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WENN DIE NIERE SCHWÄCHELT


plus Magazin - epaper ⋅ Ausgabe 3/2021 vom 03.02.2021

Es gibt Krankheiten, die sind tückisch, weil man sie nicht spürt. Die Nierenschwäche gehört dazu. Wenn erst mal Schmerzen auftreten, ist es oft schon zu spät. Wie Sie die Anzeichen erkennen und welche einfachen, ersten Maßnahmen helfen, erzählen Betroffene und Experten


Artikelbild für den Artikel "WENN DIE NIERE SCHWÄCHELT" aus der Ausgabe 3/2021 von plus Magazin. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: plus Magazin, Ausgabe 3/2021

Prof. Julia Weinmann-Menke, Leiterin der Nephrologie- Abteilung an der Universitätsmedizin Mainz


Prof. Mark Dominik Alscher, Nephrologe und Medizinischer Geschäftsführer am Robert- Bosch-Krankenhaus in Stuttgart


Prof. Steffen Mitzner, Leiter der Nephrologie- Abteilung an der Universitätsmedizin Rostock


An das Jahr 2004 hat Birgit Hoppen keine ...

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... gute Erinnerung: „Richtig schlapp fühlte ich mich und ständig müde war ich auch“, erzählt die 53-Jährige aus Korschenbroich bei Düsseldorf. Ihr Alltag als Krankenschwester mit drei kleinen Kindern daheim war zwar eine Herausforderung, doch bislang hatte sie immer genug Energie gehabt. Woher kam also diese plötzliche Erschöpfung?

Unspezifische Symptome

Birgit Hoppen ging zum Hausarzt. Nach einem Blut- und Urintest stand fest, dass die Ursache für ihre Müdigkeit eine chronische Nierenschwäche war, auch Niereninsuffizienz genannt.

Wie Birgit Hoppen geht es schätzungsweise neun Millionen Frauen und Männern in Deutschland. Was dabei problematisch ist: Nur jeder Dritte weiß überhaupt von seiner Nierenschwäche. „Das Tückische an einer Niereninsuffizienz ist, dass sie sich im frühen Stadium nicht bemerkbar macht“, sagt Prof. Julia Weinmann-Menke. Sie leitet die Abteilung für Nieren- und Bluthochdruck- Erkrankungen (Nephrologie) im Mainzer Universitäts-Krankenhaus. „Der Verlust der Nierenfunktion verläuft in aller Regel unbemerkt und schleichend. Man kann bis zu 90 Prozent seiner Nierenfunktion eingebüßt haben, bevor sich Symptome zeigen.“ Und die sind noch dazu sehr unspezifisch, sie reichen von Erschöpfung wie bei Birgit Hoppen bis hin zu Kopfweh.

Grund genug, sich die Nieren mal genauer anzuschauen. Sie sind Hochleistungs-Organe. Nur faustgroß und rund 200 Gramm schwer, erfüllen sie viele lebenswichtige Funktionen im Körper (s. Infografik):

Sie filtern das Blut,

entsorgen Giftstoffe über den Urin (z. B. Abfallprodukte des Stoffwechselprozesses),

regulieren den Blutdruck, den Wasser- und Elektrolythaushalt sowie den Säure- Basen-Haushalt,

aktivieren Vitamin D3 und steuern darüber den Knochenstoffwechsel,

sind für die Bildung der roten Blutkörperchen wichtig.

Wenn die Nieren nicht mehr richtig funktionieren, kann es viele Auslöser geben, zum Beispiel eine Nierenentzündung (interstitielle Nephritis) - das war bei Birgit Hoppen der Fall. Familiär vererbbare Erkrankungen der Niere können ebenso Ursache sein wie Infektionen der Harnwege, Krebs, Nierensteine und die dauerhafte Einnahme von Schmerzmitteln. Als Hauptauslöser gelten aber Diabetes und Bluthochdruck. „Sie sind jeweils für 20 bis 30 Prozent aller chronischen Nierenleiden verantwortlich“, so Prof. Mark Dominik Alscher, Nieren- Facharzt aus Stuttgart.

Bleiben Diabetes und Bluthochdruck unerkannt oder werden falsch behandelt, schädigt das auf Dauer die Nieren: Ihre vielen kleinen Gefäße verengen sich, werden brüchig und durchlässig. Zudem reduziert sich die Durchblutung und damit die Filterfunktion. Der gesamte Stoff- wechsel gerät durcheinander, das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall steigt. Neue Studien zeigen, dass auch zu viel Körperfett die Nieren schädigen kann, durch Entzündungsreaktionen im Fettgewebe.


„Beim Reiten vergesse ich meine Krankheit“



Birgit Hoppen (53) meistert ihr Leben trotz Dialyse

Anzeichen für eine Nierenschwäche

Schäumender oder rötlichbrauner Urin bzw. sehr geringe Urinmengen (weniger als ein halber Liter pro Tag)

Wasser-Ansammlungen im Gewebe, vor allem an den Knöcheln, den Unterschenkeln, den Augenlidern und im Gesicht

Schmerzen in der Nierengegend oder beim Wasserlassen

Erschöpfung, Müdigkeit

Kurzatmigkeit

Juckende Haut

Plötzliche Appetitlosigkeit

Unerklärliche Muskelkrämpfe

Unerwartete, heftige Kopfschmerzen

Hoher Blutdruck

Bei all diesen Symptomen sollten Sie umgehend zum Hausarzt gehen!

Bislang entdecken Ärzte eine Nierenschwäche meist nur durch Zufall. So war es auch bei Stefanie Neuhäuser aus Köln. Die 46-Jährige plagten 2011 plötzlich unerklärliche Kopfschmerzen und Migräne-Attacken sowie geschwollene Beine. „Ich habe das alles erst einmal auf meinen stressigen Beruf als Unternehmensberaterin zurückgeführt“, erzählt sie. Schließlich ging sie doch zum Arzt. Nach verschiedenen Untersuchungen zeigte sich: Sie hatte eine so- genannte IgA-Nephritis, eine Autoimmun-Erkrankung, die zu einer chronischen Niereninsuffizienz geführt hat.

Kreatinin-Werte prüfen

„Wir Nephrologen machen uns natürlich Gedanken, wie wir Krankheiten der Niere früher entdecken können“, betont Prof. Mark Dominik Alscher. Eine Möglichkeit ist ein einfacher Bluttest, bei dem der Kreatinin- Wert gemessen wird. Kreatinin ist ein Abbauprodukt der Säure Kreatin, die unsere Muskeln mit Energie versorgt. Es reichert sich im Blut an, wenn die Nieren nicht mehr ausreichend arbeiten. „Einmal im Jahr den Nieren- Wert zu prüfen wäre aus medizinischer Sicht optimal - vor allem für Risiko-Patienten, also Menschen mit Diabetes, hohem Blutdruck, starkem Übergewicht oder familiärer Vorbelastung“, so Prof. Steffen Mitzner, Nephrologe an der Universitätsmedizin Gut zu wissen: Den Kreatinin- Wert bestimmen zu lassen ist nicht Teil der Vorsorge-Untersuchung Check-up 35, die alle drei Jahre von den gesetzlichen Kassen gezahlt wird. Daher sollten Sie Ihren Hausarzt gezielt auf mögliche individuelle Risiko- Faktoren hinweisen und ihn um eine Untersuchung bitten.


„Ich kriege meine Nierenschwäche durch einfache Maßnahmen in den Griff“



Annette Diehl (43) misst regelmäßig ihren Blutdruck

Auch für Menschen über 60 Jahre ist es wichtig, sich jährlich auf erhöhte Kreatinin- Werte testen zu lassen. Denn im Laufe des Lebens nimmt die Funktion der Niere grundsätzlich ab - und Diabetes oder Bluthochdruck und damit auch eine Nierenschwäche werden wahrscheinlicher. Zwischen 65 und 75 Jahren hat schätzungsweise jeder Fünfte eine chronische Nierenerkrankung, danach ist es sogar jeder Zweite.

Doch was hilft? „Wir können den Verlauf der Erkrankung verlangsamen, im besten Fall sogar stoppen“, sagt Prof. Julia Weinmann-Menke, Sprecherin der Deutschen Nephrologischen Gesellschaft. Zur Therapie gehört vor allem, den Blutdruck und den Blutzucker gut einzustellen. Außerdem wichtig: die Ernährung so Nieren-freundlich wie möglich zu gestalten (siehe Ernährungsplan nächste Seite). „Am besten für die Nieren ist die Mittelmeer-Diät mit viel Gemüse und gesunden Fetten und Ölen. Dazu sollten Sie reichlich Wasser oder ungesüßten Tee trinken und Salz nur in Maßen verwenden. Bei erhöhten Nieren-Wer- ten ist zudem eine individuelle Diätberatung sinnvoll“, meint der Nephrologe Prof. Steffen Mitzner. Sein Tipp: Wer neue Medikamente vom Arzt verschrieben bekommt, sollte fragen, ob diese schädlich für die Nieren sind, und wenn ja, ob es Alternativen gibt. Das gilt vor allem für Antibiotika und Schmerzmittel.

Nur im Notfall: Dialyse

Im fortgeschrittenen Stadium einer Nierenschwäche beträgt die Nierenleistung nur noch zehn Prozent. Dann ist eine Blutwäsche, eine Dialyse, nötig (s. unten) oder manchmal sogar eine Nierentransplantation. Rund 100 000 Bundesbürger brauchen aktuell eine Dialyse. Auch Stefanie Neuhäuser aus Köln. Sie geht seit 2014 zur Blutwäsche. Birgit Hoppen, bei der sich ihre Nierenprobleme durch Müdigkeit bemerkbar machten, seit 2007.

Annette Diehl aus Mainz braucht bislang keine Dialyse. Vor 19 Jahren bekam die heute 43-jährige Sozialpädagogin plötzlich starke Rückenschmerzen. Nach CT- und MRT-Aufnahmen stellte sich heraus, dass sie einen gutartigen Tumor in der rechten Niere hat. „Trotz Behandlung wuchs er weiter“, erzählt Annette Diehl. 2014 musste sie schließlich ihre rechte Niere entfernen lassen. „Als in meiner verbliebenen linken Niere ein Jahr später erneut ein gutartiger Tumor festgestellt wurde, habe ich es erst nicht glauben wollen“, erinnert sie sich. Heute hat sie sich damit arrangiert und nennt ihren Tumor „meinen Untermieter“. Annette Diehls Nieren-Werte sind derzeit nur leicht erhöht. „Ich muss darauf achten, viel zu trinken, und messe regelmäßig meinen Blutdruck. Mein Arzt prüft zudem regelmäßig die Zuckerwerte und kontrolliert die Niere per Ultraschall“, sagt sie.

So funktioniert eine Dialyse

Beträgt die Nierenfunktion nur noch zehn Prozent oder weniger, muss die lebensnotwendige Blutreinigung durch eine Dialyse erfolgen. Es gibt verschiedene Arten

HÄMO-DIALYSE

Die häufigste Methode. Etwa 3x pro Woche kommen die Patienten für vier bis fünf Stunden an ein Dialyse-Gerät, entweder im Krankenhaus oder in speziellen Zentren. Es wird ein dauerhafter Gefäßzugang gelegt - meist am Unterarm. Für diesen sogenannten Shunt verbindet der Arzt eine Vene und eine Arterie miteinander. Über diese Verbindungsstelle läuft dann Blut in das Dialysegerät, wird dort gereinigt und gelangt durch den Shunt zurück in den Körper.

HEIM-HÄMO-DIALYSE

In den eigenen vier Wänden können Patienten eine Hämo-Dialyse durchführen. Nach einer eingehenden Schulung, die rund zwei bis drei Monate dauert, kann der Betroffene das Dialyse-Gerät, das etwa so groß ist wie ein Kühlschrank, bei sich zu Hause selbst in Betrieb nehmen. So ist er zeitlich flexibler.

PERITONEAL-DIALYSE

Sie wird auch Bauchfell-Dialyse genannt, denn der Patient füllt einen implantierten Zugangsschlauch in seiner Bauchhöhle mehrmals täglich mit einer Spüllösung. Ein paar Stunden später wird die Lösung zurück nach außen in einen Beutel geleitet. Diese Art der Dialyse kann ebenfalls nach einer mehrtägigen Einweisung durch medizinisches Personal eigenständig zu Hause durchgeführt werden.

Die beiden Dialyse-Patientinnen Stefanie Neuhäuser und Birgit Hoppen haben sich für eine sogenannte Heim-Hämo- Dialyse entschieden. So können sie einen weitgehend normalen Alltag führen.

Ärztlich abklären lassen

Birgit Hoppen war es dadurch im vergangenen Jahr sogar möglich, gemeinsam mit ihrem Mann bei allen Auftritten des örtlichen Schützenvereins als Königspaar dabei zu sein. Und Stefanie Neuhäuser reiste in den letzten Jahren durch Europa - Sizilien, Málaga und Kreta hat sie schon erkundet und für ihre Dialyse medizinische Zentren vor Ort genutzt. Ihr Rat an alle: Unbedingt abklären lassen, ob mit den Nieren alles in Ordnung ist. Falls nicht, sich über die Krankheit informieren. „Nur so kann man lernen, gut damit zu leben.“

Hier finden Sie Hilfe

Experten, Dialyse-Zentren, Termine für Online-Vorträge sowie praktische Ratgeber- Tipps für das Leben mit einer Nierenschwäche:

Deutsche Nierenstiftung www.nierenstiftung.de

Bundesverband Niere

www.bundesverband-niere.de

Kuratorium für Dialyse und Nierentransplantation www.kfh.de