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Wenig Wind, große Flotte, mächtig Spaß!


Sportschipper - epaper ⋅ Ausgabe 10/2019 vom 27.09.2019

Die 50. Jubiläumsausgabe der Weser-Herbst-Regatta ist geprägt vom schwachen Wind. Schon bei den ersten Starts vor Bremen-Farge weht kaum mehr als ein laues Lüftchen. In Brake schaut Wettfahrtleiter Till Mester mit seinem schnellen Begleitboot „um die Ecke“ und sieht auch auf dem „langen Jammer“ spiegelglattes Wasser. Er verlegt die Ziellinie daraufhin vor die Getreidesilos.


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Große Flotte, wenig Wind: Die 50. Weser-Herbst-Regatta hatte ihren eigenen Charakter.


Nur anderthalb Stunden Wettkampfsegeln? Das hatten sich viele der 104 Crews anders vorgestellt, zumal der Wind dann hinter den Silos doch wieder kam. Janna Feuser und Maximilian Ehlken (WVH) konnten mit ihrem leichten 420er dem Feld vorausfahren. Janna Feuser: „Eigentlich hatten wir hinter Brake noch guten Segelwind. Wir sind jedenfalls bis Bremerhaven durchgesegelt.“ Am Ende reichte es für das Team zum zweiten Platz nach berechneter Zeit. Nur die Waarschip 570 „Weekend“ von Jens Hönig lag berechnet noch vor den Hemelingern.


50. Weser-Herbst-Regatta hatte viel zu bieten – außer Wind


Wettfahrtleiter Mester hatte wegen der Bahnverkürzung dann einige erklärende Gespräche zu führen: „Ich muss nach den Gegebenheiten entscheiden, die ich sehe, und habe dabei alle Segler im Feld im Blick zu behalten. Und wenn nach hinten heraus die Tide kippt, dann bekommen einige der langsamen Boote eventuell richtige Probleme, noch anzukommen.“

Lieber redet Mester über die Hundertermarke, die die Weser-Herbst-Regatta zum dritten Mal in Folge geknackt hat: „Wir hatten 120 für die 50. Weser-Herbst als Zielmarke ausgegeben. Aber über hundert Boote: Das soll uns doch erst einmal einer nachmachen.“

Für viele ist das erste September-Wochenende fest im Kalender geblockt: Jan-Dirk Grimm vom Wassersportverein Wulsdorf (WVW) ist mit einer jungen Crew und seiner X-99 „Xara“ als Wiederholungstäter unterwegs: „Wir hatten die ganze Zeit unseren grünweißen Spi oben und sind ziemlich weit vorne mitgefahren.“ Erst als ihn Motorboote bei Brake angetutet hätten, sei ihnen die Bahnverkürzung klargeworden: „Du achtest ja nicht ständig auf den Funk, wenn du Regatta fährst.“ Am Ende holt sich die „Xara“-Crew unter Skipperin Lenja Feuser den GFKK lassiker-Cup.

Sieger nach gesegelter Zeit wird allerdings die Melges 24 „Jinx“. Damit gewinnt Tillmann Wiese vom Weser Yacht Club Bremen auch das Blaue Band der Weser. Beim Family Cruiser Cup ist der Hemelinger Segellehrer Reiner Tesch mit seiner Nordic Famely vom WVH Spitze. Als schnellstes Mehrrumpfboot geht die Dragonfly 800 „Quintana“ von Niels Hellwig vom Verein Wassersport Vegesack (VWV) über die Ziellinie.

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Veranstaltungsleiter Jan-Dirk „JD“ Jung (links) und Wettfahrtleiter Till Mester versuchten alles, um den Seglern ein volles Regattaprogramm zu liefern.


Das Schleusen in Bremerhaven klappt reibungslos. Nach dem Anlegen bei den Wulsdorfern, Crewfotos, Ankommschluck sowie Bratwurst und Pommes an der Grillhütte kann die Party losgehen. Amelie Heidmann hat früh den Spruch gelernt „Segler machen die besten Partys“, muss sich mit 14 Jahren aber noch zurückhalten. Ihre Crew auf der Sprinta Sport „Wulsdorf“ ist ein gutes Beispiel für die ersten Gehversuche von Optiseglern auf einem Dickschiff. Peer Hosenfeldt (13) und die 15-jährige Steuerfrau Luna Schimmel kennt Amelie schon seit Jahren, nun sind sie aber zum ersten Mal zusammen gesegelt: „Dafür ging es ganz gut. Wir sind unter Spi vier Knoten schnell getrieben. Es war spannend, so zusammen auf dem Schiff zu arbeiten. Gefühlt gehen so alle Dinge viel schneller als im Opti.“ Für die „Wulsdorf“ reicht es am Ende zu einem respektablen 20. Platz.

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Amelie Heidmann, Luna Schimmel und Peer Hosenfeldt (von links) segelten erstmals zusammen und schlugen sich wacker.


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Die „Xara“-Crew mit Tim Hansen, Pia Ellerbeck, Jan-Dirk Grimm (Eigner), Lenja Feuser (Skipperin), Thore Jablonski, Ole Obst (von links) gewann den GFK-Klassiker-Cup.


Rückregatta wird zum Schlepp-verband der gesamten Flotte


Und die Party? Regattaleiter „JD“ Jan-Dirk Jung findet, sie sei angemessen für einen runden 50. Veranstaltungsgeburtstag gewesen. „Certain Souls“ heizen als angesagte Top-40-Band mächtig ein. Um zwei Uhr ist Schluss in der Halle, aber noch nicht auf allen Booten. Die Tide ist gnädig mit den Seglern: Die Sonntagstarts sind für 15 Uhr angesagt. Diesmal fährt Till Mester mit „JD“ Jung mehrfach auf Bremerhavens Fischereihafen-Südmole, um nach Wind zu suchen: „Aber da war kein Wind – nada. So habe ich Blexen-Reede zu dieser Jahreszeit überhaupt noch nicht gesehen.“ So geht es mit der Riesenflotte unter Motor zurück in die Heimathäfen. Und auch dazu würden Mester und Jung am liebsten Auszeichnungen verteilen: Solinge, Jugendkutter, alle Jollen finden Schlepperfahrer für den Törn zurück Richtung Bremen. Erst im Abendrot sind die letzten Boote wieder auf den Trailern und in den Boxen, nach ein wenig Sport und viel Spaß bei der 50. Weser-Herbst-Regatta. (Volker Kölling)

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Janna Feuser war mit ihrem 420er schnell unterwegs.


Ergebnisse

Gesamtwertung nach gesegelter Zeit: 1. „Jinx“, Tillmann Wiese (WYC Bremen), 2. „Alexis“, Michael Schlee (WVW), 3. „Schleudertrauma“, Philip Salomon (SCH)Gesamtwertung nach berechneter Zeit: 1. „Weekend“, Jens Hönig (WVW), 2. „MaJa“, Janna Feuser (WVH), 3. „Phoenix“, Frederick Nabor (SKWB)

Gruppensieger: Family Cruiser Cup I: „Northern Joy“, Bernhard Preperski (BYC);Family Cruiser Cup II: „Miss Sofie“, Reiner Tesch (WVH);GFK-Klassiker-Cup: „Xara“, Jan-Dirk Grimm (WVW);Yardstick 1: „MaJa“, Janna Feuser (WVH);Yardstick 2: „Weekend“, Jens Hönig (WVW);Yardstick 3: „Tabula rasa“, Nick Stoffel (WHK);Yardstick 4: „Elise“, Thomas Kützing (WVH);Yardstick 5: „WattSolls“, Sascha Berkenkamp (St Veit);Yardstick 6: „Walkabout“, Hartmut Tietje (WYC);Yardstick 7: „Xanthippe“, Finn Dordel (WYC);Yardstick 8: „Stormy Weather“, Claas Blanke (WSVA);Yardstick 9: „Zappalotte“, Maik Gütersloh (WVBL);Yardstick 10: „Jinx“, Tillmann Wiese (WYC Bremen);Yardstick 11: „Lola Anders“, Heiko Engelbart (SVB);ORC: „Trophyfee“, Thomas Holze (WYC)


Foto: Kölling

Fotos: Kölling

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