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Wer hier wen erzieht? Meine Katze mich!


HÖRZU - epaper ⋅ Ausgabe 27/2021 vom 02.07.2021

INTERVIEW

Artikelbild für den Artikel "Wer hier wen erzieht? Meine Katze mich!" aus der Ausgabe 27/2021 von HÖRZU. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: HÖRZU, Ausgabe 27/2021

Es ist ein ganz besonderes Wiedersehen: HÖRZU trifft Hape Kerkeling zum Interview im Kölner Hyatt Hotel, um mit dem beliebten Comedian über sein neues Buch zu sprechen: „Pfoten vom Tisch! Meine Katzen, andere Katzen und ich“ (siehe Buchtipp Seite 16). Ein Buch über Katzen? Ja, aber es ist viel mehr als das. Und sehr gelungen. Kerkeling erzählt darin aus seinem Leben – und Katzen haben ihn dabei immer intensiv begleitet (siehe Kasten Seite 16). Bestens gelaunt steht der Fernsehstar da, in hellen Jeans und dunkelblauem Blazer. Schnell noch einen Espresso – dann geht es auch schon los mit dem Gespräch.

HÖRZU: Sie haben ernst gemacht und sich zurückgezogen. Machen Sie nur noch, was Ihnen gefällt? Das Leben in Italien genießen und schreiben?

HAPE KERKELING: Ich mache tatsächlich, was mir gefällt. Ich habe mich freigeschwommen. Schon zu Beginn meiner Karriere mit 17 Jahren habe ich mich ...

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... hauptsächlich aufs Schreiben konzentriert. Ich saß an einem Tisch und habe meine Werke vorgelesen. Und da, wo ich angefangen habe, bin ich jetzt wieder. Ich sitze bei Lesungen an einem Tisch und lese vor. Es scheint die ureigenste Kunstform zu sein, für die ich ganz gut gemacht bin.

In Ihrem neuesten Buch geht es um Katzen. Weltberühmt sind Garfield, Jerrys Tom oder Petterssons Findus. Wenn Sie einen Tag eine dieser drei sein könnten – welche wäre das?

Garfield. Er darf ungestraft so viel futtern, wie es ihm beliebt. Er ist frech – auch das ungestraft – und trotzdem nicht ganz doof. Seine nicht zu kurzen Entspannungsphasen würden mir sehr viel Freude bereiten.

Es ist berührend zu lesen, wie Ihr Leben mit Katzen begann. Der erste Kater war Peterle, ein echter Partner nach dem frühen Tod Ihrer Mutter. Wie wichtig war er in dieser Situation?

Sehr wichtig! Das Brummen, das Schnurren der Katze hat eine heilsame Wirkung. Das ist wissenschaftlich erwiesen. Diese Annäherung, dieses Sicheinlassen auf eine völlig neue Form der Beziehung, die mir bis dahin nicht bekannt war, hat mir Kraft gegeben. Der gesamte Fokus geht auf das Tier. Man ist irrsinnig abgelenkt von all dem anderen, was einen belasten oder beschäftigen könnte. Das war sehr hilfreich. Da hat man dieses weiche, liebe Katzenknäuel vor sich. Das war die richtige Entscheidung, vor allem meiner Großmutter.

“Mein erster Kater hieß Peterle. Er hat mir nach dem frühen Tod meiner Mutter viel Kraft gegeben.“

Hape Kerkeling, Autor und Moderator

Viele Jahre hatten Sie nach Peterle keine Katze. Erst in den 90er-Jahren, als Ihre Karriere auf Hochtouren lief, kamen Spock und Samson zu Ihnen. Als Ruhepol in dieser hektischen Zeit?

Ja, wenn man von einer stressigen Tournee oder einer Live-Fernsehshow nach Hause kommt, ist das Entspannen mit Katzen einfacher. Das Tier sitzt da, macht murr. Ab dem Moment befindet man sich in der Welt der Katze, und die ist entspannt.

Ist es Ihnen in den vergangenen Jahren gelungen, die Hektik aus Ihrem Leben zu verbannen?

So weit es geht. Hektik war noch nie mein Freund, ich bin dafür nicht gemacht. Aber ganz klappt es natürlich nicht, und das wäre wahrscheinlich auch gar nicht gesund. Es muss auch immer noch das Unerwartete Platz haben.

Wie haben Sie die Coronapandemie erlebt – waren Sie da auch in Italien?

Nein. Ich war 16 Monate an einen Ort gebunden. Es war das erste Mal in meinem Leben, dass ich Deutschland so lange nicht verlassen habe. Selbst als Zweijähriger bin ich in Holland oder Belgien gewesen.

Gab es auch Gutes in dieser Zeit?

Grundsätzlich war das Ganze eine Katastrophe, in die wir hineingeschlittert sind und die uns traumatisiert hat. Was das längerfristig noch bedeutet, wird man sehen. Ich fand es ganz schlimm für ältere Menschen und für Kinder, richtig bedrohlich. Ich selber fand die Zeit beschwerlich. So eine Pandemie ist tatsächlich nichts für mich. Grauenvoll, von Menschen abgeschnitten zu sein und nicht die Möglichkeit zu haben, jemanden spontan zu treffen. Das war schon schlimm.

Haben Sie Ihr neues Buch im Lockdown geschrieben?

Ich habe vorher angefangen. Interessanterweise habe ich alles, was lustig ist in diesem Buch, vor der Pandemie geschrieben.

Sie erzählen darin auch, dass Katzen niemals müde werden, uns zu erziehen. Was haben Sie von Ihren Tieren gelernt?

Anne hatte das besonders gut drauf. Wenn ich zu lange am Computer saß, signalisierte sie, dass sie Lust auf einen Spaziergang hat, und lief über die Tastatur. Dann musste ich mir meine müden, relativ dicken Beine vertreten. Darauf hat sie geachtet.

BUCHTIPP

Hape Kerkeling Pfoten vom Tisch! Meine Katzen, andere Katzen und ich Piper 304 S., 22 €

“Wenn man von einer stressigen Tournee nach Hause kommt, ist das Entspannen mit Katzen leichter.“

Hape Kerkeling, Autor und Comedian

Hunde himmeln Menschen an, Katzen ignorieren uns eher, sagen Sie. Würde ein Hund da nicht besser zu Ihnen als Bühnenmensch passen?

Als Publikum sind Hunde besser geeignet. Wenn Katzen im Publikum säßen, würden sie wahrscheinlich buhen, weil sie alles besser können. Ich mag Hunde, aber ich bin eher der Katzenpapa.

Ihr neuestes Werk ist mehr als ein Buch über Katzen. Es ist wieder sehr biografisch. Sie erzählen viel aus Ihrem Leben. Ich kann es mir sehr gut als Film vorstellen. Sie auch?

Durchaus denkbar, aber ich weiß es noch nicht. Es wäre sicher von allen Filmen der lustigste. Ganz ohne Zweifel.

Hat sich Nico Hofmann schon gemeldet, der als Produzent Ihr Buch „Der Junge muss an die frische Luft“ ins Kino brachte?

Er weiß noch nicht, dass es dieses Buch gibt. Aber wenn ich so nachdenke, würde in dem Fall tatsächlich nicht „ich“ die Hauptrolle spielen, sondern die Katzen im Laufe der Jahre. Ist eigentlich eine gute Idee. Nico, bitte ruf an!

Können Sie sich auch vorstellen, sich selbst zu spielen?

Ausgeschlossen! Nein.

Hätten Sie mal wieder Lust, vor der Kamera zu stehen?

Es wird eine Serie geben, eine Doku-Comedy für Vox, und eine Spielserie für RTL oder TVNow. Das kommt im nächsten Jahr, die Dreharbeiten beginnen bald.

Wie kommt es, dass Sie plötzlich wieder so präsent sind im Fernsehen?

Es sind sehr schöne Ideen. Ich habe immer gesagt, wenn die Idee stimmt, mache ich das. Und da es sich nicht um große Fernsehshows handelt, sondern um relativ kleine, feine Formate, war es gar nicht schwer, mich zu überreden.

Wie sehr fehlt Ihnen das Publikum?

Ich freue mich wie Bolle auf die Lesung, um endlich mal wieder vor Publikum aufzutreten. Ich glaube, das geht allen Künstlern so. Wir können es nicht erwarten, dass sich endlich die Pforten zu Theatern und Veranstaltungshäusern öffnen. Das haben wir schmerzlich vermisst.

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