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Wenn das Handy süchtig macht


PC Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 9/2021 vom 05.08.2021

NOMOPHOBIE

Artikelbild für den Artikel "Wenn das Handy süchtig macht" aus der Ausgabe 9/2021 von PC Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: PC Magazin, Ausgabe 9/2021

94 % aller Smartphone-Besitzer nutzen ihr Gerät täglich.

89 % aller Deutschen besitzen ein Smartphone.

50 % der 18- bis 24-Jährigen checken ihr WhatsApp stündlich.

Bei jedem Benachrichtigungsgeräusch aufs Smartphone schauen, beim Warten an der Bushaltestelle durch Social-Media- Feeds scrollen oder vorm Schlafengehen noch schnell die Neuigkeiten des Tages in der Nachrichten-App lesen: Smartphones spielen eine derart zentrale Rolle im Alltag wie kaum eine andere Technologie.

Der durchschnittliche Nutzer verbringt 3,7 Stunden pro Tag am Smartphone. Bei Jugendlichen ist der Smartphone-Konsum mit durchschnittlich 5,8 Stunden täglich sogar noch höher. Ist das noch gesund? Studien zu diesem Thema legen nahe, dass sich viele Menschen mit einer derart intensiven Smartphone-Nutzung in einem problematischen Bereich bewegen, sodass es sogar gesundheitsgefährdend sein kann.

Körperliche und seelische ...

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... Beschwerden

Medizinische Untersuchungen zeigen etwa, dass die exzessive Smartphone-Nutzung zu körperlichen Symptomen führen kann, etwa dem Handy-Nacken oder dem SMS-Daumen. In der Fachzeitschrift The Lancet berichtete die spanische Ärztin Ines Fernandez-Guerrero nun sogar von einem neuen Phänomen, der WhatsApp-itis. Damit diagnostizierte sie eine ihrer Patientinnen, die nach intensiver WhatsApp-Nutzung eine starke Sehnenentzündung in beiden Daumen aufwies.

Doch der übermäßige Smartphone-Konsum hat nicht nur körperliche Folgen. Er kann auch in ein Suchtverhalten abrutschen. Experten nennen das Nomophobie oder Nomophobia (NO MObile PHone PhoBIE), also die Angst davor, ohne Smartphone zu sein. Häufig hört man auch den Ausdruck Smartphone-Sucht.

Handykonsum jetzt eindämmen!

Diese Tipps helfen Ihnen dabei, seltener aufs Handy zu schauen.

✔ Um die Uhrzeit zu wissen, eine Armbanduhr tragen.

✔ Benachrichtigungen von Anwendungen ausschalten.

✔ Zeitfresser-Apps vom Smartphone löschen.

✔ Social Media lediglich am Desktop-Computer oder Laptop checken.

✔ Zuhause Smartphone-freie Räume und Zeiten einrichten.

✔ Wenn man sich konzentrieren muss: Smartphone ausschalten und in einen anderen Raum legen.

38 % der Smartphone-Besitzer glauben, dass sie ihr Gerät zu häufig nutzen.

31 % verspüren den Zwang, dauerhaft auf ihr Smartphone zu schauen.

Dieser Begriff ist etwas irreführend, da die Betroffenen in der Regel nicht nach dem Gerät süchtig sind, sondern vielmehr nach bestimmten digitalen Inhalten darauf, insbesondere Social-Media-Anwendungen.

Dennoch ist es auch die Beschaffenheit des Smartphones als kleiner mobiler Computer, der den übermäßigen Konsum begünstigt.

Bislang ist Nomophobie allerdings keine anerkannte klinische Diagnose. Dennoch gibt es Parallelen zu Suchterkrankungen wie Alkoholismus oder Spielsucht. So definiert die aktuelle Ausgabe des Diagnosehandbuchs (ID-10) sechs Kriterien zur Diagnose einer Abhängigkeit.

1 Ein starker Wunsch oder Zwang, etwas zu konsumieren.

2 Verminderte Kontrollfähigkeit darüber, wann der Konsum begonnen oder beendet wird.

3 Ein körperliches Entzugssyndrom bei Beendigung oder Reduzierung des Konsums.

4 Steigende Toleranz: Es ist ein zunehmend höherer Konsum erforderlich, um den Konsumzwang zu stillen.

5 Fortschreitende Vernachlässigung anderer Interessen zugunsten des Konsums.

„Die Nutzung des Smartphones ist vielen von uns in Fleisch und Blut übergegangen“

Christian Montag, Professor für Molekulare Psychologie, Universität Ulm

Bin ich gefährdet? – Erste Anzeichen

Wenn Sie folgendes Verhalten bis sich beobachten, sollten Sie über Ihren Handy-Konsum nachdenken. Hilfe finden Sie bei speziellen Anlaufstellen (siehe Kasten rechts unten).

✔ Nach bereits wenigen Minuten ohne Smartphone stellt sich Unruhe, Gereiztheit oder Nervosität ein

✔ Auch offline kreisen die Gedanken stets um das Smartphone und um Internetanwendungen.

✔ Es fällt schwer, die Dauer des Konsums zu kontrollieren.

✔ Hobbys und Freunde werden vernachlässigt.

6 Anhaltender Konsum, trotz negativer körperlicher oder psychischer Folgen. Viele dieser Kriterien treffen durchaus auch auf den Smartphone-Konsum vieler Menschen zu. So erklärt Christian Montag, Professor für Molekulare Psychologie an der Universität Ulm: „Als Symptome der problematischen Smartphone-Nutzung werden unter anderem diskutiert: Kontrollverlust über die eigene Smartphone-Nutzung, Produktivitätseinbußen durch die Smartphone-Nutzung und ständige gedankliche Beschäftigung mit dem Gerät, auch wenn ich es gerade nicht nutze.“

Apps sind so gestaltet, um Nutzer zum übermäßigen Konsum zu verleiten

Christian Montag erforscht seit Jahren, wie sich die Digitalisierung auf die menschliche Psyche auswirkt. Er glaubt, dass insbesondere die Beschaffenheit von Social-Media- Apps übermäßigen Smartphone-Konsum sogar fördern: „Diese Applikationen verdienen ihr Geld zumeist via eines Datengeschäftsmodells. Die Nutzer zahlen also mit ihren Daten. Die App-Entwickler haben im Umkehrschluss ein Interesse daran, Apps zu entwickeln, die auf eine Verlängerung der Verweilzeit auf den Apps abzielen.“

Wer besonders anfällig für übermäßigen Smartphone-Konsum ist, lässt sich schwer verallgemeinern. Denn verschiedene Anwendungen ziehen unterschiedliche Persönlichkeiten an. Studien haben gezeigt, dass introvertierte, verschlossenere und konfliktfreudigere Menschen verstärkt zu einer Twitter-Sucht neigen. Extrovertierte, emotional labilere Menschen wiederum werden besonders häufig süchtig nach Instagram.

So gibt es bislang auch noch keine einheitliche Diagnosemethode für Nomophobie. „Tatsächlich müssen mehrere Symptome beobachtet werden. Wir haben dafür mehrere Plattformen entwickelt, wo wir im Sinne einer Selbstreflexion anbieten, die eigenen Tendenzen mit den Werten von anderen anonym vergleichen zu können“, sagt Christian Montag.

Mit Apps den Smartphone- Gebrauch reduzieren?

Eine dieser Plattformen ist SCAVIS (Stepped Care Ansatz zur Versorgung Internetbezogener Störungen). Die Forschungsinitiative rund um verantwortungsbewusste Internetnutzung wird vom Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses gefördert. Teil der Initiative ist auch die smart@net-App, bei der Nutzer ihr eigenes Smartphone-Verhalten analysieren können.

Tatsächlich gibt es eine wachsende Zahl von Applikationen, die sich mit dem Thema Nomophobie beschäftigen. Besonders beliebt sind Apps, die dabei helfen, den Smartphone-Konsum zu kontrollieren.

Dazu gehören beispielsweise Selbstanalyse-Apps wie Quality Time, Menthal oder

Offtime, die am Tagesende die Smartphone- Nutzung bilanzieren. Andere Applikationen, zum Beispiel Stay Focused, sperren bestimmte Anwendungen für einen festgelegten Zeitraum.

Das Smartphone aus dem Zimmer bringen

Dieses Angebot zeigt, dass sich viele Menschen darüber bewusst sind, dass sie ihre Smartphones zu häufig nutzen. Nach einer aktuellen Umfrage der Beratungsagentur Deloitte zur Smartphone-Nutzung in Deutschland sagten 38 Prozent der Befragten, dass sie ihre eigene Smartphone- Nutzung als zu hoch einschätzen. Um die Nutzung einzuschränken, können Apps helfen. Wirksamer sei aber eine allgemeine Verhaltensänderung in der Nutzung der Geräte, sagt Christian Montag. „In Phasen benötigter Konzentration würde ich das Smartphone tatsächlich aus dem Zimmer bringen. Gleiches gilt auch für das Schlafzimmer, sodass wir hier einen Raum haben, in dem wir zur Ruhe kommen können.“