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WERFTPORTRÄT COMFORTINA:: WO COMFORT GROSS GESCHRIEBEN WIRD


segeln - epaper ⋅ Ausgabe 100/2018 vom 14.09.2018

Die legendäre schwedische Comfortina 32 feiert ihren 50. Geburtstag. Seit fünf Jahren wird die Traditionsmarke in Deutschland weitergeführt


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Bildquelle: segeln, Ausgabe 100/2018

Im Winterlager bei Comfort-Yachts liegen zu 80 Prozent Comfortinas


Noch sind die Standorte von Comfort-Yachts über Schleswig verteilt, aber ein neues Grundstück ist erworben und die erste Halle bereits fertig


Noch fehlt der Mast, aber schon bald wird die Segelyacht an den Kunden ausgeliefert. Im Schleswiger Hafen schwimmt die zweite Baunummer des jüngsten Comfortina-Modells. Mit 46 Fuß Länge ist es das bisher größte der einst in Schweden gegründeten Traditionsmarke. ...

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... Geschäftsführer Niels Töbke führt über das aufgeräumte Deck und durch die Kabinen darunter. Er sagt wenig, doch sein Gesicht spricht Bände: Der Stolz auf die abgelieferte bootsbauerische Qualität ist ihm deutlich anzumerken.

Schließlich ist die Werft mit der Entwicklung des neuen Modells ein nicht geringes Risiko eingegangen. Comfortina hat einen Ruf zu verlieren und konnte nicht mehr auf den verunglückten langjährigen In-House-Designer Thomas Bern zugreifen, welcher der Marke über lange Zeit ihre typischen Linien verliehen hatte. Zudem spielt sich die Produktion auch noch an einem neuen Standort ab. Die Comfortina 46 wird erstmals in einer kleinen, aber feinen Werft in Polen gebaut.

Fertigungstechnisch handelt es sich bei der Yacht fast um einen Einzelbau. Anders als bei den anderen Modellen gibt es keine Form, in der das Boot laminiert wird, sondern die Comfortina 46 wird aus dem Sandwich-Kernmaterial Schaum über einem Mallengerüst gebaut, dann von außen im Epoxy-Vakuumverfahren laminiert, umgedreht und schließlich genauso von innen laminiert. Diese Technik lässt der Werft in Bezug auf das Layout unter Deck größtmögliche Freiheit.

Comfortina 46, Baunummer 2, unter Deck – die Semi-Custom-Bauweise erlaubt einen individuellen Ausbau


Diese Freiheit ist Teil des angestrebten Komforts. Die Linien sind vorgegeben, der Rest ist variabel. Die Idee ist, den Kundenwünschen so weit wie möglich folgen zu können. Es geht um viel Geld, sagt Niels Töbke, da sollen die Kunden mitbestimmen können. Der klassische Comfortina-Ausbau beispielsweise ist aus Teakholz. Aber wer sein Boot lieber in Weiß haben möchte, dem soll sein Wunsch erfüllt werden. Der Plan scheint aufgegangen zu sein, sonst wäre es wohl kaum zu einer Baunummer zwei gekommen. Einen großen Anteil daran hat der neue Comfortina-Designer Dieter Blank, sagt Niels Töbke. Die individuelle Comfortina 46 entsteht in einem Diskussionsprozess zwischen Designer, Werft und Kunden.

Eine solche Mitbestimmung ist selten. Die Werft hatte seinerzeit das Design ausgeschrieben und neben Blank noch zwei andere Bewerber in der Auswahl. Den Ausschlag für Blank gaben schließlich seine Erfahrungen im Einzelbau von exklusiven Yachten zum einen und mit Hubkielkonstruktionen zum anderen. Die erste 46er wurde 2017 ausgeliefert, fast 50 Jahre nach der Vorstellung der Comfortina 32. Kenneth Albinson hatte die Werft Comfort-Yachts 1964 gegründet und mit dem Bau kleiner Kreuzeryachten begonnen. 1968 präsentierte er einen modernen Riss mit Kurzkiel und Spatenruder als Comfort 32. Damals war das Boot toppgetakelt. 1980 kam eine modernisierte Variante mit 7/8-Rigg unter dem Namen Comfortina 32 auf den Markt und machte sich schon bald einen Namen auf den Regattabahnen.

Hier müssen rund um die Püttings ein paar neue Teakstäbe eingeklebt werden


Cockpitsüll auf der Comfortina 46 – die Fallen verschwinden unter der Klappe


Mit 3,30 Metern ist die Comfortina 32 vergleichsweise breit. Zudem trägt sie fast zwei Tonnen Ballast, weist also sowohl eine sehr hohe Form- als auch eine sehr hohe Gewichtsstabilität auf und kann viel Tuch tragen. Mit der großen Genua kommt die Yacht auf 60 Quadratmeter Segelfläche am Wind. Überdies ermöglichen eng liegende Genuaschienen eine legendäre Höhe am Wind. So setzte die Werft 800 Einheiten ab, bevor sie nach 30 Jahren die Produktion einstellte.

Lange Zeit gab es die Comfort-Yachten auch als Bausatz. Den letzten Selbstbauer erlebte Niels Töbke in den 1990er-Jahren noch mit, als er bei der deutschen Comfortina-Vertretung einstieg. „Einerseits war das ganz witzig“, sagt Töbke. „Andererseits drohte ein Imageproblem. Egal, wie der Ausbau gelungen ist, auf alle Booten steht Comfortina drauf.“ Die Werft wollte aber nicht nur für schnelle Segler, sondern auch für einen durchgehend hochwertigen Ausbau stehen und stellte das Selbstbauprogramm ein. Auf den Erfolg der Comfortina 32 reagierte die Werft 1985 mit der Einführung der 38er, der ersten Yacht nach einem Entwurf von Thomas Bern. Die Comfortina 38 erwarb einen ebenso guten Ruf als schnelle Seglerin. 1994 folgte die 35er als modernere Nachfolgerin der 32er und 38er, die beide in den folgenden Jahren eingestellt wurden. 1998 ergänzte die 42er die Palette, die 39er schloss 2006 die Lücke zwischen den beiden Modellen.

Doch bald geriet die Werft in Schweden in wirtschaftliche Schwierigkeiten. 2012 leitete die Geschäftsführung die kontrollierte Insolvenz ein.

Der Name Comfortina steht für schnelles Segeln auch hoch am Wind


Zum Jahreswechsel 2013 übernahm der langjährige Comfortina-Händler und gelernte Bootsbauer Niels Töbke gemeinsam mit einem Kunden als Partner die Marke mit allen Rechten, Formen und Plänen nach Deutschland. Die Ausrüstung wanderte an den ehemaligen Dehler-Standort in Freienohl, wo die 35er, 39er und 42er heute von SQ-Yachts gebaut werden. Neben der Tradition der Comfortina-Linie will Niels Töbke die Tradition des Kundenkontakts weiterführen, die er schon als Händler begonnen hat. Das Alleinstellungsmerkmal soll nicht der Preis, sondern der Komfort sein, den die Kunden verspüren, und der Service, den die Werft bietet. „Unsere Kunden können mit einer kleinen Tasche an Bord kommen und mit der kleinen Tasche wieder fahren, wenn sie möchten. Den Rest machen wir“, sagt Töbke. Die Werft bietet ihren Rundum-Service auch im Mittelmeer an. So sollen mögliche Reibungsverluste wegen anderer Sprachen oder Mentalitäten ausgeschlossen werden. Zur Schulung bietet Comfortina 2019 erstmals ein Sicherheitstraining in Zusammenarbeit mit dem Maritimen Kompetenzzentrum Wesermarsch in Elsfleth bei Bremerhaven an. Unter Anleitung können interessierte Kunden dort ein Wochenende lang Brandbekämpfung, Pyrotechnik, Leckabwehr und Erste Hilfe auf See üben. Mit den Comfortina Days reagiert Töbke auf die allgegenwärtigen Veränderungen im Segelsport. Lange Zeit gab es jährlich eine Regatta, den Comfortina Cup, um den die Eigner mit ihren schnellen Schiffen begeistert segelten. Doch wie bei vielen Veranstaltungen brachen auch dort die Meldezahlen ein. Zu den letzten Veranstaltungen kamen nur noch zehn bis zwölf Schiffe. „Die langjährigen Eigner werden älter, und die neuen Kunden wollen auch nicht Regattasegeln“, sagt Töbke.

Wenn sich die Zeiten ändern, müssen wir uns auch ändern, sagte sich der Geschäftsführer und modelte die Regatta zum gemütlichen Treffen um. Seit drei Jahren finden jährlich zu Pfingsten an wechselnden Standorten die Comfortina Days statt. Die Werft lädt ein zum Grillen und Biertrinken. Bisher kam man in Hørup Hav, Heiligenhafen und Strande zusammen. Und siehe da: Die Teilnehmerzahlen stiegen wieder, die Werft konnte zwischen 20 und 25 Schiffe verbuchen.

„Die Gesellschaft hat sich verändert“, sagt Niels Töbke, „und der Segelsport mit ihr. Es kommen immer mehr Quereinsteiger zum Segeln. Manchen von ihnen reicht es, zu chartern, andere wollen das eigene Schiff. Comfortina will die Marke dafür sein. Ich sehe an unserem Winterlager, dass die Generation, die alles an ihren Booten selbst macht, langsam kleiner wird. Und der Nachwuchs geht öfter in Richtung Full Service. Vielleicht bald mit Skipper. Im Mittelmeer ist das heute schon normal.“

Im Winterlager hat Comfort-Yachts derzeit 150 Boote, der Löwenanteil davon sind Comfortinas. Sie liegen verteilt auf fünf Hallen in Schleswig: am Hauptsitz samt Werkstatt und in vier weiteren. Die jüngste davon ist eine Investition in die Zukunft: Die Firma hat ein Grundstück mit viel Platz gekauft und eine beheizbare Halle neu gebaut. Stück für Stück sollen in den nächsten Jahren neue Bauten entstehen, bis der Betrieb ganz umziehen kann.

Das verteilte Lager ist mit der Zeit gewachsen, aber kein Optimalzustand. Kleinere Arbeiten können die Bootsbauer vor Ort erledigen, aber für größere Projekte müssen die Boote in die Werkstatt verholt werden. An einem Standort lässt sich besser arbeiten. In Zukunft sind mit der Bauweise der Comfortina 46 auch andere Modelle möglich. Es gibt bereits Anfragen nach größeren Segelyachten. In der Bauweise über ein Mallengerüst geht im Prinzip alles. Sogar Boote, die ganz ohne Mast auskommen.