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Wenn Freundschaft Wunder wirkt: Die Krebs-Kriegerinnen


Lea - epaper ⋅ Ausgabe 1/2020 vom 24.12.2019

Als Anja die Diagnose erhält, verliert sie den Boden unter den Füßen. Ihre Vertraute Mina hilft ihr durch die schwere Zeit


Artikelbild für den Artikel "Wenn Freundschaft Wunder wirkt: Die Krebs-Kriegerinnen" aus der Ausgabe 1/2020 von Lea. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Lea, Ausgabe 1/2020

Krebs kann jeder kriegen – Mina (rechts) und Anja haben beide gegen die Krankheit gekämpft. Und gewonnen


Wenn ich gewusst hätte, dass ich nie wieder Salat essen darf, hätte ich mich wochenlang von nichts anderem als Rukola ernährt“, erzählt Anja Koeseling und lacht, „leider kann ich keine Säfte und auch nichts mehr mit Sprudel trinken. Außerdem habe ich eine Laktose-Intoleranz. Und ich vermisse Leberwurst.

Sehr.“ Die 45-Jährige zögert einen Moment, dann lacht sie wieder: „Porridge mit ...

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... Wasser und einem Hauch Zimt, das bekommt mir gut.

Ich mag das, da habe ich echt Glück gehabt.“ All diese Dinge kann Anja nicht mehr essen und trinken, weil ihr Dickdarm entfernt wurde.

„Sie haben Krebs. Melden Sie sich in der nächsten Woche in meinem Sekretariat. Ein schönes Wochenende für Sie!“ So bekam die Autorin und Literatur-Agentin ihre Diagnose nach einer Darmspiegelung.

Am Telefon. An einem Freitag. „So einen Anruf möchte man nicht bekommen.

Nicht in dieser Art. Nicht zu diesem Zeitpunkt. Da ist wirklich die Menschlichkeit verloren gegangen.“ Glücklicherweise war ihre Bremer Freundin Mina Teichert für das Wochenende zu Besuch, die beiden machten gerade eine Sight-Seeing-Tour auf dem Boot durch Berlins Gewässer.

Anja schweigt einen Moment bei der Erinnerung: „Nach so einem Anruf läufst du durch eine Nebelwand. Du hast dann keine Muskeln und keine Knochen mehr. Meine Knie waren einfach weg.“ Mina fuhr Anja in deren Auto nach Hause, redete mit ihr, ließ sie nicht aus den Augen. Und sie machte ihrer Freundin Mut. „Wir schaffen das!“ Denn die 41-Jährige weiß, wie wichtig das ist – sie selbst war vor Jahren an Gebärmutterhalskrebs erkrankt.

Vier Jahre ist dieses unwürdige Telefonat mit einem Berliner Chefarzt jetzt her. Vier Jahre voller Schmerzen, Schläuche und Operationen.

Vier Jahre Angst, aber auch vier Jahre unverbrüchlicher und treuer Freundschaft. „Ich wollte da sein für den Spaß an trüben Tagen, für stundenlanges Telefonieren und als Filter für schreckliche Gedanken“, erzählt Mina, und Anja fügt hinzu: „ Sie ist besser als jede Mutmachpille. Sie war wirklich für mich da, immer und zu jeder Tages-und Nachtzeit.“ Das hat die Berlinerin gebraucht.

„Ich war so wütend. Wütend, dass es mich getroffen hatte.

Wütend auf den Arzt, wütend auf meinen Darm, wütend auf den Krebs. Und immer wieder die allumfassende Frage: warum ich?! Ich hatte doch so unglaublich gesund gelebt.“ Aber das heißt gar nichts. Denn was die beiden Freundinnen aus ihrer jeweiligen Geschichte gelernt haben: Krebs kann jeder kriegen.

Jederzeit, an jedem Organ.

Bei Anja war es der Dickdarm. „Der sah mit seinen vielen Polypen aus, als ob da lauter kleine Pfifferlinge drauf wachsen“, erinnert sich die dunkelhaarige Frau. „Das muss ganz dringend weg“, sagte der Arzt. Was sie erst kurz vor der OP erfuhr: Ihr soll nach dem Eingriff ein künstlicher Darmausgang gelegt werden, ein Stoma – sie trägt einen Plastikbeutel mit ihrem Darmende drin auf dem Bauch.

„Das war für mich das Grauen“, erzählt sie, „daran konnte ich mich nur ganz schwer gewöhnen.

Und es war sehr, sehr schmerzhaft.“ Ihre Erfahrungen im Krankenhaus fasst sie so zusammen: „Es schien so, als ob ich nur ein Gegenstand bin, mit dem man Geld verdienen kann. Mehr nicht. Niemand vom medizinischen Personal hatte auch nur ein tröstendes Wort, ein Schulterstreicheln, eine Aufmunterung oder einen Fahrplan für die kommende Zeit nach der Operation für mich.“


„Nach so einem Anruf läuft man wie durch eine Nebelwand“


Aber Mina hatte Trost, und vor allem hatte sie Zeit. Sie wechselte zwischen ihrem Zuhause in Bremen und Anja in Berlin. Als Anja aus dem Krankenhaus entlassen wurde, kam sie angereist, um ihrer Freundin zu helfen. Sie brachte Anja auch wieder dorthin, als sich die Wundränder entzündeten. Sie kümmerte sich im Wechsel mit Anjas Familie um die beiden Jack Russell Terrier Esta und Akimo. Und sie machte eine gemeinsame Wunschliste. An erster Stelle: Eine Reise nach Afrika – denn das war ein sehnlicher Wunsch von Anja. Den sie sich nach all den Torturen erfüllt hat.

Die 45-Jährige musste immer wieder ins Krankenhaus, es entstanden neue Polypen auf dem Rest Dickdarm, den sie noch hatte. Deshalb entschloss sie sich, ihn komplett herausnehmen zu lassen. Diesmal aber in einem anderen Krankenhaus, wo sie sich gut behandelt fühlte.

Aber nach dem Eingriff war ihr ständig übel, sie hatte starke Schmerzen – aber sie überstand alles. „Ich war so oft wie möglich in Berlin, wir haben ständig telefoniert. Gemeinsam konnten wir das alles überstehen. Das hat uns richtig zusammengeschweißt“, erzählt Mina.

Den Stomabeutel ist Anja los. Sie muss allerdings oft auf die Toilette gehen, und vieles darf sie nicht mehr. Aber: „Ich lebe noch. Es geht mir so weit ganz gut.“ Sie lacht: „Und es gibt auch wieder einen Mann in meinem Leben.

Der liebt mich genau so, wie ich bin.“


„Ich muss leider auf sehr vieles verzichten. Aber: Ich lebe noch“


UNSER BUCH-TIPP:

Über den erfolgreichen Kampf gegen Krebs, der das Leben beider Freundinnen bestimmt hat.
„Krebskriegerinnen“, Anja Koeseling, Mina Teichert. 14 Euro. Echt EMF

Selbsthilfegruppen und Foren:

• Für Erkrankte und ihre Angehörigen. Mit bundesweiten Angeboten und Adressen.
www.krebsgesellschaft.de

• Zahlreiche Projekte und Initiativen. Sie sollen der Krankheit den Schrecken nehmen.
www.krebshilfe.de

• Seite mit vielen nützlichen Links und Adressen von Selbsthilfegruppen.
www.krebsinformationsdienst.de


Fotos: echtEMF, Vanessa Rosenbrock (3)