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WER DIE WAHL HAT …


familie & co - epaper ⋅ Ausgabe 6/2018 vom 09.05.2018

Sich – sei es spontan oder wohlüberlegt – für oder gegen etwas entscheiden zu können ist nicht nur einAusweis von Freiheit. Wie Eltern ihrem Kind dabei helfen können, diese Fähigkeit zu erwerben


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Bildquelle: familie & co, Ausgabe 6/2018

Lottis Kindergartengruppe plant eine Übernachtung in ihrer Einrichtung. Die älteren Kinder freuen sich darauf und sind schon ganz aufgeregt. Die Vierjährige aber wird bei dem Thema immer stiller, denn insgeheim fürchtet sie sich davor. Doch da ist nicht nur Furcht: Die kleine Abenteurerin in ihr hätte durchaus Lust auf das Erlebnis, nur dem Angsthäschen ist bange. Was, wenn sie nicht schlafen kann, oder die ...

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... älteren Kinder sich einen Spaß daraus machen, die jüngeren zu erschrecken? Wie aber würde sie dastehen, wenn sie sich als Einzige nicht traut? Blamieren will sie sich auf keinen Fall!

Solche Entscheidungsnöte sind in der Welt von Kindern gar nicht so selten: Will ich wirklich die Verantwortung für ein Haustier übernehmen? Ist es okay für mich, wenn Mama als Tagesmutter zusätzlich ein fremdes Kind betreut? Die Ferien wie immer bei Oma verbringen oder sich doch zum ersten Mal ins Zeltlager wagen? Wen zum Geburtstag einladen, wen nicht? Was aus Sicht von uns Erwachsenen manchmal simpel und belanglos erscheint, ist es aus Kinderperspektive oft ganz und gar nicht.

EINE FALSCHE ENTSCHEIDUNG ZU TREFFEN IST AUCH IN ORDNUNG

Neben solchen Alltagsentscheidungen stecken manche Kinder bisweilen auch in ernsten inneren Konflikten: Nach der anstehenden Trennung zu Mama oder zu Papa ziehen? Dem gemobbten Mädchen in der Klasse helfen – und sich damit vielleicht selbst unbeliebt machen – oder nicht? Sich schon in die Schule trauen oder noch ein Jahr im vertrauten Kindergarten bleiben? Das sind Entscheidungen mit Tragweite, deren Folgen Kinder oft gar nicht absehen und bis ins Detail durchdenken können. Solche inneren Konflikte können den Alltag überschatten und im Extremfall sogar zur seelischen Belastung werden, warnen Psychologen.

Manche Kinder tun sich in solchen Situationen schwerer als andere, wissen nicht weiter, ziehen sich zurück oder reagieren aggressiv, weil sie sich überfordert fühlen. Auch psychosomatische Reaktionen wie Bauch- und Kopfschmerzen oder Schlafprobleme können die Folge sein.

Ernste Schieflagen entstehen allerdings erst dann, wenn man in solchen Situationen keine oder nur unangemessene Lösungen findet. Verunsicherung und Zerrissenheit unterscheiden einen inneren Konflikt von einfachen Entscheidungsschwierigkeiten. Das Kind fühlt sich instabil und aus dem Gleichgewicht: „Bei solchen akuten inneren Konflikten drehen sich die Gedanken endlos im Kreis, verbunden mit erhöhter Erregung, Selbstalarm und Stress – und gleichzeitig einem Tunnelblick“, sagt Angelika C. Wagner, Professorin an der Universität Hamburg. Die Psychologin erforscht seit über 30 Jahren den Umgang mit inneren Konflikten.

Kein Wunder, dass wir als Eltern in solchen Situationen versuchen, unseren Kindern die Entscheidung abzunehmen in der Überzeugung, den besseren Überblick zu haben. Manchmal aber auch nur, weil es schnell gehen muss. Oder auch, weil wir glauben, es besser zu wissen. Oder wir versuchen (bewusst oder unbewusst), sie bei einer Entscheidung in unserem Sinne zu beeinflussen.

Wünscht man sich insgeheim, dass das Kind die Ferien noch mal bei den Großeltern statt im Zeltlager verbringt, ist man leicht versucht, die Vorteile herauszustellen und die Nachteile kleinzureden. Und umgekehrt. So bekommen Kinder das ungute Gefühl, dass ihnen Entscheidungen einfach abgenommen werden.

Besser ist es, Kinder in die Lage zu versetzen, selbst zu entscheiden, ihnen zu helfen, gute Entscheidungen zu treffen bzw. sie bei inneren Konflikten zu begleiten. Psychologen wissen, wie man Kindern vermittelt, eigenständig zu entscheiden.Vor allem, so Experten wie der Kinderpsychotherapeut Peter Pohl, brauchen Kinder Freiräume, die es ihnen ermöglichen, sich zu entscheiden. Das schließt die Freiheit, die falsche Wahl zu treffen, ein.

Kinder müssen ihre eigenen Erfahrungen machen können. Voraussetzung dafür sind Selbstständigkeit und Eigeninitiative – die Eltern im Alltag fördern können. So sollten sie ganz selbstverständlich Dinge (mit-)entscheiden: die Menüauswahl, das Reiseziel, die Art, wie und mit wem sie ihren Geburtstag feiern oder ihr Zimmer einrichten wollen, ob es am Wochenende in den Zoo oder in den Zirkus geht. An all diesen Dingen kann man Kinder schon früh beteiligen. Je mehr Verantwortung sie übernehmen und je mehr Erfolgserlebnisse sie dabei sammeln, um so selbstbewusster werden sie – und tun sich bei weiteren Entscheidungen leichter.

Tilmann Betsch, Professor für Psychologie an der Universität Erfurt, ermuntert und rät Eltern, Kindern Freiräume zu eröffnen. Aus vielen Studien sei bekannt, „dass Kinder durchaus schon sehr früh in der Lage sind, viele Informationen in ihre Entscheidungen einzubeziehen.“ Wir Eltern können also meistenteils Vertrauen in die Urteilsfähigkeit unserer Kinder haben.


Lieber weiter sparen oder sich einen Wunsch erfüllen? Kluge Entscheidungen zu treffen müssen Kinder erst lernen – dazu brauchen sie die Unterstützung ihrer Eltern


Der Entwicklungsforscher Remo Largo betont allerdings, dass das Selbstwertgefühl von Kindern nicht automatisch gestärkt wird, nur weil sie in wichtige Entscheidungen eingebunden werden. Vielmehr komme es darauf an, dass sie dabei nicht überfordert werden. Die Wahl der weiterführenden Schule etwa können Kinder nicht allein treffen, weil meist persönliche Motive („Wo gehen meine Freunde hin?“) eine Rolle spielen und nicht der kritische Blick auf das Können und die eigene Leistungsfähigkeit. Es komme also darauf an, in der Familie eine gute Balance zwischen Eigenständigkeit und elterlicher Unterstützung zu finden.

Etwa bis zum Alter von vier Jahren sollten sich Kinder nur zwischen zwei Alternativen entscheiden müssen. Ältere können dann schon zwischen mehreren Möglichkeiten wählen, weil ihr Vorstellungsvermögen ausgeprägter ist und sie in der Lage sind, vielerlei Faktoren in ihre Entscheidung einzubeziehen.

ENTSCHEIDUNGEN ZU TREFFEN SOLLTEN KINDER FRÜH LERNEN

Kinder etwa ab zehn können dann auch schon Dinge entscheiden, die weiter in die Zukunft reichen, etwa wo der Urlaub hingehen soll oder ob sie eine größere Anschaffung von ihren Ersparnissen machen wollen. Jugendliche diskutieren und entscheiden dann bereits bei fast allen Fragen mit, etwa bei welchem Elternteil sie nach einer Trennung leben wollen oder ob sie ein Videospiel und dann erst Hausaufgaben machen. In diesem Alter finden sie bei inneren Konflikten auch zunehmend Rat bei Gleichaltrigen. Je früher Kinder lernen, Entscheidungen abzuwägen, um so besser finden sie sich später in solchen Situationen zurecht. Eine absolute Grenze stellt dabei die Sicherheit und Gesundheit dar. So sollten kleine Kinder eben nicht selbst entscheiden, ob sie sich abends die Zähne putzen und einen Helm beim Radfahren aufsetzen oder nicht.

Psychologen suchen intensiv nach praktikablen Methoden, um innere Konflikte zu meistern. Aus vielen Studien wissen sie, dass Gelassenheit wichtig ist. Vor allem in harmloseren Fällen hilft ein Blick in die Zukunft. Die amerikanische Autorin Suzy Welch ersann die 10-10-10-Methode: Wer vor einer wichtigen Entscheidung steht, solle die kurz-, mittel- und langfristigen Konsequenzen bedenken: Wie wird mein Leben in zehn Minuten, zehn Monaten und zehn Jahren aussehen, wenn ich so oder so entscheide? Dieses Gedankenspiel kann man auch schon mit Kindern machen. Ganz nebenbei erhalten Eltern so Einblicke in deren Lebensvorstellungen.

Auch die Arbeit mit dem „Inneren Team“ kann helfen. Entwickelt hat das Konzept der Psychologe Friedemann Schulz von Thun. Im Zentrum steht hier der Trick, dass jede der widerstreitenden inneren Stimmen einen Namen erhält (siehe Kasten unten). Sich viel Zeit für Gespräche mit Kindern zu nehmen ist eine gute Voraussetzung, ihnen kluge Entscheidungen zu ermöglichen. Und: Wie so oft im Leben sind Eltern auch hier Vorbild. Gehen wir gelassen an Entscheidungen heran, lernen unsere Kinder, dass man dabei weder in Panik verfallen, noch den Kopf in den Sand stecken muss. Daher sollten Eltern das Für und Wider auch schwierigerer Entscheidungen mit ihren Kindern besprechen und offen mit inneren Konflikten umgehen. Dabei gilt: Je mehr Strategien sie selbst entwickeln, um so höher der Lerneffekt beim Kind. Und warum nicht mal die eigene Ratlosigkeit eingestehen?


Die Entscheidung, seine Ferien lieber im Zeltlager statt bei der Oma zu verbringen, verlangt Mut – der meistens belohnt wird


Auch kann es passieren, dass sich eine Wahl selbst nach reiflichster Überlegung und klügstem Abwägen als falsch herausstellt. Statt zu hadern, helfen dann Gelassenheit und Nachsicht mit sich selbst. Auch darin können wir unseren Kindern ein Vorbild sein – und ihnen erklären, dass es wenig bringt, Fehlentscheidungen zu bereuen, es vielmehr darauf ankommt, für die Zukunft etwas daraus zu lernen. Nicht zuletzt zeigen Beispiele von geradezu welthistorischer Bedeutung, dass Fehlentscheidungen zuweilen ungeahnte Perspektiven eröffnen. So entschied sich Christoph Columbus auf der Basis falscher Berechnungen dafür, Indien auf dem westlichen Weg zu erreichen – und entdeckte dabei einen neuen Kontinent.

Entscheidungsnöte, innere Konflikte und Fehleinschätzungen sind gute Gelegenheiten, sich eigener Wünsche und Interessen bewusst zu werden. War der Urlaub bei Oma ein Fehlgriff, wird sich Lotti im nächsten Jahr umso überzeugter fürs Zeltlager anmelden.

Internettipps

www.uni-erfurt.de/forschung/einblicke/ text-beitraege/wie-kinder-entscheidungentreffen

Interview mit Prof. Dr. Tilmann Betsch, Professor für Sozial-, Organisations- und Wirtschaftspsychologie, über die Entscheidungsfindung von Kindern.

www.palverlag.de/Entscheidungen-treffen. html

Psychologische Tipps von Doris Wolf bei Entscheidungsschwierigkeiten.

Spiele-Tipp für Familien

Würfel mit den Optionen „Ja“, „Nein“ oder „Jain“ helfen in ausweglos scheinenden Entscheidungssituationen. Dazu sollten Sie einfach ein paar Mal würfeln und für sich allein oder gemeinsam mit Ihrer Familie oder Freunden überlegen, welche Folgen die gewürfelte Entscheidungsoption haben könnte. Dieses Vorgehen hilft bei fast allen inneren Entscheidungsnöten.

BUCHTIPP

Juli Zeh: Jetzt bestimme ich, ich, ich! Carlsen, 48 Seiten, 14,99 Euro
Eine humorvolle Familiengeschichte über die Frage: Wieso dürfen Eltern eigentlich immer alles entscheiden? Die Autorin spielt Familien-Szenarien durch und erklärt, wie Mitsprache von Kindern funktionieren kann und ihre Lust am Entscheiden gefördert wird.


Mit verteilten Rollen eine Entscheidungssituation durchzuspielen ist eine effektive Methode, zu einer guten Lösung zu kommen


BUCHTIPP

Christoph Quarch: Nicht denken ist auch keine Lösung: Wie Sie gute Entscheidungen treffen. GU, 208 Seiten, 16,99 Euro
Unterhaltsam, informativ und praktisch identifiziert der Autor Faktoren, die bei der Entscheidungsfindung eine Rolle spielen und zeigt Auswege aus dem Entscheidungsdilemma auf.


Geigen oder kicken? Das Gute an Entscheidungen ist, dass viele von ihnen revidierbar sind


BUCHTIPP

Inga Piel: Wie soll ich mich entscheiden? Dilemmageschichten mit Arbeitsanregungen für Jugendliche. Verlag an der Ruhr, 96 Seiten, 21,99 Euro
Muss ich einschreiten, wenn mein bester Freund die Schule schwänzt? Was ist moralisch richtig? Das Buch bietet Arbeitsmaterialien und damit praktische Hilfe in Zwickmühlen.

INTERVIEW


„ES KOMMT GANZ WESENTLICH AUF GELASSENHEIT AN“


Dr. Peter Pohl ist Diplom-Psychologe, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut in Garmisch. In der Praxis des ehemaligen Gymnasiallehrers dreht sich alles um die Förderung von Kindern und Jugendlichen.

familie&co: Herr Pohl, warum tun sich manche Kinder schwerer damit, Entscheidungen zu treffen?
Weil dies von ihrer spezifischen Lernbiografie abhängt: Die einen werden entscheidungsfreudig erzogen, die anderen für selbstständige Entscheidungen bestraft. Oft ist es eine Mischung aus beiden Erziehungsstilen. Selbstverständlich ist ein von seinem Naturell her ängstliches, unsicheres Kind eher disponiert, sich bei Entscheidungen schwerer zu tun. Das weist auf eine genetische Komponente hin. Das allermeiste bei Entscheidungstendenzen und -fähigkeiten ist aber erlernt.
Was können Kinder in welchem Alter schon selbst entscheiden, und was eher noch nicht?
Hier können wir von der selbstverständlichen Regel ausgehen, dass je jünger das Kind ist, es umso weniger in der Lage ist, bei komplexeren Sachverhalten, etwa im Straßenverkehr, selbst Entscheidungen zu treffen. Dafür hat es noch keine ausreichende Erfahrung und braucht unbedingt die Unterstützung der Eltern. Ab der Zeit des Spracherwerbs sollten sich Eltern zunehmend mehr Zeit nehmen, symbolische Inhalte in Tat, Wort und Bild, analog wie digital, dem Kind zu erklären, damit es bereits im Kindergarten die Bedeutung von sozialen Verhaltensweisen, zum Beispiel von anderen Kinder ausgelacht zu werden, zu verstehen beginnt, um dann situationsgerechtere Entscheidungen zunehmend selbst treffen zu können.
Woran erkennt man, dass ein Kind in einem ernsten inneren Konflikt steckt, der über normale Entscheidungsschwierigkeiten hinausgeht?
Häufig an längerfristigen Verhaltensänderungen, etwa wenn ein Kind regelmäßig in bestimmten Situationen, z. B. gegenüber fremden Erwachsenen und Kindern, nicht spricht, also mutistische Tendenzen zeigt, oder nachdem es schon längst sauber war, plötzlich wieder einzunässen beginnt. Eltern erkennen es auch an körperlichen Funktionen, beispielsweise an nachhaltigen Änderungen im Schlaf- oder Essverhalten.
Wie verhält man sich am besten in dieser Situation?
Man sollte dem Kind Verständnis für sein Verhalten entgegenbringen, ohne es zur Normalisierung zu drängen. Es kommt ganz wesentlich auf eine Gelassenheit im Erziehungsverhalten an, die oft schwerfällt, aber stets eine gedeihliche Entwicklung auch in schwierigen Entscheidungssituationen ermöglicht.
Praxis-Webseite: www.kinderpsych-garmisch.de

Die Stofftier-Konferenz

Was tun, wenn man die Qual der Wahl hat? Tipps für Familien, die vor schwierigen Entscheidungen stehen

Informationen zu sammeln ist förderlich, Freunde, Geschwister, Eltern oder Großeltern können um Rat gefragt werden. Zudem hilft eine Liste (notiert oder gemalt) mit allen Vor- und Nachteilen einer Entscheidung. Kinder können gemeinsam mit den Eltern oder Freunden eine Stofftier-Konferenz abhalten – in Anlehnung an die bewährte Methode des „Inneren Teams“ des Psychologen Friedemann Schulz von Thun. Demnach entsteht ein innerer Konflikt, wenn mehrere einander widersprechende Stimmen in uns streiten, zum Beispiel Abenteuerlust und Ängstlichkeit. Jede dieser Stimmen wird einem Stofftier zugeordnet. Dann sitzen sich das Angsthäschen, der mutige Löwe, der schüchterne Igel, die freiheitsliebende Katze gegenüber. Sie können miteinander ins Gespräch kommen und ihre Sicht auf die zu fällende Entscheidung deutlich machen. Das hilft dabei, sich die manchmal verwirrende Gefühlsvielfalt in Entscheidungsnöten klarzumachen und zum Ausdruck zu bringen. Kinder lernen so ganz spielerisch, dass wir sehr unterschiedliche Gefühle in Entscheidungssituationen haben können. Und die Stofftier-Konferenz zeigt: Das ist vollkommen normal, man muss sich dieser Stimmen nur bewusst werden, ihre jeweiligen Gründe verstehen und dann entscheiden, welcher Stimme man das Kommando überlassen möchte. Oder, noch besser, wie man einen guten Kompromiss findet.


FOTOS: GETTY IMAGES/WESTEND61, -/TOMML; MAURITIUS IMAGES/BSIP/COLLANGES; THINKSTOCK.COM; PRIVAT