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Wenn der Frühlings- wind weht


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Land Zauber - epaper ⋅ Ausgabe 58/2022 vom 09.11.2022
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Bildquelle: Land Zauber, Ausgabe 58/2022

Anemonen

Sie sprießen licht aus Waldesnacht, Ohne reichen Duft, ohne Farbenpracht, Unter den großen, alten Bäumen, Über das Moos wie fluthend Träumen: Wann der Wind vorüber streicht, Neigen sie ihre Köpfchen leicht, Aber wo die Sonne licht Durch die Blätterkronen bricht, Saugen sie all‘ das goldige Scheinen Sehnsuchtsvoll in den Kelch, den kleinen. So blühen sie scheu, ohne Glanz und Pracht: Die lichten Kinder der Waldesnacht.

Therese Dahn (1845–1929)

Regt sich nach dem Winter in Wald und Flur neues Leben, sind auch Vertreter unserer heimischen Windröschen als Frühlingsboten mit von der Partie. Von »anemos«, dem griechischen Begriff für Wind, leitet sich ihr botanischer Gattungsname Anemone ab. In der griechischen Mythologie verkörpern die Anemoi Windgottheiten. Eine von ihnen ist Zephyros, ein milder Wind aus Westen, der u. a. als Frühlingsbringer gilt. In der Kunst tritt ...

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... dieses laue Lüftchen des Öfteren als Zephir in Erscheinung. Der antike Turm der Winde in Athen wird von acht Reliefs der verschiedenen Windgötter geschmückt. Zephyros ist dort als Jüngling mit einem Manteltuch voller Blumen dargestellt.

Windröschen

Sowohl die meist weiß blühenden Busch-Windröschen (Anemone nemorosa) als auch die Gelben Windröschen (Anemone ranunculoides) sind alteingesessene Bewohner unserer Wälder. Sie zählen zu den Hahnenfußgewächsen. Dürfen sie ungestört wachsen, bilden sie mit der Zeit oftmals hübsche Blatt- und Blütenteppiche, die allerdings nur für die kurze Zeit des beginnenden Frühlings ihren Zauber entfalten und in den Folgemonaten allmählich wieder verschwinden. Eine blassgelb blühende Naturhybride, also eine ohne menschliches Zutun entstandene Kreuzung, ging aus den beiden genannten Arten hervor. Diese wurde nach ihrem ersten Fundort im Leipziger Raum auf den Namen Leipziger Windröschen getauft und ist meist unter der botanischen Bezeichnung »Anemone x lipsiensis« im Handel erhältlich.

Der achteckige Turm der Winde wird als besterhaltenes antikes Bauwerk Athens angesehen. Die Reliefs von acht Anemoi, den Windgottheiten der griechischen Mythologie, zieren seine Außenwände. Zephyros, der den milden Westwind verkörpert, ist dort als Jüngling mit einem Manteltuch voller Blumen dargestellt. Er wurde u. a. als Frühlingsbote und »Reifer der Saaten« verehrt und gilt auch als Vater der beiden unsterblichen Rösser Xanthos und Balios, die dem Sagenhelden Achilles gehörten und so schnell wie der Wind galoppieren konnten. Nach »anemos«, dem griechischen Begriff für Wind, erhielten die Windröschen ihren botanischen Gattungsnamen Anemone.

Leipziger Windröschen

Kommen Anemone nemorosa (Busch-Windröschen) und Anemone ranunculoides (Gelbes Windröschen) an einem Naturstandort gemeinsam vor, so entwickelt sich dort manchmal aus diesen beiden Arten ohne menschliche Einflussnahme eine blassgelb blühende Kreuzung, die Eigenschaften beider Elternteile in sich vereint. Nach der Gegend, in der eine solche Naturhybride zuerst gesichtet wurde, nämlich im Leipziger Auwald, erhielt sie ihren Namen Leipziger Windröschen. Vom Leipziger Windröschen werden inzwischen einige Gartenformen angeboten, wie z. B. Anemone x lipsiensis Pallida, Schwefelfeuer oder Sioux. Die Bezeichnung »lipsiensis« bedeutet soviel wie »aus Leipzig«.

Zarte Farben, schöne Formen

Für Gärtner, die das Besondere suchen, gibt es zahlreiche Windröschen-Sorten, die sich im Lauf der Zeit aus den beiden Wildarten entwickelt haben und die sich durch interessante Blütenformen oder durch ihre von der Norm abweichenden Blütenfarben auszeichnen. Bei manchen sind auch die Laubblätter besonders dunkel gefärbt, was einen schönen Kontrast zur hellen Blüte ergibt. Es existieren beispielsweise gefüllte oder halb gefüllte Gartenformen des Busch-Windröschens. Einige blühen in einem deutlichen Blauton und wieder andere sind je nach Sorte mehr oder weniger rosa überhaucht. Mit dezentem Blassgelb bringen verschiedene Varianten des Leipziger Windröschens eine weitere zarte Farbnuance ins Spiel und das Gelbe Windröschen überrascht mit diversen gefüllt und halb gefüllt blühenden Versionen in kräftigem Goldgelb.

Windröschen im Garten

Ein Gartenplatz, der den Windröschen zusagen könnte, findet sich beispielsweise an Stellen, wie sie häufig in der Nähe von Laubbäumen oder Sträuchern vorkommen. Im Frühling lieben die zierlichen, etwa 10 cm bis 20 cm hohen Pflanzen viel Licht, während der Standort im Sommer durch das inzwischen vollständig entwickelte Blattwerk

schattiger ist. Als Kinder des Waldes brauchen die Windröschen einen ausreichend feuchten Untergrund sowie lockeren, humosen Boden, der gern auch mit verrottendem Laub durchsetzt sein darf. Im Gegensatz zu vielen anderen Frühjahrsblühern haben Gelbe, Leipziger und Busch-Windröschen keine Zwiebeln, sondern Rhizome. Sie werden liegend eingepflanzt, bleiben ganzjährig im Boden und lassen sich auch teilen, wenn eine Weitervermehren und ein Versetzen an andere Orte gewünscht sind. Wichtig ist, dass die Windröschen so selten wie möglich durch das Bearbeiten des Bodens gestört werden. Sie wollen in Ruhe wachsen und können sich, wenn der Standort passt, bestens um sich selbst kümmern. Die Hauptblütezeit liegt im März/April, wobei der Blühbeginn der Sorten oft etwas später liegt als bei den Wildarten. Nach ihrem bezaubernden Auftritt ziehen sie sich peu à peu ins Erdreich zurück, sodass im Verlauf des Jahresnichts mehr von ihnen zu sehen ist. Erst der milde Wind des kommenden Frühlings wird sie dann erneut ans Licht locken.