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WENN ES SCHIEF LÄUFT


Feine Hilfen - epaper ⋅ Ausgabe 42/2020 vom 07.08.2020

Der Huf zeigt uns, wenn etwas schief läuft. Untergeschobene Trachten, Zwanghufe, lange Zehen, zu steil stehende und weghebelnde Hufwände, Risse und Spalten, Hornringe sowie Einblutungen weisen darauf hin, dass die natürliche Balance des Hufes aus dem Gleichgewicht geraten ist. Wenn wir Ursache und Wirkung erkennen und verstehen, können wir dem Huf dabei helfen, sich wieder zu regenerieren.


Der Huf ist ein wichtiger Bestandteil des Pferdekörpers. Er ist dafür gemacht, den Boden wahrzunehmen, Energien aufzufangen und abzugeben. Er ist beweglich, innen wie außen, um sich verschiedenen ...

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Bildquelle: Feine Hilfen, Ausgabe 42/2020

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... Belastungsverhältnissen anzupassen und das Pferd zu schützen, zu tragen und zu unterstützen. Doch nur mit einem optimal balancierten Huf kann die Gliedmaße gleichmäßig und gesunderhaltend belastet werden. Asymmetrien der Hufkapsel schwächen nicht nur den Huf und seine Funktionalität, auch die Unterstützungsfunktion für den Pferdekörper nimmt damit ab.

Untergeschobene Trachten

Die Trachten haben eine wichtige unterstützende und gewichtstragende Funktion für das biomechanische Gleichgewicht des Pferdes. Sein Gewicht fällt bei bodenparallelem Hufbein und geradem Röhrbein durch die Mitte des Röhrbeins und des Fesselgelenks senkrecht zu Boden. Die Trachten befinden sich genau unter dieser Kraftlinie. Das Ballen- und Trachtenhorn wächst relativ gerade, also in einem eher steilen Winkel, nach unten. Die Höhe der Trachten schwankt je nach Größe des Hufes zwischen einem und drei Zentimetern. Die Trachten verlaufen von der weitesten Stelle des Hufes bis zur Trachtenendkante, welche sich höhengleich am Übergang des Ballenhorns zum Horn der Hufkapsel befindet. Fehlt die ausreichende Abnutzung des Hufes oder wird bei der Hufbearbeitung das überstehende Wandhorn nicht ausreichend gekürzt, wächst der Huf und damit die Trachtenendkante nach vorne. Das bedeutet, die Trachten werden von der Länge her „zu hoch” und gleichzeitig wird der Wachstumswinkel der Trachte „zu flach” – im Fachjargon sagt man: „Die Trachte schiebt unter.” Meist entstehen untergeschobene Trachten durch fehlerhafte Denkansätze in der Hufbearbeitung: die Vorstellung, man könne einen zu flachen Hufwinkel ausgleichen, indem man die Trachte in die Höhe wachsen lässt und den Huf in der Zehe einkürzt. So macht man zwar optisch und messbar den Hufwinkel steiler, doch der Druck auf die Trachten erhöht sich und sie wächst umso schneller flach nach vorne. Dabei verliert der Huf seine natürliche Form und die Trachte ihre wichtige unterstützende und lasttragende Funktion. Der Huf steht im Ver- hältnis zum Röhrbein zu weit vorne, die untergeschobene Trachte bietet der Fessel keine ausreichende Unterstützung mehr. Es kommt zu einer Überstreckung des Fesselgelenks und einer verstärkten Belastung der tiefen Beugesehne und des Fesseltrageapparates. Das Gangbild verändert sich, das Pferd braucht vermehrten Kraftaufwand, um die Gliedmaße zu beugen. Im weiteren Verlauf führen untergeschobene Trachten dazu, dass das Pferd in eine Kompensationshaltung gehen muss, in der die Vorhand rückständig die Hintergliedmaße vorständig gehalten wird. Auch wenn allgemein die Meinung vorherrscht, untergeschobene Trachten wären nicht korrigierbar, ist meine Erfahrung, dass es durch eine gezielte Bearbeitung der Hufe möglich ist, der Hufkapsel die richtigen Impulse zu geben, sich auch im Trachtenbereich wieder aufzurichten.

Zeheneng gestelltes Pferd, was zu einer vermehrten Belastung der Außenseite des Hufes und einer Fehlbelastung der Gliedmaße führt.


(Foto: Manu Volk)

Huf mit langer Zehe und untergeschobenen Trachten. Mitte: Kompensationshaltung der Vorhand rückständig.


Kompensation der Hinterhand vorständig.


(Fotos: Manu Volk)

Damit der Huf wieder in seinem natürlichen Winkel wachsen kann, ist es wichtig, an die statisch unterstützende Funktion der Trachte sowie des gesamten Hufes zu denken und bei der Hufbearbeitung auch die Trachten zu kürzen. Dabei bringt man gleichzeitig wieder die Auflagefläche der Trachtenendkante nach hinten in ihre natürliche Position. Man sollte also bei jeder Hufbearbeitung die Trachten bis zu ihrer tatsächlichen Höhe einkürzen, um die Auflagefläche des Hufes zurückzusetzen. Als Orientierung für die natürliche Trachtenhöhe dient der Übergang des Ballenhornes in das Hufhorn.

Zwanghufe

Bei einem Trachtenzwanghuf ist der Huf in seiner hinteren Hälfte zu eng. Die Trachtenwände stehen eng und verlaufen übermäßig schräg nach innen. Auch die Eckstrebe wird dabei in einem Bogen gegen die Trachtenwand gezwängt. Die Strahlfurchen sind sehr eng und meist tief. Der Strahl ist je nach Ausmaß des Zwanghufes stark atrophiert und dadurch anfällig für Zersetzungsprozesse (Strahlfäule). Das Ballenpolster wird ebenfalls zusammengequetscht und bildet sich dadurch eventuell zurück. Die Ballenfurche wird zusammengepresst. Im Extremfall zieht sich der Ballenkronrand in der Mitte zusammen und sinkt ab, anstatt parallel zum Boden zu verlaufen. Zu Beginn der Zwanghufbildung steht die Trachtenwand zuerst sehr steil. Im weiteren Verlauf biegt sich die betroffene Trachtenwand negativ unter den Huf; im schlimmsten Fall rollt sie sich ein. Viele Zwanghufe entstehen durch untergeschobene Trachten. Zu hoher Wandüberstand an den Trachten und hohe Eckstrebenwände hebeln den hinteren Hufbereich nach innen. Je mehr die Hufkapsel flach nach vorne wächst, umso enger wird der Huf. Auch ein stark zurückgeschnittener Strahl ohne Bodenkontakt lässt die Trachten vor allem bei Belastung nach innen hebeln. Bei beschlagenen Hufen führen zu eng oder zu kurz gelegte Eisen ebenso zur Zwanghufbildung wie das zu frühe Beschlagen des Hufes. (Das Wachstum des Hufbeins und die vollständige Ausweitung des Hufes sind etwa zum fünften Lebensjahr abgeschlossen.) Der Hufbeschlag allgemein verändert den Hufmechanismus und führt früher oder später zum Zwanghuf. Weitere Ursachen für die Bildung von Zwanghufen sind trockene, harte Böden und Einstreu, die dem Huf Feuchtigkeit entzieht. Damit ein zu enger Huf sich wieder weitet, ist es wichtig, bei der Hufbearbeitung die Trachten ausreichend zu kürzen, damit diese wieder tragfähig werden und der Hufmechanismus im hinteren Hufbereich wieder richtig funktionieren kann. Der Strahl darf nicht übermäßig ausgeschnitten werden, seine tragende Auflagefläche soll erhalten bleiben. Die Eckstreben müssen ebenfalls gekürzt werden.

Beschlagener Zwanghuf mit abgesunkenem Ballen.


(Foto: Manu Volk)

Die lange Zehe

Ein gesunder, ausbalancierter Huf zeigt einen geraden Verlauf der Zehenwand vom Haaransatz bis zum Boden mit einem Zehenwinkel zwischen 50 und 56°. Die Länge der Zehe variiert je nach vorhandenen Bodenverhältnissen. Pferde, die auf harten Böden leben, haben eine kürzere und steilere Zehe, während Pferde, die sich mehr auf weicherem Untergrund bewegen, eine etwas flachere und längere Zehe haben. Viele domestizierte Pferde zeigen eine lange, nach vorne gezogene Zehe, bei der auch der Winkel der Zehenwand recht flach verläuft. Die lange Zehe tritt immer in Verbindung mit untergeschobenen Trachten auf und ist die am häufigsten anzutreffende Hufanomalie, bei der der gesamte Huf in einem zu flachen Winkel nach vorne wächst. Dabei wird auch der Abrollpunkt des Hufes nach vorne versetzt, was für das Pferd vermehrten Energieaufwand bedeutet und zu einer stärkeren Belastung der Sehnen und Bänder führt. Die lange Zehe entsteht durch zu lange Ausschneide-/Beschlagsperioden oder durch fehlerhafte Denkansätze bei der Hufbearbeitung. Oft wird versucht, einen steileren Winkel zu erreichen, indem der Huf im Bereich der Zehe in die Sohle hinein gekürzt und die Zehenwand mit der Hufraspel bearbeitet wird, bis der Huf den gewünschten Hufwinkel erreicht. So erreicht man aber nur einen optisch steileren Winkel. Der Huf verliert dabei immer mehr seine Balance und Statik. Denn wird nur die vordere Hufhälfte gekürzt und die Trachten in der Höhe stehen gelassen, wird die Auflagefläche des gesamten Hufes „zu kurz”. Es kommt zu einem verstärkten Druck auf die Trachten und sie schieben weiter unter. Dabei wird zwangsläufig das Wachstum der Zehe ebenfalls flach nach vorne gezwungen. Damit die Hufkapsel sich wieder aufrichten und die Zehe in ihrem natürlichen Winkel herunterwachsen kann, ist es bei der Bearbeitung wichtig, den Wandüberstand des Hufes auch im Trachtenbereich nach dem Verlauf der Sohle zu kürzen. Dabei wird die Auflagefläche des Hufes wieder nach hinten gebracht, damit er die Gliedmaße optimal unterstützten kann. Um den Abrollpunkt zu optimieren, sollte über den gesamten Verlauf der Zehenwand eine Zehenrichtung angebracht werden. Je nach Zustand des Hufes wird die Zehenwand mit der Hufraspel bearbeitet, ohne die Hufwand dabei zu stark auszudünnen.

Zu langer Huf mit weghebelnder Wand.


Medio-laterale Imbalance.


(Fotos: Manu Volk)

Zu steil stehende und weghebelnde Wände

Wie die Zehenwand, verläuft auch die Hufwand in einer geraden Linie von der Haarlinie bis zum Boden. Der Huf hat eine regelmäßige Form, er verläuft in einem gleichmäßigen Bogen des Tragrandes von der Zehenwand bis zur Trachtenwand und kann in zwei gleich große Hufhälften eingeteilt werden. Die innere Huffläche kann dabei minimal enger und ihre Seitenwand minimal steiler sein als die äußere. Verläuft die Hufwand nicht gerade, sondern in einem mehr oder weniger starken Bogen und ändert sich vielleicht sogar mehrfach der Wachstumswinkel, spricht man von einer weghebelnden Hufwand. Diese hat ihre Ursache meist in einem zu hohen Wandüberstand, der entsteht, wenn der Huf zu wenig Abrieb erfährt, die Ausschneide-/ Beschlagperiode überzogen wird oder der Huf unzureichend bearbeitet wurde. Die überstehende Hufwand übt Druck- und Hebelkräfte auf die Hufkapsel aus, die zu Deformationen führen. Solche Hufe weisen oft viele Ringe im Horn auf, und die Hufwand biegt sich irgendwann auf, um sich dann natürlich zu kürzen, indem sie wegbricht. Das Wegspreizen der Hufwand kann dem Pferd unter Umständen Schmerz bereiten und kann Auslöser für Fühligkeit bis hin zu Lahmheiten sein. Diese Hufdeformation lässt sich relativ leicht beheben, indem man den Huf regelmäßig bearbeiten lässt. Wird eine gut balancierte, tragfähige Hufkapsel durch die Hufbearbeitung gefördert, erhält der Huf schnell wieder seine kompakte Form. Manche Hufe weisen eine sogenannte medio-laterale Imbalance auf, bei der eine Hufwand mehr belastet wird und dadurch steiler wächst, während die weniger stark belastete Wand wegspreizt und sich verbiegt. Das Pferd als Lauf- und Fluchttier ist von Natur aus darauf angewiesen, das Hufbein medio-lateral bodenparallel zu belasten, um Fehlbelastungen der Gelenke zu vermeiden. Lässt das eine schief angelaufene oder falsch bearbeitete Hufkapsel (z.B. wenn die Trachten beim Ausschneiden nicht auf gleiche Höhe gebracht werden) nicht zu, muss das Pferd dies über Kompensationshaltungen der Gliedmaße und des Bewegungsablaufes ausgleichen. Der Huf wiederum wird sich an diese Belastungsverhältnisse angleichen. Die flachere „weghebelnde” Wand stabilisiert, unterstützt und balanciert in diesem Fall das Fesselgelenk, damit dieses nicht einseitig belastet wird.

Bei der medio-lateralen Imbalance ist es sehr wichtig, dass man den Huf nach dem Verlauf der Sohle bearbeitet. Die Hufbearbeitung zielt darauf ab, eine tragfähige, balancierte Hufkapsel zu fördern, indem die Trachten zurückgesetzt und auf gleiche Höhe gebracht werden und zusammen mit dem Strahl eine Auflagefläche im hinteren Hufteil bilden. So wie die Überlastung der steileren Hufwand minimiert wird, wird sich auch die Fehlbelastung der Gliedmaße reduzieren. Die Hufkapsel kann sich immer besser auf den neuen Schwerpunkt ausrichten und die Hufwände wachsen wieder gleichmäßiger herunter.

Hornspalt, Hornringe und ein zu kurzes Eisen.


Hornriss, lange Zehe, untergeschobene Trachte.


(Fotos: Manu Volk)

Risse und Hornspalten

Die Elastizität der verschiedenen Hartund Weichhornbereiche, die Struktur, der Feuchtigkeitsgehalt, der Pflegezustand sowie die Größe und Form des Hufes haben einen Einfluss auf die Beweglichkeit der Hufkapsel und bestimmen damit maßgeblich die elastische Formveränderung des Hufes während der Be- und Entlastung (Hufmechanismus). Eine deformierte Hufkapsel hat einen verminderten oder verstärkten Hufmechanismus in den jeweiligen Wandabschnitten, was zu unphysiologischen Spannungen und Hebelkräften innerhalb des Hornschuhs führt. Durch diese ungleichen Belastungsund Spannungsverhältnisse kann es je nach Tiefenausdehnung zu Rissen im Horn bis hin zu Hornspalten kommen. Schlecht balancierte, deformierte Hufe, unregelmäßige Hufformen, Zwanghufe, Bockhufe und chronische Rehehufe neigen vermehrt zur Hornspalten. Ebenfalls betroffen sind vernachlässigte und überlange Hufe. Beschlagene Hufe neigen stärker zu Hornspalten als Barhufe.

Einblutungen in der Sohle.


Steingalle.


(Fotos: Manu Volk)

Meist entsteht ein Hornspalt in der Zehenwand oder im Übergang von der Seiten- zur Trachtenwand, da in diesen Bereichen die Spannung durch Imbalancen der Hufkapsel am höchsten sind. Durch den Hufmechanismus wird ein Hornspalt immer wieder gespreizt und geschlossen, was die darunterliegende Lederhaut reizen oder sogar dauerhaft schädigen kann. Ein durchdringender Hornspalt reicht bis auf die Lederhaut, es kann also zu Blutungen aus dem Spalt kommen. In diesem Fall ist ein Tierarzt hinzuzuziehen, damit es nicht zu einer infektiösen Lederhautentzündung kommt. Risse und Hornspalte können nur ungetrennt nachwachsen und ausheilen, wenn die Ursachen beseitigt werden. Der Huf ist also bei der Hufbearbeitung gut auszubalancieren. Überlange und vernachlässigte Hufe müssen in regelmäßigen und kürzeren Abständen dem Hufbearbeiter vorgestellt werden. Die Ränder des Hornspaltes werden gesäubert und mit dem Hufmesser oder der Hufrapsel geglättet und abgerundet. Am Trag-rand kann man eine Schwebe anbringen, um die einwirkenden Kräfte zu vermindern. Der Pferdebesitzer kann die Pflege des Hornspaltes durch Reinigen mit einer Bürste und eventuellem Einbringen eines desinfizierenden Mittels unterstützen.

Hornringe und Einblutungen im Huf

Bei all diesen genannten Problemen kann es als Begleiterscheinung zur Bildung von Hornringen und/oder zu Einblutungen in das Horn kommen.
Wenn die Hufwand keine glatte Struktur aufweist, sondern sehr uneben verläuft, dann weist sie eine Vielzahl von Hornringen auf. Diese haben nichts mit den sogenannten Futterringen, die durch Futterumstellung oder Medikamentengabe entstehen, zu tun. Ürsächlich für Hornringe sind gegeneinander wirkende Spannungen innerhalb einer nicht ausbalancierten Hufkapsel. Barhufe sind davon genauso betroffen wie beschlagene Hufe. Die Hornringe um- laufen meist den gesamten Huf. Je nach Stauchung und Überlastung im jeweilig betroffenen Abschnitt können die Ringe sehr unregelmäßig und wellenartig verlaufen.

Bearbeiteter Huf mit zurückgesetzten Trachten, die gemeinsam mit dem Strahl eine unterstützende Auflagefläche für die Gliedmaße bilden.


(Foto: Manu Volk)

Auch hier ist es wieder wichtig, den Huf bei der Hufbearbeitung gut auszubalancieren. Wenn sich untergeschobene Trachten, lange Zehen und Wandverbiegungen regenerieren, werden auch die Hornringe verschwinden und die Hufwand wächst wieder glatt nach. Einblutungen im Huf entstehen durch Zerrungen oder Quetschungen der Lederhaut oder die Ruptur eines Blutgefäßes und zeigen sich durch rote oder gelbrote Verfärbungen in dem betroffenen Wandabschnitt. Ursächlich sind Imbalancen in der Hufkapsel, die durch eine gute Hufbearbeitung beseitigt werden sollten.
In der Sohle nennt man eine solche Einblutung „Steingalle”. Sie können auch durch Prellungen und das Treten auf einen Stein entstehen. In der Regel heilen Steingallen von allein ab und wachsen heraus.
Bei einer langen Zehe, beschlagenen Hufen oder durch Bewegung auf sehr hartem Boden (auch bei Bodenfrost oder hoher Trockenheit im Auslauf/ Paddock möglich) kann es zu einer mehr oder weniger intensiven Einblutung in die weiße Linie im Zehenwandbereich kommen. Ursächlich hierfür sind entweder Hebel- und Scherkräfte oder die ständige Erschütterung der Hufkapsel auf hartem Untergrund. Entstehen die Einblutungen durch eine zu lange Zehe, ist der Auslöser durch eine gute Hufbearbeitung abzustellen.

MANU VOLK


… ist seit 2005 geprüfte Hufpflegerin und seit 2006 geprüfte Huftechnikerin für Kunststoff-, Aluminium- und Klebebeschläge. Über die Jahre hat sie ihr Wissen über die Anatomie und Funktion des Hufes und die Zusammenhänge zwischen der Balance des Hufes und der Gliedmaße vertieft. Dabei wurde sie zum durch und durch überzeugten Barhufmenschen, der auch dem Pferdebesitzer verständlich machen möchte, wie wichtig ein gesunder und funktionaler Huf für das Wohlergehen des Pferdes ist.

www.go-barhuf.de
www.natural-hoof-balance.com