Lesezeit ca. 4 Min.

„Weniger reden und stattdessen mehr handeln“


Logo von Berliner Morgenpost
Berliner Morgenpost - epaper ⋅ Ausgabe 258/2022 vom 20.09.2022

Hannover. Auf Deutschlands Straßen dürfte es bald ruhiger werden. Denn der Brummi brummt in absehbarer Zeit nicht mehr. Die Elektromobilität kommt nach und nach auch bei den Lkw an. Karin Rådström, Chefin der Mercedes-Benz-Lkw-Marke vom weltgrößten Lkw-Bauer Daimler Truck, will die Entwicklung vorantreiben – und dabei die Männerbranche umkrempeln. Unsere Redaktion empfängt sie auf der weltgrößten Ausstellung für Nutzfahrzeuge, der IAA Transportation in Hannover.

Frau Rådström, Daimler Truck ist der größte Lkw-Hersteller der Welt – damit sind Sie aber auch für einen großen Anteil der Kohlendioxid-Emissionen verantwortlich. Warum dauert es so lange, bis der grüne Durchbruch bei Lkw kommt? Karin Rådström: Wir brauchen drei Dinge, um die Lkw zu elektrifizieren. Erstens: Wir brauchen die Produkte, also die Lkw selbst, und die Kunden, die diese kaufen. Zweitens: Wir brauchen grüne Energie, also grünen ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 1,99€
NEWS Jetzt gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Berliner Morgenpost. Alle Rechte vorbehalten.
Lesen Sie jetzt diesen Artikel und viele weitere spannende Reportagen, Interviews, Hintergrundberichte, Kommentare und mehr aus über 1050 Magazinen und Zeitungen. Mit der Zeitschriften-Flatrate NEWS von United Kiosk können Sie nicht nur in den aktuellen Ausgaben, sondern auch in Sonderheften und im umfassenden Archiv der Titel stöbern und nach Ihren Themen und Interessensgebieten suchen. Neben der großen Auswahl und dem einfachen Zugriff auf das aktuelle Wissen der Welt profitieren Sie unter anderem von diesen fünf Vorteilen:

  • Schwerpunkt auf deutschsprachige Magazine
  • Papier sparen & Umwelt schonen
  • Nur bei uns: Leselisten (wie Playlists)
  • Zertifizierte Sicherheit
  • Freundlicher Service
Erfahren Sie hier mehr über United Kiosk NEWS.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 258/2022 von Eigenes Entlastungspaket für Berlin. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Eigenes Entlastungspaket für Berlin
Titelbild der Ausgabe 258/2022 von Ein letztes Mal: Die ganze Welt verneigte sich vor Elizabeth II.. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Ein letztes Mal: Die ganze Welt verneigte sich vor Elizabeth II.
Titelbild der Ausgabe 258/2022 von Enkel Harry, der gedemütigte Prinz. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Enkel Harry, der gedemütigte Prinz
Titelbild der Ausgabe 258/2022 von „Bedauerlich, dass das Ticket viele Pendler ausschließt“. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
„Bedauerlich, dass das Ticket viele Pendler ausschließt“
Mehr Lesetipps
Blättern im Magazin
„Die Liebe ist stärker als der Krieg “
Vorheriger Artikel
„Die Liebe ist stärker als der Krieg “
Problemfall Wohnungsneubau
Nächster Artikel
Problemfall Wohnungsneubau
Mehr Lesetipps

... Wasserstoff oder grünen Strom. Und drittens brauchen wir die Infrastruktur. Wenn eine dieser Komponenten fehlt, wird die Transformation nicht kommen. Verglichen mit der Pkw-Branche fehlt es vor allem an der Ladeinfrastruktur für schwere Lkw. Viele Kunden zögern mit dem Kauf von Elektro-Lkw, weil sie Sorgen bezüglich der Ladesituation haben.

Wie kann sich das schnell ändern? Wir haben ein Henne-Ei-Problem: Kaum jemand will in die Infrastruktur investieren, solange die Lkw nicht auf der Straße sind. Niemand will aber einen Lkw kaufen, solange es keine Ladesäulen gibt. Wir haben uns mit Wettbewerbern zusammengeschlossen und investieren in die Infrastruktur. Anders geht es nicht schnell genug voran. Aber auch andere müssen jetzt vorangehen – auch die Regierungen. Ein Beispiel: Einer unserer Kunden wollte jüngst eine Ladestation in seiner Halle errichten. Das Genehmigungsverfahren dauerte neun Monate, weil zunächst der Elektrizitätsversorger, dann der Netzbetreiber und schließlich die Kommune zustimmen musste. Das muss alles viel schneller gehen.

Auch die grüne Energie ist nicht ausreichend vorhanden. Selbst Kohlekraftwerke werden jetzt wieder reaktiviert. Wird es genug Strom für Elektro-Lkw geben? Das ist eine Frage des Wollens. In den 60er-Jahren sind Menschen zum Mond geflogen und man tut nun so, als sei es eine unüberwindbare Herausforderung, Windund Solaranlagen zu bauen. Ich glaube, wir machen die Probleme manchmal größer, als sie sind. Weniger darüber reden und stattdessen mehr handeln würde helfen.

Zur Person

Karin Rådström ist die einzige Frau im achtköpfigen Vorstand von Daimler Truck, dem größten Lkw-Bauer der Welt. Die 43-Jährige ist zuständig für die Marke Mercedes-Benz Lkw und verantwortet zudem die Regionen Europa und Lateinamerika. Die Mutter zweier Kinder machte nach ihrem Studium an der Königlich Technischen Hochschule in Stockholm bei Scania Karriere, ehe sie 2021 zu Daimler Truck wechselte. Im Rudersport wurde Rådström in ihrer Profizeit unter anderem zwölffache schwedische Meisterin im Zweier und Fünfte der Weltmeisterschaften.

Wann wird der letzte Diesel-Lkw von deutschen Straßen verschwunden sein? Lkw werden hierzulande meist fünf bis sieben Jahre lang gefahren, ehe sie in andere Märkte kommen. Wenn wir hier die letzten Diesel-Lkw 2038 verkaufen, wird es also Mitte der 2040er-Jahre so weit sein, dass mehr und mehr Diesel-Lkw verschwinden. Aber es gibt auch Menschen, die ihre Lkw sehr viel länger fahren. Genau lässt sich das also nicht sagen.

Ihre Wettbewerber setzen zum Teil voll und ganz auf Elektro-Batterien. Warum fahren Sie zweigleisig mit Wasserstoff-Lkw? Wir werden sehen, welcher Weg sich durchsetzt. Ich sehe unseren Weg als Versicherung: Wir werden in beiden Bereichen sehr gut aufgestellt sein. Es wird unterschiedliche Anwendungen geben, für die unterschiedliche Antriebssysteme gefragt sein werden. Für besonders lange Strecken mit besonders schwerer Last hat der Wasserstoff-Lkw Vorteile. Am Ende entscheiden unsere Kunden rational. Sie werden auf die Energiekosten, den Anschaffungspreis und die Servicekosten achten und am Ende entscheiden, welche Technologie sich wo durchsetzen wird.

Lkw gelten als Krisenindikator. Droht der Abschwung, werden Bestellungen storniert. Nun wird viel über die drohende Rezession gesprochen. Brechen die Verkäufe schon ein? Natürlich legen wir derzeit ein besonderes Augenmerk auf die wirtschaftliche Entwicklung. Aber wir sehen noch keine Krisenindikatoren. Die Auftragsbücher sind voll, es werden immer noch viele Abschlüsse gemacht. Zumindest bei uns zeichnet sich ein Abschwung noch nicht ab.

Es mangelt derzeit an Fahrern. Kann mehr Komfort in den Lkw helfen? Ein jeder von uns als Konsument muss mehr für den Transport bezahlen, damit die Fahrer mehr Geld verdienen. Natürlich können wir die Lkw so angenehm wie möglich machen. Das ist unser Ziel. Der Lkw muss ein attraktiver Arbeitsplatz sein – ruhig, mit guten Assistenzsystemen und hohem Komfort. Die besseren Lkw werden auch die besseren Fahrer anziehen.

Wird der Transport teurer, werden auch die Produkte für Kunden teurer. Die Anschaffung eines neuen, komfortablen Elektro-Lkw ist heute noch teurer, kann sich aber nach rund fünf Jahren bereits rentieren. Am Ende wird es auch darauf ankommen, dass Kunden bereit sein werden, mehr für den klimaneutralen Transport zu zahlen.

Sie sind als Frau an der Spitze eines Lkw-Bauers noch immer die Ausnahme. Stoßen Sie auf Widerstände? Als ich 2004 in der Branche angefangen habe, gab es nahezu keine Frauen in Führungspositionen. Es bessert sich langsam – und das motiviert mich. Noch ist die Branche von Männern dominiert, aber ich hoffe wirklich, dass ich anderen Frauen zeigen kann, dass wir sie brauchen und dass es möglich ist, im Nutzfahrzeuggeschäft Karriere zu machen.

Studien zeigen, dass gemischte Teams erfolgreicher sind. Sehen Sie das auch? Diverse Teams treffen bessere Entscheidungen und sind damit wettbewerbsfähiger. Die wirtschaftliche Logik dahinter ist so groß, dass diverse Teams eine Selbstverständlichkeit sein sollten. Aber ich habe gelernt, dass eine Frauenquote in Deutschland ein sehr politisches Thema ist.

Sie waren Fünfte bei der Weltmeisterschaft im Rudern und mehrfache schwedische Meisterin. Was haben Sie aus dieser Zeit für Ihre Arbeit als Managerin mitgenommen? Die IAA ist das beste Beispiel, sie ähnelt der Vorbereitung auf ein Rennen: Man muss sich darauf konzentrieren, was wichtig ist, was ich beeinflussen kann. Das sind Eigenschaften, die ich als Athletin gelernt habe. Wenn ich im Ruderboot sitze und fit bin, mental und körperlich, dann spürt es das ganze Team. Wenn jemand mit im Boot sitzt, der nicht zu 100 Prozent fokussiert ist, dann kann ich rudern, wie ich will, es wird nicht gut ausgehen. Es geht im Team nicht darum, die Stärkste zu sein, sondern eine Einheit zu bilden und die anderen zu unterstützen. Das will ich auch im Unternehmen umsetzen.