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WER A SAGT, MUSS AUCH KLASSE SAGEN


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Auto Bild - epaper ⋅ Ausgabe 28/2022 vom 14.07.2022
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Bildquelle: Auto Bild, Ausgabe 28/2022

Besuch im niederländischen Delft: Enge Gassen kann die A-Klasse, steile Bodenwellen nicht

100 000 km

Mercedes A 220 d Progressive 190 PS ab 37 045 Euro

EIN BEWEGTES UND BEWE-GENDES LEBEN gehört bei der A-Klasse offenbar zur Serienausstattung. Das gilt für die gesamte Modellreihe, die 1997 als hochbeiniger Kompakt-Van mit Gleichgewichtsproblemen im Elchtest startete und – mittlerweile deutlich flacher und moderner – für Mercedes zur echten Erfolgsgeschichte wurde. Einen Nachfolger soll der W 177 ab 2025 dennoch nicht mehr bekommen – was wir nach 102 507 Dauertest- Kilometern mit unserem jupiterroten A 220 d außerordentlich bedauern. Wir haben mit dem kompakten Benz viel erlebt und viel Spaß gehabt, werden ihn vermissen. Doch der Reihe nach.

Schon auf der Jungfernfahrt im Oktober 2019 attestierte der inzwischen ebenfalls im Ruhestand weilende Kollege Joachim Staat dem Schwaben: „Vergesst den GTD, der 220 d ...

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... ist besser.“ Eine Einschätzung, der in den folgenden zweieinhalb Jahren kaum jemand widersprach. Mit beeindruckender Lässigkeit schüttelte der Zweiliter seine 190 PS und 400 Nm Drehmoment aus den vier Zylindern, brachte den kleinsten Stern in rund sieben Sekunden auf Tempo 100 und rannte mit besonderer Vorliebe jenseits der 200-km/h-Marke über die Autobahnen dieser Republik. Wahrhaft imposant.

Und sogar noch zu steigern. Denn bei aller Dynamik neigte die selbstzündende A-Klasse nie zum Trinken. Ganz im Gegenteil: Über die Gesamtdistanz mit viel Termindruck und Kilometerschrubben auf der Autobahn blieb der 220 d mit 6,3 l/100 km voll im Soll. Und, auch dank souveränem Achtgang-Doppelkuppler, akustisch stets vornehm im Hintergrund. Auf den wenigen gemütlichen Vergnügungsfahrten zwischendurch stand dann auch gern eine Fünf vorm Komma, ließen sich über 1000 Kilometer Reichweite ohne Probleme schaffen.

Auch beim AdBlue-Bedarf gab sich der Schabe nicht verschwenderisch. Bei wenig mehr als einem Liter alle 1000 Kilometer sorgte der üppig dimensionierte Harnstoff-Tank (23,8 l) für berechenbare Stopps. Einzig die Kosten zeigten sich völlig unkalkulierbar. Zwischen einem und fünf Euro pro Liter haben wir alles erlebt.

Recht eindeutig dagegen die Meinungen zum Thema Reisen und Komfort: Eins mit Sternchen. Okay, ein Raumwunder ist die A-Klasse nicht, aber es reicht für Kleinfamilien. Teile der Redaktion sahen angesichts der angenehm festen Polster sowie eines nachsichtig ansprechenden Fahrwerks sogar manche C-Klasse im Hintertreffen. Auf jeden Fall zeigte sich der Kompakte voll langstreckentauglich. Dabei unterstützten, wie Joachim Staat es formulierte, die „schöne Verarbeitung mit einem Schuss Glimmer-Glamour und das aufmerksame LED- Licht“. Ja, an diesen Benz konnten und wollten sich viele nur zu gern gewöhnen. „Was für ein wundervolles Auto – klein, handlich, übersichtlich“, schwärmte Kollegin Conny Poltersdorf und lobte den Schwaben nicht nur als Reiseprofi, sondern auch als sportlichen Stadtflitzer.

SCHNELLER CHECK

Kaufen oder nicht kaufen?

Der A 220 d ist schnell, komfortabel, sparsam – aber auch teuer. Wer damit sowie mit durchschnittlichem Platzangebot und flacher Nase klarkommt, liegt richtig.

VIEL TECHNIK, WENIG MÄNGEL

1.DIE ABGASANLAGE ist nach dem Dauertest noch tadellos. Die Hitzeschutzbleche zeigen allerdings schon fortgeschrittene Einrisse. Noch hat aber nichts geklappert.

2.DIE SITZE lassen kaum Verschleiß erkennen, Bezüge und Polster sehen noch sehr gut aus. Der Kabelbaum im Fahrersitz musste getauscht werden.

3.DAS GETRIEBE schaltete bis zuletzt ruckfrei und meist ohne Beanstandungen. Spuren des Marathons waren kaum sichtbar. Zahnräder, Lager und Kupplungen tadellos.

4.DIE KLIMAANLAGE hat bis zur Zerlegung tadellos funktioniert, es fehlten allerdings fast 200 g Kältemittel. Eine undichte Verbindung in einer Klimaleitung war dafür verantwortlich.

5.DIE ACHSEN: Alle Lenker, Lager und Buchsen sind tadellos. Der Hinterachskörper offenbarte nach der Zerlegung allerdings beginnende Oberflächenkorrosion.

6.DER MOTORBLOCK ist aus Aluminium, die Zylinder sind mit einer Nano- slide-Beschichtung versehen und zeigen – wie der gesamte Unterbau – keine Auffälligkeiten.

Eine Kooperation von

DAS FIEL UNS AUF

!Spart, aber nicht beim Spaß: Der 220 d gehört zum Besten, was bei den Kompakten rumdieselt

Vor allem im urbanen Umfeld fiel dann aber auch ein gewisses Niveau-Problem des Benz auf. Weil die A-Klasse von Haus aus wenig Bodenfreiheit mitbringt und die Nase recht tief über dem Asphalt schnüffelt, kam es bei steilen Tiefgaragenauffahrten oder besonders ernst gemeinten Speedbumps schon mal zum Bodenkontakt. Also machten wir spätestens nach dem ersten hässlichen Aufsetzer gaaanz vorsichtig. Was allerdings nichts daran ändert, dass man in die A-Klasse sehr tief hinabsteigt – für groß gewachsene Typen mit Rücken kein Spaß. Und manchmal auch ein grundsätzliches Problem, wie Conny Poltersdorf feststellen musste: „Bei ganz hohen Bordsteinen haben Beifahrer schon mal Schwierigkeiten, die Tür zu öffnen – hab ich so noch nie erlebt.“

Viel Lob verbuchte dagegen das MBUX-Infotainment. Verständige Sprachassistenz, scharfe Displays, gut orientierte Navigation – auf die Multimedia-Dienste der A-Klasse konnte man sich verlassen. Ja, dass Apple CarPlay noch ans Kabel gebunden war und das Touchpad immer wieder mal Fehlbedienungen provozierte, nervte, ließ sich aber verschmerzen. Weniger  entspannt reagierten einige Kollegen auf die teils übervorsichtigen Assistenten. Alte Markierungen in Baustellen oder Fußgänger im Kurvenbereich (aber auf dem Gehweg!) nahmen die Sicherheitskräfte zuweilen zum Anlass, einzugreifen – das geht besser.

MERCEDES A 220 d

Motor Vierzylinder, Turbo, vorn quer Hubraum 1950 cm 3 • Leistung 140 kW (190 PS) bei 3800/min • max. Drehmoment 400 Nm bei 1600/min Antrieb Vorderradantrieb/Achtgang-DCT • Leergewicht 1520 kg Zuladung 495 kg • Kofferraum 360–1200 l • Höchstgeschwindigkeit 235 km/h • Verbrauch* 5,0 l D/100 km • Abgas* CO 2 133 g/km

* kombiniert nach WLTP

„Nicht unbedingt der geräumigste Kompakte, aber einer, der beim Fahren und bei der Bedienung Maßstäbe setzt.“

Henning Klipp, Redakteur

Als die 100 000 Kilometer dann voll waren, gab es trotzdem nur einen Wunsch: Kann der nicht bleiben? Doch die Redaktions-Bitte half nichts, auch S-AK 4212 wurde von AUTO BILD und DEKRA in seine Einzelteile zerlegt. Schon bei den ersten Handgriffen fiel auf, dass der Innenraum immer noch vergleichsweise frisch wirkte, wenig Verschleiß zeigte. Schürfwunden an der Fahrerfußmatte und leichte Wellen in den Polstern der Vordersitze zeugten vom eifrigen Einsatz der Piloten, sonst präsentierte sich der kompakte Mercedes noch fit. Und so ging es im weiteren Verlauf der Demontage weiter. Hier mal eine leichte Scheuerstelle im Kotflügel, da mal ein dezenter Rostansatz am Unterboden sowie eine Undichtigkeit an einer Klimaleitung, aus der etwa 170 Gramm Kältemittel entfleuchten – alles nicht nichts, aber alles nicht dramatisch. Eher Zeichen eines bewegten Autolebens.

FAZIT

GERALD CZAJKA, TIM DAHLGAARD

REIFE LEISTUNG. In der Redaktion hat sich der A 220 d als schneller und komfortabler Begleiter viele Freunde gemacht, bei der Abschlusszerlegung keine ernsthaften Schwächen offenbart. Dass er eine Spur zu tief liegt und zu teuer ist, bleibt unangenehm, wussten wir aber vorher. Die Note 1 ist deshalb mehr als verdient.

DIE AUTO BILD-DAUERTEST-RANGLISTE

AUTO BILD bewertet nicht nur die Zuverlässigkeit. Auch der technische Zustand bei der Abschlussuntersuchung (s. Tabelle links) und die Praxiseindrücke gemäß Fahrtenbucheintragungen werden bepunktet. Bereits 68 Autos haben wir so beurteilt, die neuesten Ergebnisse finden Sie hier, die komplette Liste unter: www.autobild.de/dauertest