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Wenn Wale tagen,


TAUCHEN ehemals unterwasser - epaper ⋅ Ausgabe 9/2019 vom 13.08.2019

ist das einer der Momente, die man als Mensch nie wieder vergisst – vorausgesetzt, man ist dabei. Unser Autor reiste nach Mauritius, um genau das zu erleben.


Artikelbild für den Artikel "Wenn Wale tagen," aus der Ausgabe 9/2019 von TAUCHEN ehemals unterwasser. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: TAUCHEN ehemals unterwasser, Ausgabe 9/2019

Oben: Mauritius ist ein Potpourri der Kulturen. Mit der Hindu-Religion entstanden die schönsten Tempelanlagen. Sie sind überall auf der Insel zu bewundern. Zu den Pilgerstätten zählt der Kratersee »Grand Bassin«. Unten: Gleich hinter dem »Flic en Flac«-Beach liegt der »Mount Rempart«, perfekt für Wanderungen an kühlen Tagen.


Tauchen auf Mauritius – lohnt sich das? Darüber hatte ich mir vorher nie Gedanken gemacht, gab es doch so viele andere Orte auf ...

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... der Welt zu entdecken, die in meiner Vorstellung die besten Tauchplätze sind und spannende Erlebnisse boten. Doch weit gefehlt. Ich bin überrascht darüber, was Mauritius und das Meer dort zu bieten haben: einen bunten Mix verschiedenster Kulturen über Wasser mit afrikanischen, indischen und europäischen Einflüssen, unzählige Wracks und spannende Erlebnisse unter Wasser.

Gemeinsam mit den bekannten Freitauchern Nik Linder und Fred Buyle habe ich mich auf den Weg zum Orca Dive Club auf Mauritius gemacht. Die beiden werden einen Apnoe-Workshop für Teilnehmer aus ganz Europa abhalten. Eine Woche lang vermitteln die Profis ihr Wissen und machen die Teilnehmer fit für diesen gerade sehr angesagten Sport. Die Wassertemperatur ist jetzt im März auf dem Höchststand und mit 28 Grad angenehm warm. Die Sichtweiten sind um diese Jahreszeit perfekt. An manchen Stellen überschreitet die Sicht die 40-Meter-Marke. Besonders an sonnigen Tagen ist es im offenen Meer einfach nur unglaublich schön. Die Sonnenstrahlen flimmern gegen Mittag durch das Wasser und erzeugen dabei magische Reflexionen.

Bevor der Workshop beginnt, haben die Besitzer der Basis, die Brüder Wolfgang und Volker Clausen, mit uns noch etwas Besonderes vor. Wir werden versuchen, mit Pottwalen zu schnorcheln. Die Aktion ist sorgfältig geplant, da die rund um Mauritius lebenden Pottwale besonders geschützt sind. Nur mit Erlaubnis der Behörden ist es möglich, legal mit ihnen zu schwimmen und sie zu fotografieren. Ausflugsboote, die ihnen zufällig begegnen, müssen einen Abstand von mindestens 100 Metern halten. Wer sich nicht daran hält, muss mit empfindlichen Strafen rechnen.

Wolfgang hat schon vor Monaten alle erforderlichen Unterlagen eingereicht. Eigentlich sollte alles klar sein, doch wie so häufig hakt es an einer Stelle. Als wir eintreffen, ist die Genehmigung noch nicht von allen zuständigen Behörden abgesegnet. Hugues Vitry hat ihm versprochen, bei der Beantragung dieses Permit zu helfen. Er ist Besitzer der ältesten Tauchbasis der Insel. Seine einzige Bedingung für die Unterstützung ist, dass wir mit seinem Boot zu den Pottwalen hinausfahren. Das ist eigentlich kein Problem, wäre Hugues nicht ein sehr spezieller Charakter.

Gemeinsam mit Fred, Nik, Wolfgang und Volker stehe ich am vereinbarten Morgen vor der Tauchbasis und warte auf Hugues. Es gibt ein Problem. Angeblich ist das Permit nicht in Ordnung. Erst wenn eine weitere Behörde es abgestempelt hat, können wir hinaus aufs Meer. Der findige Hugues weiß einen Ausweg. Er selbst hat ein Dauerpermit und darf täglich zu den Pottwalen, ganz nah sogar, aus begründetem wissenschaftlichen Interesse. Jeder, der mit ihm hinaus fährt, muss anschließend alle geschossenen Aufnahmen an ihn abliefern. Begründung: Sie sollen zu Forschungszwecken ausgewertet werden.

Auch wenn es nur Kopien sind, fällt es mir als Fotograf schwer, das zu akzeptieren. Ich möchte selbst entscheiden, wem ich welche Fotos übereigne und möchte wis- sen, wofür sie verwendet werden. Hugues zuckt mit den Achseln. Entweder wir kommen mit auf seine Tour oder gar nicht.

Pottwale stellen sich zum Ruhen gerne senkrecht ins Wasser. Dabei schlafen sie mit offenen Augen. Ihre Vitalfunktionen sind während dieser Ruhezeit stark reduziert; dennoch nehmen sie ihre Umwelt wahr.


»Einem Pottwal im offenen Meer zu begegnen und sich auf wenige Meter nähern zu können, ist ein außergewöhnliches Erlebnis. Nur wenn man ihnen genug Zeit gelassen hat, erlauben sie diese Annäherung.«


Wir akzeptieren schließlich und fahren mit seinem Boot hinaus. Angeblich sind die Pottwale nur wenige Kilometer vor der Küste unterwegs. Sowohl Fred als auch ich kennen Pottwale bereits von den Azoren. Dort sind die Tiere ziemlich scheu; es war schwer, sie zu fotografieren. Wir sind skeptisch und gespannt, wie nahe wir diesmal an die großen Säuger herankommen. Nach weniger als einer halben Stunde haben wir die erste Sichtung. Ein junges, weibliches Tier liegt ruhig vor uns im Wasser. Sie streckt ihre Fluke in die Höhe.

Gemeinsam mit unserem Guide gleiten Nik, Fred und ich vorsichtig ins Wasser. Immer nur drei Schnorchler plus ausgebildetem Walguide dürfen sich den Tieren nähern. Der Pottwal schaut uns an, bleibt ruhig. Wir schwimmen sehr langsam auf ihn zu und bekommen die ersten Bilder. Doch schon bald ist ihm unsere Anwesenheit zu viel und er taucht ab. Als wir zurück an Bord klettern, hat der Kapitän bereits das nächste Tier gesichtet. Immer mehr Pottwale tauchen rund um das Boot auf. Wir wechseln uns mit dem zweiten Schnorchelteam ab. Als nach drei Stunden der Kapitän ankündigt, dass die nächste Runde die letzte sein wird, sichten wir ein großes Jungtier. Diese Begegnung wird unser Tages-Highlight. In spitzem Winkel nähern wir uns langsam; es sind noch gut acht Meter, da bewegt sich der Pottwal und kommt direkt auf uns zu. Ich muss den Rückwärtsgang einlegen, damit er mich nicht über den Haufen schwimmt. Grandios. So hatte ich es mir gewünscht, aber nicht zu hoffen gewagt.

Es ist mittags, als wir den Rückweg antreten. Angeblich darf man nur am Vormittag mit den Pottwalen schwimmen. Wir haben ja schließlich noch kein eigenes Permit und auch keine Verhaltensweisen ausgehändigt bekommen. Wolfgang und Volker wollen gleich morgen früh los und den den noch fehlenden Stempel einholen. Da Nik, Fred und ich aber keine Zeit verlieren wollen, bitten wir Hugues, uns am nächsten Tag noch einmal mitzunehmen. Er lehnt leider ab und teilt uns mit, dass er dann keinen Platz für uns hätte. Das überrascht uns alle, denn wir sollten doch von Montag bis Freitag täglich mit ihm aufs Meer. So war es zumindest vereinbart.


»Die Ratsversammlung: Zur Kommunikation stecken sie ihre riesigen Wal- Köpfe zusammen und unterhalten sich im Hochfrequenz-Bereich.«


Wir schmieden einen neuen Plan und wollen am nächsten Tag mit einem anderen Anbieter versuchen, die Wale zu finden. Solange das Permit nicht abgestempelt ist, versuchen wir, mit Delfinen zu schwimmen und warten darauf, dass ein Anruf von Wolfgang uns die Freigabe für die Wale gibt. So geht es frühmorgens um fünf Uhr weit in den Südwesten der Insel, um von dort aus aufs Meer zu starten.

Wir sind gerade einmal eine Stunde unterwegs, da sehen wir die ersten Delfine. Die haben aber augenscheinlich keine Lust, mit uns zu spielen. Kaum sind wir im Wasser, verschwinden sie. So verbringen wir eine weitere Stunde mit Annäherungsversuchen. Dann kommt der ersehnte Anruf: wir haben das Permit und dürfen mit den Walen ins Wasser. Sofort machen wir uns auf den Weg nach Norden, wo wir gestern die Pottwal-Familie gesehen hatten.

Nach nur wenigen Kilometern sehen wir den ersten Blas. Diesmal sind wir nur als Dreierteam unterwegs, denn unser Permit erlaubt uns, auch ohne Guide ins Wasser zu gehen. Auch dürfen wir mit diesem Permit abtauchen, was sonst streng untersagt ist. Die Wale sind entspannt, und wir können es langsam angehen lassen. So schwimmen wir erst einmal neben den Tieren her. Nach einer Weile kommen die ersten von sich aus auf uns zu. Es ist eine große Familie mit mehreren Jungtieren. Wir zählen an die 25 Exemplare. Gemeinsam ziehen sie gemächlich nordwärts. Nach einer Dreiviertelstunde stoppen die Wale. Das Unglaubliche geschieht. Sie legen eine Ruhepause ein, und die ersten stellen sich senkrecht ins Wasser – welch ein Anblick. Mehrere Tiere stehen nun hintereinander senkrecht im Meer. Da wir bereits sehr lange bei ihnen waren, scheinen sie uns als »Freunde« akzeptiert zu haben. Wir können zwischen ihnen umherschwimmen und von allen Seiten fotografieren. Selbst als wir abtauchen, regen sie sich kein bisschen. Nur die Augen scheinen uns permanent zu verfolgen.

Es ist ein Respekt einflößender Anblick, wenn sich die Wale unter Wasser zum Wal-Meeting zusammenfinden.


Der beliebte »Flic en Flac«-Beach wird besonders von den Einheimischen genutzt. Er ist der längste und breiteste Sandstrand der Insel.


Plötzlich kommt Bewegung in einen Teil der Gruppe. Immer mehr Wale schwimmen mit den Köpfen zueinander und bilden einen Knäul. Sie reiben sich aneinander und stoßen mit den Schädeln zusammen. Wir sind fasziniert. Vor lauter Staunen vergesse ich fast zu fotografieren. Das alles passiert direkt neben uns, nur wenige Meter entfernt. Selbst wenn eines der Tiere aus dem Knäul herausschwimmt und auf uns zu kommt, stoßen sie uns nicht an, sondern schwimmen gemächlich an uns vorbei. Was für ein Augenblick.

Die Literatur sagt mir später, dass die Wale auf diese Weise kommunizieren. Mit den Klicklauten, die wir von ihnen kennen, messen sie Distanzen und Größen, schätzen Gefahren ein oder erkennen Fressbares. Unterhaltungen in der Gruppe werden mit hochfrequenten Tönen geführt. Um sich zu verständigen, müssen sie die Köpfe zusammenstecken und nahe beisammen sein. Was wir gerade erleben, ist eine Ratsversammlung der Wale.

Inzwischen ist man auch auf anderen Booten auf das Spektakel aufmerksam geworden und nähert sich dem Naturschauspiel. Wir haben viel Zeit mit diesen fantastischen Tieren verbracht und ziehen uns langsam zurück zum Boot. Immer wieder kommen einzelne Tiere nah an uns vorbei. Es scheint, als wollten sie sich verabschieden. Der Moment ist so gewaltig für die Seele, dass man es nicht in Worte fassen kann. Es ist einfach nur schön, die eleganten Wale – die größten Raubtiere, die je auf unserem Planeten gelebt haben – so nahe und so friedlich zu erleben. Danke Natur, danke an euch, ihr friedfertigen Wale.

Das Erlebnis birgt auch Schattenseiten. Auch andere Tauchschulen wollen, wie die Basis von Hugues, hinausfahren, um ihren Gästen das Schwimmen mit Pottwalen zu ermöglichen. Dazu kommen die Besucher, die mit privaten Booten auf dem Meer unterwegs sind. Jeder nutzt die Gelegenheit und springt ins Wasser, wann immer ein Pottwal in der Nähe ist. Wie lange wird das gut gehen? Bis irgendwann die Wale im wahrsten Sinne des Wortes die »Schnauze voll haben«? Dass die zuständigen Stellen in Mauritius die Permits nicht gleichmäßig auf die Tauchbasen verteilen, birgt das Risiko, dass manches Boot auch ohne Erlaubnis hinausfährt. Für uns bleibt unverständlich, dass nur eine Basis ein sogenanntes »Dauerpermit « hat, ohne den dafür wissenschaftlich fundierten Hintergrund zu begründen beziehungsweise ohne ein sichtbares Engagement für den Erhalt der Spezies zu zeigen. Hier wird leider der Anschein erweckt, dass es nur darum geht, Profit zu erzielen und den eigenen Gästen das Schnorcheln mit den Walen zu ermöglichen.


Auch für die Apnoe-Profis Fred und Nik sind die Begegnungen mit den Walen etwas ganz Besonderes.


Das Wrack der »D‘Jabeda« ist 44 Meter lang und liegt in 32 Meter Tiefe auf Grund in der »Confetti Bay« vor »Gunners`s Coin Island«.


Die Unterwasserlandschaft ist sehr unterschiedlich. An einigen Plätzen gibt es riesige Felsklötze mit großen Gorgonien.


Nik und Fred bereiten sich inzwischen auf die weiteren Tage beziehungsweise ihren Apnoe-Kursus vor und suchen nach coolen Locations dafür. So fahren wir zur Insel Coin de Mire, wo in der Confetti Bay das Wrack der »D‘Jabeda« liegt. Das 44 Meter lange ehemalige Fischerboot wurde künstlich versenkt und steht in 32 Metern Tiefe aufrecht auf dem Sandgrund. Der Platz ist perfekt für Nik und Fred, um dort zu trainieren. Für mich ist er ideal, um von den beiden Fotos zu schießen. Aber auch weitere schöne Plätze sind in direkter Nähe der Tauchbasis zu erreichen.

Einen weiteren Tag hat Wolfgang ausschließlich dem Sporttauchen vorbehalten, damit ich auch ein paar der Tauchplätze rund um die Tauchbasis kennenlerne. Am meisten haben mich die zwei kleinen Wracks »Emily« und »Waterlilly« beeindruckt. Die kleinen Schlepper liegen in 26 Meter Tiefe und sind wunderschön mit Korallen und Schwämmen überzogen. Durch die unzähligen Fische, die das künstliche Riff als neue Wohnsiedlung nutzen, wird der Platz zum Fotostudio. Dank der Nitroxfüllung in meinem Tank kann ich den Tauchgang bis zum Ende auch in dieser Tiefe verbringen. Wenn es nach mir ginge, wäre ich gleich zum nächsten Tauchgang wieder dorthin gekommen. Aber Niko, der Basisleiter von Orca, will mir noch mehr zeigen. So betauchen wir am Nachmittag einen Felsengarten. Dort stehen massive Felsblöcke, bewachsen von gewaltigen Gorgonien oder überzogen von einem Teppich aus meterhohen Schwämmen. Die Fischvielfalt ist deutlich geringer; dafür treffen wir auf große Barrakudas. Ein mächtiger Tuna schwimmt an uns vorbei.

Nach Mauritius kommen und dort nur zu tauchen, würde bedeuten, viele schöne Ecken der Insel zu verpassen. Beeindruckend ist nicht nur der »Piton de la Petite Rivière Noire«, der höchste Berg der Insel mit 828 Metern Gipfelhöhe. Noch mehr hat es mir »Pieter Both« angetan, der seltsame Berg mit der Kugel auf der Spitze. Als hätte ein Riese eine Murmel darauf gelegt und vergessen, sie wieder mitzunehmen. Von dort geht es weiter zur größten hinduistischen Tempelanlage der Insel. Der Tem- pel liegt am Grand Bassin, einem Kratersee. Von den Hindus wird er »Gango Talao« (See des Ganges) genannt. Kurz bevor man ihn erreicht, sieht man an der Straße zwei gewaltige Statuen der Götter »Shiva« und »Durga Mata«. Im Südwesten befindet sich der »Black River Gorges National Park«, durch den nur eine große Straße führt, und der so gut wie keine Besiedelung aufweist. Die dicht bewaldeten Täler beherbergen unzählige Wasserfälle und sind Rückzugsgebiet vieler Tiere. Am südlichen Ende findet man in der Nähe der Ortschaft Chamarel das Naturphänomen der »siebenfarbigen Erde«. Das vulkanische Gestein ist durch die tropische Verwitterung ausgewaschen, und die zurückgebliebenen Eisenund Aluminiumoxide bilden die rot bis violett blauen Töne des Gesteins. Vorbei an »Flic en Flac«, dem schönsten Strand der Insel, geht es nach zurück in die Grand Bay, wo wir im »Hibiscus Beach Resort« wohnen. Obwohl die kleine Anlage in der Nähe der Hauptstraße liegt, hat man in ihr das Gefühl, im Urwald von Mauritius zu wohnen. Die Lianen hängen von den 20 Meter hohen Bäumen und nehmen den dreistöckigen Häusern ihre Größe. Selbst mitten am Tag, in der tropischen Hitze, ist es noch angenehm kühl und immer ruhig.

Fischreiche Plätze sind vor allem an den zahlreichen Wracks zu finden. Die natürliche Unterwasserwelt ist vor allem durch mächtige Felsformationen gekennzeichnet.


REISEINFO MAURITIUS

Anreise: Es gibt im Winterflugplan Direktflüge von mehreren europäischen Flughäfen nach Mauritius (Condor, Eurowings). Ganzjährig fliegen Swiss, Austrian, Emirates, Air Mauritius oder weitere Airlines mit Zwischenstopp von Flughäfen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Flüge dauern zwischen 11 und 18 Stunden, Preise ab ca. 450 - 900 Euro je nach Saison. Als Deutscher, Österreicher oder Schweizer benötigt man einen noch mindestens 6 Monate gültigen Pass, um ins Land einzureisen.

Unterkunft: Hotel Hibiscus Beach Resort & Spa, Pereybere, Mauritius. Die kleine familiäre Anlage mit 50 Zimmern liegt im Norden von Mauritius inmitten eines tropischen Gartens. Ein Außenpool, der wie die Insel Mauritius geformt ist, umgibt einen Mini-Wasserfall, eine Kinder-Ecke und einen Whirlpool. Ins Meer gelangt man über einen Schwimmsteg. Gleich zwei schöne Sandstrände liegen direkt neben dem Hotel. Die Tauchbasis befindet sich direkt in der Anlage, nur wenige Meter neben den Zimmern gelegen. Das Restaurant serviert die Mahlzeiten meist in Buffetform. Das Essen ist lecker und wird nach traditionellen Landesrezepturen zubereitet. Auf Wunsch gibt es auch Gerichte bei Unverträglichkeiten. Die Transferzeit vom Flughafen beträgt zirka 90 Minuten.

Tauchen: Die Tauchbasis ist ab dem 1. Oktober 2019 wieder im Hibiscus Beach Resort ansässig, wo sie schon früher einmal stationiert war. Sie verfügt über ein eigenes Tauchboot, das Platz für maximal 16 Tauchern bietet. Es werden 27 feste Tauchplätze angefahren, die von Korallengärten bis hin zu Wracks reichen. Auf den Ausfahrten begegnet man immer wieder Schulen von Delfinen und auch gelegentlich Pottwalen und Buckelwalen.

Ausstattung: Die Basis ist nur für kleine Gruppen konzipiert und ausgelegt. Es gibt zehn komplette Ausrüstungen zum Verleih sowie Stahlflaschen in den Größen 8, 10, 12 und 15 Liter. Alle verfügen über DIN Anschlüsse. Adapter für INT-Flaschen sind vorhanden. Die Luft kommt aus Bauerkompressoren, und es wird Nitrox angeboten. Computer und Lampen für Nachttauchgänge sind ebenfalls im Verleih.

Preise: 14 Tage Übernachtung/HP und 10 Tauchgänge ab 1.100 EUR. Buchbar: info@orca-diveclubs.com, www.orca-diveclubs.com

Tauchplätze: Die Wracks der Emily und Waterlilly. Die zwei kleinen Schlepper liegen auf 26 Meter Tiefe direkt nebeneinander im Sandgrund. Sie wurden Anfang der 1980er Jahre dort versenkt und sind inzwischen voll von marinem Leben. Mit 25 Minuten Anfahrt sind sie eine der am weitesten entfernten Tauchplätze. Weitere Highlights sind das Wrack der D‘Jabeda und die Confetti Bay. Das Wrack, ein ehemaliges Fischerboot, ist 44 Meter lang und steht aufrecht auf dem Kiel in einer Tiefe von 32 Metern. Es ist sehr schön bewachsen, und wegen der meist guten Sicht ist es sogar von der Oberfläche aus zu sehen. Barrakudas, Tunas und Schnapper sind immer wieder am Wrack und in der Bucht anzutreffen. 25 Minuten Anfahrt.

Die Stella Maru ist ein für jeden Taucher einfach zu erreichendes Schiffswrack. Es ist 44 Meter lang und wurde 1987 auf 24 Meter Tiefe versenkt. Es steht senkrecht auf dem Kiel. Ab 18 Metern kann man es bewundern. Die Anfahrt beträgt zirka 25 Minuten.

Auch ein Tauchziel: das Wrack der Silver Star. Das japanische Fischerboot liegt seit 1991 auf dem Grund; es wurde als künstliches Riff versenkt und liegt in 40 Meter Tiefe auf dem Kiel. Das Wrack ist 38 Meter lang und ab 32 Metern Tiefe zu betauchen. In nur acht Minuten ist man vor Ort. Coral Garden Deep ist ein Tauchplatz mit großen Hartkorallen und bisweilen großen Tunas oder Barrakudas. Der Untergrund besteht aus Felsformationen bei einer maximalen Tiefe von 24 Metern. Die Anfahrt dauert zehn Minuten.