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Wer mutig ist, gewinnt im Leben


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Donna - epaper ⋅ Ausgabe 6/2022 vom 04.05.2022

Leben

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Das Haus von Ruth Barz wurde vom Wasser total beschädigt und anschließend abgerissen

„Aufgeben? Das kam für mich nie infrage!“

Ruth Barz, 56, hat bei der Flut im Ahrtal Haus und Praxis verloren

Es war ein Mittwoch, genauer der 14. Juli 2021. Der Tag, an dem sich mein Leben schlagartig veränderte. Mein Mann war auf Geschäftsreise, ich stand in meiner Podologie-Praxis in unserem Haus. Dann kam die Flut.

Plötzlich lief der Keller voll, dann ganz schnell das Erdgeschoss. Mit meinem 15-jährigen Sohn versuchte ich noch, Geräte aus der Praxis zu bringen. Wir wären im Keller fast ertrunken. Nur mit einem Schlüssel in der Hand retteten wir uns zu dem höher gelegenen Nachbarhaus. Als wir am nächsten Tag zu uns zurück sind, hatten wir außer ein paar Töpfen, Pfannen und auf einem Regal im Obergeschoss drapierten High Heels nichts mehr. Ich fühlte irgendetwas zwischen Leere, Aufgelöstheit und Tränen. Dennoch wusste ich sofort: Ich mache weiter. Schließlich habe ich mir als Podologin einen ...

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... Namen gemacht, die Kunden kommen von weit her, und es macht mir Spaß. Klar, es gab Rückschläge: Wir mussten zunächst in ein Auffanglager, bevor wir zu meinen Eltern zogen. Im Winter starb meine Mutter, aber ich konnte sie so viel besser begleiten. Auch meine geliebte Irische Wolfshündin Winnie starb, und dann hatte auch noch fast die ganze Familie Corona. Mittlerweile geht es aufwärts: Momentan leben wir zu dritt auf 38 Quadratmetern in einem Tiny House.

Nur mit dem Schlüssel in der Hand haben sie sich zu den Nachbarn gerettet

Unseres wurde abgerissen, wir kämpfen mit Versicherungen, auf einem Teil des Schadens bleiben wir wohl sitzen. Dennoch gab es schon kurz nach der Flut ermutigende Anrufe von meinen Kunden, die angekündigt haben wiederzukommen. Auch viele Freunde wollten helfen. Ich habe mir neue Praxisräume gemietet.

Meine Psyche ist nach dem ersten Adrenalin noch nicht ganz so stabil. Dabei bin ich immer mit Stärke durchs Leben gegangen, habe mich immer wieder aufgerappelt.

Neu ist für mich, dass ich an mir zweifle. Erst spät habe ich mir professionelle Hilfe gesucht. Es tut mir gut, zum Psychologen und, obwohl ich nie sehr gläubig war, in die Kirche zu gehen. Ich meditiere und habe mir gerade wieder einen Welpen geholt.

„Angst habe ich nur vor aggressiven Autofahrern“

ZDF-Reporterin Katrin Eigendorf, 59, berichtet gerade aus der Ukraine

Ihr Job hat Sie schon immer an gefährliche Orte gebracht: Sie haben über den Tschetschenienkrieg berichtet, waren Expertin für den Nahostkonflikt. Gerade sind Sie in der Ukraine und sehen wieder unerträgliche Bilder von Krieg und Tod. Wie schaffen Sie das?

Ich lasse den Schmerz zu. Das muss man auch, sonst ist man ein Berichterstattungsroboter ohne Empathie.

Woher nehmen Sie Ihren Mut?

Wenn ich von etwas überzeugt bin, setze ich das ziemlich angstfrei durch. Ich ging in die Ukraine gegen manche Widerstände.

Ich finde es mutiger, klar zu sagen, was hier passiert.

Muss man als Kriegsreporterin tougher sein als männliche Kollegen?

Es gibt Frauen, die das meinen.

Ich nicht. Ein Job im Kriegsgebiet erfordert keine männlichen Eigenschaften, sondern Umsicht, Einfühlungsvermögen, einen genauen Blick. Mir geht es darum, mir treu zu bleiben.

Hatten Sie je daran gedacht, mit dem Job aufzuhören?

Nie, gerade jetzt nicht. Das Ukraine-Erlebnis ist so schrecklich, geht uns so nahe.

Freunde und Familie fanden sie schon immer mutig

Begleiten Ihre Erlebnisse Sie durch Ihre Träume?

Ja, das kann ich nicht ausblenden.

Man ist eben nicht nur mit dem Verstand, sondern auch mit dem Herzen dabei. Ich kann nicht immer nachvollziehen, wenn Menschen zu mir sagen: „Wie hältst du das aus?“ Ich sage: Man muss mit Grenzsituationen klarkommen. Ein Kinderarzt hat vielleicht schwierigere Situationen als ich.

Ich habe Gott sei Dank eine gute Work-Life-Balance und Leute, mit denen ich reden kann. Und ich meditiere viel.

Sind Sie angstfrei?

Ich habe Höhenangst. Und große Furcht vor aggressiven Autofahrern.

Ihr Sohn Philip Julius war schwerbehindert und wurde nur 17 Jahre alt.

Mein Sohn war eine Aufgabe.

Aber schlimme Situationen haben auch etwas Bereicherndes.

Wie beschreiben Sie sich selbst?

Klassenkameradinnen fanden mich mutig, meine Geschwister auch. Mein Bruder holte mich immer, wenn es für ihn brenzlig wurde. Ich habe mich zwar nicht geprügelt, aber vor ihn gestellt.

Ich wollte immer entschieden für Dinge eintreten.

Ihr Mann ist Konzernsprecher der Deutschen Bank, ihre Tochter als Sängerin Aly Ryan bekannt. Haben die Angst um Sie?

Mein Mann und meine Tochter unterstützen mich, weil sie das wichtig und sinnvoll finden.

Ihre Kollegin Antonia Rados sagt, Schokolade und gute Schuhe trösten sie im Krieg.

Ich habe gern gutes Parfum dabei.

Gerüche sind oft ziemlich unschön im Krisengebiet. Das ist meine Schokolade.

„Scheitern kann man immer. Davon lässt sie sich nicht abhalten“

Elke Jensen, 72, entwarf mit über 70 einen Einkaufstrolley

Möchte ich irgendwann einen Rollator vor mir herschieben?“ Für Elke Jensen keine Option. Die Hamburger Produktdesignerin ist zu agil, um sich von umständlichen Mobilitätswerkzeugen für Senioren helfen zu lassen. Selbst topfit befand die Professorin für Design bereits vor mehr als sechs Jahren: „Ältere Leute möchten nicht auf Versehrtheit reduziert werden und auf eine Krankheit verweisen.“ Sie würden eben nicht mit einem umständlichen Rollator durch die Gegend spazieren und als gebrechlich erscheinen wollen.

Also gründete die heute 72-Jährige ihr Start-up für „City Caddys“, einen Mix aus Rollator und Einkaufstrolley, der sich mit einem Kipphebel bequem hinter sich herziehen lässt und die noch dazu als Ledertasche richtig stylish aussieht.

Mit ihrem Ersparten hat sie vor drei Jahren ihr neues Business aufgebaut. Aber es gab erst einmal Widerstände, klar. „Nehmen Sie doch jemand Jüngeren dazu“, rieten die Banken. Elke Jensen ließ sich nicht beirren und nahm Freunde als private Investoren mit ins Boot. Immerhin 1295 Euro kostet ein Caddy, davon hat sie mittlerweile schon ein paar Hundert ausgeliefert, weitere Anfragen laufen. Und sie hat „verrückte Zeiten“ erlebt: Doch trotz Corona und gestiegenen Rohstoffpreisen funktioniert das Geschäft. „Nicht nur bei reichen Leuten“, freut sich die Gründerin, die jeden Morgen in ihr Büro geht, das sie sich mit jungen Office-Sharing-Partnern teilt. Woher sie den Optimismus im späten Alter für ihr Unternehmertum nehme? „Man kann immer scheitern“, lacht Elke Jensen. Als selbstständige Designerin habe sie nebenbei auch 19 Jahre lang eine Kunstgalerie in Hamburg betrieben. Und wieder geschlossen.

Jetzt ein Startup? Wenn man an sich glaubt, kein Problem!

Und das Thema Geld? Das sei ein Auf und Ab gewesen, weiß Elke Jensen. „Aber man muss nur an sich glauben.“

„Mein Geld soll helfen, etwas Gutes zu tun“

Ute Meiser hat bereits mit 63 ihr Erbe geklärt

Ich wünsche mir ein ewiges Leben, zumindest möchte ich noch ziemlich viel erleben“, bekennt Ute Meiser. Und dennoch hat die Hamburger Psychotherapeutin für Kinder und Jugendliche sich etwas getraut, wovor viele andere zurückschrecken: Sie hat sich früh mit dem eigenen Tod auseinandergesetzt und mit der Frage, wie sie ihr Erbe gestalten möchte. Obwohl sie mit nur 63 Jahren fit ist, hat sie sich entschlossen, ihr Vermögen der weltweiten Tier-und Naturschutzorganisation WWF zu schenken.

Ihre Motivation? „Ich bin oft mit dem Tod in Berührung gekommen“, erzählt die gebürtige Frankfurterin. Als 25-Jährige verlor sie ihren damaligen Partner bei einem Autounfall. Nach zwölf Jahren Ehe starb ihr Mann nach einem Herzinfarkt. Auch beruflich hatte Ute Meiser öfter mit schwer kranken Patienten zu tun.

Ihre beiden Eltern leben nicht mehr, sie ist Einzelkind, die wenigen Verwandten sind älter als sie. Geld sei schon in ihren Studentenjahren mit einem vermögenden Elternhaus nie ihr Motor gewesen, sondern eher eine Chance, „etwas Sinnvolles zu tun“. Die Entscheidung für eine Testamentsspende an den WWF fiel ihr leicht. Da waren zuvor zum Beispiel Reisen wie in den Dschungel Sumatras und die Erlebnisse mit Orang-Utans. Oder die Eindrücke von ausgewilderten Gibbonaffen in Thailand. „Tiere können ihr Elend nicht verändern, sie brauchen die meiste Unterstützung“, glaubt die Naturliebhaberin. Mit ihrem Testament zum Notar zu gehen habe sie dennoch Überwindung gekostet. „Letztlich ist da immer eine Angst vor der eigenen Endlichkeit.“

Ein Testament zu machen schaffe auch Erleichterung

Die weit gereiste Psychoexpertin, deren Job sie sogar schon in so exotische Länder wie Tonga führte, bezeichnet sich aber als jemanden, „der Herausforderungen klar gegenübertritt“. Auch mit Freunden habe sie viel über das Thema Vererben und Tod geredet. Dass sie das für sich bereits heute geregelt hat, bedeute „Erleichterung“. Schließlich gibt es in Ute Meisers Leben noch viel zu tun.

Eine Reise an den Amazonas ist ihr nächstes Ziel.