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Wenn aus Kunden Gäste werden


TASPO - epaper ⋅ Ausgabe 17/2018 vom 28.04.2018

Kunden bekommen in vielen Geschäften mittlerweile weit mehr geboten als das jeweilige Fachsortiment. Eine wachsende Zahl an Händlern setzt auf gastronomische Angebote und Events. Eine vom EHI veröffentlichte Studie zeigt, wohin es geht: Event & Gastronomie als jahrrunder Frequenzbringer.


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Bildquelle: TASPO, Ausgabe 17/2018

Bei Grönfingers ist das Café zentral und prominent im Gartencenter integriert.


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Bei einem jährlichen Bruttoumsatz der Handelsgastronomie von derzeit über neun Milliarden Euro plant der Handel auch zukünftig zu investieren – an erster Stelle steht dabei der Ladenbau, sagt ein Großteil der Händler, die im Rahmen der ...

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... EHI-Studie „Handelsgastronomie in Deutschland 2018“ befragt wurden.

Mehr Geld für Genuss

Ein modernes Ambiente mit Wohlfühl-Atmosphäre möchten Handelsunternehmen ihren Kunden bieten und dabei einen möglichst individuellen Gesamteindruck hinterlassen. Dafür planen 82 Prozent der Befragten, kurz- bis mittelfristig in Ladenbau-Maßnahmen zu investieren. Hier ist auch die Ausstattung relevant, die im direkten (Sicht-)Kontakt zum Kunden steht, wie beispielsweise die Kühltechnik und -theken (59 Prozent) oder Frontcooking-Einheiten (55 Prozent). Andere Schwerpunkte sind Digitalisierung und Software wie Warenwirtschaftssysteme (59 Prozent). Dass sich der Aufwand lohnt, steht für 74 Prozent der Interviewten außer Frage – sie messen der Handelsgastronomie eine hohe oder sehr hohe Bedeutung bei.

Wie die Studie weiter zeigt, beträgt der Durchschnittsbon eines Kunden für handelsgastronomische Angebote 6,67 Euro. Dabei liegt der Lebensmittelhandel mit 6,88 Euro pro Gast vorn, wohingegen sich der Nonfood-Handel derzeit bei 6,47 Euro bewegt. Neben dem Umsatz, den Handelsgastronomie bringt, ist für Händler die höhere Loyalität der Kunden ein wichtiges Argument. Ähnliches gilt für Gartencenter. Zahlen zur Höhe des Durchschnittsbons sind hier aber wenig aussagekräftig. „Entsprechend der unterschiedlichen Angebote (Mittagessen ja/nein) gibt es sehr große Unterschiede“, erklärt Peter Botz, Geschäftsführer Verband Deutscher Garten-Center. Weiterhin gebe es in der Gartencenter-Gastronomie deutlich höhere Umsätze, wenn bedient wird, weil mehr Getränke verkauft werden.

Einkaufen als Freizeitbeschäftigung

Mit verschiedenen Events wie Themenabenden zu Wein, Whiskey oder Käse können außerdem frequenzschwache Tage belebt werden. „Einkaufen wird immer mehr zur Freizeitbeschäftigung und Geschäfte übernehmen verstärkt soziale Funktionen als Treffpunkte für Menschen“, so Olaf Hohmann, Geschäftsleitung und Leiter des Forschungsbereichs Handelsgastronomie beim EHI. „Gastronomie ist deshalb für viele Händler Teil eines ganzheitlichen Ansatzes, verbunden mit einer Investition in die Zukunft ihres Unternehmens“.

Erfolgsmodelle im Gartencenter

Café und Gastronomie sind mittlerweile wichtige Frequenzbringer und Umsatz-träger auch im Gartencenter. Eckhard Heinemann vom Gartenfachmarkt Grönfingers in Rostock erklärt sein Erfolgsrezept: „Unser Grundsatz lautet bei allem, was wir bei Grönfingers tun: Wenn wir etwas machen, dann richtig. Dies gilt auch für das „café botanica“, das die Unternehmensphilosophie ergänzt und spiegelt. Wir verstehen uns als Gastgeber unserer Kunden und haben das Café an einem zentralen Punkt und prominent in das Gartencenter integriert. Der Kunde soll nicht nur in einer natürlichen Umgebung entspannt einkaufen, stöbern und staunen, sondern neben botanischen auch kulinarische Entdeckungen erfahren und sich verwöhnen lassen.“

Tipp

Erfahren Sie mehr über Trends, Strategien und Herausforderungen in der Handelsgastronomie in Deutschland bei der Premiere des EHI Handelsgastronomie Kongresses am 26./27. Juni 2018 in Düsseldorf.


„Einkaufen wird immer mehr zur Freizeitbeschäftigung und Geschäfte übernehmen verstärkt soziale Funktionen als Treffpunkte für Menschen.“
Olaf Hohmann, Geschäftsleitung und Leiter des Forschungsbereichs Handelsgastronomie beim EHI


Die meisten gastronomischen Einrichtungen in deutschen Gartencentern sind Self-Service-Einrichtungen in Bistro-Art. Grönfingers setzt hingegen auf Vollservice. Dem Kunden wird eine Küche a la carte mit frisch zubereiteten Speisen und Snacks, Torten vom Rostocker Konditor und selbst gemachte Produkte aus der Region angeboten wie Satower Säfte oder Mecklenburger Honig, die nicht nur vor Ort auf den Tisch kommen, sondern auch in der Genussabteilung im Kassenbereich angeboten werden. Die Auswahl reicht vom Frühstück über hauseigene Kreationen wie „Grönis Wildkräutersalat“ bis hin zu regionalen und saisonalen Spezialitäten. Der Kaffee ist fair gehandelt und Tee, Getränke und Speisen oder deren Zutaten stammen bevorzugt aus regionaler und Bio-Produktion.

„Die Kompetenz in der Gastronomie haben wir uns mit aktiver Hilfe kollegialer Freunde aus dem Kreis des Verbandes Deutscher Garten-Center über mehrere Jahre erarbeitet“, so Heinemann weiter. „Da in der Regel überwiegend nur zwei Personen an einem Tisch sitzen, haben wir nun entlang der Flaniermeile den Boulevard-Charakter des Cafés durch Zweiertische mit großzügigen Tischplatten verstärkt.“ So finden mehr Personen als in der Vergangenheit einen Platz, die das Café-Angebot nutzen wollen. „Unsere grüne Kompetenz haben wir auch bei der Umgestaltung gespielt und eine grüne Vertikalwand als optische Trennung zwischen Café- und Kinderspielbereich aufgestellt.“

Im diesjährigen kalten März erwies es sich als vorteilhaft, dass die Gastronomie als eigenständiges Erlebnisthema ein Frequenzbringer ist. „Je unabhängiger ich mich vom Thema Pflanzen mache, desto unabhängiger bin ich von den Jahreszeiten“, lautet der Erfahrungswert bei Grönfingers.

Dauerhaft attraktiv sein

Im Gartencenter Mencke ist das Café ebenfalls ein wichtiges Kriterium, um als Gartencenter dauerhaft attraktiv zu sein und die Zukunft des Gartencenters zu sichern – denn seinen reinen Bedarf kann der Kunde nach Worten von Geschäftsführer Heiko Mencke inzwischen in allen Bereichen, von der Stecknadel über Lebensmittel bis hin zur kompletten Inneneinrichtung, online abdecken. „Ein Café ist aber ein Ort, wo man hingehen muss, weil Essen und Trinken, sei es der kleine Appetit oder der große Heißhunger, Bedürfnisse sind, die der Kunde unmittelbar stillen will, ohne auf eine Lieferung warten zu müssen.“

Im Café Pusteblume kann der Kunde sein Einkaufserlebnis mit einem ausgiebigen Frühstück starten. Von Montag bis Samstag bietet das Gartencenter einen kleinen Mittagstisch bestehend aus wechselnden Suppen, Eintöpfen und Quiches an. Abgerundet wird das Angebot am Nachmittag mit Kuchen, der wie alle anderen Speisen selbst zubereitet wird. Zusätzlich bietet Mencke Freitag und am Wochenende frisch gebackene belgische Waffeln, mit Sahne, heißen Kirschen und Vanille-Eis.

„Für mich ist ein Café eines der wichtigsten Kriterien, um dauerhaft als Gartencenter für die Kunden attraktiv zu sein. Der Kunde kann die Qualität eines Kuchens übrigens besser beurteilen als die Qualität einer Pflanze.“ Daher müssen die angebotenen Kuchen, Torten und Speisen Spitzenklasse sein. Schon alleine deswegen, weil der Kunde mit der Qualität des Cafés auch die Qualität der anderen Waren im Gartencenter in Verbindung bringe. Ein ganz wichtiger Punkt aufgrund dieser Wechselwirkung ist es daher auch, dass das Gartencenter das Café selbst führt und betreibt. „Denn damit stehe ich automatisch an einer wichtigen Schlüsselstelle als Gastgeber im Kontakt mit dem Kunden. Diese Kernkompetenz, auch wenn man sie sich erarbeiten muss, ist eine Investition, die sich auf alle Fälle auszahlt“, hebt Mencke hervor. Oft reichen ein gutes Angebot an Kaffeespezialitäten, eine kleine Karte und ein dafür liebevoll geführter Cafébetrieb schon aus. „Besser an der Menge sparen und lieber etwas leckeres, saisonales und regionales anbieten.“


„Wir verstehen uns als Gastgeber unserer Kunden und haben das Café an einem zentralen Punkt und prominent in das Gartencenter integriert.“
Eckhard Heinemann, Gartenfachmarkt Grönfingers


Fazit

Heiko Mencke zieht ein Fazit: „Handelsplätze werden immer mehr zum so genannten dritten Ort, als Ort der Begegnung von Menschen, egal ob Händler oder Kunde. In diesem Bereich ist der Bedarf vorhanden, ausbaubar und wird weiter wachsen. Online ist gut und praktisch, aber nur Handels- und Marktplätze sind Emotion. Das ist unser großes Plus und die Karte, die wir spielen können.“

Die Autorin

Claudia Kordes , Dipl.-Journalistin, Marketingberaterin, gelernte Baumschulgärtnerin