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WER HAT MEHR AUF DEM KASTEN?


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Auto Bild - epaper ⋅ Ausgabe 37/2022 vom 15.09.2022
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Mit seiner angedeuteten Hüfte erinnert der Jogger von hinten stark an einen älteren Volvo. Das Tourneo-Heck entlarvt den Caddy

DER ERINNERT DOCH AN ... Richtig geraten! Der neue Tourneo Connect ähnelt dem VW Caddy nicht nur, er ist einer. Ein paar eilig verteilte Markenembleme können nicht über unzählige VW-Schriftzüge hinter den Kulissen hinwegtäuschen. Schon vor gut einem Vierteljahrhundert haben die beiden Hersteller mit dem Duo Sharan und Galaxy gezeigt, wie man Entwicklungskosten spart.

Auf der Straße werden nur Kenner den Unterschied bemerken – und eben die, die Markenschilder lesen. Am auffälligsten ist noch die Front mit der neuen Schürze, dem großen Aston-Martin-Gedächtnis- grill und den flachen LED-Leuchten. Aber was gäbe es an der praktischen Kastenform schon zu verbessern? Kompakte 4,50 Meter, Schiebetüren für enge Parklücken und ein kerzengerader Heckabschluss für maximales Fassungsvermögen. So wird’s gemacht.

Ganz so konsequent wirkt der Jogger nicht. Obwohl mit 4,55 Metern sogar etwas länger, verschenkt er ...

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... mit neun Zentimetern weniger in der Breite und satten 16 in der Höhe schon äußerlich sichtbar wertvollen Raum. Insgesamt ist er im direkten Vergleich eher Kombi als Kastenwagen.

Schon in der ersten Reihe sitzen Fahrer und Beifahrer inniger beisammen, auf den Rückbänken werden die Unterschiede noch deutlicher. Mit großer Schiebetür, luftiger Innenhöhe und -breite punktet der Tourneo. Beim Dacia öffnen zwei konventionelle, wenn auch riesige Türen. Der grundsätzlich ordentliche Sitzeindruck – viel Auflagefläche und ordentliche Höhe – wird von der knappen Beinfreiheit zunichte gemacht. Hat der Fahrer lange Beine, wird es für die Hintermänner oder -frauen schnell unbequem.

TOUCHMONITOR

Hier trennen die Kontrahenten Welten. Up to date der Ford mit zahlreichen Assistenten, analoge alte Welt dagegen im Dacia, der nur Basics bietet.

Doch auch im Ford bleiben die Knie auf Tuchfühlung zum Vordersitz. Zum einen aber nicht ganz so eng, zum anderen gefällt das Tuch selbst besser. Gerade bei Teppichen und Bezügen drängt sich der Spargedanke der rumänischen Renault-Tochter zu sehr auf. Die Bodenbeläge des Dacia wirken groß zurechtgeschnitten und erinnern an Malervlies. Dreck, den sie einmal gefangen haben, lassen sie nur ungern wieder los. Speziell von der Seite wirken die Sitzbezüge mit schiefen Reißverschlüssen wie schlampig übergeworfene Schonbezüge aus dem Zubehörhandel.

Kein Vergleich zum Tourneo. Über die sehr guten Ergo-Sitze des Caddy haben sie bei Ford eigene Stoffe genäht. Alles wirkt hochwertig und zu Ende gedacht. Sicherlich auch kostensensibel, aber nicht auf Biegen und Brechen billig. Ein Bild, das sich auch im Cockpit zeigt. Außer einem anderen Pralltopf und einer neuen Bedienoberfläche erwartet die Passagiere im Tourneo altbekanntes VW-Ambiente.

Das ist kein Nachteil. Zwar könnten die Materialien hochwertiger ausfallen, an Finish und Bedienung gibt es aber nichts auszusetzen. Sprachbefehle müssen hier mit „Okay Ford“ eingeleitet werden. Die Klimaanlage, die über unbeleuchtete Slider unter dem Bildschirm gesteuert wird, erhielt im Tourneo eine zusätzliche untere Info-Ebene im Bildschirm.

Einfach und intuitiv lässt sich auch der Jogger bedienen. Auf jede Art von neuen Assistenten hofft man hier aber vergebens. Keine Sprachbefehle, keine Spurhilfen, kein Abstandsradar. Das kostet Punkte. Ob es alle Fahrer wirklich stört, ist eine andere Frage. Die ärgern sich eher über die schlecht entgrateten Lüftungsdüsen, die knatschige Mittelkonsole und quadratmeterweise Hartplastik in den Türen.

Ästhetische Probleme. Wirklich ärgerlich ist die Rücksitzbank ohne Einrastung. Wer sie nach vorn wickelt, um Fondgästen den Weg in die dritte Reihe freizumachen, sollte sie gewissenhaft festhalten. Lässt man sie los, knallt sie so schwer und laut in die Verankerung, dass es einem schon beim bloßen Gedanken, ein kleiner Kinderfuß könnte dazwischengeraten sein, Schauer über den Rücken treibt.

Überhaupt bleibt die Beladung in beiden Fällen nicht perfekt. Beide Kontrahenten treten als Siebensitzer an, das heißt, sie verfügen über einzeln wegklappbare oder herausnehmbare Sitze im Kofferraum. Wer sie nicht braucht, kann sie nach vorn klappen, wo sie dann auch sperrig Raum wegnehmen.

Steht wirklich mal der Großeinkauf bei Ikea an, müssen alle Sitze mit viel Muskelkraft ausgebaut werden. Beim Dacia ernüchtern zudem die innere Ladekante sowie der hügelige Boden mit den vielen Verankerungspunkten, die die Ladung verkratzen. Kein Vergleich zum Tourneo, der mit maximal 2600 zu 1807 Litern eh in einer ganz eigenen Liga spielt.

Ist endlich alles verstaut, kommt das nächste Problem: Wie bewegt man das? Mit 110 (Dacia) und 114 PS (Ford) gehen die beiden nicht gerade als verkappte Musclecars durch. Beim Ford kommt noch erschwerend das hohe Eigengewicht von 1637 Kilo hinzu, das mit den 663 Kilo Zuladung für satte 2,3 Tonnen sorgt. Da kommt der 1,5-Liter mächtig ins Schwitzen, das siebenstufige DSG des Testwagens hält ihn kräftig auf Drehzahl. Obwohl er schon leer satte 363 Kilo leichter ist, hat auch der Einliter im Jogger alle drei Zylinder voll zu tun, um dranzubleiben. Immerhin bleibt er am Ende trotz fehlender Spartechnik mit 6,6 Litern zu sieben Litern genügsamer.

Das gilt auch an der Kasse, wo er diesen Vergleich in den Augen vieler ad absurdum führt. Für den Jogger werden in der getesteten Version Extreme 20 600 Euro fällig, beim Tourneo sind es im Testtrimm stolze 33 590 Euro. Damit ist der Ford unglaubliche 12 990 Euro teurer. In dieser Klasse sind das Welten!

Dass der Jogger doppelt so oft zum Service muss, unglücklichere Versicherungseinstufungen hat und nur sechs Jahre gegen Durchrostung garantiert werden – geschenkt. In der Summe seiner Eigenschaften liegt der Tourneo klar vorn. Er ist wertiger, praktischer und moderner. Der Dacia ist auch nie schlecht, nur einfacher. Dafür bleibt er bezahlbar. Für viele in dieser Fahrzeugklasse das beste Argument.

FAZIT

MALTE BÜTTNER, BEREND SANDERS

Nach Punkten fährt der neue Tourneo dem Jogger um die Ohren, bietet zeitgemäßes Infotainment, moderne Spritspartechnik, eine gute Verarbeitung und mehr Platz. Doch auch der Dacia ist sehr groß, einfacher, aber gut ausgestattet und verbraucht weniger – durch weniger Gewicht. Vor allem ist er 12 990 Euro günstiger.