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Weniger Steuern auf die Rente


Frau im Leben - epaper ⋅ Ausgabe 9/2021 vom 04.08.2021

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Viele Rentner zahlen doppelt Steuern, ohne dass sie dies bemerken.

Vor dem Bundesfinanzhof (BFH) haben die klagenden Rentner verloren. Trotzdem gibt es weitreichende Folgen?

Ja, die beiden Kläger haben verloren – andere und künftige Rentner dürften gewonnen haben. Im konkreten Fall konnten die Kläger nicht nachweisen, dass bei ihnen eine doppelte Besteuerung vorliegt. Viel wichtiger: Der BFH stellte klar: Der steuerfreie Teil der Renten muss anders berechnet werden; Grundfreibetrag und Sonderausgaben (wie Kranken- und Pflegeversicherung) dürfen nicht zum steuerfreien Betrag hinzugerechnet werden. Das bedeutet für viele geringere Steuern, denn der Teil der Rente, auf den Steuern zu zahlen sind, darf nicht doppelt versteuert werden – als Rente und zuvor als Gehalt, weil Arbeitnehmer nicht alle Rentenbeiträge absetzen konnten.

► Was hat das Gericht entschieden?

Dass die Finanzämter falsch gerechnet haben. Die haben Grundfreibetrag, ...

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... Sonderausgabenabzug für Kranken- und Pflegeversicherung und Pauschbeträge für Werbungskosten und Sonderausgaben eingerechnet und künstlich aufgebläht. Nun ist klar: Der wirklich steuerpflichtige Teil der Rente ist viel kleiner.

Kompliziertes System Die doppelte Besteuerung kann entstehen, weil die Berechnung der Steuern umgestellt wird: Gezahlte Renten-Beiträge sind absetzbar, ein immer höherer Teil der Rente muss versteuert werden. Doch die beiden Dinge sind nicht deckungsgleich. 80

► Wer kann Geld zurückfordern?

Zunächst betrifft das Urteil die 140 000 Rentner, die wegen Doppelbesteuerung Einspruch gegen ihre Steuerbescheide einlegten. Das Finanzministerium kündigte an, die Steuer neu zu berechnen.

► Wie viel Geld gibt es zurück?

Das lässt sich nicht pauschal sagen. Auch künftig muss für jedes Jahr, in dem man Rentenbeiträge zahlte, geschaut werden, wie viel davon versteuert wurde. Das wird mit dem verglichen, was man voraussichtlich in Rente steuerfrei beziehen wird. Beispiel: Eine Frau, die 2020 in Rente ging, muss von

Was tun, wenn Sie ...

... in Rente sind und Einspruch eingelegt haben: Nichts, sondern die Neu-

Berechnung des Finanzamtes abwarten.

... in Rente sind und keinen Einspruch eingelegt haben: Dann hängt es davon ab, ob Sie für 2020 schon Ihre Steuererklärung abgegeben haben. Ist dies noch nicht der Fall, dann abwarten und die Steuererklärung möglichst spät (Frist 31. Oktober) abgeben, um bis dahin die Reaktion des Finanzministeriums abzuwarten. Wenn Sie die Erklärung abgegeben, aber noch keinen Bescheid erhalten haben, dann auf den Bescheid Widerspruch einlegen. Und wenn Sie den Steuerbescheid für 2020 gerade erst erhalten haben, dann sofort Widerspruch einlegen.

... noch berufstätig sind: Dann können Sie im Moment noch nichts tun, sondern erst mit dem Rentenbeginn bzw. der ersten Steuererklärung in Rente.

20.000 Euro Jahres-Rente dank des Steuerfreibetrags 20 %, also 4000 Euro, nicht versteuern. Das ergibt über 17 Jahre (voraussichtliche Dauer ihres Rentenbezugs) 68.000 Euro, die sie steuerfrei erhält. Hat sie im Erwerbsleben mehr Beiträge als diese 68.000

Euro aus versteuertem Einkommen gezahlt? Im Ergebnis kann es sein, dass es gar keine Erstattung gibt, weil keine Doppelbesteuerung vorlag. So ging es auch den klagenden Rentnern vor dem BFH (Az.: X R 20/19 u. X R 33/19).

► Kann man selbst erkennen, ob die Rente doppelt besteuert wird?

Nein, das ist zu kompliziert. Denn als Rentner muss man mindestens so viel Rente steuerfrei erhalten, wie man während des Arbeitsle-bens steuerpflichtig in die gesetzliche Rente gezahlt hat.

► Wann ist die doppelte Besteuerung wahrscheinlich?

Vereinfacht gesagt: Wenn Rentner selbstständig, männlich und ledig sind und erst kürzlich in Rente gingen, ist die Wahrscheinlichkeit höher. Und: Freiwillig gesetzlich versicherte Selbstständige sind auch eher betroffen, weil bei ihnen, anders als bei Angestellten, keine steuerfreien Arbeitgeber- Anteile in die Rente eingeflossen sind. Ledige wiederum können nur den einfachen statt des doppelten Grundfreibetrags (wie gemeinsam veranlagte Ehepaare) geltend machen; und bei Männern führt die statistisch niedrigere Lebenserwartung dazu, dass sie weniger Geld aus der gesetzlichen Rente erhalten als gleichaltrige Frauen.

„Wir schlagen vor, den Systemwechsel so zu strecken, dass erst 2070 statt 2040 die volle Besteuerung der Renten stattfindet

Isabel Klocke, Bund der Steuerzahler

► Was tun, wenn man noch nicht in Rente ist? Allen Steuerbescheiden künftig widersprechen?

Das bringt nichts. Erst wenn man Rente erhält, gilt man als Betroffener. Denn eine Gesamt-Rechnung lässt sich erst dann anstellen, wenn der erste Steuerbescheid nach Renteneintritt vorliegt, wenn also gezahlte Rente bzw. steuerpflichtige Rente und gezahlte Renten-Beiträge verglichen werden.

Sobald das der Fall ist, den Steuerbescheid prüfen lassen. Profitieren werden vom Urteil vor allem alle, die unter 48 sind, weil sie später keinen Steuer-Freibetrag mehr haben.

► Warum betrifft es gerade die Jahrgänge ab 1973?

Weil alle Rentner-Jahrgänge ab 2040 ihre Rente voll versteuern müssen, sie aber nur für einen Teil dieser Zeit, nämlich die Jahre ab 2025, ihre Rentenbeiträge voll steuerlich absetzen konnten. Das ist der Konstruktions-Fehler der heutigen Rentensteuer – die Übergangsfrist ist zu kurz.

DAS PROBLEM Wer z. B. 2040 in Rente geht, muss 100 % der Rente versteuern, konnte aber nur 15 Jahre, zwischen 2025 und 2040, 100 % der Rentenbeiträge absetzen. Das heißt (ausgehend z. B. von 40 Beitragsjahren): Die Rente aus 25 Beitragsjahren muss zwar voll versteuert werden, es konnten aber nicht alle Rentenbeiträge abgesetzt werden, sondern die Rente für diese 25 Jahre stammt zum Teil aus versteuertem Einkommen – die klassische Doppelbesteuerung. Das gilt analog für alle Jahrgänge.