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WELTWIRTSCHAFT IM UMBRUCH


creditshelf - epaper ⋅ Ausgabe 4/2019 vom 22.11.2019

Handelskonflikte und Klimawende fordern Mittelstand heraus



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Er stellte die Fragen: Prof. Dr. Dirk Schiereck Mitglied des Aufsichtsrats creditshelf AG, Leiter des Fachgebiets Unternehmensfinanzierung TU Darmstadt


Märkte stehen niemals still, sondern befinden sich in ständigem Wandel. Deshalb müssen Unternehmen fortlaufend daran arbeiten, sich erfolgreich zu positionieren. Dabei können die markt- und geopolitischen Rahmenbedingungen die eigene wirtschaftliche Entwicklung entweder positiv oder negativ beeinflussen. Neben den klassischen Zukunftsthemen „Digitalisierung“ und „Fachkräftemangel“ haben sich in den letzten Monaten zusätzliche Veränderungen herauskristallisiert, die den Mittelstand vor große Herausforderungen stellen. Gemeinsam mit Dr. Matthias Holzamer, Mittelstandsexperte und Partner beim Beratungsunternehmen Roland Berger, beleuchten wir diese aktuellen Trends näher. Gibt es markante Trends, die die wirtschaftliche Entwicklung mittelständischer Unternehmen bedrohen?

Dr. Holzamer: Es gibt zwei große markt- und konjunkturbestimmende Themen, die sich speziell in den vergangenen Monaten hervorgetan haben: Deglobalisierung und Klimapolitik. Unter Deglobalisierung versteht man, dass sich einige Wirtschaftsnationen verstärkt auf den eigenen Binnenmarkt konzentrieren und zunehmend protektionistisch agieren. Diese Entwicklung wird maßgeblich durch die globalen wirtschafts- und geopolitischen Konflikte getrieben: Wir haben einen chinesisch-amerikanischen Handelsstreit sowie einen drohenden ungeregelten Brexit – um nur zwei Krisenherde zu nennen. Das schürt natürlich Unsicherheiten und hat letztendlich negative Auswirkungen auf die Exportumsätze der deutschen Unternehmen und insbesondere des Mittelstands. Der zweite markante Trend ist die Energiewende, welche durch die Fridays-for-Future-Bewegung eine neue Dynamik erlangt hat. Die Abkehr von fossilen Energieträgern wird auf jeden Fall mit erhöhten Kosten verbunden sein. Für innovative Unternehmen birgt die Energiewende sicherlich Chancen, aber es werden in vielen Unternehmen auch starke und mitunter kostenintensive Veränderungen in den Prozessen oder bei den Produkten anstehen.

Wie müssen sich Unternehmen anpassen, wenn sie weiterhin am Markt bestehen wollen?
Dr. Holzamer: Der Welt- und damit auch der Außenhandel verlieren aktuell an Bedeutung mit unklarem Ausgang. Die deutsche Wirtschaft muss dem drohenden Exportrückgang die Stirn bieten. Dafür sollten sich die Unternehmen auf ihre Wurzeln konzentrieren – sowohl was ihr Kerngeschäft als auch ihre Kernregion betrifft. Mit einem starken Binnenmarkt im Rücken lassen sich internationale Krisen leichter überstehen. Bezüglich der Klimapolitik sollten die Unternehmen sehr genau beobachten, welche Klimagesetzte verabschiedet werden und welche Änderungen dadurch auf sie zukommen. Die Firmen sollten ihre Wertschöpfungskette so anpassen, dass sie beispielsweise eine CO2-Bepreisung nicht aus der Bahn wirft. Ganz grundsätzlich muss sich der Mittelstand noch viel stärker auf weltwirtschaftliche Veränderungen vorbereiten und auch in Krisenzeiten schnelle Anpassungsfähigkeit beweisen.

Welche Branchen sind besonders betroffen?
Dr. Holzamer: Natürlich sind alle Branchen im steten Wandel – schließlich müssen sich alle Unternehmen an Marktentwicklungen anpassen. Allerdings beeinflussen die jeweiligen Trends die einzelnen Branchen unterschiedlich stark. Die Automobilbranche befindet sich beispielsweise gerade voll im Epizentrum. Die Energiewende und der Deglobalisierungstrend treffen diese Unternehmen extrem hart. Auch das produzierende Gewerbe rückt immer mehr in den Fokus, denn auch für diese Branche bergen Themen wie CO2-Bepreisung und Exportrückgang große Risiken.

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Dr. Matthias Holzamer


Dr. Matthias Holzamer ist Partner im Kompetenzzentrum „Restrukturierung, Performance, Transformation & Transaktion“ bei Roland Berger in Frankfurt. Er berät unter anderem mittelständische Unternehmen in den Bereichen Unternehmenstransformation, Restrukturierung und Unternehmensfinanzierung.

Dr. Matthias Holzamer

Roland Berger GmbH OpernTurm, Bockenheimer Landstraße 2-8 60306 Frankfurt am Main Deutschland

E-Mail: Matthias.Holzamer@rolandberger.com

Telefon: +49 69 29924-6401

Fax: +49-69-29924-6502

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