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Wenn Tiere Probleme machen


ÖKO-TEST Kompakt Fit & Gesund - epaper ⋅ Ausgabe 2/2009 vom 16.02.2009

Während die meisten Menschen Staub nur als lästig empfinden, weil er mit Arbeit verbunden ist, macht er anderen das Leben zur Qual. Sie reagieren auf diese Mischung aus Haaren und Hautschuppen von Mensch und Tier, auf Textilfasern, Federn, Bakterien, Pilze und Hausstaubmilben höchst allergisch.


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Foto: digital vision

Hausstaubmilbenallergiker leiden unter Dauerschnupfen, Bindehautentzündung oder auch allergischem Asthma mit Husten und Atemnot. In Deutschland sind laut Ärzteverband Deutscher Allergologen (ÄDA) 17,5 Prozent der Bevölkerung davon betroffen. Die Symptome verstärken sich meist im Herbst, wenn ...

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Hausstaubmilbenallergiker leiden unter Dauerschnupfen, Bindehautentzündung oder auch allergischem Asthma mit Husten und Atemnot. In Deutschland sind laut Ärzteverband Deutscher Allergologen (ÄDA) 17,5 Prozent der Bevölkerung davon betroffen. Die Symptome verstärken sich meist im Herbst, wenn die Heizperiode beginnt. Im Sommer haben sich die Milben vermehrt und üppig von Hautschuppen gelebt. Wird nun geheizt, sinkt die Luftfeuchtigkeit in den Räumen, der Milbenkot trocknet und geht feinstverteilt in Staub auf. Das Immunsystem des Allergikers bildet Antikörper gegen die Eindringlinge, die Antigene. Bei jedem Kontakt mit dem Antigen setzen bestimmte Zellen Stoffe wie Hi stamin und Leukotriene frei, die die allergischen Symptome verursachen.

Hausstaubmilben: Im Sommer mästen und vermehren sie sich, ab Herbst quälen sie Allergiker.


Foto: FGK e.V.

Eine Hausstaubmilbenallergie zeigt sich oft schon bei Klein kindern, etwa jedes fünfte Kind ist bereits dafür sensibilisiert. Eltern sollten daran denken, wenn ihr Nachwuchs das ganze Jahr über scheinbar erkältet ist und die Symptome zu Hause schlimmer sind als im Freien.

Bevor nun aber dem feindlichen Untermieter der Kampf angesagt wird, sollte ein allergologisch versierter Facharzt klären, ob tatsächlich eine Hausstaubmilbenallergie vorliegt. Denn auch andere Innenraumallergene wie Schimmelpilzsporen und Tierhaare können die gleichen Symptome auslösen. Bestätigt sich der Verdacht, gibt es eine Reihe von Maßnahmen, die empfohlen werden, um den Spinnentierchen das Leben zu erschweren und ihre Zahl zu reduzieren.

Milben mögen’s feucht

Hauptaugenmerk gilt dabei den Plätzen, an denen sich Milben besonders zahlreich tummeln. Dazu gehört vor allem die Schlafstatt mit Matratze und Bettzeug. Bei 75 Prozent Luftfeuchtigkeit, einer Temperatur um 25 Grad und einem großen Nahrungsangebot fühlen sich die Milben hier besonders wohl. Sie leben vor allem von Hautschuppen, von denen der Mensch etwa ein Gramm täglich verliert.

Umhüllungen von Matratzen, sogenannte Encasings, können Allergikern helfen, die ungebetenen Gäste in Schach zu halten. Qualitativ gute Encasings um schließen die Matratze voll ständig, sind reißfest und undurchlässig für Milben und dere Allergene. Sie sollten mit einem dicht schließenden Reiß verschluss mit belastbaren Nähten ausgestattet sein – am besten achtet man auf das Prüfsiegel eines renommierten Institutes. Encasings sollten alle paar Monate gewaschen werden, am besten bei mehr als 60 Grad, denn das tötet laut einer Studie die Hausstaubmilben zuverlässig. Spezielle Encasings von Kopfkissen und Bettzeug müssen nicht unbedingt sein, da sich dort gewöhnlich nicht so viele Milben aufhalten.

Decken, Kissen und Überzüge sollte man alle ein bis zwei Wochen bei 60 Grad waschen. Hält das Federbett keine 60- Grad-Wäsche aus, gibt es eine Alternative: Bei 30 oder 40 Grad waschen, danach zweimal für mindestens drei Minuten mit kaltem Wasser ausspülen. Das wirkt laut Studien ebenfalls effektiv gegen Hausstaubmilben. Kuscheltiere, die mit im Bett liegen, gehören auch regelmäßig gereinigt. Wenn das, beispielsweise bei einem Teddy, nicht ohne Weiteres geht, vertreibt Kälte die Tierchen. Das Plüschtier kommt dann für einen Tag in die Kühltruhe. Danach lassen sich die Milben aus dem Fell schütteln.

Teppichböden sind für Hausstauballergiker eigentlich tabu. Wer aber nicht darauf verzichten mag, sollte zum Saugen Geräte mit leistungsfähigem Mikrofilter einsetzen.


Foto: Banana Stock

Ob Teppich oder Bettvorleger, textile Bodenbeläge sind Staubfänger. Glatte Böden wie Parkett oder Fliesen werden regelmäßig feucht gewischt. Sie bleiben dadurch staubfrei. Zum Staubsaugen empfehlen sich Geräte mit leistungsfähigen Mikrofiltern. Ansonsten pusten die Staubsauger die allergieauslösenden Partikel hinten wieder raus. Staubsauger mit HEPA-Filter (Hight Efficiency Particulate Air-Filter) besitzen eine Filterleistung von 99,7 Prozent. Die neueste Filtergeneration ULPA (Ultra Low Particulate Air) lässt weniger als 0,0005 Prozent der Partikel durch. Wichtig: Den Staubsaugerbeutel immer frühzeitig wechseln, damit die Saugleistung möglichst hoch bleibt. Wasserstaubsauger haben sich bei einem ÖKO-TEST dagegen als wahre Keimschleudern entpuppt. Bei fast allen getesteten Geräten nahm die Menge der Milbenallergene in der Luft durch das feuchte Saugen sogar zu.

Egal wie gut der Staubsauger seine Dienste tut – Hausstaubmilbenallergiker sollten nicht selbst saugen, weil sie dann den aufgewirbelten Allergenen besonders stark ausgesetzt sind. Eine gute Lösung für Allergiker sind Zentralstaubsauger, die die Abluft über ein Röhrensystem direkt nach außen leiten.

Eine wichtige Rolle spielt auch das Raumklima. Milben mögen es feucht und warm. Daher hilft es, die Räume nicht zu warm zu heizen und regelmäßig zu lüften. Am wirkungsvollsten ist Stoßlüften. Dabei werden die Fenster kurz und weit geöffnet. Die Temperatur im Schlafzimmer sollte um 18 bis maximal 20 Grad liegen. Das senkt auch die Luftfeuchtigkeit im Raum auf angestrebte 50 Pro zent. Ein Luftbefeuchter ist nicht empfehlenswert, er kann die Raumluft zusätzlich mit Schimmelpilzsporen, Keimen und anderen Bakterien belasten.

Auf Akarizide kann man bei der Milbenbekämpfung ebenfalls gut verzichten. Diese chemischen Mittel haben sich bislang kaum bewährt, denn sie halten die behandelten Flächen nicht dauerhaft frei von Milben und müssen daher immer wieder angewendet werden.

Von wegen traute Zweisamkeit: Hausstaubmilben lieben das feuchtwarme Klima in unseren Betten und bevölkern sie millionenfach.


Foto: image library

Die Heizung nie zu hoch einstellen, denn Hausstaubmilben lieben Wärme. Wichtig ist auch regelmäßiges Lüften.


Foto: irisblende.de

Milbenfrei wird die Wohnung trotz intensiver Bemühungen ohnehin nicht. „Es ist einfach unmöglich, alle Milben zu beseitigen – egal, wie viel Mühe man sich macht“, sagt Professor Dr. Peter Sawaki, Leiter des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen. Für die einzig wirksame Maßnahme halten viele Mediziner die Hyposensibilisierung. Hierbei wird der Körper allmählich an das Allergen gewöhnt. Der Allergiker erhält aufbereitete Milbenextrakte in steigender Dosierung, bis er nicht mehr darauf reagiert. Dies kann bis zu drei Jahre dauern. Die Mittel werden entweder vom Arzt gespritzt oder in Form von Tropfen, Tabletten oder Spray unter die Zunge verabreicht.

Weil eine Hausstaubmilbenallergie ohne Behandlung zu Asthma führen kann, rät der Kinder- und Jugendarzt Professor Dr. Carl-Peter Bauer Eltern, ihre Kinder mit Hausstaubmilbenallergie frühzeitig von einem Allergologen behandeln zu lassen.

Sinnvoller Milbencheck

Die Milbenbelastung lässt sich testen. DerBio-Check Allergen Control von der Firma Dräger zeigt anhand einer Farbreaktion, wie hoch die Allergenbelastung auf textilen Oberflächen beziehungsweise im Staub ist.

Der Test ist relativ preisgünstig und liefert Anhaltspunkte für eine möglicherweise hohe Belastung. Bei Werten ab zehn Mikrogramm Milbenallergen pro Gramm Hausstaub (dem Grenzwert der Weltgesundheitsorganisation WHO) zeigen die meisten Sensibilisierten Symptome. Diese Checks ersetzen aber nicht einen ausführlichen Allergietest beim Arzt.

Foto: Dräger