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wellness: Sehnsucht nach Stille


Vital - epaper ⋅ Ausgabe 11/2019 vom 09.10.2019

Die meisten wissen, wie sie sich am besten im Urlaub entspannen oder am Wochenende von der Arbeit erholen. Die Kunst, auch mitten im Alltag innezuhalten, beherrschen dagegen nur wenige. Lernen können wir es alle:fünf Wege, in fünf Minuten zur Ruhe zu finden. Und warum gerade wir Frauen uns öfter eine Pause gönnen sollten


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Bildquelle: Vital, Ausgabe 11/2019

Haben wir unerwartet fünf Minuten Zeit, prüfen die meisten von uns ihre To-do-Liste, erledigen einen Anruf oder beantworten eine liegen gebliebene E-Mail. Aus dem Fenster schauen oder ausruhen – was laut Statistik in den 60er-Jahren noch zu den wichtigen Freizeitbeschäftigungen zählte ...

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... – tun wir heute nur noch selten. Dabei ist es so wichtig, uns regelmäßige Pausen zu gönnen: „Wer dauerhaft unter Druck steht, läuft Gefahr, seinen natürlichen Rhythmus zu verlieren“, erklärt Prof. Dr. Michael Kastner, Leiter des Instituts für Arbeitspsychologie und Arbeitsmedizin in Herdecke. „Es ist ein gesellschaftliches Phänomen, dass wir heute immer mehr schaffen wollen. Dabei fällt es uns zunehmend schwer, uns mit Situationen zufriedenzugeben, die gut genug sind – stattdessen streben wir ständig nach etwas Besserem.“ Mögliche Folge dieses Dauerstresses: im schlimmsten Fall Burn-out, Herzinfarkt – und in letzter Zeit immer öfter Depressionen, die gerade bei Frauen häufiger diagnostiziert werden.

Als einen der möglichen Gründe dafür vermutet der Psychologe, dass vor allem sie diejenigen sind, die sich familiären Doppelbelastungen aussetzen: „Der Aufbau des weiblichen Gehirns erteilt Frauen eine höhere soziale Kompetenz. Dadurch fühlen sie sich nicht nur primär für die Kindererziehung verantwortlich, sondern bringen sich beispielsweise auch nachweislich häufiger bei der Pflege der eigenen Eltern ein.“

Innere Balance durch regelmäßige Pausen

Um gar nicht erst in einen Teufelskreis zu geraten, ist es wichtig, dass wir immer wieder kleine Auszeiten einlegen: Durchschnittlich benötigen wir alle 50 Minuten eine fünf- bis zehnminütige Pause, um weiterhin effektiv zu bleiben – sowohl im Büro als auch bei allen anderen Tätigkeiten, bei denen wir uns konzentrieren müssen. „Durch die zunehmende Digitalisierung beobachten wir jedoch gerade bei Personen mit häufigem Kontakt zu elektronischen Medien einen Rückgang auf etwa 40 Minuten“, berichtet Prof. Dr. Kastner. Viele Menschen nehmen ihren Regenerationsbedarf dabei erst wahr, wenn sie schon völlig erschöpft sind: Sie pausieren zu spät – und je länger sie abgespannt weiterarbeiten, desto schneller nimmt die Ermüdung zu. Wer sich dagegen bei der Arbeit regelmäßig entspannt, kann Informationen nachweislich besser verarbeiten und behalten. Auf den nächsten Seite stellen wir Ihnen fünf verschiedene Ideen für kurze Pausen vor, die sie problemlos in Ihren Alltag einbauen können. Wir wünschen Ihnen gute Erholung!

1 Auszeit im Alltag: sorgsames Cremen

Unsere Haut funktioniert wie ein Kommunikationszentrum, denn sie leitet Berührungen über ein dichtes Netz aus feinsten Nervenfasern und Rezeptoren weiter an das Gehirn, beeinflusst so unsere Psyche und unser Immunsystem. Forscher wissen heute schon ziemlich genau, wie unsere etwa 900 Millionen berührungsempfindlichen Sensoren der Haut Sinnesreize aufnehmen – vor allem die Haarwurzeln spielen dabei eine entscheidende Rolle: Wird uns auch nur das sprichwörtlich kleinste Haar gekrümmt, spüren wir das sofort. Zahlreiche Studien zeigen, wie sehr sanfte Berührungen unser Wohlbefinden beeinflussen. So entwickeln sich etwa zu früh geborene Zwillinge besser, wenn sie sich umarmen können – und alte Menschen essen mit mehr Appetit, wenn ihnen während des Essens wiederholt leicht über den Unterarm gestrichen wird. Auch wir können von der Kraft der Berührung ganz einfach im Alltag profitieren: Zum Beispiel indem wir uns im Bad dafür Zeit nehmen, unsere reichhaltige Gesichtscreme oder ein trockenes Pflegeöl bewusst einzumassieren.

So geht’s: Schließen Sie Ihre Augen und beginnen Sie, die Pflege mit sanft kreisenden Bewegungen auf die Wangen aufzutragen. Dann mehrmals mit beiden Ringfingern von der Nasenwurzel im großen Bogen über die Stirn entlang der Schläfen zurück zu den Wagen streifen. Das gesamte Gesicht mit sanftem Klopfen stimulieren. Zum Schluss Nasolabial-Bereich, die Kieferpartie und Stirn sanft nach außen hin ausstreichen.

2 Für neue Energie: der „Laogong“-Druckpunkt

Entspannt Körper und Seele im Handumdrehen


Laut TCM, der Traditionellen Chinesischen Medizin, durchlaufen zwölf Energiebahnen (Meridiane) unseren Körper. Jedem sind bestimmte Organsysteme zugeordnet, die wir durch Behandlung der entsprechenden Druckpunkte stärken und beruhigen oder mögliche Blockaden lösen können. Der im Handteller befindliche „Laogong“-Punkt etwa schenkt neue Energie, innere Balance und soll sogar starkes Herzklopfen beruhigen – ob wir an der Bushaltestelle stehen oder beim Arzt im Wartezimmer sitzen .

dem linken Daumen zehn So geht’s: Drücken Sie mit Sekunden lang fest auf die Stelle in der Handinnenfläche, wo bei geballter Faust die Spitzen des Mittel- und Ringfingers landen. Zwei Sekunden Pause machen. Die Übung zweimal wiederholen. Danach die Seite wechseln .

GLÜCKSMOMENT Wohltat für Haut und Sinne ist das Pflegeöl mit ätherischem Öl grüner Mandarinen.„Aromessence Mandarine Verte Essential Oils-Serum“, Decléor, 15 ml ca. 53 Euro

NATURLIEBE Beruhigt und schützt die Haut u. a. mit Extrakten aus der Korkeichenrinde und Nachtkerzenöl.„Intensive Moisturizing Rich Cream“, Birkenstock, 50 ml ca. 69 Euro

RUHEPOL Herzsamen-Extrakt besänftigt irritierte Haut, Granatapfelkernöl wehrt Umwelteinflüsse ab.„Anti Age Multi Active Face Oil“ von Eubos, 30 ml ca. 32 Euro

BITTE UMBLÄTTERN, DORT FINDEN SIE DREI WEITERE TIPPS →

3 Entspannung durch die Nase: Aromatherapie-Kosmetik

Im zarten Thymian stecken ungeahnte Kräfte


Wir wissen, dass ätherische Öle nicht nur unseren Teint klären, sondern auch akuten Stress lindern und neues Wohlbefinden schenken – doch das volle Ausmaß aromatherapeutischer Möglichkeiten ist noch längst nicht erfasst: So fanden erst kürzlich Wissenschaftler der Klinik Blankenstein bei Bochum heraus, dass antibakteriell und krampflösend wirkendes Thymianöl auch als Anti-Histaminikum gegen Allergien hilft. Derzeit versuchen immer mehr Kosmetikunternehmen, ätherische Öle z. B. in beruhigenden Kopfhauttinkturen oder pflegenden Gesichtsmasken zu nutzen, die auch unseren Geist beflügeln.

So geht’s: Von den fertigen Tinkturen wahlweise etwa einen Milliliter punktuell auf der Kopfhaut verteilen und einmassieren – oder ein bis fünf Tropfen in einen halben Liter Wasser geben, eine Kompresse darin tränken, auswringen und etwa 15 Minuten auf das Gesicht legen.

WOHLTAT Die Tinktur mit ätherischem Thymianöl besänftigt die Sinne und gereizte (Kopf-)Haut.„Visarôme Dynamique E“ von La Biosthétique, 30 ml ca. 30 Euro

PFLANZENFEE Belebt Körper und Geist mit ätherischem Orangenöl – auf der Kopfhaut fünf Minuten einziehen lassen, dann ausspülen.„Complexe 5“ von René Furterer, 50 ml ca. 30 Euro

KURZURLAUB Ätherisches Grapefruitöl kühlt und verfeinert die Poren – zudem lindert es Stress und Ängste.„Essential Calming Mask“ von Jayjun, 25 ml ca. 3 Euro

4 Mit Luft zum Glück: 4711- Atemtechnik

Es klingt banal, funktioniert aber: Schaffen wir es, bewusster Luft zu holen, sind wir schon nach kurzer Zeit gelassener und stärken noch unsere Abwehrkräfte. „Eine entschleunigte Atmungtäuscht dem Körper eine Art Schlafzustand vor , durch den wir uns bereits nach wenigen Minuten erholter fühlen“, erklärt Thomas Loew, Professor für Psychosomatik und Psychotherapie an der Universität Regensburg. In einer Studie mit 146 Burn-outgefährdeten Lehrerinnen und Lehrern konnte er zeigen, dass einfaches Atemtraining die Testpersonen nach acht Wochen schon deutlich ruhiger fühlen ließ. „Zudem beeinflusst das gedehnte Atmen das enge Wechselspiel zwischen Herzaktivität, Druck im Gefäßsystem und Sauerstoffsättigung, sodass einzu hoher Blutdruck sinkt.“

So geht’s: Bei der 4711-Technik mit dem Einatmen bis vier zählen, sieben Sekunden lang ausatmen – und das elf Minuten wiederholen. Auch mit weniger Zeit erreichen Sie etwas: Nachweisbare Effekte zeigen sich ab drei Minuten.

5 Mehr Lebensfreude: Dankbarkeits-Meditation

An einem ganz normalen Tag gehen uns zwischen40 000 und 70 000 Gedanken durch den Kopf:also fast ein Einfall pro Sekunde, von denen wissenschaftlichen Studien zufolge rund 70 Prozent nebensächliche Dinge betreffen, 27 Prozent negative Gefühle auslösen und nur drei Prozent von etwas Positivem handeln (mehr dazu ab S. 72). „Die Themen, mit denen wir uns beschäftigen, bestimmen unseren Gemütszustand“, erklärt André Daiyû Steiner, Psychologe und Gründer des Münchner Zentrums Imakoko. Dabei sind gleich mehrere positive Botschaften nötig, um nur eine einzige negative Botschaft auszugleichen: „In der Evolution unserer Vorfahren war zum Überleben vor allem das Vermeiden von Gefahren wichtig. Deshalb erhalten negative Reize mehr Aufmerksamkeit – und um unser Gehirn wieder in Balance zu bringen, braucht es bis zufünf positive Erfahrungen nach einer negativen.“ Wer täglich versucht, sein Bewusstsein gezielt in eine wohlwollende, optimistische Richtung zu lenken, spürt bereits nach kurzer Zeit eine positivere Grundeinstellung und fühlt sich deutlich ausgeglichener.

So geht’s: Überlegen Sie zum Beispiel jeden Abend vor dem Einschlafen, wofür Sie heute oder in den letzten Tagen dankbar sein konnten – etwa „Ich fühle mich sicher“, „Ich habe Arbeit“ oder „Ich bin gesund“. Das funktioniert!


FOTO: GETTY/JULIE TOY

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