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Weltweit Zwischen Mittelmeer und Indischem Ozean: Frühe Globalisierung in Afrika


Archäologie in Deutschland - epaper ⋅ Ausgabe 3/2020 vom 20.05.2020

Afrika liegt zwischen zwei großen Wirtschaftszonen, dem Mittelmeerraum und dem Indischen Ozean. Schon im 3. Jt. v. Chr. lassen sich wirtschaftliche Einflüsse aus beiden Regionen nachweisen. Die Autoren fassen das ganze Gebiet unter dem Begriff Afroeurasien zusammen: eine Zone, die sehr früh von globalem Handel und Austausch geprägt wurde.


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Bildquelle: Archäologie in Deutschland, Ausgabe 3/2020

Dschunke im Hafen von Shanghai. Die neue Seidenstraße knüpft an alte Traditionen an: Zwischen 1413 und 1433 erreichten chinesische Schiffe mehrfach Ostafrika.


Der Tatsache, dass Afrika zwischen zwei großen Wirtschaftszonen liegt, dem Mittelmeerraum und dem Indischen ...

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... Ozean, verdankt der Kontinent bedeutende Einflüsse aus beiden Regionen, die auch erhebliche Auswirkungen auf die kulturelle Dynamik hatten.

Die Fernkontakte in den Mittelmeerraum wie auch in den Indischen Ozean setzen sehr früh ein, schon im 3. Jt. v. Chr. Bereits damals lassen sich Vorstufen dessen erkennen, was wir heute als Globalisierung bezeichnen: Nicht umsonst wird dieser Raum auch als Afroeurasien bezeichnet. Besonders in Afrika lassen sich die Vor‐ und Nachteile dieses gewaltigen Wirtschaftsprozesses von den Anfängen bis zum heutigen Tage aufzeigen.

Ein Kontinent zwischen allen Stühlen

Die globalen Wirtschaftsnachrichten wurden bis zum Ausbruch der Corona‐Krise vom Handelsstreit zwischen China und den USA bestimmt. Das hat gute Gründe, ringen doch diese beiden ökonomischen Giganten schon lange um die führende Rolle in der Weltwirtschaft, und – damit verbunden – auch in der globalen Politik. Tatsächlich ist es China in den letzten Jahren gelungen, in der Wirtschaftsleistung die USA fast einzuholen. Es verfolgt damit eine Strategie, in der es an die Bedeutung früherer Jahrhunderte anknüpft und bezieht sich darin auch explizit auf die Vergangenheit. Diese Strategie umfasst neben dem maritimen Handel auch terrestrische Netzwerke, die ganz auf die Einbindung der Märkte in Europa, aber auch Afrika ausgerichtet sind. Gerade in Afrika hat China vor nunmehr fast 30 Jahren begonnen, die notwendige wirtschaftliche und politische Infrastruktur aufzubauen. Hauptziel waren bisher die natürlichen Ressourcen und Absatzmärkte.

Diese ersten Anfänge werden seit 2013 in einer auf das gesamte Afroeurasien ausgerichteten Strategie eingebunden, die man kurz unter dem Begriff »Neue Seidenstraße« zusammenfasst. Es werden nicht nur Verkehrswege ausgebaut, sondern auch die Zwischen‐ und Endstationen des Handels in den jeweiligen Zielregionen; so umfasst das Vorhaben beispielsweise Gaspipelines und Telekommunikation. Etwa 100 Länder zeigen sich bereits interessiert.

Verbunden war diese Expansion bislang auch mit der Aneignung kultureller Aspekte, häufig gar nicht getragen von staatlichen Stellen, sondern von mittlerweile zu enormem Reichtum gekommenen Privatpersonen. Sie suchten gezielt den europäischen Kunstmarkt nicht nur nach ursprünglich chinesischen, sondern durchaus auch europäischen Stücken ab. Der Einfluss Chinas mit seinen neuen Märkten ging freilich noch weiter. Zunehmend wurde z. B. in Weingüter etwa in Rheinhessen investiert. Die Geschäfte der Luxusmarken in den großen europäischen Innenstädten waren von chinesischen Käuferinnen und Käufern gefüllt. Auf dem afrikanischen Kontinent wurden ganze Landschaften von chinesischen Konzernen bewirtschaftet, die Verkehrsinfrastruktur hier überholt und ausgebaut.

Während diese globalen Vorgänge in den USA noch einigermaßen früh erkannt wurden, stand Europa fast hilflos vor der Schnelligkeit und Effektivität dieser Expansion. Erst im letzten Jahr besann man sich in Deutschland – unter dem Eindruck des chinesischen Ausgriffs, aber auch dem Zustrom von Menschen – auf eine gemeinsame wirtschaftliche und politische Strategie gegenüber den afrikanischen Staaten. Wie es diesbezüglich weitergeht, wird sich aufgrund der gegenwärtig unklaren Lage der Weltwirtschaft erst noch zeigen. Am Expansionsdrang der Großmacht dürfte sich jedoch wenig ändern.

Vor dem Hintergrund dieser aktuellen und zugleich sehr zukunftsrelevanten Vorgänge ist es interessant, in die Vergangen heit zu schauen und zu erfahren, wie es denn zur heutigen Lage kam. Beim Aufdecken dieser langfristigen Prozesse ist gerade in Afrika die Archäologie unabdingbar und liefert wertvolle Hinweise. Wir konzentrieren uns hier auf drei wichtige Phasen, einmal den Ausbau des antiken maritimen Handelsnetzwerkes im 1. Jt. v. Chr., weiterhin auf die Expansion des persisch‐arabisch‐islamischen Handels um und nach dem Jahr 1000 n. Chr. sowie auf die Zeit der ersten chinesischen Expansionsphase an den westlichen Rand des Indischen Ozeans. Zu allen diesen laufen derzeit am Romisch‐Germanischen Zentralmuseum in Mainz Forschungen.

Die Steinmauern von Shangano in Nordwestsimbabwe.


Antike Technik in Vietnam: Nut und Feder

Betrachtet man die Weltkarte, so wird die Lage Afrikas zwischen dem Indischen Ozean und dem Mittelmeer deutlich. Bereits vor 4000 Jahren kamen die afrikanischen Küstenregionen in Kontakt sowohl mit dem Mittelmeerraum als auch den Anrainern des Indischen Ozeans. Archäologische Nachweise sind etwa Funde des Glockenbecher‐ Horizontes in Nordwestafrika, oder die Übernahme des in Indien domestizierten Zebu‐Rindes. In den jüngeren Perioden hat diese geopolitische Lage die Geschichte des Kontinents weiterhin beeinflusst. So gab es früh Bestrebungen, Afrika auf dem Seeweg zu umschiffen.

Bekannt sind die Versuche des Karthagers Hanno, Afrika um die Mitte des 1. Jt. v. Chr. im Atlantik zu umsegeln. Immerhin scheint er bis in die Region des heutigen Kamerun gekommen zu sein. Weniger bekannt, jedoch wohl erfolgreicher, war die Umschiffung des Kontinents durch eine vom ägyptischen Pharao Necho II (610– 595 v. Chr.) ausgesandte Expedition. In dieser Zeit setzten auch erste griechische Fahrten über das Rote Meer nach Osten ein, die unter den Ptolemäern dann einen Höhepunkt erreichten. Damals war das System des Handels im Indischen Ozean bereits weit entwickelt und die griechischen Seefahrer, die sich nun über das Rote Meer und die Arabische Halbinsel hinauswagten, wurden tragender Teil der Netzwerke. Griechen fuhren auch entlang der ostafrikanischen Küste.

Neben verschiedenen archäologischen Funden schlugen sich diese Expeditionen besonders in einem Handelsitinerar nieder, dem Periplus Maris Erythraei, verfasst von einem unbekannten Autor, vielleicht auch mehreren, in dem die Häfen und Handelsstationen sowohl an der asiatischen Südküste wie auch entlang der ostafrikanischen Küste aufgelistet sind. Zwar stammt der Periplus aus dem 1. Jh. n. Chr. und informiert somit über die römische Handelsschifffahrt. Er enthält aber durchaus auch Informationen aus der Zeit der Ptolemäer. An archäologischen Funden sind aus dieser Zeit etliche bekannt, die das weit umspannende Handelsnetzwerk dokumentieren. Diesem Korpus konnte Ronald Bockius unlängst die Verbreitung einer auch im Bootsbau verwendeten, wohl ursprünglich ostmediterranen Holzverbindungstechnik hinzufügen, deren entferntester Fundpunkt in Nordvietnam liegt. Mit diesen ab dem 1. Jh. n. Chr. datierenden Nachweisen der sogenannten Nut‐Feder‐Verbindung zeigt sich auch archäologisch, welche global umspannenden Verbindungen es schon ab der hellenistischen Zeit gab. Bereits damals begann sich der Raum herauszubilden, den wir heute als Afroeurasien bezeichnen.

Welthandel am Ende des 15. Jh.: Afrika zwischen Asien und Europa.


Sklaven, Salz, Glasperlen

Für die zweite Zeitschiene verlassen wir den Indischen Ozean und wenden uns Nordafrika zu. Hier hatte mit dem Beginn der Eroberungszüge des Islam im 7. Jh. eine zunehmende wirtschaftliche, aber auch politisch‐religiös geprägte Expansion nach Süden durch die Sahara eingesetzt. Bereits in der Antike gab es vereinzelt Versuche, diese weltweit größte Trockenzone zu durchqueren, was wohl auch hier und da gelang, nie aber von dauerhaftem Erfolg gekrönt war, vielleicht, weil der an sich geringe Austausch über Zwischenstationen, etwa die Garamanten, lief. Erst mit der Einführung des auf der arabischen Halbinsel domestizierten Dromedars waren die nordafrikanischen Händler in der Lage, die wochenlange Reise an den Südrand der Wüste selbst zu unternehmen. Dass die Region wirtschaftlich interessant war, war bereits bekannt. Neben Gold lockten vor allem Elfenbein und Sklaven. Gleichzeitig mit diesen wirtschaftlichen Ausgriffen verbreitete sich auch der Islam in die Gebiete südlich der Sahara. Diese Phase der Expansion ist gut durch Berichte von Reisenden dokumentiert, vereinzelt sind gar Karten erhalten, aber auch die Archäologie kann diese frühe Phase des Ausbaus islamisch‐arabischer Handelsnetzwerke dokumentieren.

Beinbergen vom Gräberfeld Durbi Takusheyi, Datierung 14. Jh. n. Chr. Das Metall für den Schmuck wurde von weither importiert.


Makroaufnahme einer angewitterten Glasperle. Im Kern ist noch die rote Farbe erhalten.


Mit unterschiedlichen farbigen Glasperlen besetzter Gürtel aus einem der Gräber von Durbi Takusheyi in Nordnigeria: Die Anordnung der Perlen wurde beim Restaurieren rekonstruiert.


Aus dem Norden des heutigen Staates Nigeria ist ein Grabhügelfeld bekannt, dessen Beigaben am Romisch‐Germanischen Zentralmuseum restauriert und seitdem in verschiedenen Ausstellungen – in Mainz und in den Vereinigten Staaten – gezeigt wurden und werden: Das Grabhügelfeld von Durbi Takusheyi liegt in der Nähe der heutigen Stadt Katsina, die eine der frühen Handelsmetropolen in der Region war. Insgesamt umfasst es acht Grabhügel in zwei Gruppen, von denen vier zu Beginn der 1990er Jahre untersucht wurden. Aus dreien barg man seinerzeit zentrale Bestattungen mit ganz ungewöhnlich reichen Beigaben. Die Artefakte, auch Reste von Holzgegenständen und Textilien, belegen die weitreichenden Handelsbeziehungen der regionalen Bevölkerung; wenngleich in zwei Gräbern durchweg Gegenstände wohl lokaler oder regionaler Produktion gefunden wurden, so zeigen doch die verwendeten Metalle, dass sie von weither transportiert wurden, in Form der langen, gegossenen Barren, die man ebenfalls aus den Gräbern bergen konnte. Ein drittes Grab, aus der abgelegenen Hügelgruppe stammend, hebt sich jedoch noch einmal aufgrund der Importhinweise deutlich ab. Hier fanden sich mehrheitlich Gegenstände aus nicht‐regionaler Produktion. Am augenfälligsten ist eine Schale aus Messing, deren kunststilistischer Hintergrund im Mamlukensultanat (1250– 1517) zu suchen ist; möglicherweise wurde sie einst in Kairo hergestellt. Vergleichbare Stücke sind aus europäischen und nahöstlichen Sammlungen bekannt. Einst wurden sie auch zu Exportzwecken gefertigt, waren also ein luxuriöses Handelsgut mit exotischer Wirkung, zumindest an den Adelshöfen in Europa. Allerdings ist die Datierung schwierig: Das Stück aus Nigeria ist eines der wenigen aus gesichertem archäologischem Zusammenhang, es datiert wohl in das 14. Jh. Jedoch sind weitere vergleichbare Exemplare in Westafrika gefunden worden, sie waren bis in die jüngste Zeit in Schreinen deponiert und in lokale Kulte eingebunden.

Die Schale aus Durbi Takusheyi hingegen fand sich im Grab einer jungen Frau, in dem diverse Schmuckstücke aus Gold lagen. Einst hatte das Gefäß wohl einen silbrigen Glanz, der sogar in der Inschrift beschrieben wird. Trotz der handwerklichen Kunstfertigkeit, mit der das Stück gefertigt wurde, war es wohl doch in erster Linie für den Export hergestellt worden und mag daher als Gabe für die hochstehende weibliche Person angesehen werden, ein Gastgeschenk, ganz wie wir es ebenso aus anderen Regionen und Zeiten kennen. Solche Stücke begleiten die arabisch‐islamische Expansion in die Länder südlich der Sahara. Die sich bereits entwickelnden frühen Staaten blühen auf und nehmen wirtschaftlich am Exporthandel teil, der eben neben Gold und Elfenbein, aber auch Leder, zu einem wesentlichen Teil auf Sklaven beruht. Aus dem Norden wird über Zwischenhändler in der Sahara Salz nach Süden transportiert, später aber auch europäische Güter, vor allem Waffen.

Diese Handelsbeziehungen dauern bis an das Ende des 19. Jh., als schließlich die Europäer im Zuge des Kolonialismus in Afrika auch in das Landesinnere vordringen und die einheimischen Strukturen wirtschaftlich und politisch marginalisiert werden.

Eine Fundgruppe aus dem besagten Grab in Durbi Takusheyi leitet über zum letzten Thema. Es ist ein Gürtel mit kleinen bunten Glasperlen, der am Romisch‐Germanischen Zentralmuseum von Stefan Patscher restauriert und in seiner ursprünglichen Lage und Anordnung wieder hergestellt wurde. Er lag im Beckenbereich der mit der Schale und dem Goldschmuck bereits reich bedachten jungen Frau. Der Durchmesser der Perlen liegt zwischen 4 und 5 mm, die Einzelstücke sind daher eher unscheinbar. Sie ähneln aber sehr vergleichbaren Stücken, die in den verschiedenen Handelshäfen entlang der ostafrikanischen Küste gefunden wurden. Nicht den verschiedenen bunten und vielformatigen Perlen arabischen, indischen, oder gar europäischen Ursprungs, sondern kleinen, oft roten Glasperlen, für die eine Produktion im südlichen China vermutet wird. Erste chemische Untersuchungen der auf einem Träger aus Stoff oder Leder aufgenähten kleinen Perlen unterstreichen eine chinesische Produktion.

Goldschmuck aus der Metallschale von Durbi Takusheyi – wohl der Schmuck der jungen Frau, die hier bestattet war.


Nicht alle, aber doch ein Teil dieser Perlen, werden mit den Reisen des chinesischen Admirals Zheng He in Verbindung gebracht, jener große Seemann, auf den man sich in China nun wieder als historische Identifikationsfigur in Verbindung mit der »Neuen Seidenstraße« beruft. Er unternahm sieben Fahrten entlang der Küste Asiens und erreichte zwischen 1413 und 1433 mehrfach Ostafrika. Die Flotte nahm gewaltige Mengen an Tauschgütern mit, umfasste sie doch die damals modernsten und größten Schiffe der Welt. So ist es durchaus möglich, dass viele Tausende von den für den Export produzierten Glasperlen aus Südchina auf diesem Weg an die ostafrikanische Küste kamen und von dort landeinwärts weiterverhandelt wurden.

Zheng He traf mit seiner Flotte auf ein florierendes Handelsnetzwerk, das seit dem Ende der Antike im Wesentlichen von Händlern und Kolonisten aus der arabischen Halbinsel und dem Persischen Golf getragen wurde. Entlang der ostafrikanischen Küste wurden Handelsposten errichtet, die sich zu blühenden Städten mit zum Teil bis heute andauernder zentraler wirtschaftlicher Bedeutung entwickelten. Bis vor etwa 15 Jahren sah man in diesen Handelsniederlassungen die Taktgeber, ja die anstoßende Kraft für die wirtschaftliche und politische Entwicklung im südlichen Afrika um die nachchristliche Jahrtausendwende.

Steinarchitektur der Simbabwekultur

Tatsächlich lassen sich für einige der Küstenstationen und inländischen Fundplätze bereits ab 800 n. Chr. Kontakte aufzeigen, die sich dann immer weiter entwickeln, bis zu den Funden von Münzen und chinesischem Geschirr in Great Zimbabwe aus dem 14. Jh. Verbindungen zur Küste hat es also zweifelsfrei gegeben, für die Küstenstädte war natürlich das Gold des Plateaus von Zimbabwe ein äußerst attraktives Handelsgut. Mittlerweile hat sich die wissenschaftliche Aufmerksamkeit jedoch etwas von den großen inländischen Siedlungen entfernt und auch kleinere Anlagen werden untersucht. Dabei zeigt sich, dass auch diese bereits sehr früh belegt waren.

Tatsächlich hat sich heutzutage die gesamte Deutung zu den Anfängen der Simbabwekultur verschoben. Standen früher die externen Kontakte im Vordergrund, so sind es nunmehr interne wirtschaftliche Dynamiken, die betont werden. Auffallend ist eine Zunahme von Rindern in den Herden der eisenzeitlichen Bauern an der Wende vom ersten zum zweiten Jahrtausend. Diese Zunahme brachte eine Differenzierung des Reichtums und damit einhergehend der politischen Macht mit sich. Einige der Herdenbesitzer konnten somit Reichtum und Macht konzentrieren, brachten dies im Bau von Siedlungen zum Ausdruck, die von Steinmauern umgeben waren. Kulminationspunkt dieser Tendenz ist zweifelsohne Great Zimbabwe auf dem südlichen Hochplateau des heutigen gleichnamigen Landes. Im Zentrum der Anlagen steht einmal die Residenz des Herrschers auf einem Felsenplateau, aber auch die komplexe Ritualanlage in der vorgelagerten Ebene. Letztere ist bestimmt durch die Great Enclosure, eine meterhohe, exzellent ausgeführte Umfassungsmauer. Um diese Repräsentationsbauten herum fanden sich die Reste einer gewaltigen Siedlung deren Einwohner auf bis zu 30 000 Personen geschätzt wird. Der Höhepunkt dieser Siedlung lag zwischen 1200 und 1500 n. Chr., ihr Ende um 1800. Neben Great Zimbabwe gibt es noch eine Reihe anderer, kleinerer Fundplätze, die früher als »Kolonien« gedeutet wurden, mittlerweile aber als eigenständige regionale Erscheinungen gesehen werden.

Mamlukische Metallschale aus dem Grab einer jungen Frau in Durbi Takusheyi: Die Schale steht am Beginn des islamisch-nord afri - kanischen Einflusses südlich der Sahara.


Die Ritualanlage im Zentrum von Great Zimbabwe, die Große Umwehrung (Great Enclosure).


In einem von der Volkswagenstiftung geförderten und auch am Romisch‐Germanischen Zentralmuseum angesiedelten Projekt hat Mitautorin Plan Nyabezi von der Universität Zimbabwe in Harare sich in den vergangen Jahren einer bislang fast unbekannten Region gewidmet, dem nordwestlichen Teil des Landes. In einem ausführlichen Survey konnte sie eine Reihe von sehr viel kleineren Steinstrukturen kartieren, die über die gesamte Region verstreut waren. Ein Beispiel ist die Anlage von Shangano. Galten diese bislang als später Ableger der als zentral verstandenen Simbabwekultur auf dem südlichen Plateau, so wird doch auch hier zunehmend die Eigen ‐ ständigkeit der regionalen Entwicklung deutlich. Tatsächlich scheint es mittlerweile so zu sein, dass sich im gesamten südlichen Afrika, zwischen den Flussläufen des Limpopo im Süden und dem Sambesi im Norden, ab etwa der Jahrtausendwende breitflächig eine soziopolitische Differenzierung entwickelt hat, deren Grundlage im Wesentlichen der auf Rinderzucht beruhende Pastoralnomadismus war. Die Region um Great Zimbabwe profitierte auch von den umliegenden Goldfeldern, die für die Exportwirtschaft Möglichkeiten boten. So nimmt es nicht wunder, dass hier dann zusätzlich diese Komponente für eine weitere Differenzierung sorgte und die ostafrikanischen Handelsstützpunkte des im Indischen Ozean florierenden Netzwerkes ihren Einfluss in das Landesinnere ausweiten konnten. Über diese Verbindungen gelangten dann auch die Produkte aus China bis nach Great Zimbabwe.

Der wirtschaftliche Einfluss Chinas in Ostafrika war jedoch minimal, denn die chinesischen Fernexpeditionen wurden von kaiserlicher Seite bald wieder unterbunden. So war der nachantike Handel im Indischen Ozean im Wesentlichen von Arabern getragen, die dann auch mit Ankunft der Portugiesen im Jahr 1498 die größte Konkurrenz darstellten. Ab dem 16. Jh. gelang es den Europäern allerdings, die Araber wirtschaftlich zurückzudrängen. Lediglich im Mittelmeerraum, vor Nordafrika, hatten sie noch eine gewisse Machtstellung, konkurrierten aber auch hier mit europäischen Handelsstädten wie Genua und Venedig.

Den Transsaharahandel dominierten die arabischen Staaten Nordafrikas bis zum Ende des 19. Jh., wenngleich der Seehandel entlang der westafrikanischen Küste wiederum von den Europäern bestimmt wurde. Dieses globale System uberdauer te in seinen Grundstrukturen bis etwa zum Beginn der Unabhängigkeit Afrikas von den Kolonialmächten, woran sich die Aufteilung der Welt im Kalten Krieg anschloss. Nach dessen Ende, und wohl mehr noch nach der gegenwärtigen Krise, beginnt China seine Präsenz auszudehnen und an die alte Expansionsstrategie anzuknüpfen. Ob Afrika von dieser Expansion letztlich profitiert, oder einmal mehr als Lieferant für Rohstoffe und Arbeitskraft dient, wird die Zukunft zeigen. Die Konsequenzen dieses neuen »Quest for Africa« sind derzeit noch kaum absehbar.

Weitere Infos

D. Gronenborn (Hrsg.), Gold, Sklaven und Elfenbein. Mittelalterliche Reiche im Norden Nigerias. Begleitbuch zur Ausstellung im Römisch-Germanischen Zentralmuseum, 22. September 2011 bis 1. Januar 2012. Mosaiksteine. Forschungen am Römisch-Germanischen Zentralmuseum 8 (Mainz 2011).

Im Netz außerdem: »Eine Metall - schüssel erzählt von der frühen Globalisierung«