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WELTSYSTEMCRASH


Sachwert Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 2/2020 vom 05.03.2020
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Bildquelle: Sachwert Magazin, Ausgabe 2/2020

In dem Science- Fiction- Spektakel Matrix muss der von Keanu Reeves verkörperte Protagonist Neo erleben, wie seine gesamte bisherige Welt zusammenbricht und er in einer Welt erwacht, wie er sie sich in seinen düstersten Albträumen nicht vorgestellt hatte. In einer postapokalyptischen Landschaft herrschen die Maschinen. Für ihren eigenen Energiebedarf bauen sie Menschen an, die sie in Millionen Flüssigkeitsbehältern halten. Die unbeweglichen Körper sind über Kabel mit einem System, der »Matrix«, verbunden, das ihnen eine virtuelle Realität vorspielt. Der Moment, in dem die Hauptperson Neo erwacht und zum ...

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... ersten Mal diese Welt erblickt, ist einer der beeindruckendsten Momente der jüngeren Filmgeschichte.

Eine geschickt aufgebaute Handlung führt zu diesem Moment. Immer wieder erlebt Neo in seiner Welt - seiner Traumwelt, wie sich herausstellt - Inkonsistenzen. Manche Begebenheiten passen einfach nicht. Schließlich wird er von Morpheus, dem Anführer des Widerstandes gegen die Maschinen, vor die Wahl gestellt:

Buchauszug aus „Weltsystemcrash - Krisen, Unruhen und die Geburt einer neuen Weltordnung“ von Max Otte,
640 Seiten
24,99 €
ISBN 978-3-95972-282-7
FinanzBuch Verlag
Max Otte istist ein deutsch-US-amerikanischer Ökonom. Otte ist
Leiter des von ihm im Jahr 2003 gegründeten Instituts für Vermögensentwicklung
(IFVE) und hauptberuflich als Fondsmanager tätig.


Prüft jedoch alles und behaltet das Gute!


- 1. Thessalonicher 5:21

»Dies ist deine letzte Chance. Danach gibt es kein Zurück. Wenn du die blaue Pille nimmst, endet diese Geschichte. Du wachst in deinem Bett auf und glaubst, was du glauben willst. Wenn du die rote Pille nimmst, bleibst du im Wunderland und ich zeige dir, wie tief das Kaninchenloch wirklich ist. Denk daran: Ich biete nur die Wahrheit an. Nicht mehr.«

Ich bin nicht der Erste, der die Szene von der blauen und der roten Pille zitiert. Im vorliegenden Buch werde ich sehr unangenehme Themen ansprechen und sehr unbequeme Erklärungen anbieten. Einige von Ihnen werden vielleicht denken: »Das kann doch nicht wahr sein!« Vielleicht sogar: »Das kann nicht wahr sein, weil es nicht wahr sein darf.« Manche von Ihnen werden das Buch vielleicht aus der Hand legen, weil es ihnen zu unangenehm ist.

Machen wir uns nichts vor: Die meisten Menschen ziehen es vor, in ihrer Matrix zu leben, und zwar egal, ob die »echte« Welt ein Albtraum oder ob sie eigentlich ganz nett ist. Seit Platon wissen wir, dass die Welt, die wir wahrnehmen, eine Projektion unseres Gehirns ist. Neurowissenschaftler, Anthropologen und Soziobiologen wissen mittlerweile recht gut, wie sich unser Denken entwickelt hat und wie es funktioniert: lückenhaft und selektiv, oft vorschnell und emotional sowie am Gruppenkonsens orientiert. Echtes Denken ist selten. Und anstrengend. Deswegen gibt es zum Beispiel in der Finanzwelt so wenige gute Investoren und so viele Schwätzer. Und deswegen machen wir es uns so gern in unserer selbstgemachten oder für uns von anderen vorbereiteten Matrix bequem.

Aber ich schreibe nicht für alle. Ich schreibe für diejenigen, die wirklich nach Erklärungen suchen für das Chaos, das derzeit auf der Welt herrscht, die Bedrohung der Freiheit, den Populismus, den Abstieg der Mittelschicht, die Kriege. Die bereit sind, ihre eigene Matrix infrage zu stellen. Es wird in diesem Buch auch um Krieg und Leiden gehen, Tatsachen, die im neuen Jahrtausend genauso präsent sind wie im vergangenen.

Dabei greife ich auf einen reichen Fundus von Klassikern und aktuellen politischen Denkern zurück, von Thukydides über Halford Mackinder und Carl Schmitt bis zu Robert Gilpin und Henry Kissinger. Alle diese Denker gehören der »realistischen Schule der Politikwissenschaft« an. Ich bin zwar als Ökonom bekannt, habe aber auf dem Gebiet der internationalen Beziehungen viel geforscht. In diesem Buch stütze ich mich bei meiner Analyse der Ursachen und Folgen der aktuellen Weltkrise auf die gerade erwähnte realistische Schule der Politikwissenschaft, die meiner Ansicht nach die Welt besser erklären kann als Sozialismus und (Neo) Liberalismus. Zudem sind in den letzten Jahren große Fortschritte auf dem Gebiet der Gehirnforschung, der evolutionären Erkenntnistheorie, der Anthropologie und der Soziobiologie gemacht worden. Sie stützen meinen Erklärungsansatz. Shit happens. Heute wissen wir viel besser, warum.

Max Otte istist ein deutsch-US-amerikanischer Ökonom. Otte ist Leiter des von ihm im Jahr 2003 gegründeten Instituts für Vermögensentwicklung (IFVE) und hauptberuflich als Fondsmanager tätig.


Erfahrene Anleger haben damit den Beleg für das, was sie schon immer wussten: 90 Prozent des Anlageerfolgs bestehen darin, die eigenen Emotionen unter Kontrolle zu halten.


Es sind verschiedene Mechanismen unseres Gehirns, die uns immer wieder Fehler machen lassen: das (vor)schnelle, instinktgetriebene und intuitive Denken, die selektive Wahrnehmung, das Phänomen der kognitiven Dissonanz und das Gruppendenken. Diese Mechanismen waren im Verlauf unserer Evolution überlebenswichtig - und sie sind es oft immer noch -, aber verleiten uns in der modernen, komplexen und technisierten Welt auch dazu, Fehler zu machen. Sie lassen uns simpler Propaganda folgen, in der Matrix der Medien gefangen bleiben, Gruppendenken und Ausgrenzung betreiben und kolossale Fehler begehen. Im schlimmsten Fall lassen wir uns in unnötige Kriege hineinziehen.

Denn Kriege beginnen fast immer mit Lügen. Das war beim DeutschFranzösischen Krieg von 1870/71 der Fall, als Otto von Bismarck mit der »Emser Depesche« einen Kriegsgrund inszenierte, beim Krieg, den die USA 1903 gegen Kolumbien führten, um Panama abzuspalten und sich die Kontrolle über den Kanal zwischen Atlantik und Pazifik zu sichern, und beim Vietnamkrieg, der mit dem Zwischenfall im Golf von Tonkin Fahrt aufnahm. Auch dieser Zwischenfall, wie sich im Nachhinein herausstellte, war inszeniert.

In jüngerer Zeit begannen beide Kriege der USA gegen den Irak mit Lügen. Im Ersten Irakkrieg 1990 war es die professionell inszenierte »Brutkastenlüge «, die die amerikanische Öffentlichkeit mobilisierte, im Zweiten Irakkrieg die Lüge von irakischen Massenvernichtungswaffen, die der sichtlich gestresste Außenminister Colin Powell der UNO auftischen musste. Zwar brachte Powell einen Disclaimer an - er sagte: »nach dem, was mir meine Quellen berichten« -, aber es war ihm wohl klar, dass er die Unwahrheit verbreiten musste, damit die USA einen Kriegsgrund hatten. In ihren Büchern und Vorträgen zeigen der Politikund Islamwissenschaftler Michael Lüders und der Friedensforscher Daniele Ganser auf, wie westliche Politik, gestützt auf Lügen und Legenden, den Nahen Osten ins Chaos gestürzt hat, mit Folgen, die wir ab 2015 auch in Deutschland unmittelbar zu spüren bekamen.

Im Bücherschrank meines Vaters stand Psychologie der Massen von Gustave Le Bon, ein Klassiker aus dem Jahr 1895. In diesem Buch legt der Arzt und Psychologe eine The- orie des Herdentriebs vor und zeigt systematisch auf, wie in vielen Massenphänomenen das Unbewusste die Entscheidungen der Menschen beeinflusst: »Die bewusste Persönlichkeit schwindet, die Gefühle und Gedanken aller Einzelnen sind nach derselben Richtung orientiert.« Das »Gehirnleben « tritt zurück, das »Rückenmarkleben« herrscht vor. »In der Gemeinschaftsseele versinkt das Ungleichartige im Gleichartigen, und die unbewussten Eigenschaften überwiegen.«

Heute ist das, was Le Bon so treffend beschrieb, durch viele wissenschaftliche Experimente erhärtet. Der israelischamerikanische Psychologe Daniel Kahneman nennt es »schnelles Denken«. Es läuft intuitiv, reflexartig und automatisch ab, während bewusstes, rationales Denken langsam ist. Kahneman erhielt 2002 den Nobelpreis für Ökonomie, und zwar für seine Forschungen im Bereich »Behavioral Finance« (verhaltenstheoretische Erklärungsansätze bei ökonomischen Entscheidungen), in denen er das Herdenverhalten bei Investmententscheidungen auf spezielle Gehirnaktivitäten zurückführen konnte. Probanden wurden in einen Kernspintomografen geschoben und mit Fragen zu Geldanlagen konfrontiert. Diese sollten sie per Knopfdruck beantworten. So wurden sie gefragt: »Hätten Sie lieber 100 Dollar jetzt oder 110 Dollar in vier Monaten?« Die Fragen waren zum Teil sehr einfach, zum Teil aber recht knifflig. Der Kernspintomograf machte sichtbar, welche Bereiche des Gehirns bei der Beantwortung der Fragen besonders aktiv waren.


Bei der Geldanlage oder bei vielen anderen Entscheidungen sollten jedoch nicht Emotionen den Ausschlag geben, sondern ein kühl kalkulierender Kopf, der zukünftige Renditen und Risiken möglichst sachlich und nüchtern analysiert.


Die Erkenntnisse waren verblüffend: Immer wenn sich der Proband für die sofortige Geldauszahlung entschied, war besonders der Hirnstamm aktiv, Le Bons »Rückenmark«. Dieser evolutionsgeschichtlich sehr alte Gehirnteil ist auch bei Reptilien vorhanden und wird deswegen auch »Reptiliengehirn « genannt. Das bewusste Denken, für das das Großhirn verantwortlich ist, wurde nur dann »eingeschaltet«, wenn der Teilnehmer der Studie sich für eine spätere Geldauszahlung entschied.

Kahnemans Schlussfolgerung: Ein Großteil unseres Investmentverhaltens wird von Mechanismen gesteuert, die aus einer Zeit stammen, als es nur um eines ging: ums Fressen oder Gefressenwerden. Kampf, Angriff oder Flucht sind Verhaltensmuster, die uns bis heute beeinflussen. Bei der Geldanlage oder bei vielen anderen Entscheidungen sollten jedoch nicht Emotionen den Ausschlag geben, sondern ein kühl kalkulierender Kopf, der zukünftige Renditen und Risiken möglichst sachlich und nüchtern analysiert. Spontane Reaktionen sind absolut kontraproduktiv. Wir steuern unsere Investmententscheidungen mit Mechanismen, auf die sich auch Reptilien verlassen. Erfahrene Anleger haben damit den Beleg für das, was sie schon immer wussten: 90 Prozent des Anlageerfolgs bestehen darin, die eigenen Emotionen unter Kontrolle zu halten. Das Kahneman-Experiment hat gezeigt, warum Anleger sich gelegentlich extrem idiotisch verhalten. Und was für Anlageentscheidungen gilt, gilt auch für viele andere Bereich des Lebens.

Der kognitive Archäologe Steven Mithen, langjähriger Leiter der School of Human and Environmental Sciences an der University of Reading hat mit Prehistory of the Mind eine Entstehungsgeschichte menschlichen Denkens geschrieben. Nach Mithen hat sich das Denken in verschiedenen relativ unabhängigen Modulen entwickelt, die in uns angelegt sind, so der allgemeinen Intelligenz, der Sprachfähigkeit, der Umwelterkennung und der sozialen Intelligenz. Erst relativ spät in unserer Entwicklung vernetzten sich die verschiedenen Module zum Denken des modernen Menschen.

Der Mensch ist als Gruppenwesen stark geworden, als wir durch die Savannen Afrikas streiften. Nur in der Gruppe konnten wir überleben. Mithen - wie viele Evolutionsbiologen - geht davon aus, dass mehr als die Hälfte unseres Denkens von der sozialen Intelligenz in Anspruch genommen wird. Wir vergleichen uns ständig mit anderen und versuchen, unsere Position in der Gruppe zu bestimmen. Wir registrieren, wenn wir aufoder absteigen oder wenn sich das Gefüge in der Gruppe verändert. Auch das permanente Vergleichen in der Statusgruppe ist »Problemlösung« - soziale Problemlösung. Wenn sich jemand zu sehr vom Gruppenkonsens entfernt, läuft er oder sie Gefahr, ausgestoßen zu werden. So wird bei einer nüchternen Betrachtung klar, warum sich so wenige Menschen trauen, das Gruppendenken zu verlassen, und warum wirklich unabhängiges Denken selten ist.

Unsere menschliche Wahrnehmung ist zudem fokussiert und zielorientiert. Die menschlichen Augen gleichen Raubtieraugen, der Blick ist nach vorn gerichtet, um Objekte und Beute zu fixieren. Die Augen von Pflanzenfressern hingegen sind seitlich am Kopf platziert, um ein möglichst breites Umfeld zu überblicken. Das Grundmuster des Verhaltens von Menschen und Raubtieren ist ein »hin zu«, während bei Pflanzenfressern zuerst die Fluchtinstinkte angesprochen werden: »weg von«. Erstmalig hat diese Muster der Universalphilosoph Oswald Spengler in seiner Schrift Der Mensch und die Technik beschrieben.


Diese ererbte Zielorientierung hilft uns auch in Zeiten, in denen wir nicht mehr durch die Steppen und Savannen streifen und nach dem nächsten Beutetier Ausschau halten. Wir können uns ganz auf ein Ziel fokussieren und viele Widerstände überwinden oder einfach ausblenden, um es zu erreichen. Arnold Schwarzenegger, der ehemalige Bodybuilder, Filmschauspieler und Gouverneur von Kalifornien, schuf sich seinen eigenen Mythos. Immer wieder erzählt er seine Lebensgeschichte und schreibt seine Erfolge maßgeblich seiner Fähigkeit zu, sich ganz auf ein Ziel zu konzentrieren und alles um sich herum auszublenden.


Wie selektiv unsere Wahrnehmung sein kann, zeigt das Experiment des unsichtbaren Gorillas, das Daniel Simons von der University of Illinois und Christopher Chabris von der Harvard University durchführten. Testpersonen wurde ein Film gezeigt, in dem Spieler mit schwarzen und weißen TShirts einander einen Basketball zuwerfen. Die Probanden sollten zählen, wie oft der Ball von schwarz nach weiß und umgekehrt wechselt. Die meisten lösten ihre Aufgabe gut und nannten die korrekte oder eine nahezu korrekte Zahl. Was aber mehr als die Hälfte der Testpersonen nicht bemerkte: mitten im Spiel taucht ein Mann in einem Gorillakostüm auf, wandert in die Bildmitte, trommelt sich auf die Brust und geht wieder aus dem Bild. So fokussiert - und damit irregeleitet - kann unsere Wahrnehmung sein.

Wenn unser Gehirn aber schon durch ein einfaches Experiment mit Spielern in schwarzen und weißen T- Shirts und einem Basketball zu ernsthaften Fehlleistungen verführt werden kann, wie viel schwieriger ist es dann, sich bei komplexen politischen Problemen, zum Beispiel beim Klimawandel oder bei der Ukraine-Krise, ein umfassendes und fundiertes Bild zu machen? Je komplexer die Themen, desto eher kann unser Unter-und Unbewusstes manipuliert werden.

Dass die Mainstream-Medien lückenhaft und tendenziös berichten, dürfte vielen Lesern dieses Buchs bewusst sein. Hier ist nicht die Stelle, das zu vertiefen. In diesem Buch analysiere ich die Realität hinter der Matrix. Wenn Sie sich zur Lückenhaftigkeit der Matrix der Medien informieren wollen, sind dazu mittlerweile viele Bücher von respektablen Autoren erschienen. Eines der ersten war Mainstream von Uwe Krüger, in dem sich der Medienwissenschaftler von der Universität Leipzig vor allem die Berichterstattung zur UkraineKrise vornahm. Markus Gärtner, Chefredakteur unseres Informationsdienstes Privatinvestor Politik, schrieb ebenfalls darüber. Für die Medienblasen des Mainstreams ist für Alexander Unzicker das Phänomen der kognitiven Dissonanz mitverantwortlich. In seinem aktuellen Buch mit dem Untertitel Anleitung zum Selberdenken in verrückten Zeiten liefert Unzicker eine umfassende Erklärung, warum die Medien arbeiten, wie sie arbeiten.


Die meisten Menschen haben ein mehr oder weniger fertiges, geschlossenes Weltbild. Das müssen sie auch haben, um die Masse der Informationen, die auf sie eindringen, verarbeiten zu können.


Die meisten Menschen haben ein mehr oder weniger fertiges, geschlossenes Weltbild. Das müssen sie auch haben, um die Masse der Informationen, die auf sie eindringen, verarbeiten zu können. Wenn sie aber mit Informationen konfrontiert werden, die dieses Weltbild infrage stellen, entsteht bei vielen Menschen ein Unbehagen, genau, wie es Neo in Matrix verspürte. Dieses Unbehagen halten wenige aus. Deswegen werden Nachrichten, die das eigene Weltbild infrage stellen, gern heruntergespielt oder verdrängt. Die verhaltenswissenschaftliche Forschung nennt das »Bestätigungsfehler« oder »Confirmation Bias«. Das geht bis zur Sprachlenkung und gewollten Verdrängung. Im Jahr 2014 setzte die Aktion »Unwort des Jahres« zum Beispiel den Begriff »Lügenpresse « auf den Index der verpönten Wörter.

Ja, es ist schwer, das eigene Weltbild zu hinterfragen. Deswegen machen es auch so wenige. Erfolgreiche Menschen stellen sich hingegen häufig selbst infrage. Als Investor frage ich mich ständig: »Wo könnte ich falschliegen?« Das ist viel wichtiger (und schwieriger), als weitere Bestätigungen dafür zu suchen, dass ich richtigliege.

Diese »Selbstbestätigung « kann groteske Züge annehmen. In seinem Buch The Broken Ladder (»Die zerbrochene Leiter«) beschreibt der Psychologe und Neurowissenschaftler Keith Payne, wie wir als politisches Wesen funktionieren, warum die gegenwärtige Gesellschaftsordnung im Westen nicht mehr richtig funktioniert und welche Tricks uns das Gehirn dabei spielt. Er führt dazu viele aktuelle wissenschaftliche Experimente an. In einer in Schweden durchgeführten Umfrage wurden »linke« und »rechte« Probanden zu zwölf wichtigen politischen Fragen befragt. Sie sollten dazu einen Fragebogen ausfüllen. Während die Teilnehmer mit dem Fragebogen beschäftigt waren, beobachtete sie der Interviewer und füllte seinerseits ein zweites Blatt aus. Das Perfide daran: Er kreuzte bei der Hälfte der Antworten genau das Gegenteil von dem an, was der Teilnehmer angekreuzt hatte. Der manipulierte Fragenbogen wurde dann den Probanden in einer kontrollierten Situation zurückgegeben. Zudem wurden sie aufgefordert, ihre Meinung zu erklären, und gefragt, ob sie irgendetwas korrigieren wollten. Das schockierende Ergebnis: 47 Prozent der Probanden bemerkten gar nicht, dass die Antworten manipuliert worden waren. Und von den restlichen 53 entdeckten die meisten nur ein oder zwei Manipulationen, nicht alle sechs.

Ja, Denken ist schwer!

Sind Sie bereit, Ihre Anschauungen und Denkmuster infrage zu stellten? Wollen Sie Ihre Wahrnehmung politischer Phänomene schärfen? Dann gehen Sie mit mir auf die Reise! Alles, was ich Ihnen anbieten kann, ist meine ungeschminkte Sicht der Dinge.


Bilder: Depositphotos/lucidwaters, privat Cover: FBV Verlag

Bild: Depositphotos/Rawpixel (2)