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Wer bietet mehr?: RM-Sotheby’s-Auktion in Fort Lauderdale


Gasoline - epaper ⋅ Ausgabe 3/2019 vom 16.05.2019

An den spannenden zwei Tagen der RM-Sotheby‘s-Auktion in Fort Lauderdale konnte man den Eindruck gewinnen, dass allgemein die Preise stabil blieben. Das heißt, sie bewegten sich auf gewohntem hohem Niveau. Aber die engagierten Sammler amerikanischer Autos sollen bloß nicht verzweifeln – es gibt immer noch interessante Klassiker im ausgezeichneten Zustand (oder vernünftig restaurierte), besonders aus den 60er-Jahren, die (noch) von den astronomischen Preisen „verschont“ geblieben sind.


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Bildquelle: Gasoline, Ausgabe 3/2019

Es gab, aus der Sicht des Käufers, viele angenehme Überraschungen. Aber die Tatsache ist wiederum: Seltene, ...

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... außergewöhnliche Fahrzeuge, wie aus der ersten Hand stammende Muscle Cars, erreichten schon nach Sekunden hohe sechsstellige Notierungen. Hier auf ein Schnäppchen zu hoffen, ist verlorene Liebesmüh. Überhaupt, die Wahrnehmung von Sammlerautos hat sich in den letzten Jahren grundlegend geändert und auch die Auktionen. Heute sind sie zu Premium-Events aufgestiegen. Und RM Sotheby‘s als global operierendes Auktionshaus macht auch alles, um den höchsten Erwartungen zu entsprechen. Diese Firma ist eindeutig auf dem Vormarsch: Im Februar 2015 ging RM Auctions eine strategische Partnerschaft mit Sotheby‘s ein, um eben RM Sotheby‘s zu werden. So wurden auf einmal die Kräfte vereint. Als wäre das nicht genug – im Oktober 2017 wurde die Auctions America vollständig in die Unternehmensgruppe RM Sotheby‘s integriert. In der Oldtimer-Welt ist RM Sotheby‘s heute das umsatzstärkste Auktionshaus und Unterstützer des Konzepts „Oldtimer als Kunstform“. Und es erzielte auf seiner jährlich veranstalteten zweitägigen Auktion in Fort Lauderdale das beste Ergebnis in der 17-jährigen Geschichte dieser Veranstaltung. Der Gesamtverkauf erreichte über 23,2 Millionen Dollar, wobei mehr als 80 Prozent der 476 angebotenen Lose ihren Liebhaber fanden. Man verzeichnete eine starke Bieterbeteiligung aus 24 Ländern, und ein Drittel von ihnen hat zum ersten Mal teilgenommen. Das Spektrum der Autos reichte von amerikanischen Klassikern über europäische Sportboliden, Muscel Cars, Hot Rods bis hin zu modernen Sammlerstücken. Und ein paar von denen wollen wir euch nicht vorenthalten.

1973er Stutz Blackhawk

Im Dezember 1963 publizierte der berühmte Chrysler-Designer Virgil Exner einen Artikel im „Esquire“, in dem er skizzierte, wie Modelle historischer amerikanischer Marken, darunter Duesenberg, Packard, Mercer und Stutz, ausgesehen hätten, wenn sie bis dahin überlebt hätten. Seine Skizzen, bezeichnet als „Revival Cars“, begeisterten die breite Öffentlichkeit. Die Entwürfe zeugten von einer Zeit, als das amerikanische Automobil in der Welt viel bedeutete. James O‘Donnell, ein tüchtiger Geschäftsmann, war auch von den Entwürfen hell begeistert. 1968 hatte er seine Begeisterung tatsächlich in die Tat umgesetzt und ließ den Stutz, so wie von Exner vorgestellt, nachbauen.
Das Auto polarisierte damals mit vielen Details und auch heute gehen die Meinungen über diese auseinander – ein halb frei liegendes Reserverad, das unvorteilhaft aus dem Kofferraum ragt, verchromte Seitenauspuffanlagen ohne Funktion, stark akzentuierte Scheinwerfer und ein riesiger „Rüssel“, der als Kühlergrill fungierte. Wahrhaftig eine seltsame Melange der 1970er- und 1930er-Jahre war der Blackhawk.

Als Namensgeber war die ursprüngliche Firma Stutz bekannt für ihre sehr schnellen Wagen und ab 1924 auch für die Luxusautos. Leider ging es nach dem Börsenkrach von 1929 und der anschließenden Weltwirtschaftskrise bei dem Unternehmen nur bergab, sodass 1936 die Produktion endete.
Wenn in den 1970er-Jahren jemand einen Blackhawk fuhr, zeigte er allen, dass er ein sehr dickes Portemonnaie hat. Aber das zeugte nicht gerade von sublimiertem automobilem Geschmack. Die Anschaffungskosten dieses opulenten Autos waren geradezu astronomisch, ein Blackhawk kostete mehr als ein Rolls-Royce. Elvis Presley besaß fünf von denen. Und überhaupt konnte man die Liste der Besitzer als ein Who‘s who des Showbiz lesen: Frank Sinatra, Sammy Davis Jr., Liberace, Barry White, Isaac Hayes, Dean Martin, Jerry Lewis, Johnny Cash, Willie Nelson, Al Pacino, Elton John u. v. m.
Auf der RM-Sotheby‘s-Auktion in Fort Lauderdale hat dieser 1973er Stutz Blackhawk seinen Eigentümer für 55.000 Dollar gewechselt. Er ist eines von ca. 600 in diesem Jahr produzierten Exemplaren und wurde vor etwa zwei Jahren einer vollständigen Restauration unterzogen. Im Innenraum begrüßt eine schöne Lederausstattung mit Nardi-Lenkrad. Um das Wohlergehen kümmern sich eine Klimaanlage, elektrische Fensterheber und eine servounterstützte Lenkung. Unter der Haube sitzt ein 455 Kubikzoll (ca. 7,5 l) großer Pontiac-V8, der mit dem GM-Dreigang-Automatikgetriebe zusammenarbeitet. Dieses Exemplar, wie auch alle andere Blackhawks, hat ein Echtheitsschild. Der Name des ersten Käufers ist auf diesem angegeben. Und was ist mit dem Kraftstoffverbrauch? Besser nicht fragen. Man muss schon mit 25 l/100 km rechnen. Das große Gewicht bewirkt, dass es fast neun Sekunden dauert, bis er aus dem Stillstand auf 100 km/h beschleunigt. Mit seinen fast sechs Metern Länge ist der Stutz Blackhawk definitiv ein Cruiser, kein Sportauto.

1956er Ford Fairlane Crown Victoria Skyliner

1953 feierte die Ford Motor Company ihr 50-jähriges Jubiläum und blickte in eine vielversprechende Zukunft. Also wurde der X-100 Showcar gezeigt, bei dem eine getönte Plexiglas-Dachverkleidung über Fahrer und Beifahrer angebracht war. Dieses Detail hat großes Interesse hervorgerufen, und im folgenden Jahr übernahm Ford die Produktion eines Sondermodells der Crestline Skyliner mit eben so einem Dach. Die Gesamtproduktion betrug 13.444 Einheiten, und das war der Grund, dieses Ausstattungsmerkmal auch künftig zu nutzen.
Ford führte das „bubbletop“ weiter und machte es zu einem Detail des neuen, hochwertigen Fairlane Crown Victoria, welches sein unverwechselbares Chrom-Dachband hatte, das über die Oberseite verlief und die B-Säulen verband (oft wurde es als „Korbgriff“ bezeichnet). Der edel betitelte Fairlane Crown Victoria war in der Tat ein Kronjuwel der Ford-Familie. Zu den schönsten und am leichtesten erkennbaren Autos der 1950er-Jahre zählen diese stilvollen Hardtops. Das Modell Crown Victoria wurde auch mit einem Vollstahldach angeboten, der Skyliner war ein Submodell mit einer Acrylglasscheibe im vorderen Teil des Daches. Als „Frische der Sicht“ lobte die Werbung diese Ausstattung und versicherte, dass man die Eigenschaften eines Cabrio, aber mehr Komfort – und das bei jedem Wetter – genießen kann.

Bei all der Euphorie war es keine so brillante Idee, da die Passagiere selbst an mildwarmen, aber sonnigen Tagen förmlich kochten (und im Südwesten den USA war es schier unerträglich). Die Oberseite hatte zwar eine blaugrüne Färbung, die theoretisch 60 Prozent der Wärmestrahlen der Sonne und 72 Prozent der Blendung herausfilterte, aber das war eben nur graue Theorie. Später fügte Ford einen Dachhimmel aus Nylon hinzu, der mit einem Reißverschluss versehen war. 1955 wurde der Skyliner 1.999 Mal gebaut, aber 1956 nur 603 Mal. Es war daher klar, dass das Glasdach schon der Vergangenheit angehörte. Ab 1957 wurde der Name „Skyliner“ auf eine weitere Innovation angewendet, auf den „retractable hardtop“.

Um diesen 1956er Ford Fairlane Crown Victoria Skyliner, aus einer privaten Schweizer Sammlung stammend, entwickelte sich eine regelrechte Bieterschlacht, und sie beruhigte sich erst, als die Tafel das ziemlich unrunde Sümmchen von 99.000 Dollar zeigte. Niemanden überraschte das hohe Resultat, weil es sich hier um ein tatsachlich wunderschön restauriertes Exemplar handelte. Der Ford trägt stolz seltene, seitliche Spotlight-Spiegel, Nebelscheinwerfer und ein Continental-Kit. Auch die Weißwandreifen, die auf Kelsey-Hayes-Speichenrädern montiert sind, geben ihm eine zusätzliche Portion Charme. Klimaanlage, Servolenkung und Unterdruck-Bremskraftverstärker sind auch vorhanden. Das ist auch wichtig: Von den 603 Crown Victoria Skylinern, welche 1956 gebaut wurden, überlebten bis heute nur wenige. Von solchen in einem hervorragenden Zustand schon ganz zu schweigen.

1935er DeSoto Airflow SG Four-Door Sedan

Wenn man nur bedenkt, wie revolutionär damals der DeSoto Airflow war, dann erscheint die erreichte Summe von 30.800 Dollar geradezu lächerlich. Und das Auto mit seinem atemberaubendem Artdéco-Styling ist dazu makellos restauriert.

1934 präsentierte DeSoto, eine Firma der Chrysler Corporation, das völlig neue und radikale Airflow-Design. Walter P. Chrysler erwartete, dass die stromlinienförmigen und futuristischen Modelle die Nation im Sturm erobern würden. Es war ein wahrhaft technologisches Wunderwerk. Dazu zählten: die sehr fortschrittliche Karosseriebauweise und hydraulische Bremsen von Lockheed. Zwischen den Achsen saßen die Passagiere, und breitere Vordersitze boten drei Erwachsenen Platz. Auch in seiner Grundkonstruktion, Platzierung des Motors und Fahrqualität sowie in vielen anderen Bereichen war der Airflow ein völliger Bruch mit den damaligen Konstruktionskonventionen. Trotz des Quantensprungs reagierten die Käufer nicht wie erwartet. Das zu futuristische Styling bedeutete seinen Untergang. Es war so ein großer Misserfolg, dass er das fortschrittliche Chrysler-Corporation-Design für die nächsten 20 Jahre paralysiert hat. Die Airflow-Serie war jahrelang das bekannteste Synonym für das Scheitern, bis der Edsel kam und diesen Misserfolg bei Weitem „überstrahlte“. Schon 1935 debütierten die konventionelleren Airflows der SF-Serie. Das Management hatte recht – nur das ungewöhnliche Styling war schuld. Anders konnte man nicht erklären, warum technisch identische Autos sich innerhalb kürzester Zeit drei Mal besser verkauften.

Dennoch gilt der bahnbrechende DeSoto Airflow (und der fast gleiche Chrysler Airflow) als eines der bedeutendsten Modelle in der Geschichte der USAutomobilindustrie. Obwohl sein Design auch heute umstritten ist, etablierte das Auto weitgehend die Form der Autos, wie wir sie heute kennen.

1959er Oldsmobile Dynamic 88 Convertible

Den Preis von 35.200 Dollar für den attraktiven 1959er Oldsmobile Dynamic 88 Convertible aus einer privaten Schweizer Sammlung kann man als moderat bezeichnen. Besonders wenn wir wissen, dass der Olds eine sorgfältige Body-off-Restauration hinter sich hat. Das Exemplar besitzt elektrische Fensterheber. In gleicher Weise sind Vordersitze und Verdeck zu betätigen. Gute Dienste verrichten auch Servolenkung und Servobremsen.

1959 war das letzte Jahr der großen Pferdestärken bei Oldsmobile. Und das, bis die Muscle-Car-Ära eintrat. Oldsmobile gewann mit Richard Petty am Steuer seines 1959er Olds Dynamic 88 Hardtop in jenem Jahr ein letztes Mal das Daytona 500. Der 371-Cubic-Inch-Motor war bekannt für seine große Leistung und sein solides Drehmoment.

Für 1959 hatte der Oldsmobile Dynamic 88 Flossen, die schon an den vorderen Kotflügeln anfingen und aufstiegen, bis sie in raketenförmigen Fortsätzen hinten endeten. Die Designer von Oldsmobile nannten dies den „Linear Look“. Während ihrer Zeit inspirierte die Eighty Eight sogar einen beliebten Song, „Rocket 88“. Auch der berühmte Slogan aus den 1950er-Jahren „Make a Date with a Rocket 88“ hat sich bis heute irgendwie eingebrannt.

Die 1959er-Modelle verfügen über einen Bandtacho, der bis 35 Meilen pro Stunde grün leuchtete, orange bis 65 mph und dann „warnend“ rot, wenn man mit über 65 mph dahinsauste. Aus heute unerklärlichen Gründen setzten die 88-Modelle weiterhin auf vakuumbetriebene Scheibenwischer, und zwar ohne Waschanlage (aber das hier angebotene Exemplar wurde umgerüstet – was in einer Beschreibung der RM-Sotheby‘s-Auktion eine besondere Erwähnung wert war).

Slogan aus den 1950er-Jahren „Make a Date with a Rocket 88“ hat sich bis heute irgendwie eingebrannt. Die 1959er-Modelle verfügen über einen Bandtacho, der bis 35 Meilen pro Stunde grün leuchtete, orange bis 65 mph und dann „warnend“ rot, wenn man mit über 65 mph dahinsauste. Aus heute unerklärlichen Gründen setzten die 88-Modelle weiterhin auf vakuumbetriebene Scheibenwischer, und zwar ohne Waschanlage (aber das hier angebotene Exemplar wurde umgerüstet – was in einer Beschreibung der RM-Sotheby‘s-Auktion eine besondere Erwähnung wert war).

1959er Imperial Crown Sedan

Der interessante 1959er Imperial Crown Sedan stammte auch aus der Schweizer Sammlung. Bei 38.500 Dollar fiel der Hammer des Auktionators. Jetzt kann sich der neue Eigentümer langsam an den 350 PS erfreuen, die der V8-Motor aus 413 cui (6,77 l) gerne bereitstellt.

Die 59er-Imperial-Linie stärkte ihre technologische Dominanz und führte Vordersitze, die zur Erleichterung des Einund Ausstiegs nach außen geschwenkt werden konnten, und eine durch Druckknöpfe zu betätigende Klimaanlage ein. Diese Jet-Age-Innovationen ergänzten das fingergesteuerte TorqueFlite-Getriebe, der Tempomat, die 6-Wege-Sitzverstellung, elektrische Fensterheber und die Zentralverriegelung, um Fahrer und Passagiere zu verwöhnen. Obwohl Imperials nun auch mit optionaler selbstnivellierender Luftfederung der Hinterachse bestellt werden konnten, waren es nur wenige, die diese Variante angefordert hatten.

Während der 1959er Imperial Crown das Ende von Virgil Exners Designthema „Forward Look“ markierte, kündigten sich mit ihm auch einige Neuerungen an: Der in der Herstellung teure Hemi-V8 wurde von der Chrysler Corporation durch den neuen 413-Kubikzoll-„Wedge“ ersetzt, der 350 PS entwickelt, mehr Drehmoment liefert und dabei ca. 50 kg weniger wiegt als der Hemi.

Aber die größte Änderung für 1959 war nicht das Styling oder der neue V8. Die 59er Imperials waren die ersten Autos, welche im brandneuen Chrysler-Werk in Dearborn montiert wurden, wo 75 Mitarbeiter an 38 Qualitätsüberwachungsstationen den Montageprozess beobachteten. Nach der Fertigstellung wurde jedes Fahrzeug sowohl einem Wasser- als auch einem Straßentest unterzogen, bevor es für den Versand freigegeben wurde.

Packard Six Cabriolet von 1937 mit Graber-Karosserie

Die Packard Motor Car Company produzierte in der Vorkriegszeit eine der attraktivsten Werkskarosserien aller US-Firmen. Also erhielten nur wenige Packards eine Custom-Karosserie. Es gab zwar einige bemerkenswerte Beispiele, aber selbst die berühmten – Dietrich und LeBaron – waren im Grunde genommen fabrikmäßig gestylte Packards. Dieser Produzent zog es vor, das Aussehen seiner Autos zu kontrollieren, und wenn er Karosserien anderer Hersteller anbot, geschah dies oft nach eigenem Design oder sehr strenger Auswahl.

In Europa war die Situation anders. Zölle machten amerikanische Autos fast unerschwinglich. In einigen Ländern, wenn nur das Chassis importiert und mit einheimischen Karosserien samt Zubehör ausgestattet wurde, konnte ein erheblicher Teil des Zolls vermieden werden. Daher schafften es einige amerikanische Chassis nach Europa und erhielten eine maßgeschneiderte Karosserie. Dies ist auch bei dem hier angebotenen Packard der Fall.

Der Schweizer Karosseriebauer Hermann Graber, der 1925 seinen Betrieb Carrosserie Hermann Graber in Wichtrach (Kanton Bern) gegründet hatte, verfügte über umfangreiche Erfahrungen im Karosseriebau. Graber konnte sein europäisches Flair erfolgreich mit dem Packard-Kühler kombinieren. Die Karosserie ist mit den verchromten Sweep-Zierleisten gut proportioniert. Graber ist besonders bekannt für sein individuelles Coupé- und Cabrio-Design wie auch für seinen hohen Qualitätsstandard, der während einer bis zu seinem Tod im Jahr 1970 ununterbrochen andauernden Karriere anhielt.

„Bereit für eine Tour oder Show“ – so lobten die RMSotheby‘ s-Spezialisten den interessanten Packard Six Cabriolet aus dem Jahre 1937. Dass der neue Eigentümer den extrem seltenen und faszinierenden Packard für ausgiebige Touren benutzen wird, ist eher unwahrscheinlich. In ihrem Element ist solch eine automobile Preziose eher an einem Concours d‘Elegance. Besonders, weil hier es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um ein einziges Exemplar, das überlebt hat, handelt (von insgesamt sechs gebauten). Nach wie vor recht gut präsentiert sich der angebotene Packard und bleibt auch im Hinblick auf das Alter der Restaurierung, die vermutlich Ende der 1960er- oder Anfang der 1970er-Jahre abgeschlossen wurde, attraktiv. Der Preis für so viel faszinierende Automobilhistorie? Fast läppische 69.300 Dollar.

1957er Packard Clipper Country Sedan

Für diesen toll restaurierten 1957er Packard Clipper Country Sedan, der auch aus der Schweizer Sammlung stammte, war ein Bieter bereit, bis zu der stolzen Summe von 56.100 Dollar zu gehen. Das ist ein deutliches Zeichen, dass Kombis der 1950er-Jahre eine boomende Nische des Sammlerautomarktes darstellen. Und dieser seltene Überlebende repräsentiert eine sehr originelle Idee: einen Kombi mit aufgeladenem Motor und mit reichlich eigenem Stil.

Packard bezeichnete sein brandneues 1957er-Modell als Clipper, aber in Wirklichkeit handelte es sich um einen lediglich etwas geänderten Studebaker President. Kein Wunder, dass der Volksmund die Autos „Packardbakers“ nannte. Die viertürige Version trug den Namen Town Sedan und die Kombiversion – irgendwie nicht konsequent genug – hieß Country Sedan. Es wurden nur rund 4.800 Exemplare verkauft, davon nur 869 Kombis. Die einzige Motoroption war der Studebaker-V8- 289-cui (4.74 l) mit der „Zwangsbeatmung“ durch den McCulloch-Zentrifugallader. Eine gute Leistung von 275 PS bei 4.800 U/ min war das Ergebnis. Der Clipper Country Sedan war ein stilvoller und gut ausgestatteter Kombi und obendrein einer der schnellsten seiner Zeit.

1940er Lincoln Zephyr V-12 Three-Window Coupe

Die stromlinienförmige Form des Lincoln Zephyr erregte Mitte der 1930er-Jahre großes Aufsehen und erfreute sich bei der aufkommenden amerikanischen oberen Mittelklasse einer ziemlichen Beliebtheit. Seine von John Tjaarda entworfene Form erinnerte etwas an den Chrysler Airflow, aber wurde allgemein als viel schöner empfunden. Sein 75-Grad-Flathead-V12 mit 120 PS wurde von Fords Flathead-V8 abgeleitet und für das Modelljahr 1940 von 267 cui auf 292 cui (4,79 l) vergrößert.

Dieses nach „frischer kosmetischer und mechanischer Restauration“ auf 12 Volt aufgerüstete 1940er Lincoln Zephyr V-12 Three-Window Coupe erreichte einen Preis von 88.000 Dollar.

Die polierten Ansaugrohre und bearbeitete Alu-Zylinderköpfe helfen dem V12 beim Atmen und sehen besser aus als neu. Und dieses Exemplar hat ein interessantes Extra: die von Columbia Axle Company in Cleveland produzierte und von Ford angebotene Zweigang-Hinterachse. Sie wurde erstmals als Option für den Auburn 1932 eingesetzt. Ab 1934 setzte Ford sie für etliche seiner Modelle ein.

Durch das Ein- und Ausschalten des zusätzlichen Planetengetriebes mittels eines vakuumgesteuerten Behälters wurden die beiden Übersetzungen erreicht. Die Overdrive-Einheit benutzt man, wie folgt: Im dritten Gang wird das Kupplungspedal gedrückt und gleichzeitig wird der Overdrive-Schalter aktiviert. Im selben Moment ist ein solides Klopfen zu hören, was ein untrügliches Zeichen dafür ist, dass der Overdrive sich angeschaltet hat. Jetzt lässt man die Kupplung los. Erledigt. Die zweite Übersetzung reduziert die Motordrehzahl um 30 %, was den Kraftstoffverbrauch und auch den Lärm verringert.


Fotos: Tim Scott, Josh Sweeney, Ahmed Qadri ©2019 Courtesy of RM Sotheby‘s