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Wenn die Augen altern


Angehörige pflegen - epaper ⋅ Ausgabe 3/2019 vom 15.08.2019

Im Alter lässt die Sehkraft nach. Das ist ein natürlicher Prozess. Gleichzeitig steigt mit den Lebensjahren allerdings das Risiko für ernsthafte Augenerkrankungen. Diese können im schlimmsten Fall bis hin zu einer Erblindung führen. Erfahren Sie, welche Symptome Warnzeichen sind und warum eine regelmäßige augenärztliche Untersuchung so wichtig ist.


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Foto: GettyImages/natalie_board

Sehen, erkennen, entdecken: Mit unseren Augen erkunden wir völlig selbstverständlich unsere Umgebung. Sie helfen uns dabei, dass wir uns in der Welt gut zurechtfinden. Damit das allerdings reibungslos funktioniert, müssen alle ...

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... Komponenten des Auges optimal zusammenarbeiten. Doch wie alle Organe altern auch die Augen. Häufig sind die Veränderungen schleichend. Irgendwann brauchen aber die meisten von uns zum Lesen und Erkennen von Details eine Brille. Jedoch gibt es auch für schwere Augenerkrankungen erste harmlosere Anzeichen, die ernst genommen werden sollten.

Altersweitsicht: Wenn der Arm zu kurz wird

Dass im Alter die Sehkraft nachlässt, ist völlig normal. Der Grund ist die Linse. Damit wir scharf sehen können und der Lichtstrahl an einer Stelle im Auge gebündelt wird, müssen kleine Muskeln die Form der Linse ständig verändern: Erschlaffen die Muskeln, wird die Linse kugelförmiger, ziehen sich die Muskeln zusammen, wird die Linse flacher. Im Alter jedoch verliert die Linse an Elastizität, sodass sie ihre Form schlechter verändern kann. Folge: Die Sehkraft lässt nach, das Bild wird unscharf. „Altersweitsicht erkennt man oft daran, dass die Betroffenen die Zeitung mit langem Arm von sich weghalten, um besser lesen zu können“, so die Augenärztin Dr. Lietz-Partzsch.

Eine Sehhilfe kann hier helfen. Doch auch, wenn es Lesebrillen mittlerweile in vielen Drogerie-und Supermärkten zu kaufen gibt: Das selbstständige Ausprobieren verschiedener Stärken, bis man wieder scharf sieht, ist nicht zu empfehlen. Besser ist es, die Sehstärke fachgerecht bei einem Augenoptiker oder einer Augenärztin bzw.einem Augenarzt bestimmen zu lassen. „Als Augenärztin finde ich nicht nur die richtige Sehstärke heraus. Ich schaue auch nach, ob das Auge gesund ist. Augenkrankheiten sollten nur augenärztlich diagnostiziert und behandelt werden“, weiß die Ärztin. Deshalb empfiehlt sie, auf regelmäßige Vorsorge zu setzen: „Wenn eine Krankheit rechtzeitig erkannt wird, kann sie am besten behandelt werden.“ Gemeint sind beispielsweise der graue und der grüne Star sowie eine Makuladegeneration.

Illustration: Getty Images/Dorling Kindersley

Grauer Star – Wenn die Linse trüb wird

Sind Gegenstände in der Ferne nicht mehr scharf zu sehen und erscheint alles „wie durch einen Nebel“, kann das ein Hinweis auf einen grauen Star sein. Die Katarakt, wie der graue Star auch genannt wird, äußert sich zudem dadurch, dass Betroffene empfindlicher auf Licht reagieren. Ursache ist auch hier die Linse, die im Alter eintrübt. So fallen weniger Lichtstrahlen in die Augen, die Sehschärfe geht nach und nach verloren. Ob die Linse trüb ist, kann eine Augenärztin oder ein Augenarzt mithilfe einer Spaltlampe feststellen.

Grüner Star – Vorsorge ist das A und O

Der grüne Star, auch Glaukom genannt, hat zwar einen ähnlichen Namen wie der graue Star, jedoch eine andere Ursache: Damit das Auge seine kugelige Form behält, herrscht in der vorderen Augenkammer ein konstanter Druck, der Augeninnendruck. Er wird durch das Kammerwasser aufrechterhalten. Bei gesunden Augen fließt dieses Kammerwasser über den sogenannten Kammerwinkel ab, wenn der Druck zu hoch wird. Im Fall eines Glaukoms sind der Abfluss und die Produktion des Kammerwassers aus unterschiedlichen Gründen gestört. Folge: Der Augeninnendruck steigt. Der Sehnerv wird geschädigt und es droht schlimmstenfalls eine Erblindung.

Typisches Symptom für ein Glaukom ist ein eingeschränktes Sehfeld; bestimmte Bereiche werden also nicht mehr wahrgenommen. Das Tückische daran: Oft bemerken betroffene Personen Symptome erst dann, wenn bereits sehr fortgeschrittene Schäden aufgetreten sind. Deshalb ist eine Früherkennung in solchen Fällen besonders wichtig: „Vor allem, wenn in der Familie bereits ein Glaukom diagnostiziert wurde, sollte man etwa einmal jährlich zur Vorsorge gehen, um den Augeninnendruck prüfen zu lassen“, empfiehlt die Augenärztin.

Altersabhängige Makuladegeneration

Eine weitere Erkrankung der Augen im Alter ist die Makuladegeneration. Die Makula, der sogenannte gelbe Fleck, liegt in der Mitte der Netzhaut. Sie enthält die Stelle des schärfsten Sehens und ist beispielsweise dafür verantwortlich, dass wir Gesichter erkennen und die Uhr le-sen können. Im Alter kann sie degenerieren, sich also zurückbilden. Die Ursache dafür ist bislang noch nicht abschließend geklärt. Forscher gehen allerdings davon aus, dass Arteriosklerose, also Arterienverkalkung, eine Rolle spielt.

Die Symptome der altersabhängigen Makuladegeneration sind anfangs recht unspektakulär: Oft wird zum Lesen nur mehr Licht benötigt und einzelne Buchstaben werden nicht richtig erkannt. Später jedoch können gerade Linien plötzlich verzerrt oder gebogen wahrgenommen werden (vgl. S. 10), Gesichter verschwimmen, das Lesen ist kaum noch möglich. Schlussendlich fällt das zentrale Sehfeld vollständig aus, was eine erhebliche Sehbeeinträchtigung zur Folge hat.

Entscheidend ist, solche Beeinträchtigungen nicht auf die leichte Schulter zu nehmen und sie so früh wie möglich augenärztlich abklären zu lassen. „Das Risiko, an einer altersbedingten Makuladegeneration zu erkranken, steigt, wenn es in der Familie bereits Betroffene gibt“, so die Augenärztin.

Keine Angst vorm Arzt

Viele Menschen haben Hemmungen, sich ärztlich untersuchen zu lassen. Vielleicht aus Sorge vor einer möglichen Diagnose oder aus generellem Unwohlsein vor solchen Terminen. Dr. Lietz-Partzsch betont jedoch, dass diese Bedenken unbegründet sind: „Arztbesuche können Unsicherheit nehmen: Die Patienten bekommen Hilfe. Wir können beruhigen, erklären und Behandlungsmöglichkeiten aufzeigen. Wenn eine Erkrankung rechtzeitig entdeckt wird, können wir mithilfe der modernen Augenheilkunde oft gute Erfolge erzielen.“ Daher wünscht sich die Augenärztin, dass ältere Menschen die Vorsorgeuntersuchungen regelmäßig wahrnehmen. Denn nur so können die Augen auch bis ins hohe Alter gesund bleiben.

Wie wir sehen

Lichtstrahlen werden von einem Gegenstand reflektiert und treffen zunächst auf die Hornhaut des Auges. Durch die Pupillenöffnung fallen sie dann auf die Augenlinse, die – im gesunden Zustand – sehr anpassungsfähig in ihrer Form ist. Verantwortlich dafür sind kleine Muskelfasern, die an der Linse ansetzen.
Ziehen die Muskeln sich zusammen, flacht sie ab, entspannen sie sich, wird die Linse kugelförmiger. Diese Anpassung ermöglicht, dass die Lichtstrahlen bei Normalsichtigen an einer Stelle auf der Netzhaut gebündelt werden. Rund 95 Prozent aller Sinneszellen befinden sich an dem gelben Fleck, der auch Makula genannt wird. Über den Sehnerv gelangen die Informationen aus den Sinneszellen dann in unser Gehirn: Es entsteht ein Bild.

Tipps rund um das Sehen von Augenärztin Dr. Andrea Lietz-Partzsch

Spätestens ab 50: Einmal jährlich zum Augenarzt
Wenn Sie über 50 Jahre alt sind, sollten Sie einmal jährlich zum Augenarzt gehen. Ihre aktuelle Brille sollten Sie dabei immer mitbringen, damit die Stärke und der Sitz überprüft werden können. Falls Sie Medikamente einnehmen oder einen Medikationsplan haben, sollten Sie auch den dabeihaben. Denn einige Medikamente können sich auf die Sehleistung auswirken.
Bei einigen Untersuchungen verabreicht der Augenarzt Ihnen Tropfen, die die Pupillen erweitern. Das hat zur Folge, dass Sie sehr lichtempfindlich sein werden. Eine Sonnenbrille kann hier helfen. Eine aktive Teilnahme am Straßenverkehr (z. B. Autofahren) ist dann nicht mehr möglich.

Brille immer von einer Fachperson anpassen lassen
„Eine Brille macht die Augen schlechter“ – dieser Mythos hält sich hartnäckig. Doch er ist falsch: Eine Brille mit der richtigen Sehstärke verschlechtert die Sehkraft nicht. Anders ist es bei einer Brille, deren Sehstärke nicht von einer Augenärztin oder einem Augenarzt bzw.von einer Optikerin oder einem Optiker angepasst wurde. Sie kann die Sicht tatsächlich verschlechtern.

Augen auf im Straßenverkehr
Wer noch aktiv am Straßenverkehr teilnimmt, sollte seine Augen regelmäßig von einem Augenarzt untersuchen lassen. Denn das Sehvermögen verschlechtert sich oft schleichend und wird von Betroffenen oft als „gar nicht so schlimm“ empfunden. Gute Augen im Straßenverkehr bedeuten nicht nur Sicherheit für Sie, sondern auch für andere.

Gesunder Körper – gesunde Augen
Viele Krankheiten wie Bluthochdruck, ein hoher Cholesterinspiegel oder ein Diabetes mellitus wirken sich auch auf die Augen aus. Auch ein ungesunder Lebensstil, dazu gehört auch das Rauchen, erhöht das Risiko für eine chronische Augenerkrankung. Deshalb: Wer seinen Körper gesund ernährt, sich ausreichend bewegt und auf das Rauchen verzichtet, hält auch seine Augen gesund.

In die Zukunft blicken
Wird eine Augenerkrankung frühzeitig diagnostiziert, kann der Zustand oft zunächst stabilisiert werden und die Sehkraft erhalten bleiben. Diese Phase sollten Sie nutzen, um sich auf den Fall vorzubereiten, falls sich die Krankheit verschlechtert. Informieren Sie sich beispielsweise darüber, wie Sie die Wohnung barrierearm umbauen können, oder beantragen Sie einen Schwerbehindertenausweis. Ihr Augenarzt unterstützt Sie dabei. Außerdem gibt es viele Selbsthilfegruppen, in denen sich Patienten mit einer Augenerkrankung austauschen können.