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Wenn der Motor streikt


segeln - epaper ⋅ Ausgabe 120/2021 vom 08.11.2021

PRAXIS

Motorwartung

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Werften wie beispielsweise Hallberg-Rassy legen immer mehr Wert auf gut zugängliche Motorräume

Der Motor arbeitet an Bord eines Schiffes in einer für ihn lebensfeindlichen Umgebung. Salziges Seewasser, Krängung und Bewegungen in alle erdenklichen Richtungen liegen weit jenseits der Idealbedingungen für einen Dieselmotor. Noch dazu wird der Motor nicht immer ausreichend warm. Die kurze Zeit während des An- und Ablegens reicht oft nicht aus, den Motor auf Betriebstemperatur zu bringen. Und dennoch verrichten in einigen Booten noch immer Aggregate den Dienst, die bereits seit 40 Jahren das Boot durch die Flaute schieben. Mit regelmäßiger Wartung und auch der Bereitschaft, den Motor gründlich überholen zu lassen, können Bootsdiesel in der Regel über Jahrzehnte hinweg arbeiten. Doch die Beziehung der Skipperin oder des Skippers zum Motor gestaltet sich kompliziert. Bootsmotoren besitzen die Eigenschaft, in den ungünstigsten Momenten auszugehen oder nicht mehr anspringen zu ...

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... wollen.

Der Motor kann noch so passioniert gewartet worden sein, wenn es bei rauer See darauf ankommt, traut kaum ein Skipper seinem Motor und hat im Kopf bereits einen Ausweichplan zurechtgelegt, falls der Diesel den Dienst quittiert.

Die häufigste Fehlerquelle für einen Ausfall ist beinahe schon banal: die Kraftstoffversorgung. Ein ganz leerer Tank ist es zwar selten, doch eine Verkettung von Umständen führt schließlich zu einem Ausfall des Motors. So kann bereits ein Tank mit einigen Litern Restinhalt dazu führen, dass die Kraftstoffpumpe Luft ansaugt. Grund hierfür sind starke Bootsbewegungen, die verursachen, dass der Diesel kurzzeitig die Saugleitung nicht mehr bedeckt. Kleine Mengen an Luft in der Leitung äußern sich in der Regel in Schwankungen der Motordrehzahl, die ein plötzliches Stoppen der Maschine ankündigen. Daher beugt bereits regelmäßiges Tanken dem Motorausfall vor.

Seit einigen Jahren bekommen Dieselmotoren zudem Probleme mit der Dieselpest. Die verantwortlichen Mikroben leben in Diesel mit leichten Wasser- und Bioanteil und vermehren sich prächtig. Als Stoffwechselprodukt erzeugen sie eine Art Bioschleim, der sich am Boden absetzt. Bei ruhigen Seebedingungen macht sich die Dieselpest kaum bemerkbar. Erst wenn eine kabbelige See den Tank so richtig durchrüttelt und den Dreck aufwirbelt, gelangt er über die Saugleitung in das Kraftstoffsystem des Motors. Je nach Befall setzt sich der Kraftstofffilter innerhalb kürzester Zeit zu. Um den Motor wieder in Gang zu bekommen, hilft nur noch ein Filterwechsel, der wahrscheinlich nur kurzzeitig Abhilfe schafft. Denn die Dieselpest wird auch den neuen Filter über kurz oder lang zusetzen. Dann hilft oftmals nur noch eine Tankreinigung.

Um dem Motorausfall durch verstopfte Filter vorzubeugen, sollte der Tankinhalt regelmäßig kontrolliert werden. Dieseladditive können ebenfalls prophylaktisch eingesetzt werden.

Hin und wieder verursachen schon kleinste Undichtigkeiten einen Ausfall des Motors. Zwar lassen sich leckende Leitungen oft daran erkennen, dass sich kleine Kraftstoffpfützen bilden, doch es kann vorkommen, dass der Spalt so klein ist, dass zwar Luft angesaugt werden kann, aber kein Kraftstoff austritt. Wenn der Motor aufgrund von Luft in der Leitung ausfällt, der Tank aber voll ist und die Dieselpest ausgeschlossen werden kann, sollten alle Schlauchschellen angezogen und der Motor entlüftet werden.

In den seltensten Fällen ist das Magnetventil an der Einspritzpumpe der Verursacher. Bei eingeschalteter Zündung hält ein Magnet die Kraftstoffleitung offen. Wird die Zündung ausgeschaltet, verschließt das Ventil die Leitung und der Motor geht aus. Bei einer Fehlfunktion durch beispielsweise einen Kabelbruch, hat die Maschine keine Chance mehr, zu laufen.

Es kann ebenfalls vorkommen, dass der Magnetschalter des Anlassers klemmt. Mit einem beherzten Schlag mit dem Gummihammer lässt sich dieses Problem in der Regel recht einfach lösen. Einige Eigner haben ihren Diesel die ganze Saison mit dem Hammer gestartet, bevor der Anlasser im Winter ausgebaut wurde. Kritisch wird es erst, wenn der Anlasser keine Geräusche mehr von sich gibt oder gar kleine Rauchschwaden absondert. Hier hilft nur noch der Austausch des Bauteils. Bevor der Anlasser ausgebaut wird, sollte allerdings kontrolliert werden, ob er genügend Strom erhält. Sollte die Batteriespannung ausreichend sein und der Anlasser auch kein Klickgeräusch von sich geben, lohnt es sich, das Zündschloss genauer zu betrachten. Eventuell hat sich dort ein Kontakt gelöst. Wenn der Anlasser dreht, aber dabei lautstark ‚orgelt’, liegt die Ursache in der Regel bei der Batterie. Obwohl Überbrückungskabel an Bord eher selten sind, lohnt es sich, zwei starke Kabel im Schapp zu haben. Denn wenn die Starterbatterie nicht mehr genügend Saft besitzt, lässt sich die Servicebatterie mit den Kabeln kurzzeitig zweckentfremden.

Fazit: Die meisten Motorausfälle geschehen aufgrund eines Fehlers im Kraftstoffsystem und können in der Regel durch eigenes Können behoben werden. Voraussetzung ist jedoch ein gewisses technisches Grundverständnis und auch der Willen, sich dieses anzueignen. Wer noch nie Wartungsarbeiten an seinem Motor selber durchgeführt hat, wird sich bei einem Ausfall wahrscheinlich nicht an die Maschine trauen. Daher hilft es, als Vorbereitung für den Fall der Fälle, sich grundlegende Wartungsarbeiten zeigen zu lassen und auch selber durchzuführen. Denn für die im regelmäßigen Abstand durchzuführenden Arbeiten sind die gleichen Handgriffe nötig, die einen Motor bei einem Ausfall wieder flott bekommen. Text: Kai Köckeritz

Das Wolke-Schema

In der Großschifffahrt hat sich das sogenannte Wolke-Schema durchgesetzt. Es beschreibt, was ein Motor alles benötigt, um zu laufen. Das Schema kann auch in der Sportschifffahrt helfen, sich mit dem eigenen Motor zurecht zu finden. Bei einem Schaden beziehungsweise einem Ausfall kann sich an diesem Modell orientiert werden, um auf Fehlersuche zu gehen. Dazu wird die W-O-L-K-E Schritt für Schritt abgearbeitet, um sicherzugehen, dass alle wichtigen Komponenten des Motors korrekt arbeiten können.

• Wasser – Wird für die Kühlung benötigt

• Oel – Wichtiger Schmierstoff, ohne den kapitale Schäden drohen

• Luft – Ohne Luft gibt es auch keine Verbrennung

• Kraftstoff – In Verbindung mit Luft (Sauerstoff) entsteht ein zündfähiges Gemisch, das den Motor antreibt

• Elektrizität – Der Anlasser ist ein Elektromotor, der den Motor startet