/2022 vom 03.11.2022
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Nennt uns gern Pampers-Bomber oder Blumen-Transporter, dafür sind wir ja da! Mercedes T-Klasse gegen Ford Tourneo Connect, beide 4,50 Meter lang und total variabel

WENNWIR MALehrlich sind, ist das Schönste bei solchen Autos ja der Blick in den Weitwinkelspiegel auf die Rückbank. Wenn der kleine, zahnlose Stammhalter also Kekse lutschend und Nase bohrend vor sich hin lächelt, dann sind Fahrspaß und Kurvenräubern so unbedeutend wie Schokoladenflecken auf den Stoffsitzen.

Wir testen zwei Hochdachkombis für die Familie, Mercedes T 180 und Ford Tourneo Connect. Welche Kiste hat was auf dem Kasten, welche ist wirklich klasse?

DAS SIND SIE

Da wir gerade bei Familie sind, müssen wir über Patchwork reden, also einen etwas, sagen wir mal, kreativeren Stammbaum. Die Mercedes T-Klasse entstand unter fachkundiger Anleitung von Renault, bei den Franzosen heißt der Kerl ohne Mercedes-Emblem Kangoo. Die Kölner von Ford haben einen Sohn aus Hannover adoptiert. Der neue Tourneo Connect kommt von den „Nutzis“, also der VW-Nutzfahrzeugabteilung, heißt da Caddy.Mottoinbeiden

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Mercedes T 180 Autom. Edition

131 PS 7,7 l S/100 km Testverbrauch ab 34 510 Euro

Ford Tourneo Connect 1.5 EcoBoost Autom.

114 PS 7,0 l S/100 km Testverbrauch ab 31 590 Euro

Den Mercedes haben sie uns als T 180 Edition hingestellt, also 1,33-Liter-Vierzylinder mit 131 PS aus der A-Klasse (fanden wir da schon gut) in Verbindung mit einer Siebengang-Doppelkupplung. Im Ford arbeitet der 1.5er-Vierzylinder, den wir aus Golf und Co. kennen, hier abgeschwächt mit 114 PS, dafür mit bekanntem Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe.

Entern wir erst mal den Benz, Einstieg hinten durch eine der beiden Schiebetüren klappt schon mal gut. Sitzen ist leider nicht ganz so überragend. Sie haben das Polstermöbel zwar ziemlich hoch eingebaut, die Beine müssen also nicht angewinkelt werden. Aber wenn du ein Einsneunzig-Mann wie Tester Berend Sanders bist und hinten hockst, sagst du: „Kinderbank, viel zu wenig Auflage!“ Apropos Big Berend: Er hat den Vordersitz auf seine Größe eingestellt, will den Sitz dahinter umklappen – und bleibt mit und ohne Kopfstütze hängen. Die Bank schiebt sich leicht nach vorn und dann nach unten, die Lehne sollte folgen, macht sie aber nicht. Also bleibt nur, den Fahrersitz vorzuschieben und mit angewinkelten Knien nach Hause zu fahren.

! Massig viel Platz, überschaubare Leistung. Hier ist Nutzwert wichtiger als der Fahrspaß

Das kann der Ford besser. Und auch der Sitzplatz im Fond ist eine Klasse besser. Die Schenkelauflage ist tiefer, die Beine liegen besser auf, außerdem ist die Rückenlehne siebenfach verstellbar.

Vor Ikea müssen wir feststellen, dass Ford das Kofferraum-Duell mit einigem Vorsprung gewinnt. Genauer: 2390 Liter maximales Volumen bei der T-Klasse, 210 Liter mehr (also 2600) beim Tourneo. Besser zu beladen ist die Fuhre auch noch, was am Klappmechanismus der Rückbank liegt: Die Sitze lassen sich mit Fläche und Lehne hochfahren und per Stange einrasten oder sogar komplett ausbauen. Wie gesagt: Wenn andere das so gut können, sollte man mit denen zusammenarbeiten.

Hat Ford auch beim Cockpit gemacht. Den Touchscreen kennen wir von VW – mit all seinen Schwächen. Da wäre der fehlende Regler für laut/leise, stattdessen haben sie einen unbeleuchteten „Slider“ zum Wischen eingebaut. Oder sagen wir’s so: Zeigerinstrumente und Lenkrad-Pralltopf von Ford, alles andere von VW. Uns fehlen Kurzwahltasten etwa für die Sitzheizung, die wird nämlich über den Screen bedient. Immerhin klappt das mit der Multimedia nach anfänglichen VW-Problemen besser. Angenehm große Icons, sogar Sitzheizung und Klimaanlage lassen sich per Sprache regeln, auch Telefonbuch und Navi-Ziel regelt der Ford auf Kommando. Ach ja, die Vordersitze: ausziehbare Schenkelauflage für lange Beine, das gibt Extra-Punkte.

Der Mercedes kann in vielen Punkten nicht raus aus seiner Renault-Haut, bietet einen Mischmasch der Marken und Generationen an. Im Cockpit zum Beispiel ist die Klimaanlage nicht über den Bildschirm geregelt (gut!), die Bedieneinheit dafür ist ebenso von Renault wie der Automatik-Wählhebel. Alles andere ist vom Daimler. Der Monitor zum Touchen etwa mit einer Software, die sie noch im Regal liegen hatten. So sind Klima und Sitzheizung nicht per Sprache bedienbar, dafür hören Navi und Radio aufs Wort, und auch Wetter und Wartung sagt der Benz an. Er erzählt sogar Witze:„WasistorangeundmarschiertdurchdieBerge?EineWanderine!“

SO FAHREN SIE

Bevor wir uns ins Vergnügen stürzen, sollten wir bedenken: Den Tourneo haben sie uns als Siebensitzer geliefert, er bringt 1637 Kilogramm auf die Waage. Wer dann noch 663 Kilogramm zulädt, sitzt in einem 2,3-Tonner mit 114 PS. Erwarten Sie jetzt bitte keine Wunder! Der Ford kommt in 12,3 Sekunden auf Tempo 100, bis er seine Höchstgeschwindigkeit von 182 km/h erreicht hat, sollten Sie geduldig sein. Aber will man das?

Beim Ford ist der Motor rein akustisch präsenter, der Mercedes ist besser gedämmt. Und beim Ford neigen die Hinterläufe (Starrachse!) zum Poltern, dafür arbeitet seine Lenkung angenehm linear, gefühlt geht er etwas zackiger über die kurvige Landstraße als die T-Klasse.

Apropos: Steigen wir um! Laut Messblatt ist der Mercedes spritziger, er hat ja auch 17 PS mehr. In 11,4 Sekunden ist er auf 100 km/h, wiegt 1586 kg und somit 51 weniger, ist in der Endgeschwindigkeit mit 183 km/h nur marginal besser. Der Vierzylinder arbeitet leise, wirkt nie angestrengt, passt hervorragend. Der Siebengang-Doppelkuppler wechselt die Gänge rechtzeitig und ohne zu ruckeln, die Lenkung ist leichtgängig. Selbst bei der Federung muss Mercedes aktiv gewesen sein: straff, ohne zu übertreiben, kommt gut mit sämtlichen Unebenheiten der Fahrbahn klar. Das Karosserie-Kapitel hat Mercedes verloren, bei Komfort, Antrieb und der Konnektivität, also da, wo die Schwaben selbst verbessert haben, holen sie sich ihre Punkte zurück. Dass der Ford am Ende die Haube vorn hat, das liegt auch am Preis.

DAS KOSTEN SIE

Endlich mal ein Mercedes im All-inclusive-Trimm! In der Edition-Variante hat er alles, was wichtig ist. Kostet 34 510 Euro, aber dafür sind Navi und elektrische Fensterheber in den Schiebetüren Serie. Navi kostet bei Ford 783 Euro, statt Fensterhebern hinten gibt’s nur die Ausstellvariante. Der Tourneo kostet in Testkonfiguration mit 33 590 Euro einen Tausender weniger, wobei wir die dritte Sitzreihe (881 Euro) draußen lassen würden. Und weil Sprit immer teurer wird, ist auch das zu bedenken: 7,7 Liter im Test beim Benz, 7,0 beim Ford. Für die Ersparnis gibt’s ’ne Packung Kekse fürs kleine Grinsebäckchen im Fond ...

PLATZIERUNG

Punkte maximal 800

TESTSIEGER

533 Punkte

1.Ford Tourneo ConnectBester Allrounder: viel Platz, variabel, Laderaum und Sitzen hinten top. Leichte Schwächen bei Antrieb, Connectivity.

512 Punkte

2.Mercedes T 180Harmonischer Antrieb trifft auf Platz und Komfort. Lässt Punkte bei Platzangebot hinten liegen, Multimedia besser als Ford.

FAZIT

ANDREAS MAY, BEREND SANDERS

VW gewinnt gegen Renault – hier unter anderen Logos. Der Ford Tourneo Connect mit VW-Technik holt sich den Sieg mit dem besseren Platzangebot und seiner tollen Variabilität. Der Mercedes mit Renault-Hilfe kann auch gut transportieren, hat seine Kernkompetenz aber eher bei Antrieb und Komfort.