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Werden wir später!


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Frau im Leben - epaper ⋅ Ausgabe 4/2022 vom 02.03.2022

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Bildquelle: Frau im Leben, Ausgabe 4/2022

Beruflich noch mal von vorn anfangen? Simone Schäfer hat sich getraut ? und ein Yogastudio eröffnet

Stefanie? Die hat sich kaum verändert. Aber hatte Bettina schon immer diesen müden Zug um den Mund? Und wann, bitte, ist der coole Claus so schrecklich spießig geworden?

Vielleicht finden wir Klassentreffen auch deshalb spannend, weil wir nirgendwo sonst so klare Antworten auf die Frage finden: „Wie gut haben wir uns gehalten?“ Beim Wiedersehen mit alten Freunden suchen wir nicht nur bei den anderen nach den Zeichen der Zeit, wir vergleichen sie und uns auch mit unseren jüngeren Versionen.

„Man ist so jung, wie man sich fühlt“, heißt es. Was das bedeutet, hat Professor Bernd Kleine-Gunk für sein Buch „Jung bleiben ist Kopfsache“ (GU, 19,99 Euro) recherchiert. Wie Alterungsprozesse im Körper funktionieren und wie wir sie aufhalten können. Welche Fakten aus der Forschung uns im Alltag helfen. Wenig überraschend: Wer mit 55, 65, 75 Jahren vor Energie sprüht, Pläne schmiedet und die eigenen ...

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... Leidenschaften lebt, macht schon mal viel richtig: „Das ist der wirkungsvollste Jungbrunnen, aus dem wir schöpfen können“, sagt der Anti-Aging- Mediziner und Gynäkologe aus Nürnberg. Aber warum wirken manche Menschen mit 75 Geburtstagskerzen auf der Torte jugendlich, während andere mit 35 Jahren irgendwie alt und dröge sind? „Eine jugendliche Ausstrahlung fängt tatsächlich im Gehirn an“, so die Botschaft des Experten. Zwar werden wir alle mit einem genetischen Bauplan gebo-ren, ob unsere trockene Haut zum Knittern neigt zum Beispiel oder die Knochen wie bei Mama und Oma zu Osteoporose. „Allerdings ist dieser genetische Bauplan nur ein grober Entwurf, wie wir uns im Laufe des Lebens verändern werden“, davon ist Prof. Kleine- Gunk überzeugt. Wie frisch wir tatsächlich bleiben und wirken, bestimmt kein Code unserer DNA, sondern ist vielmehr das Ergebnis unserer täglichen Entscheidungen. Wie in einem Blumenbeet: Wie toll die Blüten aussehen, hängt von der Sorte ab, aber vor allem von Wetter, Wasser und Pflege.

Unsere Einstellung ist entscheidend

Die German Society of Anti-Aging Medicine, deren Präsident Prof. Kleine-Gunk ist und zu der 1 200 Kollegen unterschiedlichster Disziplinen zählen, hat „Sieben Säulen des gesunden Alterns“ aufgestellt: Darunter sind ein paar gute Bekannte, wie eine ausgewogene Ernährung und regelmäßiger Sport, aber auch begleitende Hormone, Nahrungsergänzungsmittel und ein sympathischer Überraschungsgast – die Psyche.

„Auch eine positive Lebenseinstellung hat großen Einfluss darauf, wie schnell und vor allem wie wir altern“, sagt Bernd Kleine- Gunk, „denn am Ende siegt der Kopf über die Gene.“ Jeden Morgen bekommt er eine neue Chance, sich für frisch statt dröge zu entscheiden. Worauf freue ich mich? Was will ich anpacken und ausprobieren? Das beste Anti-Aging-Training ist übrigens: „Tanzen! Weil es die Freude an der Bewegung mit einer Gedächtnisübung verbindet (neue Schrittfolgen lernen), uns die Musik bei den Emotionen packt und wir uns dabei auf den Partner einstellen“, sagt der Mediziner.

„Eine jugendliche Ausstrahlung fängt im Gehirn an

Prof. Bernd Kleine-Gunk kennt die Regeln für gesundes Altern

Simone Schäfer (48) aus Gundelsheim in Baden-Württemberg ist in den letzten Monaten gleich ein paar Mal aus der Reihe getanzt. Im November hat sie nach 19 Jahren ihren Job gekündigt, um sich selbstständig zu machen. „Mit fast 50 und mitten in der Pandemie“, erzählt sie. „Wenn mir das vor 30 Jahren jemand gesagt hätte, ich hätte ihn für verrückt erklärt.“ Während ihrer Ausbildung zur Altenpflegerin verliebte sie sich 1990 in den Zivi Joachim. Die beiden heirateten, bauten ein Haus und bekamen zwei Söhne. „Ich war rundum zufrieden mit unserem Leben, auch wenn es vielleicht ein bisschen festgefahren war“, gibt Simone zu. Bis vor einem Jahr die Geschäftsführung ihrer Firma wechselte und plötzlich das Wichtigste fehlte: Wertschätzung am Arbeitsplatz. Als sie dann auf einer Fortbildung zufällig eine Yoga-Ausbilderin kennenlernte, öffnete sich eine neue Tür. „Es ging mir anfangs gar nicht darum, mein berufliches Leben komplett umzukrempeln“, sagt Simone. „Aber da war auf einmal dieser frische Wind unter meinen Flügeln, der mich in neue Welten getragen hat.“

Und mehr als das: Die schlanke Frau mit den kurzen schwarzen Haaren und den blitzenden Augen kämpfte sich mit dem Sport zurück ins Leben: Auf der Yogamatte hat die 48-Jährige nicht nur ihre Muskeln, sondern auch ihr Selbstbewusstsein trainiert. „Im Jahr 2018 hatte ich eine Hirnblutung“, erzählt Simone Schäfer. Tagelang lag sie damals auf der Intensivstation, wochenlang war sie auf Reha. „Ich konnte keine noch so einfache Matheaufgabe lösen“, erinnert sie sich an diese schweren Zeiten.

Positiver Stress verleiht Schwung

Aber auch die Erfolgsmomente ihrer Yogaausbildung hat sie noch lebendig vor Augen: die erste selbst konzipierte Stunde, ein Referat über die großen Meister, später dann das Büffeln für die Anatomieprüfung. „Plötzlich war ich nicht mehr nur Mutter zweier Kinder, sondern auch selbst wieder wissbegierige Schülerin. Das hat mir meine Leichtigkeit zurückgebracht“, sagt Simone Schäfer.

Die wissenschaftliche Theorie dahinter heißt übrigens Hormesis-Prinzip: Positiver Stress in kleinen Dosen hält das Gehirn auf Trab und die Zellen im Körper frisch. „Damit ist kein Dysstress gemeint, der uns emotional unter Druck setzt, den Schlaf raubt und krank machen kann“, erklärt der Mediziner Bernd Kleine-Gunk. Beim Eustress geht es vor allem darum, verborgene Kräfte herauszukitzeln, uns wieder selbst zu spüren, wie das Herz klopft, das Gehirn rattert, sich Atem und Füße beschleunigen. Dann pauken die einen Spanisch-Vokabeln, während die anderen einen Gipfel erklimmen.

Simone Schäfer hat ihren unternehmerischen Mut zusammengenommen und Anfang des Jahres im Herzen von Gundelsheim das Studio „Yoga im Hier und Jetzt“ eröffnet, das Yoga- und Meditationszentrum, aber gleichzeitig auch eine Begegnungsstätte für alle Generationen werden soll. Ganz getreu der Devise: Kreuzworträtsel und Sudoku am Küchentisch trainieren zwar das Gehirn, doch Aktivitäten mit anderen Menschen halten richtig jung – weil die auch ein paar Macken und Meinungen mitbringen.

Die sieben Säulen des gesunden Alterns

Zusammengestellt von der Deutschen Gesellschaft für Prävention und Anti-Aging-Medizin

LEBENSSTIL

Sieben bis neun Stunden Schlaf pro Nacht, wenig Alkohol und möglichst keine Zigaretten: Es gibt schon ein paar Stellschrauben, an denen wir drehen können. Am leichtesten fällt uns ein solider Lebenswandel, wenn der Kopf einen Rhythmus (er-)kennt. Zum Beispiel: Immer zur gleichen Zeit ins Bett gehen und das Glas Rotwein nur am Wochenende trinken.

GESUNDE ERNÄHRUNG

Viel Gemüse und Fisch, Vollkornprodukte, wenig Fleisch – das klingt schon mal gut. Dazu zwei Liter pro Tag trinken, das spült Schadstoffe aus dem Körper aus und hält den Kreislauf in Schwung.

BEWEGUNG

Entspannter Sport wie Yoga oder Pilates trainiert die Beweglichkeit und fährt die Stresshormone runter. Schwimmen, Walken oder Spazieren an der frischen Luft macht fit, rosige Wangen und gute Laune.

SUPPLE­ MENTIERUNG

Ein Nährstoffplus mit Vitaminen, Mineralstoffen und Antioxidantien füttert unsere Zellen mit allem, was sie brauchen und aus der Nahrung oft nicht ausreichend kriegen. Lassen Sie sich vom Arzt oder Apotheker beraten.

HORMON- ERSATZTHERAPIE

Was macht mein Östrogenspiegel? Arbeitet die Schilddrüse fleißig? Das Blutbild verrät, ob der Körper mit den Jahren Unterstützung braucht.

MENTALE BALANCE

Nicht nur den Erregungsnerv (Sympathikus) mit Aktivität füttern, sondern auch den Regenerationsnerv (Parasympathikus) zu seinem Recht kommen lassen. Zum Beispiel durch entspannte Auszeiten (Lesen, Baden, Meditieren) und faule Tage – der beste Schutz vor Burn-out und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

ÄSTHETIK

Ein hübsches Spiegelbild macht glücklich. Da helfen oft schon Kleinigkeiten: frische Strähnchen, hellere Zähne, ein leichtes Make-up. Es muss nicht gleich eine Schönheits- OP her. Meist reicht ein kleines Plus an Schönheitspflege und Achtsamkeit, damit wir wieder von innen strahlen.

Einen sozialen Fitnessparcours absolviert Gabriela Lachenauer (58) aus Wiesloch im Rhein-Neckar-Kreis seit vielen Jahren. „Meine Eltern waren streng und konservativ, als Mädchen hatte ich daheim wenig zu sagen“, erinnert sich die angestellte Augenoptiker- Meisterin. „Als mich Kollegen während meiner ersten Ausbildung im Heidelberger Universitätsbauamt zu Veranstaltungen der Friedensbewegung mitnahmen, war das wie ein Befreiungsschlag.“ Plötzlich wurde die 17-Jährige bei Debatten nach ihrer Meinung gefragt, sie demonstrierte für Frauenrechte, gegen Aufrüstung und Atomenergie.

Sinnstiftende Aufgaben als Antreiber

„Positiver Stress in kleinen Dosen hält das Gehirn auf Trab und die Zellen im Körper frisch

Prof. Bernd Kleine-Gunk, Buchautor und Anti-Aging-Forscher

„Dieses Gefühl, gehört zu werden, mit der eigenen Stimme etwas bewegen zu können, hat mich seither nie mehr losgelassen.“ Nicht als ihre Beziehung in die Brüche ging und sie ihr Kind allein großziehen musste. „Durch meinen Sohn Noah habe ich gelernt, die volle Verantwortung zu übernehmen.“ Inzwischen studiert ihr Sohn in Köln Medizin, das junge Umfeld ist Gabriela Lachenauer aber geblieben: als Stadträtin, in der Landesarbeitsgruppe Frauenpolitik sowie im Vorstand beim „Bündnis für Demokratie und Toleranz Wiesloch“. Während der großen Flüchtlingswelle 2015 hat sie den Integrationstreff „Café Mokka“ mitbegründet. Drei Stunden standen sie und ihre Mitstreiterinnen jeden Montag nach einem langen Arbeitstag hinter der Kaffeemaschine, hörten zu und vermittelten Kontakte. „Das passiert mir immer wieder: Ich will eigentlich nur ein wenig helfen und plötzlich flattert mir eine neue Herzensaufgabe zu“, erzählt die 58-Jährige, die regelmäßig von gleichaltrigen Freunden gefragt wird, warum sie sich das alles antut. „Die haben einfach schon ein paar Gänge runtergeschaltet, gehen lieber gemütlich essen oder Wein trinken, während ich für neue Themen brenne und mich gern einsetze.“

Die Energie für ihre Ideen und ihren Einsatz findet die passionierte Langstreckenläuferin nicht nur bei regelmäßigen Laufeinheiten in der Natur: „Es ist auch die Dankbarkeit und die Rückmeldung der Menschen, für und mit denen ich arbeite, die mich immer wieder anstupsen, meinem Leben Sinn geben und mich mit Glück erfüllen.“

„In der Rente noch mal ein zweites Studium beginnen? Das kann ich mir sehr gut vorstellen!

Prof. Bernd Kleine-Gunk hat viele Pläne für seinen Ruhestand

„Ikigai“ nennen das die Bewohner der japanischen Inselkette Okinawa – frei übersetzt etwa „das, wofür es sich zu leben lohnt“. Die Inselgruppe im ostchinesischen Meer gehört zu einer der fünf „Blauen Zonen“ dieser Welt, in der die fittesten Hundertjährigen leben. Seit Jahren rätseln Altersforscher, was die Hundertjährigen von Okinawa mit den Senioren Sardiniens gemeinsam haben – ebenfalls eine „Blaue Zone“. Neben einer gesunden Ernährung – viel Fisch und Gemüse – legen beide Kulturen viel Wert auf das Miteinander der Generationen, aber auch das Gefühl, selbst im hohen Alter noch gebraucht zu werden.

Barbara Dobberstein (72) aus Heidelberg muss morgens nicht lange überlegen, warum sie begeistert aus dem Bett springt. Neben der Freude auf ihre Enkelkinder (9 und 11 Jahre alt) hat sie sich nach ihrer Trennung und der Pensionierung als Gymnasiallehrerin für Sport und Biologie vor zehn Jahren neu erfunden und lebt heute als freischaffende Künstlerin. „Meine Liebe für organische Formen aus der Natur kann ich nicht verleugnen“, sagt sie beim Spaziergang durch ihren Blumengarten, vorbei an überdimensionierten Mohnkapseln und lebensgroßen menschlichen Figuren, die sie aus Ton formt und bei 1 200 Grad brennt. Mit den Händen etwas erschaffen, das hat sie schon geliebt, als ihre Kinder klein und ihr erster Mann als Arzt voll eingespannt war. Was mit Salzteig kneten am Küchentisch begann, wurde mit den Jahren zur Passion, die sie fast täglich lebt.

Mit offenen Augen durch die Welt

„Ton ist ein wunderbares Material für mich, er fühlt sich gut an, ist weich, formbar und seine Oberfläche vielseitig gestaltbar. Ich liebe diese archaische, uralte Form, sich auszudrücken, mit den Händen etwas zu gestalten, das als gebrannte Keramik Tausende Jahre überdauern könnte“, sagt Barbara Dobberstein lachend. Es ist aber auch das Gefühl, dass noch viel auf sie wartet: Unterstützt von ihrem zweiten Mann nimmt sie regelmäßig an Ausstellungen teil, bei denen sie ihre Arbeiten einem größeren Publikum zeigt. „Woher ich meine Inspiration habe? Ich gehe mit offenen Augen durch die Welt!“

Neues ausprobieren, sich immer wieder fordern, das hat auch Prof. Bernd Kleine- Gunk fest vor. Der 63-Jährige, der mit einer Südamerikanerin verheiratet ist und vier Sprachen fließend spricht, kann sich nach dem Ausscheiden aus der Praxis durchaus ein zweites Studium vorstellen. Auf jeden Fall aber will er die Anti-Aging-Medizin weiter zur internationalen Fachrichtung ausbauen. „Älter? Werde ich später.“

Weitere Fotos: privat (2), Shutterstock.com