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WERWIRDMVP?: TRUMPF WELCHER STICHT?


Basket - epaper ⋅ Ausgabe 3/2020 vom 05.02.2020

Vorjahressieger Giannis? Scoring-Monster Harden? Wunderkind Luka? Oder doch mal wieder der „King“? Das MVP-Rennen ist in dieser Saison spannend wie lange nicht, gleich eine Handvoll Spieler kämpfen um den Titel des wertvollsten Spielers der NBA. Wer hat die größten Chancen?


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Bildquelle: Basket, Ausgabe 3/2020

Schon kurze Zeit nach der größten Auszeichnung seines sportlichen Lebens will Giannis Antetokounmpo davon nichts mehr wissen. Am 24. Juni des vergangenen Jahres finden die 3. „NBA Awards“ statt, die gesamte Basketballprominenz hat sich in Santa Monica zur glamourösen Preisverleihung eingefunden. Der Höhepunkt des Abends ist die ...

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... Vergabe der MVP-Trophäe, die 2018/19 völlig verdient an den „Greek Freak“ geht. Auf der Bühne diese „Drohung“ wahr zu machen. Statistisch sind seine Bucks das beste Team der Liga, der Grieche selbst legt bei Punkten und Rebounds pro Spiel aktuell neue Karrierebestwerte auf und hat sogar den Dreier in sein Repertoire aufgenommen (5,1 Versuche pro Partie). „Ich bin, glaube ich, so ungefähr bei 60 % von dem, was ich insgesamt leisten kann“, sagte Giannis im vergangenen Sommer – eine Aussage, die den restlichen 29 Teams Schweißperlen auf die Stirn zaubern sollte. Und tatsächlich: Antetokounmpo performt in dieser Saison bislang noch konstanter als im vergangenen MVP-Jahr, führt die Bucks zu einem Blowout-Sieg nach dem anderen und verzeichnet mit 33,72 das höchste Player Efficiency Rating der Liga. Noch beeindruckender: All das gelingt ihm ohne einen zweiten Superstar, der den Fokus der Verteidigung komplett auf sich ziehen kann – Middleton ist ein All Star, aber kein Shot- Creator im klassischen Sinne. Auch am defensiven Ende des Courts ist Giannis über jeden Zweifel erhaben. Aktuell verzeichnet er über einen Block und einen Steal pro Spiel, noch faszinierender aber ist seine Fähigkeit, jede Position höchst effektiv zu verteidigen. Die Vielseitigkeit des amtierenden MVP sorgt sogar dafür, dass die Bucks ihn häufig auf der Fünf einsetzen – ist dies der Fall, finishen die Gegner am Ring gerade mal 53,6 % ihrer Würfe, ein elitärer Wert. So elitär, dass der Grieche wie im Vorjahr auch in der Diskussion um den „Defensive Player of the Year“ ein gewaltiges Wörtchen mitsprechen sollte. Rennen entschieden? So scheint das Rennen um die begehrteste individuelle Auszeichnung im Basketball bereits nach der Hälfte der laufenden Spielzeit entschieden – oder? Sicher, rein leistungstechnisch führt an Antetokounmpo als „Back to Back“- MVP eigentlich kein Weg vorbei. Doch mindestens genauso wichtig wie die sportlichen Leistungen ist den Amerikanern das Narrativ. Die letzten beiden Spieler, die den Award verteidigen konnten, hießen LeBron James und Stephen Curry. Erstgenannter gilt gemeinhin als vielleicht bester Spieler aller Zeiten, der während bricht er in Tränen aus, dankt seinem verstorbenen Vater, die Bilder gehen um die Welt. Klar, dass sich etwa zwei Wochen später bei der Präsentation des MVP in Milwaukee mehr als 20.000 Menschen in den Straßen einfinden, um ihn zu feiern. Doch als Giannis vor die Masse tritt und sich ein Mikrofon schnappt, verstummen die „MVP“-Rufe ganz schnell. „Ich bitte euch inständig, mich nach dem heutigen Tag nicht mehr MVP zu nennen“, sagt er und blickt in verdutzte Gesichter, „damit ich diesen Hunger bewahre, besser werde und dieser Stadt eine Meisterschaft schenken kann. Also bitte tut mir den Gefallen und nennt mich nicht mehr MVP – bis ich den Award im nächsten Jahr erneut gewinne.“

Rund sechs Monate später ist Milwaukees Nummer 34 dabei, diese „Drohung“ wahr zu machen. Statistisch sind seine Bucks das beste Team der Liga, der Grieche selbst legt bei Punkten und Rebounds pro Spiel aktuell neue Karrierebestwerte auf und hat sogar den Dreier in sein Repertoire aufgenommen (5,1 Versuche pro Partie). „Ich bin, glaube ich, so ungefähr bei 60 % von dem, was ich insgesamt leisten kann“, sagte Giannis im vergangenen Sommer – eine Aussage, die den restlichen 29 Teams Schweißperlen auf die Stirn zaubern sollte.

Und tatsächlich: Antetokounmpo performt in dieser Saison bislang noch konstanter als im vergangenen MVP-Jahr, führt die Bucks zu einem Blowout-Sieg nach dem anderen und verzeichnet mit 33,72 das höchste Player Efficiency Rating der Liga. Noch beeindruckender: All das gelingt ihm ohne einen zweiten Superstar, der den Fokus der Verteidigung komplett auf sich ziehen kann – Middleton ist ein All Star, aber kein Shot- Creator im klassischen Sinne.

Auch am defensiven Ende des Courts ist Giannis über jeden Zweifel erhaben. Aktuell verzeichnet er über einen Block und einen Steal pro Spiel, noch faszinierender aber ist seine Fähigkeit, jede Position höchst effektiv zu verteidigen. Die Vielseitigkeit des amtierenden MVP sorgt sogar dafür, dass die Bucks ihn häufig auf der Fünf einsetzen – ist dies der Fall, finishen die Gegner am Ring gerade mal 53,6 % ihrer Würfe, ein elitärer Wert. So elitär, dass der Grieche wie im Vorjahr auch in der Diskussion um den „Defensive Player of the Year“ ein gewaltiges Wörtchen mitsprechen sollte.

Beim Defensive Rating liegt Giannis mit einem Wert von 96,3 ligaweit auf dem ersten Platz


Rennen entschieden?

So scheint das Rennen um die begehrteste individuelle Auszeichnung im Basketball bereits nach der Hälfte der laufenden Spielzeit entschieden – oder? Sicher, rein leistungstechnisch führt an Antetokounmpo als „Back to Back“- MVP eigentlich kein Weg vorbei. Doch mindestens genauso wichtig wie die sportlichen Leistungen ist den Amerikanern das Narrativ. Die letzten beiden Spieler, die den Award verteidigen konnten, hießen LeBron James und Stephen Curry. Erstgenannter gilt gemeinhin als vielleicht bester Spieler aller Zeiten, der während seines Miami-Engagements den wohl dominantesten Basketball seiner Karriere zeigte. Der andere ist der wohl beste Schütze der Basketballgeschichte, der das Spiel revolutioniert hat und die Liga zu dem gemacht hat, was sie 2019/20 ist.

Im Oktober und November wurde Doncic im Westen zum „Player of the Month“ gewählt


Es zeigt sich also: Um den MVP-Award tatsächlich zu verteidigen, sind im zweiten Jahr noch außergewöhnlichere Leistungen nötig als für einen Spieler, der zum ersten Mal nach diesem Titel greift. Gut möglich, dass der positionslose Giannis in diese Riege aufsteigt – garantiert ist ihm der zweite Titel trotz der aktuellen Leistung noch lange nicht.

Wird Luka der jüngste?

Denn abseits von Milwaukee gibt es noch drei weitere Profis, die sich durchaus berechtigte Hoffnungen darauf machen dürfen, nach der Saison zum wertvollsten Spieler der NBA gewählt zu werden. Der wohl faszinierendste Pick für den diesjährigen MVP heißt zweifellos Luka Doncic. „Wonderboy“ hat selbst die Herzen der amerikanischen Basketballgemeinde im Sturm erobert, performte bereits in Jahr eins auf All-Star-Level und hat den Schritt dahin nun schon nach der Hälfte der Spielzeit gemacht. Bei den ersten Voting-Returns zum Show-Spiel sahnte Luka die meisten Fan-Stimmen aller NBA-Profis ab.

Doncic wird auf Jahre hinaus Teil der MVP-Debatte sein, sie eines Tages wohl im Alleingang dominieren. Doch so absurd es klingt: Auch in der aktuellen Spielzeit gibt es bereits gute Gründe, Doncic zum jüngsten MVP der Basketballgeschichte zu wählen. Das sieht auch Warriors-Coach Steve Kerr so – und er weiß bekanntlich, was einen MVP ausmacht. „Er ist einfach ein wundervoller Basketballspieler. Er sieht die Dinge anders auf dem Feld, ist immer einen Schritt voraus. Es erinnert mich ein wenig an Larry Bird in dieser Hinsicht“, sagte der dreifache Meistercoach. „Dazu hat er ein Skillset wie James Harden mit seinen Crossovers und Stepbacks, er ist brillant und noch so jung. Er wird in den kommenden Jahren ein Eckpfeiler der NBA sein.“ Tatsächlich kommt Luka eigentlich gerade erst in der NBA an, hat bei Jordan Brand seinen ersten eigenen Schuh-Deal unterschrieben – auf dem Court sieht es jedoch so aus, als hätte Doncic all die Schritte zum echten Topstar bereits hinter sich. „Luka Magic“ weist die höchste Usage-Rate aller NBA-Profis auf, liegt zudem bei Punkten, Assists und dem Player Efficiency Rating unter den Top drei im Ligavergleich.

Zudem hält Doncic ein ohne ihn durchschnittliches Mavs-Team seit Saisonbeginn auf einem Playoff- Platz, nur die Rockets und Bucks erzielen pro Partie mehr Punkte als der Champion von 2011. So hart es aus deutscher Sicht klingt: Über Dirk Nowitzki, den größten Maverick aller Zeiten, spricht seit dieser Spielzeit in Dallas niemand mehr.

Der Wilt der Neuzeit?

Doch Doncic ist nicht der ein zige Spieler, der in dieser Spielzeit schon fast historische Leistungen zeigt. Denn: James Harden von den Houston Rockets ist dabei, die beste Scoring-Spielzeit aller Zeiten hinzulegen – Wilt Chamberlains absurde Scoring-Zahlen in den 60er-Jahren einmal außen vor. Die 38,3 Zähler pro Partie, die „The Beard“ aktuell auflegt, werden nicht einmal von Michael Jordan (37,1 PPS in der Saison 1986/87) oder Kobe Bryant (35,4 PPS, 2005/06) übertroffen. Harden ist dabei, seinen letztjährigen Schnitt von 36,1 PPS in den Boden zu stampfen. Basketballfans lieben Scoring, selbst wenn es auf die „Harden-Art“ zustande kommt – dass der MVP von 2017/18 der weltbeste Scorer im Eins-gegen-eins ist, müssen jedoch auch seine Kritiker anerkennen. Noch wichtiger als der Fakt, dass Houstons Nummer 13 zu jeder Zeit unvergleichlich heiß laufen kann, ist die Tatsache, dass Teams noch kein wirkliches Mittel gefunden haben, um Harden den Wind aus den Segeln zu nehmen. Was die anderen vier Spieler auf dem Parkett machen, ist Defenses egal, solange sie Harden irgendwie dazu bekommen, den Ball aus der Hand zu geben. Doch selbst das ist gegen „The Beard“ kein sonderlich probates Mittel. Double- Teams? Bestraft er mühelos mit dem Kick-out-Pass oder schießt einfach über sie hinweg. In der Isolation erzielt Harden 1,13 Punkte pro Ballbesitz – ein zuvor in der NBA-Historie unerreichter Wert.

Aktuell nimmt James Harden 13,9 Dreier pro Spiel – absoluter Höchstwert in der NBAGeschichte


Das Narrativ sagt: LBJ

Apropos Historie: Was LeBron James in seiner 17. NBA-Saison abliefert, ist Stoff für die Geschichtsbücher. Der „King“ führt die Liga in Assists pro Spiel an, ist der trotz Anthony Davis beste Spieler im besten Team der Western Conference. Wenn er auf dem Court steht, assistiert er bei über 50 % der Punkte seiner Mitspieler. Dadurch zeigt sich selbst mit „AD“ das Problem, das Le Bron-Teams schon immer hatten: Geht der vielleicht beste Basketballer der Welt vom Parkett, haben seine Teamkollegen Mühe, eigene Würfe zu kreieren. Dass LeBron mit 34,9 Minuten pro Spiel die wenigsten Minuten seiner Karriere spielt, macht die Leistungen des bereits vierfachen MVP noch beeindruckender.

Mit 35 Jahren wäre LeBron nach Karl Malone (35 Jahre, 284 Tage) der zweitälteste MVP aller Zeiten


So großartig Anthony Davis auch ist: Er profitiert in erster Linie auch von Playmaker LeBron, der seinerseits bereits etliche Male gezeigt hat, dass er – wenn über eine gesamte Spielzeit fit – wohl auch mit einer besseren Highschool- Mannschaft die Playoffs erreichen würde. Am anderen Ende des Courts zeigt sich der Impact von „AD“ auf LeBrons Spiel deutlicher: Seit James in Davis einen elitären Ringbeschützer hinter sich weiß, gibt auch er sich mehr Mühe, seinen Mann zu halten.

Zudem hat LBJ das eingangs erwähnten Narrativ klar auf seiner Seite. Nach dem Verpassen der Playoffs im Vorjahr von vielen schon fast abgeschrieben, legt LeBron aktuell eine Saison hin, die an seine dominantesten Cleveland- und Miami-Tage erinnert.

Giannis in Front?

Nach der ersten Saisonhälfte bahnt sich also das spannendste MVP-Rennen der vergangenen Jahre an, mit einem größeren Feld an ernst zu nehmenden Kandidaten als jemals zuvor in diesem Jahrhundert. Natürlich ist noch einiges an Basketball zu spielen, doch es scheint kaum vorstellbar, dass sich ein anderer Profinoch zu diesem Quartett hinzugesellt.

So eng, wie alle vier beieinanderliegen, wird wohl erst die zweite Saisonhälfte endgültigen Aufschluss über den Gewinner des Awards geben. Aktuell liegt wohl Vorjahressieger Giannis in Front, doch was passiert, wenn die Lakers die Bucks auch siegestech nisch irgendwann einholen? Was, wenn sich Luka und die Mavericks im so starken Westen als Überraschungsteam den Heimvorteil sichern? Und was, wenn Harden seinen Schnitt noch auf über 40 Punkte steigert? Wahrscheinlich ist das nicht, aber kann dies jemand mit Sicherheit ausschließen?

Wenn sich nach der Saison also wieder US-amerikanische und kana dische Journalisten ihre Gedanken machen, wer denn die Maurice Podoloff Trophy verdient hat, dürften sie sich also noch mehr als in den Jahren zuvor den Kopf zerbrechen. Doch egal wer die Trophäe am Ende mit nach Hause nimmt: Die individuellen Leistungen der Protagonisten sind schon jetzt anzuerkennen, den Award hätte letztlich wohl jeder irgendwie verdient. Und erst mal ausgezeichnet, muss man sich auch nicht schämen, MVP genannt zu werden. Merk dir das, Giannis!


Fotocredit: Getty Images