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„Werder geht ruhiger mit Trainern um“


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Sport Bild - epaper ⋅ Ausgabe 37/2021 vom 15.09.2021

2.LIGA

Artikelbild für den Artikel "„Werder geht ruhiger mit Trainern um“" aus der Ausgabe 37/2021 von Sport Bild. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.
Trainer Anfang kam diesen Sommer von Darmstadt 98 zu Werder. Bei den Bremern erhielt er einen Vertrag bis 2023

SPORT BILD: Herr Anfang, am Samstag kommt es zum ersten Zweitliga- Nordderby zwischen Werder und dem HSV. Wer hat den besseren Kader? MARKUS ANFANG (47): Genau wie wir setzt der HSV auf einen jungen Kader und will ebenfalls etwas Nachhaltiges, Erfolgreiches aufbauen. Wenn man beide Mannschaften vergleicht, haben die Hamburger ein Team mit mehr Zweitliga-Erfahrung.

Welcher Trainer bekommt mehr Zeit, um das Ziel Aufstieg zu erreichen: Tim Walter beim HSV oder Sie?

Wie es beim HSV gehandhabt wird, ist aus der Ferne schwer zu beurteilen. Ich habe Bremen bewusst in die Kategorie eingestuft, dass man hier nachhaltig etwas aufbauen kann. In Stresssituationen geht man bei Werder ruhiger mit Trainern um, man hält länger an ihnen fest, als es in der Vergangenheit beim HSV der Fall war. Das war neben der Größe und der Strahlkraft des Vereins ein weiterer wichtiger Grund, wieso ich nach Bremen wollte. ...

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Sie heuerten bei Werder an, obwohl der Verein im Mai abgestiegen ist und wirtschaftlich lange mit dem Rücken zur Wand stand. Warum gingen Sie dieses Risiko ein?

Ich liebe Herausforderungen! Als ich 2018 von Holstein Kiel zum 1. FC Köln ging, war es auch ein großes Risiko. Ich musste mit dem FC aufsteigen. Einige Trainer hätten aufgrund des Drucks vielleicht gesagt: Warum soll ich mir das antun? Ich war aber von der Aufgabe überzeugt. Und ich sehe mich trotz meiner Entlassung kurz vor Saisonschluss (nach dem 31. Spieltag; d. Red.) auch als Aufstiegstrainer, weil wir bis dahin die notwendige Punktzahl für den Aufstieg unter mir erreicht hatten.

Sind Sie in Bremen erneut zum Aufsteigen verdammt?

Vom „Müssen“ haben wir uns weit entfernt. Man kann unsere jetzige Situation mit der damals in Köln nicht vergleichen. Beim FC konnten wir nach dem Abstieg gefühlt die komplette Mannschaft zusammenhalten, neue Spieler sind hinzugekommen. Ich konnte quasi ab dem ersten Tag mit dem gesamten Team arbeiten. Hier in Bremen lief das bekanntlich anders.

Weil der Klub Transfererlöse von rund 30 Millionen Euro erwirtschaften musste?

Es wurde bis zum letzten Tag der Transferperiode am Kader gearbeitet. In Bremen sprechen wir deshalb von einem Neuaufbau. Doch ich sehe die Aufgabe als eine ganz große Chance, bei einem tollen Verein mit enormer Wucht – auch wenn er aktuell sicher nicht so groß ist, wie es in der Vergangenheit der Fall war und wo er gerne wieder sein möchte. Ich packe gerne mit an, um das stolze Schiff Werder wieder auf den richtigen Kurs zu bringen.

„Ich liebe Herausforderungen. Ich sehe mich trotz meiner Entlassung als Aufstiegstrainer“

Manager Frank Baumann hat während der Transferphase viel Kritik einstecken müssen, weil einige Spieler erst während der Saison verpflichtet wurden. Wie zufrieden sind Sie mit der Personalpolitik?

Es war für uns grundsätzlich eine schwere Transferphase, weil wir gezwungen waren, Transfererlöse zu erzielen. Erst danach konnten wir selber Spieler holen. Alles in allem bin ich zufrieden, gerade in den letzten Tagen der Transferperiode haben wir noch richtig gute Dinge g emacht.

Zum Schluss kamen Torjäger Marvin Ducksch von Hannover 96 und Rechtsverteidiger Mitchell Weiser von Bayer Leverkusen. Inwieweit konnten Sie bei der Umsetzung helfen?

Grundsätzlich habe ich zu allen Spielern, mit denen ich zusammengearbeitet habe, noch einen guten Kontakt. Marvin Ducksch kenne ich aus unserer gemeinsamen Zeit in Kiel. Als die Möglichkeit bestand, ihn zu bekommen, telefonierte ich mit ihm. Groß überzeugen musste ich ihn nicht. Genauso rief ich Kai Havertz an.

Kai Havertz?

Ja, bei ihm erkundigte ich mich über Mitchell Weiser. Kai (Anfang war einst in Leverkusen Jugendtrainer des heutigen Chelsea-Stars; d. Red.) spielte mit ihm in Leverkusen zusammen, sie sind befreundet. Kai sagte mir, dass Mitchell ein guter Junge ist, dass er uns helfen könnte und gut zu uns passen würde. Solche Informationen helfen.

„Ich rief Kai Havertz an. Bei ihm erkundigte ich mich über Mitchell Weiser“

Ducksch hat jetzt vier Tore in sechs Spielen für Hannover und Werder erzielt. Wie wichtig ist im Aufstiegskampf ein Torjäger?

Man braucht Torjäger, darum bin ich froh, dass wir mit Niclas Füllkrug und Marvin zwei haben. Ich weiß, dass man mit zwei Stürmern spielen lassen kann, das machten wir in Köln auch. Simon Terodde und Jhon Córdoba erzielten zusammen 49 Tore. Aber wichtig ist, dass wir Torgefahr auch von anderen Positionen aus haben.

Als Nachfolger für den zu Schalke gewechselten Terodde, der vorige Serie 24 Treffer erzielte, hat der HSV Robert Glatzel geholt. Bislang gelangen ihm zwei Treffer.

Er ist ein Spieler, der nicht weniger torgefährlich ist und den Unterschied ausmachen kann. Ich finde ihn gut, wollte ihn, als er noch bei Kaiserslautern spielte, zu Holstein Kiel holen.

Werder ist aktuell Tabellen-Dritter. Wie schwer war es, den Abstieg aus den Köpfen der Spieler zu bekommen?

So etwas ist nicht leicht. Es bedarf vieler Einzelgespräche, indem ich ihnen positive Dinge aufzeigte. Aber trotzdem ist es schwer gewesen, den Abstieg aus den Köpfen der Spieler rauszubekommen. Vor allem, wenn nach dem ersten Spiel gegen Hannover auch noch die Fans viel Frust ablassen.

Ihre Mannschaft wurde nach dem 1:1 gegen 96 ausgepfiffen.

Trotzdem habe ich das Umfeld verstanden. Die Fans waren enttäuscht, dass sie der Mannschaft wegen Corona in der vergangenen Saison nicht helfen konnten. Der Abstieg nach über 40 Jahren, dazu die wirtschaftlich schwierige Situation, das war alles ein extremer Schlag. Dann gehören solche Situationen zur Frust-Bewältigung dazu. Gut, dass wir mit dem Rostock-Heimspiel (3:0; d. Red.) unsere Anhänger wieder mit ins Boot nehmen konnten. Denn wir können es nur gemeinsam schaffen.

Haben Sie sich mit Vorgänger Florian Kohfeldt ausgetauscht?

Nein. Ich konnte ihn bisher noch nicht erreichen. Aber ich werde das Gespräch suchen. Genauso mit Thomas Schaaf. Letztens traf ich Uli Borowka (Als Spieler Meister und Europacup-Sieger mit Werder; d. Red.) bei einer Golf-Veranstaltung. Wir sprachen über Werder. Ich finde es wichtig, ihre Meinungen zu hören, weil sie den Klub jahrelang repräsentierten und für ihn stehen. Ich machte das auch in Köln, als ich mich mit Wolfgang Overath oder Toni Schumacher austauschte.